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Das schwarze Buch der Geheimnisse

Электронная книга - «Das schwarze Buch der Geheimnisse». Краткое содержание книги:

Unwiderstehlich gruselig: das Buch von Licht und Schatten Auf der Flucht vor seiner Vergangenheit rast Ludlow durch die Nacht, als blinder Passagier an eine Kutsche geklammert. Schließlich wird der Junge Lehrling beim Pfandleiher Joe Zabbidou, der einen besonderen Handel treibt: Er kauft Geheimnisse und trägt sie in sein schwarzes Buch ein. Aber die Dorfbewohner wollen nicht nur ihr Gewissen erleichtern, sondern sehen in Joe den Retter, der sie von dem grausamen Grundbesitzer Ratchet befreit. Bald reicht es ihnen nicht mehr, ihre Schuld zu verkaufen, und sie erwarten mehr von Joe. Doch auch Ludlow verbirgt ein Geheimnis. Das Netz um die beiden zieht sich immer enger zusammen Rätsel, Krimi, Spannung! Ein außergewöhnlicher Roman, super spannend und literarisch zugleich.
Die englische Originalausgabe erschien bei Macmillan Children’s Books, London, unter dem Titel »The Black Book of Secrets«
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»Die Verstorbene ist die Frau des Gutsherrn«, sagte er. »Sie liegt im Keller, wo es kühl ist.«

»Wie ist sie gestorben?«, fragte ich, während wir die sperrige Last mühsam die Treppe hinunterschafften.

»Schüttelfrost«, sagte er. Mitteilsamer war er nicht.

Endlich waren wir unten. Die Temperatur war hier sehr viel niedriger als oben, und ich sah die Frau des Hauses auf einem Tisch aufgebahrt. Sie sah blass aus, aber friedlich, und entgegen meinen Erwartungen zeigte sie keine äußeren Anzeichen einer Krankheit. Ich weiß nicht, woran es lag, aber plötzlich war mein Misstrauen geweckt. Sie wirkte so ruhig und entspannt, dass man schwer glauben konnte, sie sei tot, aber natürlich gab es auch keine Spur von Leben in ihr. Ein merkwürdiger Geruch hing im Raum, den ich damals der Feuchtigkeit zuschrieb.

»Wie schrecklich«, murmelte ich.

»Allerdings«, erwiderte der Doktor, und ich sah, dass er trotz der Kälte hier unten schwitzte. Er streichelte zärtlich die Hand der Toten, was mir unangebracht schien, so wie es mich überhaupt irritierte, wie besorgt er um sie war. Schließlich war sie nicht seine Frau.

»So jung und schön«, sagte er. »Der Pfarrer kommt heute Nachmittag, sie soll in der Familiengruft beigesetzt werden.«

Kaum hatten wir den Sarg abgestellt, schien es der Doktor eilig zu haben, mich zu verabschieden. »Ihr solltet Euch besser nicht länger aufhalten«, drängte er. »Das Wetter schlägt um und der Tag ist bald zu Ende. Ich möchte Euch nicht gern nachts auf der Landstraße wissen. Sie ist berüchtigt wegen ihrer Wegelagerer.«

Ich entnahm seinem Ton, dass ich länger geblieben war als erwünscht, und so brach ich unverzüglich auf. Mir kam das Wetter nicht schlechter vor als am Morgen, im Gegenteil, es schien mir sogar besser, doch war ich froh, dieses Haus hinter mir zu lassen. Meine Arbeit war gut entlohnt worden, und doch spürte ich einen nagenden Zweifel in mir, dass hier etwas nicht in Ordnung war. Der Geruch, der in diesem Keller geherrscht hatte, blieb mir tagelang in der Nase.

Ein paar Monate später hatte ich zufällig wieder in dieser Gegend zu tun. Einer spontanen Eingebung folgend bog ich an der Weggabelung zur Einfahrt des Gutshauses ab und blieb vor dem Tor stehen. Es war abgesperrt, doch durch die Stäbe sah ich, dass das Haus verschlossen und der Garten verwildert war. Am Torpfosten hing ein Schild, das Anwesen sei zu verkaufen, Interessenten sollten sich an die Makler Cruickshank und Butterworth in der Stadt wenden. Da ich ohnehin auf dem Weg in die Stadt war, ging ich in das Maklerbüro, um mich nach dem Aufenthaltsort des Gutsherrn zu erkundigen. Ich sprach mit Mr Cruickshank, einem äußerst liebenswürdigen Mann, der bereitwillig auf meine Fragen einging und mir umfassend antwortete.

»Eine merkwürdige Sache«, sagte er. »Erst stirbt die Frau und dann der Gutsherr. Nur der Sohn lebt noch. Er hat das Ganze geerbt. Er ist ins Ausland gegangen und hat uns beauftragt, den Besitz in seinem Namen zu verkaufen. Das dürfte ihm ein kleines Vermögen einbringen.«

»Es gibt einen Sohn?«, fragte ich zweifelnd.

»Ja, ein Doktor.«

»Wie ist denn der alte Herr gestorben?«, fragte ich.

»Nun, das ist eine noch merkwürdigere Geschichte. In der Nacht nachdem man die Frau beerdigt hatte, hörte der Doktor Schreie aus dem Zimmer seines Vaters. Er rannte hinauf und fand seinen Vater halb tot im Bett liegen, das Gesicht rot angelaufen, anscheinend zu keiner Bewegung mehr fähig und kaum mehr in der Lage, zu sprechen. Er sagte dem Doktor noch, er sei aufgewacht, weil seine tote Frau auf ihm kniete und ihn würgte. Kurz darauf starb er. Der Schock hat ihn umgebracht – er hatte eine schwache Konstitution, und sein Herz hielt die Belastung nicht aus. Der Sohn tut mir leid. Mit einem Schlag hat der arme Kerl Vater und Stiefmutter verloren.«

»Ihr meint, die Tote war nicht seine Mutter?«

Mr Cruickshank schüttelte den Kopf. »Seine leibliche Mutter starb, als er noch ein Junge war, und sein Vater hat wieder geheiratet. Die hübscheste Frau, die ich je gesehen habe, aber sie war fast vierzig Jahre jünger als er. Ich weiß nicht, was sie an ihm fand.«

Ich dankte Mr Cruickshank für seine Zeit und machte mich auf den Weg, noch unruhiger als vorher. Meine Neugier war befriedigt, aber meine Bedenken nicht zerstreut worden. Wie ich mir vorgenommen hatte, ging ich anschließend zum Apotheker, um eine Arznei gegen Husten zu kaufen. Kaum hatte ich den Laden betreten, überwältigte mich ein starker, unverwechselbarer Geruch, und ich blieb wie angewurzelt stehen. Es war derselbe Geruch, den ich im Keller des Gutshauses wahrgenommen hatte. Als der Apotheker die Ladenglocke bimmeln hörte, kam er aus dem hinteren Raum.

»Was ist das für ein Geruch?«, fragte ich rundheraus.

»Ah«, sagte er verschwörerisch. »Das ist ein ganz besonderes Schlafmittel, eine meiner Eigenmischungen. Hochwirksam, sehr stark. Es versetzt einen Menschen in Tiefschlaf, wobei die betreffende Person fast leblos aussieht und keinerlei Schmerzempfindung hat. Ich denke, Krankenhausärzten wird dieses Mittel bei Operationen sehr hilfreich sein.«

»Sagt mir«, fuhr ich mit klopfendem Herzen fort, »kennt Ihr einen Dr. Sturgeon?«

»Einer meiner besten Kunden«, sagte der Apotheker stolz. »Er schwört auf dieses Mittel, er sagt, es sei das beste und einzige gegen seine Schlaflosigkeit gewesen.«

Ich nahm meinen Hustensaft und machte mich schweren Herzens auf den Heimweg. Nun kannte ich das wahre Ausmaß der Täuschung, in die ich unwissentlich hineingezogen worden war. Was für ein vertrackter Plan! Nur ein teuflisches Gehirn konnte ihn ersonnen haben. Wie soll man schließlich einen Geist wegen Mordes vor Gericht bringen?

Ihr müsst wissen, Mr Zabbidou, ich stelle es mir so vor: Der junge Doktor verabreichte der Frau seines Vaters das Schlafmittel und redete seinem Vater ein, sie sei gestorben. Dann ließ er sie in dem von mir angefertigten Sarg beerdigen. Durch das Rohr konnte sie weiteratmen, und als die Wirkung des Schlafmittels nachließ und er sie in der Nacht des Beerdigungstages aus dem Grab befreite, war sie quicklebendig. So lebendig, dass sie am Bett ihres Mannes erscheinen und ihn halb erwürgen konnte – wohl wissend, dass er ein schwaches Herz hatte. Auf diese Weise erbte der Doktor nicht nur das Anwesen seines Vaters, sondern auch dessen junge Frau. Zweifellos genießen die beiden jetzt die Früchte ihrer Gottlosigkeit in einem fernen Land.

Ich kann es mir nicht verzeihen, dass ich selbst eine Rolle bei diesem Plan gespielt habe. Ihr seid der einzige Mensch, Mr Zabbidou, der davon weiß. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass sonst noch jemand dahinterkommen könnte. Die Leute sagen, man kann Euch vertrauen, und ich glaube ihnen. Ich denke, jetzt kann ich wieder schlafen.

Kapitel 27

Fragment aus den

Erinnerungen des Ludlow Fitch

Nachdem ich das Geheimnis des Sargmachers vorgelesen hatte, sahen wir uns schuldbewusst an.

»Der Arme«, sagte Polly leise. »Es war gar nicht seine Schuld.«

»Da steht noch was«, sagte ich. »Ganz unten auf der Seite.«

»Was?«

»Quae nocent docent.«

Polly sah mich verständnislos an.

»Ich glaube, das ist Latein.«

»Latein?«

»Eine andere Sprache. Joe benutzt sie manchmal. Er sagt, auf Latein kann man mit wenigen Worten mehr sagen. Und das gefällt ihm.«

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