Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
READ-E-BOOK » Прочая древняя литература » Eichmann-Syndikat. Tom Sydows fünfter Fall (German Edition)
Eichmann-Syndikat. Tom Sydows fünfter Fall (German Edition) - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Eichmann-Syndikat. Tom Sydows fünfter Fall (German Edition)

Электронная книга - «Eichmann-Syndikat. Tom Sydows fünfter Fall (German Edition)». Краткое содержание книги:

Berlin 1962. Weshalb wurde Adolf Eichmann, Organisator der sogenannten Endlösung der Judenfrage bis ins Jahr 1960 nicht enttarnt? Haben Seilschaften es verhindert? Als eine Sekretärin beim BND ermordet wird, übernimmt Hauptkommissar Tom Sydow den Fall und stößt auf eine seit 1952 bekannte, nach Südamerika führende Spur, der nicht nachgegangen wurde. Sydow muss sich jedoch nicht nur mit der Aufklärung des Falles beschäftigen, sondern auch mit der Nazivergangenheit seiner eigenen Familie.
1 ... 27 28 29 30 31 32 33 34 35 ... 51
Перейти на страницу:

Da war etwas an dieser Frau, das sie irritierte, und sie hätte zu gerne gewusst, was. An der Kleidung, dezent, unprätentiös und beinahe schlicht, konnte es nicht liegen. Ihre Schwiegermutter trug einen breitkrempigen Hut, ein dem Anlass angemessenes dunkles Kostüm mit weißer Bordüre und eine silbergraue Bluse. Sie war weder hochnäsig noch herablassend oder gar abweisend. Sie war beinahe liebenswürdig. Aber nur beinahe.

Hinter der Fassade, welche ihre Schwiegermutter zur Schau trug, verbarg sich eine andere Person. Das merkte man sofort. Tom hatte nie viel von ihr erzählt, nur dann, wenn es nicht zu umgehen war. Dass sie jedoch nicht mit offenen Karten spielte, ihre Meinung für sich behielt und darauf bedacht war, sich keine Blöße zu geben, wurde Lea recht bald klar.

»Das war Tom«, sagte Sydows Frau bei ihrer Rückkehr in den Wintergarten, von wo aus man einen ungehinderten Blick auf den Wannsee und die Ausflugsschiffe auf der Havel werfen konnte. Für die Terrasse vor der Tür war es leider zu kühl, weshalb sie den Tee lieber hier serviert hatte. »Tut mir leid, es wird ein bisschen später.«

Jede andere Mutter dieser Welt hätte jetzt ihren Unmut kundgetan. Nicht so Abigail Wentworth, die nach der Scheidung wieder ihren Mädchennamen angenommen und sämtliche Brücken, auch die zu ihren Kindern, hinter sich abgebrochen hatte. »Warum sollte es?«, gab sie mit an Nonchalance grenzender Gelassenheit zurück, nippte an ihrem Tee und verzog keine Miene. »Hauptsache, er tut seine Pflicht, oder?«

»Sagen wir es einmal so: Hauptsache, er tut das Richtige.« Das war keine Frage, sondern der untaugliche Versuch, sie aus der Reserve zu locken. Mit dieser Masche würde die Dame nicht bei ihr landen können, weshalb Lea beschloss, den Spieß umzudrehen. »Mehr kann man als Ehefrau nicht verlangen, denke ich.«

»Falls du damit auf Toms Vater anspielst, Lea: Ja, ich bin der Meinung, dass er nicht immer das Richtige getan hat. Von der Zeit nach unserer Trennung, als er die Karriereleiter hinaufgeklettert und zum Mitschuldigen geworden ist, gar nicht zu reden.«

Da sie es für das Beste hielt, sich nicht in anderer Leute Angelegenheiten zu mischen, verzog auch Lea keine Miene, schenkte Tee nach und ließ das Thema auf sich beruhen.

Ihre Taktik sollte sich prompt auszahlen. »Aber lassen wir das!«, entschied ihr Gegenüber, rückte ihre ausladende Kopfbedeckung zurecht und presste die Lippen aneinander, bis die Farbe aus ihnen wich. »Und reden wir lieber über meinen Sohn. Ist er eigentlich immer noch so schlecht auf mich zu sprechen wie früher?«

»Da musst du ihn schon selbst fragen«, konterte Lea und spielte den Ball gekonnt zurück. »Soviel ich weiß, hat er unter eurer Trennung sehr gelitten. Von dem, was er während und nach dem Krieg erlebt hat, nicht zu reden.«

Der Wink mit dem Zaunpfahl saß, wenngleich Sydows Mutter die Gelegenheit zur Revanche nicht ungenützt verstreichen ließ. »Sie war eine bildhübsche Frau«, entgegnete sie, in der Hoffnung, Lea auf dem falschen Fuß zu erwischen.

»Seine Verlobte? Das stimmt«, gab Lea zurück. »Er hat oft von ihr erzählt. Und natürlich hat er mir auch Bilder von ihr gezeigt.«

»Tatsächlich? Hat dir das nichts ausgemacht?«

Anstatt etwas zu erwidern, drehte Lea den Spieß erneut um. »Erlaubst du mir eine Frage?«, erkundigte sie sich und dachte nicht daran, die Antwort abzuwarten. »Die Trennung von deinen Kindern muss dir furchtbar schwergefallen sein. Ich frage mich, wie man so etwas verkraftet. Jahrelang ohne Nachricht, nur um bei Kriegsende zu erfahren, dass die eigene Tochter bei einem Bombenangriff … Wie gesagt: Mich wundert, wie man so etwas verarbeiten kann.«

»Genauso gut oder schlecht wie mein Herr Sohn. Und was meine Tochter angeht: Sie war Papas Kind. War es, blieb es und ist es immer gewesen.«

»Ihr Name war Agnes, nicht?« Kaum war ihr die Frage herausgerutscht, bereute Lea sie auch schon. »Verzeih, ich … Ich fürchte, das war ziemlich taktlos von mir.«

»Was heißt hier ›taktlos‹«, gab ihre Schwiegermutter zurück, wie eine Eins auf dem Rand ihres Korbsessels sitzend und die Teetasse in der feingliedrigen Hand. Eine Hand, die weder zitterte noch erkennen ließ, dass ihre Besitzerin im siebten Lebensjahrzehnt stand. »Irgendwann müssen wir schließlich darüber reden.« Als sei nichts geschehen, nippte Sydows Mutter an ihrem Tee, stellte die Tasse wieder ab und kostete von dem Mohnkuchen, den Lea gebacken hatte. »Hm – köstlich!«, rief sie aus und erweckte den Eindruck, den Faden verloren zu haben. Dass dies nicht zutraf, stellte sie prompt unter Beweis: »Offen gesagt, Lea, was Agnes betrifft, sind meine Wunden längst verheilt. Ich kann verstehen, wenn du dich jetzt wunderst, aber ich sage das nicht ohne Grund.« Bevor sie fortfuhr, nahm Sydows Mutter einen Schluck Tee zu sich. Dann sagte sie: »Zeitlebens habe ich keinen Zugang zu diesem Kind gehabt. Dabei habe ich nichts unversucht gelassen, habe getan, was in meiner Macht stand, mir Mühe gegeben, meine Tochter zu verstehen. Vergebens. Ich stand auf verlorenem Posten, von Beginn an. Da wünscht man sich nichts sehnlicher als eine Tochter – und dann dies. Glaube mir, Lea: Hätte ich gewusst, was mich erwartet, wäre es bei einem Kind geblieben. Nicht etwa, dass Agnes mir ständig Ärger bereitet hätte. Das nicht. Oder dass sie mich absichtlich ignoriert hätte. Nein, es war einfach so, dass sie auf Distanz zu mir gegangen ist, mich gemieden hat, so oft sie konnte. Kurz gesagt: Ich bin nie schlau aus ihr geworden. Und was für mich galt, traf auch auf den Rest der Familie zu. Kein Mensch, nicht einmal ihr Vater, ist imstande gewesen, sie zu durchschauen.«

»Die beiden sind grundverschieden, stimmt’s?«

»Agnes und Tom?« Ein Lächeln flog über Abigail Wentworths Gesicht. Sekundenbruchteile später war davon nichts mehr zu sehen, die Wehmut, welche in ihrer Stimme mitschwang, unter dem aufgesetzt wirkenden britischen Akzent begraben. »Das kannst du aber laut sagen. Hier das Mysterium, das niemand zu enträtseln vermochte, dort der Heißsporn, der sein Herz auf der Zunge trug. Größer hätten die Unterschiede zwischen den beiden nicht ausfallen können.«

»Das ist ja gerade das Problem.«

»Dass Thomas sagt, was er denkt, meinst du? Auf die Gefahr, des Öfteren anzuecken?«

Lea nickte.

Ihre Schwiegermutter quittierte es mit einem Lächeln. »Soll ich dir etwas verraten?«, fragte sie und leerte ihre Tasse, bevor sie sich abwandte, um einen Blick aus dem Fenster zu werfen. Ein Schauer folgte auf den nächsten, und das Ostufer blieb hinter den Regenschleiern verborgen. »Im Grunde seines Wesens ist Thomas stets ein Preuße geblieben, auch wenn er so tut, als ob Rebellenblut in seinen Adern fließt. Er hört es zwar überhaupt nicht gern, aber wenn ich ihn mir anschaue, muss ich sagen, dass er seinem Vater immer ähnlicher wird.«

»Darf ich dich um etwas bitten, Abigail?«

»Selbstverständlich, mein Kind.«

»Wenn ich du wäre, würde ich ihn nicht darauf ansprechen. Sonst geratet ihr aneinander.«

»Ich weiß.« Sydows Mutter deutete ein Nicken an, erhob sich und betrachtete die Lilien, Orchideen und den Oleander, welche in Leas Wintergarten gediehen. »Tja, so ist das nun mal. Von sich aus wäre mein Herr Sohn bestimmt nicht auf die Idee gekommen, mir Bescheid zu sagen. Danke, dass du mich verständigt hast, Lea.«

»Keine Ursache, das war doch selbstverständlich.«

»Tut mir leid, dies sagen zu müssen, aber was die Abneigung gegenüber der Mutter betrifft, steht Tom seiner Schwester in nichts nach.«

»Das redest du dir ein, Abigail.«

»Du kannst Mutter zu mir sagen, Lea.«

Sydows Frau verschlug es die Sprache. Vor ihr, genauer gesagt mit dem Rücken zu ihr, stand eine Frau, die sie vor wenigen Stunden kennengelernt und bis dato nur vom Hörensagen gekannt hatte. Kühl, distanziert und so unnahbar, hatte diese Frau dennoch kein Blatt vor den Mund genommen und ihr Dinge anvertraut, die, hätte Lea ihre Stelle eingenommen, nie und nimmer zur Sprache gekommen wären. Mit so etwas hatte sie nicht gerechnet, und während sie nach Worten rang, fiel es ihr wie Schuppen von den Augen.

1 ... 27 28 29 30 31 32 33 34 35 ... 51
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)