Das schwarze Buch der Geheimnisse
- Автор: Хиггинс Фиона Э.
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Жанр: Ужасы
Электронная книга - «Das schwarze Buch der Geheimnisse». Краткое содержание книги:
Die englische Originalausgabe erschien bei Macmillan Children’s Books, London, unter dem Titel »The Black Book of Secrets«
»Hmm«, machte Ludlow und suchte nach einer Möglichkeit, das Thema zu wechseln.
»Ich habe ein-, zweimal gelogen, als ich hier war«, sagte Polly plötzlich. »Als Joe nämlich gesagt hat, er zahlt Geld für Geheimnisse, da dachte ich, je schlimmer das Geheimnis, desto mehr Geld bekommt man vielleicht.« Hastig legte sie die Hand über ihren Mund und schüttelte den Kopf, verärgert über sich selbst. »Ich weiß gar nicht, warum ich dir das erzähle. Du darfst nicht schlecht von mir denken.« Dann lachte sie. »Hör auf, mich so anzusehen, das macht mich ganz geschwätzig!«
Wieder sah sie sich im Zimmer um, bedächtiger jetzt. »Wo ist es denn?«
»Was?« Ludlow wünschte, Polly würde ihm nicht so viele Fragen stellen.
»Das Buch der Geheimnisse. Das Buch, in das du immer reinschreibst.«
»Es ist gut versteckt«, sagte er schnell, doch ohne es verhindern zu können, huschte sein Blick zu Joes Bett hinüber. Polly sah es und war mit einem Satz dort. Ludlow stürzte ihr nach, aber nicht schnell genug. Mit der Hand fuhr Polly unter die Matratze und griff nach dem Schwarzen Buch. Sie zog es hervor, sprang aufs Bett und hielt es hoch aus Ludlows Reichweite.
»Wir schauen mal kurz rein, ja?«, sagte sie schelmisch und schwenkte das Buch über ihrem Kopf. »Da müssen doch interessante Geschichten drinstehen.«
»Nein!«, rief Ludlow verzweifelt. »Das ist verboten. Joe sagt, das ist verboten.«
Polly lachte. »Joe ist nicht da, falls du’s noch nicht gemerkt hast. Und was kann es auch schaden?«
»Nein«, sagte Ludlow, aber schon weniger überzeugt. Eigentlich schlug ja Polly etwas vor, woran er selbst schon längst gedacht hatte.
»Ich habe es Joe versprochen«, sagte er schwach.
»Joe erfährt es doch nicht«, sagte Polly eindringlich. »Und die meisten dieser Geheimnisse hast du sowieso schon gehört.«
»Nur die von Pagus Parvus.«
»Dann schauen wir uns die früheren an, die aus der Zeit vor Pagus Parvus, das sind Geheimnisse aus einem Ort, von dem wir die Leute nicht kennen. Was kann daran falsch sein?«
Ludlow fand den Vorschlag ganz vernünftig – wahrscheinlich deshalb, weil er ihn ganz vernünftig finden wollte. Er saß auf dem Bett und spürte lähmende Gewissensbisse, doch er schob sie zur Seite. Es war das erste Mal, dass Joe ihn mit dem Schwarzen Buch allein ließ, und schon war er dabei, ihn zu hintergehen. Doch wenn er ehrlich sein sollte, war er genauso gespannt auf die Geschichten wie Polly.
»Wir fangen am besten von vorn an.«
Polly nickte eifrig. »Mit der allerersten Geschichte, der ältesten.«
»Gut«, sagte Ludlow bestimmt. »Aber nicht mehr.«
»Natürlich nicht«, sagte Polly und gab Ludlow das Buch. »Fang an.«
»Ich denke, du willst darin lesen?«, sagte Ludlow und versteckte seine Hände hinter dem Rücken. Wenn er das Buch nicht anfasste, wer weiß, vielleicht würde er dann mit dem Betrug nichts zu tun haben …
»Aber ich kann doch nicht lesen, du Dummkopf«, sagte Polly nüchtern. »Wir sind hier nicht alle so gebildet wie du.«
Ludlow seufzte, aber länger mochte er die Sache nicht aufschieben, und so nahm er Polly das schwere Buch aus den Händen. Ihm wurde ein wenig schwindlig, während er es langsam aufschlug und die erste Seite glatt strich. Dann begann er zu lesen.
Kapitel 26
Auszug aus dem
Schwarzen Buch der Geheimnisse
Das Geständnis des Sargmachers
Ich heiße Septimus Stern und ich habe ein grässliches Geheimnis. Es verfolgt mich schon seit fast zwanzig Jahren. Wohin ich auch komme, überall lauert schon sein Schatten, und wenn ich am wenigsten damit rechne, stürzt es sich auf mich, quält mich wieder eine Nacht, macht meinen Hass auf mich selbst noch größer, als er schon ist.
Ich bin ein Gefangener meines Gewissens, und Ihr, Mr Zabbidou, seid meine letzte Hoffnung.
Von Beruf bin ich Sargmacher, und zwar ein guter. Im Lauf der Jahre habe ich mir landauf, landab einen Namen gemacht, und die Arbeit ging mir nie aus. Mag sein, es kommt Euch sonderbar vor, dass ich vom Unglück anderer lebe, aber ich bin kein sentimentaler Mensch, Mr Zabbidou. Ich bin überzeugt, dass ich denen helfe, die mich brauchen – ungeachtet der traurigen Begleitumstände –, und ich verdiene mein Geld redlich.
Eines Morgens im Spätherbst kam zu früher Stunde ein Fremder in meine Werkstatt. Er behauptete, er sei Arzt, und wünschte mit Dr. Sturgeon angesprochen zu werden.
»Einer meiner Patienten ist gestorben«, sagte er kummervoll. »Ich brauche einen Sarg.«
Er schien ein wenig zerfahren, aber das war nichts Ungewöhnliches. Ich sagte also, das sei mein Geschäft und ich könne ihm sicher helfen.
»Man hat mir versichert, dass Ihr ein guter Sargmacher seid«, fuhr er fort. »Ihr sollt mir etwas Besonderes machen.«
Wieder dachte ich mir nichts bei seinem Wunsch. Ich nahm an, er meinte, ich solle den Sarg mit einem luxuriösen Stoff ausstatten, Seide vielleicht, oder ich solle teureres Holz verwenden. Manchmal wurden auch Gold-oder Silbergriffe und Beschläge verlangt. Ich sagte ihm, dass ich all das schon gemacht hatte, aber er schüttelte den Kopf.
»Nein, das ist es nicht, was ich möchte. Vielleicht erinnert Ihr Euch an den Fall kürzlich, als ein junger Mann beerdigt wurde, obwohl er noch lebte. Ich möchte jedoch gleich hinzufügen, dass nicht ich ihn für tot erklärt habe. Aber sicher könnt Ihr Euch die Verzweiflung seiner Angehörigen vorstellen, als man später herausfand, dass der junge Mann vergeblich versucht hatte, sich aus dem Sarg zu befreien.«
Ich sagte Mr Sturgeon, dass ich mich allerdings an den betreffenden Fall erinnerte, denn ich hatte den Sarg geliefert. Der Tote war im Grab der Familie beigesetzt worden. Einen Monat später, als nach dem Tod eines weiteren Familienmitglieds das Grab geöffnet wurde, fand man den Sarg auf die Seite gewälzt. Der Deckel wurde geöffnet, aber es war natürlich zu spät. Die Leiche war bereits in Verwesung übergegangen, trotzdem ließ sich noch deutlich erkennen, dass die Hände des jungen Mannes nicht mehr seitlich am Körper lagen und dass sein Mund in einem schmerzvollen Ausdruck der Verzweiflung geöffnet war.
»Ich möchte sichergehen, dass eine solche Tragödie nicht noch einmal vorkommt.«
Ein verständlicher Wunsch, dachte ich und hörte zu, als er seine Vorstellungen erläuterte: Der Sarg sollte mit einem Mechanismus versehen sein, der Luft im Innern zirkulieren lässt, für den Fall, der Verstorbene würde aufwachen. Wir vereinbarten einen Preis, und da die Zeit drängte, machte ich mich sofort an die Arbeit. Es war keine schwierige Konstruktion, am Sarg musste lediglich ein bis zur Erdoberfläche reichendes Rohr befestigt werden, durch das die Luft einströmen konnte. (Der Doktor bestand darauf, die Sache geheim zu halten – möglicherweise würde sich der Pfarrer darüber aufregen, so hatte er erklärt.) Spätnachts war ich mit dem Sarg fertig. Ich lieferte ihn am nächsten Tag an die Adresse, die ich bekommen hatte, ein großer Landsitz, ein paar Reitstunden entfernt. Der Doktor öffnete selbst.
»Willkommen«, sagte er. »Der Gutsherr ist heute ein wenig unpässlich. Er hat mich gebeten, die Sache für ihn zu regeln.«
Er winkte mich herein, und wir gingen an einer offenen Tür vorbei. Als ich einen kurzen Blick hineinwarf, sah ich einen Mann, den ich für den Gutsherrn hielt, er saß reglos in einem Sessel am Fenster. Er war blass, alt und sah recht krank aus. Der Doktor untersuchte den Sarg gründlich und stellte viele Fragen hinsichtlich seiner zuverlässigen Funktion. Endlich, als er ihn für gut befunden hatte, trugen wir ihn in den Keller hinunter.