Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Krieg und Frieden - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Krieg und Frieden
1 ... 289 290 291 292 293 294 295 296 297 ... 486
Перейти на страницу:

Alpatytsch, welcher glaubte, die Frage beziehe sich auf die Abreise nach Bogutscharowo, antwortete, sie seien am 7. abgereist, begann wieder ausführlich von Wirtschaftsangelegenheiten zu sprechen und erbat sich Instruktionen.

»Befehlen Sie, daß den Truppen Hafer gegen Quittung abgelassen wird? Wir haben noch sechshundert Tschetwert übrig«, fragte Alpatytsch.

»Was soll ich ihm darauf antworten?« dachte Fürst Andrei, während er auf den in der Sonne glänzenden Kahlkopf des alten Mannes blickte und aus dem Gesichtsausdruck desselben entnahm, daß dieser sich des Unzeitgemäßen dieser Fragen selbst sehr wohl bewußt war und nur fragte, um seinen eigenen Kummer zu übertäuben.

»Ja, ja, laß nur ab«, erwiderte er.

»Wenn Sie im Garten Unordnung bemerkt haben«, sagte Alpatytsch, »so wollen Sie deswegen nicht zürnen: es war unmöglich, es zu verhüten; drei Regimenter sind hier durchgezogen und haben hier übernachtet, namentlich auch Dragoner. Ich habe die Namen und Titel der Kommandeure aufgeschrieben, um Beschwerden einzureichen.«

»Nun, und was wirst du selbst denn jetzt anfangen? Wirst du hierbleiben, wenn der Feind kommt?« fragte ihn Fürst Andrei.

Alpatytsch wandte sein Gesicht dem Fürsten Andrei zu, blickte ihn an und hob plötzlich mit feierliche Gebärde die Hände zum Himmel.

»Er ist mein Beschützer; Sein Wille geschehe!« sagte er.

Ein Haufe von Bauern und Gutsleuten kam barhäuptig über die Wiese und näherte sich dem Fürsten Andrei.

»Nun, dann leb wohl!« sagte Fürst Andrei und beugte sich zu Alpatytsch hinunter. »Geh nur auch fort und nimm mit, was du kannst; die Leute laß auf das Rjasansche Gut oder auf das bei Moskau gehen.«

Alpatytsch drückte sich gegen das Bein des Fürsten und schluchzte. Fürst Andrei schob ihn behutsam zurück, trieb sein Pferd an und galoppierte die Allee hinunter.

Auf dem Vorplatz bei den Treibhäusern saß immer noch ebenso teilnahmslos wie vorher, einer Fliege auf dem Antlitz eines teuren Verstorbenen vergleichbar, der Alte und klopfte an dem Leisten eines Bastschuhes herum, und zwei kleine Mädchen, die Kleiderschöße voll Pflaumen, die sie von den in den Treibhäusern gezogenen Bäumchen abgerissen hatten, kamen von dort gelaufen und stießen gerade auf den Fürsten Andrei. Als sie den jungen Herrn erblickten, ergriff das ältere Mädchen, auf dessen Gesicht sich der Schreck deutlich ausprägte, ihre jüngere Kameradin bei der Hand und versteckte sich mit ihr hinter einer Birke, ohne sich Zeit zu nehmen, einige dabei hingefallene grüne Pflaumen aufzusammeln.

Mit ängstlicher Eile wendete sich Fürst Andrei von ihnen ab, damit sie nicht merken möchten, daß er sie gesehen hatte. Diese hübsche ältere Kleine, die einen solchen Schreck bekommen hatte, tat ihm leid. Er fürchtete sich, sie anzusehen, hatte aber gleichzeitig ein unwiderstehliches Verlangen, es zu tun. Ein neues, tröstliches, beruhigendes Gefühl war über ihn gekommen, als er beim Anblick dieser Mädchen die Existenz anderer, ihm völlig fremder und doch ebenso berechtigter menschlicher Interessen erkannt hatte, wie es diejenigen waren, die ihn beschäftigten. Diese beiden kleinen Mädchen hatten offenbar nur den einen leidenschaftlichen Wunsch, diese grünen Pflaumen davonzutragen und aufzuessen, ohne dabei ertappt zu werden, und Fürst Andrei wünschte mit ihnen ihrem Unternehmen ein gutes Gelingen. Er konnte sich doch nicht enthalten, noch einmal nach den beiden hinzublicken. Sich bereits in Sicherheit glaubend, sprangen sie aus ihrem Versteck hervor, und mit den hellen Stimmchen lustig zwitschernd und die Kleiderschöße in die Höhe haltend, liefen sie schnell und munter mit ihren verbrannten, nackten Füßchen durch das Gras der Wiese dahin.

Fürst Andrei hatte es als eine Erfrischung empfunden, daß er für eine Weile aus dem Bereich des Staubes der großen Landstraße, auf der die Truppen marschierten, herausgekommen war. Aber nicht weit von Lysyje-Gory bog er wieder in die große Straße ein und erreichte sein Regiment an einem Rastplatz, bei dem Damm eines kleinen Teiches. Es war zwei Uhr nachmittags. Die Sonne, ein roter Ball in dem Staub, brannte und stach unerträglich auf dem Rücken durch den schwarzen Rock hindurch. Der Staub, der sich noch nicht vermindert hatte, schwebte unbeweglich über den lagernden Truppen, deren Redegesumm weithin zu hören war. Kein Lüftchen rührte sich. Als Fürst Andrei auf den Damm ritt, wehte ihm vom Teich her eine leise Kühlung und der Geruch von Schlamm und Wasserpflanzen entgegen. Ein Verlangen zu baden kam ihm an, mochte das Wasser auch noch so schmutzig sein. Er blickte nach dem Teich hin, von welchem Geschrei und Gelächter herübertönte. Der kleine, trübe, mit grünen Wasserpflanzen durchwachsene Teich war augenscheinlich um einen Fuß gestiegen und überflutete den Damm, weil er ganz voll war von einer Menge nackter, weißer, darin umherplätschernder Soldatenleiber mit ziegelroten Händen, Gesichtern und Hälsen. All dieses nackte, weiße Menschenfleisch plätscherte unter Lachen und Kreischen in dieser schmutzigen Pfütze umher, wie Karauschen, die in eine Gießkanne zusammengepfercht sind. Dieses Plätschern zeugte von Frohsinn und Heiterkeit und machte eben dadurch einen um so schmerzlicheren Eindruck.

Ein junger, blonder Soldat von der dritten Kompanie (Fürst Andrei kannte ihn sogar), mit einem kleinen Riemen unterhalb der Wade, bekreuzte sich und trat dann ein paar Schritte zurück, um einen ordentlichen Anlauf zu nehmen und sich ins Wasser zu stürzen; ein anderer, ein schwarzhaariger, immer strubbliger Unteroffizier, stand bis über die Hüften im Wasser, zuckte wohlig mit dem muskulösen Körper und prustete vergnügt, indem er sich mit seinen schwarzbehaarten Händen Wasser über den Kopf schüttete. Man hörte, wie die Soldaten einander klatschende Schläge versetzten, kreischten und juchzten.

An den Ufern und auf dem Damm und im Teich, überall sah man weißes, gesundes, muskulöses Fleisch. Der rotnasige Offizier Timochin trocknete sich auf dem Damm mit einem Handtuch ab und genierte sich, als er den Fürsten erblickte; indes entschloß er sich doch, ihn anzureden.

»Das tut wohl!« sagte er. »Euer Durchlaucht sollten es auch tun!«

»Es ist gar zu schmutzig«, erwiderte Fürst Andrei, die Stirn runzelnd.

»Wir werden es sofort für Sie reinigen.« Und noch nicht angekleidet lief Timochin hin, um die Reinigung anzuordnen.

»Der Fürst will baden.«

»Welcher? Unser Fürst?« fragten mehrere Soldaten, und alle gerieten so in Hast und Eifer, daß Fürst Andrei sie nur mit Mühe beruhigen konnte. Es war ihm der Gedanke gekommen, sich lieber in der Scheune des Müllers mit Wasser zu begießen.

»Menschenfleisch, chair à canon, Kanonenfutter!« dachte er, als er seinen eigenen nackten Körper ansah, und schauderte zusammen, nicht sowohl vor Kälte, als vielmehr infolge eines ihm selbst nicht recht verständlichen Widerwillens und Schreckens, den er beim Anblick dieser gewaltigen Menge von Menschenleibern, die in dem schmutzigen Teich umherplätscherten, empfunden hatte.

Am 7. August schrieb Fürst Bagration von seinem an der Smolensker Landstraße gelegenen Marschquartier Michailowka aus den folgenden Brief:

»Gnädiger Herr Graf Alexei Andrejewitsch!«

(Er schrieb an Araktschejew, wußte aber, daß auch der Kaiser seinen Brief lesen werde, und überlegte daher, soweit er dazu imstande war, jedes seiner Worte.)

»Ich meine, der Minister wird bereits berichtet haben, daß Smolensk dem Feind überlassen ist. Es ist schmerzlich und tief betrübend, daß man einen so wichtigen Platz ohne zwingenden Grund aufgegeben hat, und die ganze Armee ist darüber in Verzweiflung. Ich meinerseits habe den Minister persönlich und zuletzt auch schriftlich auf das allerdringlichste gebeten; aber nichts vermochte Eindruck auf ihn zu machen. Ich schwöre Ihnen bei meiner Ehre, daß Napoleon sich in einer solchen Sackgasse befand, wie nie vorher, und daß er Smolensk nicht hätte nehmen, wohl aber die Hälfte seiner Armee verlieren können. Unsere Truppen haben sich so tapfer geschlagen wie nie vorher und werden das auch künftig tun. Ich habe mit fünfzehntausend Mann länger als fünfunddreißig Stunden standgehalten und die Feinde geschlagen; aber er hat nicht einmal vierzehn Stunden dableiben wollen. Das ist eine Schmach und Schande für unsere Armee, und er selbst täte meines Erachtens am besten, aus der Welt zu gehen. Wenn er berichtet, daß unser Verlust groß sei, so ist das eine Unwahrheit; vielleicht gegen viertausend Mann, nicht mehr, und auch das nicht; aber wenn es auch zehntausend wären, so wäre nichts darüber zu sagen … es ist eben Krieg. Aber dafür hat der Feind eine Unmenge von Leuten verloren.

1 ... 289 290 291 292 293 294 295 296 297 ... 486
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)