Kater Brown und die Klostermorde
- Автор: Sander Ralph
- Год: 2012
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие детективы
Электронная книга - «Kater Brown und die Klostermorde». Краткое содержание книги:
Ralph Sander arbeitet seit vielen Jahren als Übersetzer und Autor. Unter diversen Pseudonymen sind von ihm etliche Krimis erschienen. Nachdem er bereits eine Reihe von fiktiven samtpfotigen Helden für seine Krimis geschaffen hat, entstand mit Kater Brown zum ersten Mal eine Figur nach einem realen Vorbild: dem Sander’schen Familienkater Paulchen Panther.
Wie typisch für Wilden, sich einen Assistenten zu suchen, der noch ein paar Zentimeter kleiner war als er selbst!
Kurt Assmann räusperte sich und setzte eine wichtige Miene auf. »Dann wissen Sie von dem tragischen Unglücksfall?«, fragte er ernst. »Ich habe mich sofort auf den Weg gemacht, als mich Frau Tonger heute Vormittag anrief.«
»Ja, tragisch.« Alexandra nickte. »Und weil die Todesumstände nicht ganz klar sind und die Polizei offenbar anderes zu tun hat, stellen wir ein paar Untersuchungen an.«
»Sie? Wer sind Sie denn überhaupt?«
»Mein Kollege und ich sind Journalisten. Wir haben Wildens Leiche gefunden. Leider konnten wir Ihre Kollegen noch nicht befragen, da sie gerade eine Wanderung unternehmen und …«
Assmann schüttelte ungläubig den Kopf. »Die gehen einfach wandern und amüsieren sich, obwohl Herr Wilden tot ist? Wie pietätlos!«
Tobias räusperte sich. »Nun, wir können nicht beurteilen, wie Sie zu Herrn Wilden gestanden haben, aber nach allem, was uns zu Ohren gekommen ist, war er bei seinen anderen Mitarbeitern nicht unbedingt sehr beliebt. Wir beide sowie einige der Mönche sind auch mit ihm aneinandergeraten, weil er – mit Verlaub – sehr cholerisch auftrat.«
Der Assistent schüttelte den Kopf. »Es tut mir leid, wenn ich Ihnen da widersprechen muss, doch Herr Wilden ist ein Mann mit Weitblick. Ich würde ihn fast als Visionär bezeichnen wollen, wenn das nicht so ein abgegriffenes Wort wäre. Sehen Sie, Bernd Wilden hat immer die Gesamtheit im Blick, die sich anderen, einfachen Leuten nicht erschließt. Sie empfinden ihn als rücksichtslos. Doch Sie irren! Er ist … er … war … ein wundervoller Mensch.«
Alexandra hatte allmählich das Gefühl, eine Miniausgabe von Wilden vor sich zu haben, und verkniff sich jeden Kommentar.
»Sagen Sie«, meinte Tobias, »gibt es eigentlich jemanden, der jetzt von Wildens Tod profitiert?«
Assmann legte den Kopf schief. »Wie meinen Sie das, wenn ich fragen darf?«
»Wer erbt sein Vermögen?«
»Seine Frau, nehme ich an. Ich kenne sein Testament nicht, aber er wird seine Vermögenswerte wohl ihr und den Kindern vermacht haben.«
»Und in beruflicher Hinsicht? Wer steigt durch Wildens Tod auf der Karriereleiter nach oben?«
Assmann riss entsetzt die Augen auf, doch dann entspannten sich seine Züge wieder, und er schien einen Moment nachzudenken. »Das ist ein interessanter Gedanke, muss ich sagen. Von dieser Seite hatte ich das noch gar nicht betrachtet. Ich … nein, warten Sie, ich muss auf jeden Fall vorausschicken, dass ich auf den ersten Blick keinen dieser Leute für fähig halte, einen Menschen zu töten. Es sind durchweg anständige Mitarbeiter, die zwar die eine oder andere Schwäche haben, aber einen Mord? Nein, nein. Andererseits …« Er hob vielsagend die Hände. »Man schaut einem anderen Menschen immer nur vor die Stirn, nicht wahr?«
Alexandra fragte: »Könnten Sie uns ein paar Namen nennen und nach Möglichkeit auch den Grund, warum diese Leute von Wildens Tod profitieren könnten?« Sie drückte Tobias den Notizblock in die Hand, da sie mit dem Kater auf dem Arm nicht schreiben konnte. Von Assmann schien Kater Brown keine Notiz zu nehmen, jedenfalls ging sein Blick nicht ein Mal in dessen Richtung. Unwillkürlich fragte sie sich, ob das wohl etwas zu bedeuten hatte. Wusste er, dass Assmann nur ein aufgeblasener Wichtigtuer war? Ignorierte er ihn deswegen?
Der Assistent fuhr sich durchs Haar. »Wenn es darum geht, wer seinen Posten erben könnte, dann kommen Viola Dessing und Volker Kramsch infrage. Sie sind beide seit fast zwanzig Jahren im Verband, und als Bereichsleiter sind sie dem Kreisgeschäftsführer unmittelbar unterstellt. Edwin Groß wäre auch ein Kandidat. Er ist zwar erst seit fünf Jahren mit dabei, aber er leitet die Verwaltung, und damit hat er fast noch bessere Chancen, weil das ein Posten für einen Verwaltungsfachmann ist. Frank Wiesmann von der Finanzabteilung könnte auch noch infrage kommen.« Er zählte die Namen an den Fingern ab und nickte dann. »Ja, die vier.«
»Und wer hat sonst noch etwas von Wildens Tod?«, hakte Alexandra nach. »Musste vielleicht jemand um seinen Job bangen?«
Assmann lachte. »Da weiß ich fast nicht, wo ich anfangen soll. Nachdem Herr Wilden den Posten des Kreisgeschäftsführers übernommen hatte, sorgte er im Verband dafür, dass die Arbeit neu organisiert und verteilt wurde. Allein im ersten halben Jahr hat er siebzehn Verwaltungsstellen gestrichen und die Angestellten entlassen, weil sie nichts geleistet haben. Es gab drei Mitarbeiter in der Abteilung, die für die Beschaffung von Spenden zuständig waren, und die drei haben übers Jahr nicht einmal genug Spenden zusammenbekommen, um ihre eigenen Gehälter zu finanzieren. Die Buchhaltung wurde auf die halbe Mitarbeiterzahl reduziert. Die reine Erfassung der Belege wurde an eine Steuerberatungskanzlei vergeben, deren Gebührenrechnung nicht mal ein Viertel der Personalkosten ausmacht, die diese überflüssigen Mitarbeiter uns verursachen. Wenn es darum geht, wer durch Herrn Wilden seine Stelle verloren hat – und zwar zu Recht«, er zuckte mit den Schultern, »diese Leute werden sicher noch auf ihn wütend sein. Sie wollten einfach nicht einsehen, wie viel sie uns kosten. Viele von ihnen werden inzwischen sogar noch wütender sein, weil sie geklagt haben und vom Gericht die Rechtmäßigkeit der Kündigung bestätigt bekamen.«
»Vielleicht würde es ja vorerst genügen, über die Leute zu reden, die mit ihm im Klosterhotel abgestiegen sind«, entgegnete Alexandra. »Die anderen werden wohl nicht so über Wildens Aktivitäten auf dem Laufenden sein, um ein Attentat in der Eifel planen zu können.«
»Oh, ach so.« Wieder nickte Assmann. »Also, Groß, Dessing, Kramsch und Wiesmann hatten wir bereits, dann wären da noch … Norbert Hellinger, dieser Exhippie, der jeden Tag in diesen albernen langen Hemden mit Batikmuster zur Arbeit erscheint, obwohl Herr Wilden ihn mehrfach aufgefordert hatte, seinem Beispiel zu folgen und mit Anzug und Krawatte ins Büro zu kommen. Hellinger hat bis vor Kurzem die Zivildienstleistenden betreut; jetzt kümmert er sich um die Leute vom Bundesfreiwilligendienst, aber … ihn brauchen wir nicht mehr lange.«
»Wieso nicht?«
»Die Freiwilligen bedeuten viel weniger Verwaltungsaufwand; den kann eine Halbtagskraft bequem erledigen. Und wenn wir einen jüngeren Bewerber einstellen, können wir noch zusätzliche Lohnkosten sparen. Hellinger ist so eine Art Klotz am Bein, eine Erblast, wenn man so will.« Kurt Assmann lachte über sein Wortspiel wie über einen guten Witz. »Seit über dreißig Jahren dabei, als der Verband noch eine staatliche Einrichtung war und das Personal nach Beamtentarif bezahlt wurde. Ihn zu kündigen würde uns unverhältnismäßig viel Geld kosten.«
»Also warten Sie, dass er … was macht? In Rente geht?«, fragte Tobias. Seine Miene ließ erkennen, dass er sich zusammenreißen musste, um nicht aus der Haut zu fahren. Alexandra fand auch, dass man so nicht von langjährigen verdienten Mitarbeitern redete – und dass man sie nicht wie eine Altlast behandelte, die man schnellstmöglich loswerden wollte.
»Nein, um ehrlich zu sein, versuchen wir, ihm die Arbeit so unerträglich wie möglich zu machen, damit er hoffentlich von sich aus kündigt und wir keine Abfindung zahlen müssen.«
»So unerträglich wie möglich?«, wiederholte Alexandra und bemühte sich um einen neutralen Tonfall. Sie brauchten Assmann. Vielleicht konnte er ihnen mit seinen Antworten weiterhelfen. Unter diesem Gesichtspunkt war es nicht möglich, ihm zu zeigen, wie sehr sie ihn verachtete. Aber vielleicht ergab sich diese Gelegenheit ja noch … »Heißt das, er muss bei Wind und Wetter auf dem Hof arbeiten? Oder wie muss ich mir das vorstellen?«
»Das wäre sicher wirkungsvoller, doch wenn er dann krankfeiert, haben wir ja auch nichts davon.« Assmann seufzte. »Nein, nein. Erst haben wir sein Büro mit einer anderen Abteilung zusammengelegt, die den ganzen Tag Publikumsverkehr hat, sodass er schon mal keine ruhige Kugel mehr schieben kann. Dann haben wir die Räume neu zugeteilt und seinen Schreibtisch in eine winzige Kammer gestellt, während die Akten im Nebengebäude in den dritten Stock ausgelagert worden sind. Nun muss Hellinger für jeden Vorgang zwei Etagen runtergehen, den Hof überqueren und drei Etagen hochsteigen. Und dann natürlich das Ganze noch mal in umgekehrter Reihenfolge.« Wildens Assistent grinste. »Es hat ihn ziemlich mürbe gemacht, aber er ist ein verdammt zäher Bursche. Ich weiß noch nicht, was wir als Nächstes versuchen.« Er zuckte unschlüssig mit den Schultern. »Okay, wen haben wir noch? Anna Maximilian aus der Buchhaltung … Nein, mit der gibt es keine Probleme. Tina Wittecker vom Mahlzeitendienst ist ein anderes Thema. Sie ist völlig uneinsichtig, was notwendige Rationalisierungen angeht.«