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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Vater!« schrie er. »Ich bin hier drüben!«

Tam wirbelte herum, rannte dann aber nicht auf Rand zu, sondern in einem Winkel von ihm weg. »Renn, Junge!« schrie er und deutete mit dem Schwert auf etwas vor ihm. »Versteck dich!« Ein Dutzend riesiger Gestalten hetzte ihm nach. Grelle Schreie und schrilles Heulen brachten die Luft zum Erzittern.

Rand zog sich in den Schatten hinter der Scheune zurück. Er konnte dort vom Haus aus nicht gesehen werden, falls noch weitere der Kreaturen sich dort aufhielten. Zumindest im Moment war er sicher. Aber Tam nicht. Tam, der sich bemühte, diese Monster von ihm abzulenken. Seine Hände verkrampften sich um den Stiel der Hacke, und er mußte die Zähne zusammenbeißen, um ein plötzliches Lachen zu verhindern. Ein Hackenstiel. Wenn er einer dieser Kreaturen mit dem Stiel einer Hacke gegenüberstand, ähnelte das nicht mehr seinen Stabkämpfen mit Perrin. Aber er konnte Tam nicht mit seinen Verfolgern alleinlassen.

»Wenn ich mich so vorsichtig bewege, als schliche ich mich an ein Kaninchen an«, flüsterte er in sich hinein, »dann können sie mich niemals hören oder sehen.« Die unheimlichen Schreie hallten in der Dunkelheit wider, und er versuchte zu schlucken. »Klingt eher nach einem Rudel verhungernder Wölfe.« Lautlos glitt er aus dem Schatten der Scheune auf den Wald zu. Sein Griff um den Stiel war so verkrampft, daß die Hände schmerzten. Zuerst fühlte er sich wohler, als die Bäume ihn umgaben. Sie halfen ihm, sich vor den Kreaturen zu verstecken. Als er aber weiter durch den Wald schlich, zerflossen und bewegten sich die Schatten, die der Mond warf, und mit ihnen schien sich die Dunkelheit des Waldes zu verändern und ebenfalls zu bewegen. Bäume ragten bösartig über ihm auf; Äste schienen nach ihm zu greifen. Aber waren das nur Bäume und Äste? Er konnte beinahe das knurrende, glucksende Lachen hören, das sie unterdrückten, während sie auf ihn warteten. Das Heulen von Tams Verfolgern war nicht mehr zu hören, doch in der darauffolgenden Stille schrak er jedesmal zusammen, wenn der Wind einen Zweig gegen den anderen schlug. Tiefer und tiefer duckte er sich und schlich immer langsamer. Er traute sich kaum zu atmen, aus Angst, daß man ihn hören könne.

Plötzlich legte sich eine Hand von hinten über seinen Mund, und ein eiserner Griff umspannte sein Handgelenk. Verzweifelt griff er mit der freien Hand über die Schulter, um den Angreifer irgendwie zu packen.

»Brich mir nicht den Hals, Junge!« kam Tams heiseres Flüstern.

Erleichterung durchflutete ihn und verwandelte seine Muskeln in Pudding. Als sein Vater ihn losließ, fiel er auf Hände und Knie und keuchte, als sei er meilenweit gerannt. Tam legte sich neben ihn, auf einen Ellenbogen gestützt.

»Ich hatte ganz vergessen, wie sehr du in den letzten Jahren gewachsen bist«, sagte Tam leise. Seine Augen bewegten sich beim Sprechen ständig. Er spähte angestrengt in die Dunkelheit hinaus. »Aber ich mußte sichergehen, daß du nicht laut sprichst. Trollocs haben ein fast ebenso gutes Gehör wie Hunde. Vielleicht sogar ein besseres.«

»Aber Trollocs sind nur...« Rand beendete den Satz nicht. Keine Gutenachtgeschichte, seit heute nicht mehr. Die Monster konnten Trollocs sein oder auch der Dunkle König selbst. Er hatte keine Ahnung. »Bist du sicher?« flüsterte er. »Ich meine — Trollocs?«

»Ich bin sicher. Was sie allerdings zu den Zwei Flüssen geführt hat... Vor dem heutigen Abend habe ich noch nie einen gesehen, aber ich habe mit Männern gesprochen, die welche kannten, also weiß ich einiges über sie. Vielleicht genug, um unser Leben zu retten. Hör genau zu! Ein Trolloc kann im Dunkeln besser sehen als ein Mensch, aber helles Licht blendet ihn, jedenfalls für eine Weile. Das war wohl der einzige Grund, warum wir so vielen von ihnen entkommen konnten. Sie können Spuren durch Geruch oder Geräusche verfolgen, aber man sagt, sie seien faul. Wenn wir ihnen lang genug davonlaufen, geben sie wahrscheinlich auf.«

Rand fühlte sich nach diesen Erklärungen kaum besser. »Den Geschichten nach hassen sie Menschen und dienen dem Dunklen König.«

»Wenn irgend etwas zur Herde des Schäfers der Nacht gehört, Junge, dann sind es Trollocs. Man hat mir erzählt, daß sie aus Lust am Töten morden. Aber sonst weiß ich nichts mehr, außer daß man ihnen nicht trauen kann. Nur wenn sie Angst vor dir haben, kannst du ihnen ein bißchen trauen.«

Rand erschauerte. Er wollte nicht unbedingt jemandem begegnen, vor dem selbst Trollocs Angst hatten. »Glaubst du, sie suchen immer noch nach uns?«

»Vielleicht, vielleicht auch nicht. Sie kommen mir nicht gerade schlau vor. Sobald wir den Wald erreichten, lockte ich meine Verfolger in Richtung Gebirge. Es war nicht sehr schwer.« Tam faßte sich an die rechte Seite und hielt die Hand nahe vor das Gesicht. »Verhalte dich aber am besten so, als seien sie klug genug.«

»Du bist verletzt.«

»Sprich nicht so laut. Es ist nur ein Kratzer, und im Moment kann ich sowieso nichts tun. Wenigstens scheint das Wetter wärmer zu werden.« Er ließ sich mit einem schweren Seufzer zurückfallen. »Vielleicht wird die Nacht im Freien doch nicht so schlimm.«

Rand hatte sich auch gerade wohlig seinen Mantel und den Umhang vorgestellt. Die Bäume hielten den Wind zum Teil ab, aber was durchkam, schnitt immer noch wie ein gefrorenes Messer in ihn hinein. Zögernd berührte er Tams Gesicht und fuhr zusammen. »Du glühst ja. Ich muß dich zu Nynaeve bringen.«

»Immer mit der Ruhe, Junge.«

»Wir dürfen keine Zeit verschwenden. Es ist ein langer Weg in dieser Dunkelheit.« Er kam auf die Füße und versuchte den Vater hochzuziehen. Er ließ ihn jedoch schnell zurückgleiten, als Tam ein kaum unterdrücktes Stöhnen ausstieß.

»Laß mich eine Weile ausruhen, Junge. Ich bin müde.«

Rand schlug sich mit der Faust auf die Hüfte. Hätten sie sich in der Sicherheit des Hauses befunden, mit einem Feuer im Kamin, Decken, genug Wasser und Weidenrinde, dann wäre er vielleicht gewillt gewesen, bis zum Tagesanbruch zu warten und dann Bela anzuschirren und Tam ins Dorf zu bringen. Hier gab es kein Feuer, keine Decken, keinen Karren und auch keine Bela. Das alles befand sich noch drüben im Haus. Wenn er Tam nicht hinüber tragen konnte, so konnte er doch zumindest einiges für Tam herausholen. Falls die Trollocs weg waren. Früher oder später mußten sie doch gehen.

Er sah den Hackenstiel an und ließ ihn fallen. Statt dessen zog er Tams Schwert. Die Schneide schimmerte matt im blassen Mondlicht. Der lange Griff fühlte sich in seiner Hand so eigenartig an; Gewicht und Balance waren ungewohnt. Er hieb einige Male in die Luft, bevor er mit einem Seufzer aufhörte. Es war leicht, das Schwert durch die Luft sausen zu lassen. Wenn er statt dessen einen Trolloc vor sich hatte, war die Wahrscheinlichkeit groß, daß er wegrannte oder vor Schreck erstarrte, so daß er sich überhaupt nicht bewegen konnte, bis der Trolloc mit einem dieser alten Schwerter ausholte und... Hör auf! Wem hilft das schon!

Als er sich erhob, packte Tam ihn am Arm. »Wo willst du hin?«

»Wir brauchen den Karren«, sagte er sanft. »Und Decken.« Er erschrak, als er merkte, wie leicht es war, die Hand seines Vaters vom Ärmel wegzuziehen. »Ruh dich aus, bis ich zurückkomme.«

»Vorsichtig«, hauchte Tam.

Er konnte Tams Gesicht im Mondlicht nicht erkennen, aber er fühlte seinen Blick auf sich ruhen. »Bin ich.« So vorsichtig wie eine Maus, die das Nest eines Falken inspiziert, dachte er.

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