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Pelagia und die weissen Hunde

Электронная книга - «Pelagia und die weissen Hunde». Краткое содержание книги:

Russland im ausgehenden 19. Jahrhundert: In Sawolshsk, einem kleinen russischen Provinzstädtchen, lebt und wirkt Ordensschwester Pelagia, eine aufgeweckte junge Frau, die ein für ihren Berufsstand seltenes Talent hat: Sie ist außergewöhnlich kriminalistisch begabt. So ist es kein Zufall, dass sich Pater Mitrofani, der Bischof der örtlichen orthodoxen Gemeinde, mit einer etwas ungewöhnlichen Bitte an sie wendet. Die Generalswitwe Marja Afanassjewna ist außer sich, weil man einen ihrer Hunde vergiftet hat. Bei dem Tier handelt es sich um eine weiße Bulldogge, eine sehr seltene und wertvolle Rasse, und so macht sich Pelagia auf zum Landsitz der reichen alten Dame, um den seltsamen Vorgängen auf den Grund zu gehen. Pelagias Ankunft am Ort des Verbrechens fällt mit der Anreise eines anderes Gasts zusammen: Wladimir Bubenzow, Gesandter der Petersburger Kirchenbehörde. Dieser hat einen anderen Fall aufzuklären – den grausamen Mord an zwei unbekannten Personen, deren enthauptete Leichen man ganz in der Nähe aus einem Fluss geborgen hat. Pelagia ahnt, dass es zwischen den gespenstischen Todesfällen eine geheime Verbindung gibt. . .
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»Miss Wrigley ist nicht alt«, sagte Pelagia. »Um die fünfzig.«

»Umso mehr. Es ist das Alter, wo die Kräfte allmählich nachlassen und die Angst vor dem morgigen Tag einsetzt. Jetzt wird man sie natürlich wegjagen, und zu Recht. Undank ist eine schwere Sünde und Verrat die allerschlimmste.«

»Man darf sie nicht wegjagen«, erklärte Pelagia entschlossen. »Miss Wrigley hat die Hunde nicht getötet. Als Saguljai und Sakidai vergiftet werden sollten, war das Testament noch nicht zu ihren Gunsten geändert. Ich meine, das Vermächtnis spielt hier gar keine Rolle.«

»Wieso nicht? Weshalb wollte man die alte Frau sonst ins Grab bringen? Und wer soll das Ganze ausgeheckt haben, wenn nicht die Engländerin?«

Mitrofani sah seine geistliche Tochter verwundert an. Sie hob die von der Sonne ausgebleichten rötlichen Brauen, und dann platzte sie heraus:

»Weshalb, weiß ich nicht, aber wer die Hunde umgebracht hat, weiß ich wohl.«

An der Tür klopfte es zaghaft, aber beharrlich, im unpassendsten Moment. Der Subdiakon Alexi schaute herein.

»Euer Bischöfliche Gnaden, die Gesellschaft ist im Salon versammelt und bittet Sie zu kommen. Ich habe gesagt, der Bischof ruhen aus von der Reise, aber ich soll Sie sehr bitten. Der Adelsmarschall wartet nur noch auf Sie, seine Kutsche ist schon angespannt, aber ohne Ihren Segen fährt er nicht. Vielleicht kommen Sie?«

Der Bischof ließ den Blick von Vater Alexi zu Pelagia gleiten. Auf seiner Stirn bildeten sich drei steile Falten.

»Wir werden wohl ein langes Gespräch haben, Pelagia. Jetzt komm mit in den Salon. Ich werde meiner Pflicht nachkommen, dann reden wir weiter.«

Im Salon war in der Tat die ganze Gesellschaft versammelt, und sie empfing den Bischof mit begeistertem Stimmengewirr, das vielleicht in Applaus ausgeartet wäre ohne die Achtung vor seinem hohen Rang. Bubenzow trat vor und sagte gefühlvolclass="underline"

»Ewigen Dank, Bischöfliche Gnaden, für die Tante.«

Dazu hatte er guten Grund – nun konnte er sich wieder um das Testament kümmern. Mitrofanis zufriedenes Gesicht verfinsterte sich für einen Moment (wohl bei diesem Gedanken), und er wandte sich von dem unangenehmen jungen Mann ab.

Von der anderen Seite schlich schon Selig herzu, er sagte weinerlich:

»So geht unser Leben: Blumen und Rauch und Morgentau wahrlich. Eure heilige Hand bitte, zum Kusse . . .«

»Meine Herrschaften!«, rief Krasnow laut. »Soeben wurde ein Gedicht geboren. Bitte um Gehör, Herrschaften, aus dem Stegreif. Im Stil des großen Dershawin (Gawrila Dershawin (1743-1816) - klassischer russischer Dichter. D.Ü.)! ›Ode auf die wundersame Errettung der Königin von Drosdowka, Marja Tatistschewa, aus der Todesgefahr‹.

Ich blas die jubelnde Schalmei

Und sing in aller Russen Namen

Das glückerfüllte Hosianna

Für unsrer Herrin frohe Rettung.

Vom bösen Gift der schwarzen Schlange,

Das deine undankbare Magd

Den weißen Engeln eingegeben,

Erlitten sie den tück’schen Tod.

Allein, die Vorsehung hat nicht gewollt,

Dass solche Schurkerei gelänge,

Des Bischofs Hand, sie zog entschlossen

Den gift’gen Stachel aus der Wunde.«

»Kirill Nifontowitsch!«, rief Miss Wrigley mit zitternder Stimme, unterbrach damit die Deklamation und streckte die mageren Hände nach dem Dichter aus. »Haben auch Sie sich von mir abgewandt?«

Bubenzow lächelte giftig.

»Ausgezeichnet! Der vorlaute Dieb verrät sich selbst.«

Es hatte sich ergeben, dass die Engländerin in der Mitte eines leeren Kreises stand, wie mit Absicht der allgemeinen Betrachtung preisgegeben.

»Miss Wrigley hat Großmutters Hunde wirklich nicht gemocht, aber anzunehmen, dass sie . . . Nein, undenkbar.« Pjotr schüttelte den Kopf. »Sie kennen sie ja gar nicht, Wladimir Lwowitsch. Das heißt, von außen könnte es verdächtig erscheinen, muss es sogar, aber ich kenne Miss Wrigley seit meiner frühesten Kindheit, kann mich voll für sie verbürgen und versichere Ihnen, dass diese Vermutung keinerlei Grundlage . . .«

»Sie war’s, die Engländerin, wer denn sonst«, unterbrach einer der Gäste diese wirren Versicherungen. »Solch ein Vorgehen ist irgendwie unrussisch. Nicht einfach töten, sondern einem Menschen das Herz brechen. Viel zu ausgeklügelt für einen Rechtgläubigen. Aber wozu noch reden, der Fall ist klar.«

Selig schloss sich an.

»Wer Augen hat, der sehe, wer Ohren hat, der höre.«

»Schluss mit dem Unsinn!« Naina trat zu Miss Wrigley und nahm ihre Hand. »Don’t listen to them. They do not know what they are saying. (Hören Sie nicht auf sie. Sie wissen nicht, was sie reden.)“« Naina ließ den hasserfüllten Blick von einem zum anderen gleiten. »Sie haben schon das Urteil gesprochen! Ich lasse nicht zu, dass man sie kränkt!«

Die Engländerin schluchzte und legte die Stirn dankbar an Nainas Schulter.

»Aber Naina Georgijewna, es steht nicht in Ihrer Macht, die gesetzlich vorgeschriebene Untersuchung abzuwenden«, bemerkte der Adelsmarschall. »Wir verstehen natürlich Ihre Gefühle und achten sie, doch ob hier ein Verbrechen vorliegt und wer dafür verantwortlich ist, soll die Polizei untersuchen. Nach meiner tiefen Überzeugung hat ein Verbrechen stattgefunden, und es ist als Mordanschlag zu werten. Ich bin sicher, dass das Geschworenengericht so entscheiden wird.«

»Katorga?«, piepste Miss Wrigley entsetzt und sah sich gehetzt um. »Sibirien?«

»Dachten Sie Brighton?«, antwortete böse der Adelsmarschall, stolz auf seine Kenntnis europäischer Badeorte.

Die Engländerin senkte den Kopf und weinte leise, sie hoffte wohl auf nichts mehr. Naina, hochrot vor Unmut, legte ihr den Arm um die Schultern und flüsterte tröstlich auf sie ein, aber Miss Wrigley sagte immer wieder bitter:

»Nein, nein, ich bin hier eine Fremde, the Jury will condemn me (Die Geschworenen werden mich verurteilen.) . . .«

Schwester Pelagia, der die klägliche Szene das Herz zerriss, sah den Bischof flehend an. Der nickte beruhigend. Er klopfte mit dem Krummstab auf den Fußboden, räusperte sich, und sofort verstummten alle und wandten sich ehrfurchtsvoll ihm zu.

»Lasst diese Frau in Ruhe«, dröhnte er. »Sie ist unschuldig.«

»Aber das Testament, Euer Bischöfliche Gnaden?« Der Adelsmarschall breitete die Arme aus. »Das oberste Prinzip lautet doch: cui bono (Wem nützt es).«

»Graf Gawriil Alexandrowitsch.« Der Bischof drohte ihm belehrend mit dem Finger. »Piroggen backen ist Sache des Bäckers, und Ihre Sache ist es, sich um Ihre Adligen zu kümmern, nicht aber Ermittlungen anzustellen, wofür Sie, nicht böse sein, keinerlei Voraussetzungen mitbringen.«

Der Adelsmarschall lächelte verlegen, und Mitrofani sprach ruhig weiter:

»Es ist unrecht, die Versicherungen der beiden jungen Leute, die diese Frau fast seit ihrer Geburt kennen, in den Wind zu schlagen. Wenn Ihnen das aber nicht genügt, dann bitte: Als der erste Hund getötet wurde, war das Testament noch gar nicht auf Miss Wrigley umgeschrieben. Na, Gawriil Alexandrowitsch, wo bleibt da Ihr cui bono?«

»Tja, das stimmt!« Poggio knackte respektlos mit den Fingern. »Der Bischof ist ja scharfsinnig.«

Der nun gänzlich konfuse Adelsmarschall breitete wieder die Arme aus.

»Aber erlauben Sie mal, wer hat dann die Hunde umgebracht? Oder soll das geheim bleiben?«

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