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Kerker und Ketten

Электронная книга - «Kerker und Ketten». Краткое содержание книги:

Der Pfeifer und seine Freunde quälen sich in den Steinbrüchen von El Mengub. Schon haben sie den sicheren Tod vor Augen, da dürfen sie neue Hoffnung schöpfen: die Piratin Marina, in schmerzlicher Haßliebe an Michel Baum gekettet, versucht, die Gefangenen zu befreien. Doch bald wird sie selbst von Sklavenhändlern verschleppt, und nun ist es an Michel, sie zu suchen. Aber der Bej von Tunis hält ihn fest, und erst eine Palastrevolution schafft ganz neue Verhältnisse. Doch Marina bleibt verschwunden.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
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Stundenlang mochten sie so gelegen und geschlafen haben, als Steve Hawbury erschrocken emporfuhr. Irgend jemand hatte ihn an der Schulter gerüttelt. Die Sonne stand schon tief im Westen.

»Ich hoffe, Ihr habt ausgeschlafen, Steve«, sagte eine muntere Stimme.

Michel stand mit seinem Begleiter vor ihm. Ojo grinste und zeigte sein schneeweißes Gebiß. Er verstand ja kein Wort Englisch.

Die völlig erschöpfte Isolde schlief wie tot. Es bedurfte einiger energischer Versuche, bis sie endlich zu sich kam und vollends wach wurde.

»Seid ihr ausgeruht?« wandte sich Michel an die beiden Geschwister.

Sie nickten.

»Gut denn! Reiten wir. Ich nehme an, daß wir die »Trueno« morgen abend erreichen werden.«

17

Nachdem sich Michel und Ojo von ihren übrigen Begleitern getrennt hatten, um gemeinsam mit dem jungen Hawbury dessen Schwester zu befreien, nahmen Kapitän Porquez, der kleine Alfonso Jardin, der seiner Herrin hündisch ergebene Guillermo und die beiden Araber unter Marinas Führung Richtung nach Nordosten, wo an der Küste die spanische Korsarengaleone ankerte.

Sie ritten unentwegt; denn sie wollten das unsichere Land, wo aus allen Ecken und Winkeln Gefahren drohten, so schnell wie möglich hinter sich bringen.

Porquez war sehr schweigsam, denn er hatte keine Lust, sich in irgendeiner Weise mit Marina anzufreunden. Er konnte nicht vergessen, daß sie es gewesen war, die seine ehemals so festgefügte Mannschaft gegen ihn aufgebracht und sich selbst zur Herrin des Schiffes gemacht hatte.

Zwar hatte der anfängliche Groll etwas nachgelassen. Er war Mann genug, um zuzugeben, daß er heute nicht mehr leben würde, wenn Marina nicht das Wagnis ihrer Befreiung aus den Steinbrüchen von El Mengub auf sich genommen hätte. Andererseits aber sagte er sich, daß sie nie nach El Mengub gekommen wären, hätte die tolle Gräfin nicht jene Meuterei angezettelt. Ähnliche Gedanken hegte wohl auch Jardin. Seine Schweigsamkeit war um so auffälliger, als er sich sonst gern stundenlang unterhielt.

Guillermo kümmerte sich nur um das Wohlergehen Marinas. Anderes schien ihm nicht am Herzen zu liegen. Die Gräfin hätte ihn wahrscheinlich mitten in die Hölle schicken können — er wäre ohne Bedenken gegangen.

Die beiden Araber unterhielten sich über ihre Zukunft. Da sich Abu Hanufa nicht mit den anderen verständigen konnte, wenn sein Steuermann nicht den Dolmetscher spielte, verzichtete er trotz seines lebhaften Temperaments auf jede Unterhaltung mit den Spaniern. Ibn Kuteiba betrachtete ihn immer noch als seinen Vorgesetzten und behandelte ihn auch so. Am Morgen des Tages, als Marina glaubte, in wenigen Stunden die Küste zu erreichen, fragte sie Kapitän Porquez unvermittelt:

»Sagt, Senor Porquez, wie wird Euch zu Mute sein, wenn Ihr jetzt die »Trueno« wiedersehen werdet?«

Dem Alten traten die Augen aus den Höhlen. Diese Frage hatte er sich selbst schon mehr als einmal gestellt. Aber über die Gefühle, die er in dieser Hinsicht hegte, ausgerechnet mit Marina zu sprechen, war denn doch eine unerhörte Zumutung. Er biß sich auf die Lippen, daß sie weiß wurden, und schwieg.

Aber die Gräfin respektierte sein Schweigen nicht. Mit einem schnellen Blick schätzte sie ihn ein.

»Seid Ihr nicht ein wenig zu empfindlich?« fragte sie wieder, »Ihr hättet jetzt ebensogut tot sein können, statt mit mir an die Küste zu reiten.«

»Schweigt«, schrie sie der Kapitän wütend an, »schweigt, wenn Ihr noch einen Funken Gefühl im Leibe habt.«

Achselzuckend wandte Marina sich ab. Sie würde ja sehen. Insgeheim hatte sie befürchtet, daß die Mannschaft vielleicht von Reue gepackt werden könnte, wenn sie den Alten wiedersah. Aber hatten die Leute ihr nicht tausend Beweise der Anhänglichkeit, ja fast der Liebe, gegeben? Jardin warf Marina finstere Blicke zu. Guillermo sagte zwar nichts; aber er wachte ängstlich, daß nicht plötzlich einer der beiden die Beherrschung verlieren und ihr ein Leid antun könnte.

So ritten sie in gespannter Stimmung ihres Weges.

Gegen Mittag verhielt Marina die Zügel. Sie befanden sich am Anfang eines Hohlweges. »Wenn wir diesen Weg durchritten haben, liegt das Mittelmeer vor uns«, sagte sie mit einem frohen Ton in der Stimme.

»Der Hohlweg verläuft ins offene Gestade. Und dort ankert die »Trueno«.Auf, verlieren wir keine Zeit!«

Ibn Kuteiba übersetzte Abu Hanufa die Worte. Dessen dunkle Augen strahlten bei der Aussicht, in Kürze wieder Planken unter die Füße zu bekommen. Mit nervösen Händen fuhr er sich ein paarmal durch den struppigen Bart.

Sie ritten in den Hohlweg ein. Er schlängelte sich wie eine enge Paßstraße durch den letzten Ausläufer des Gebirges.

Als sie eine der nächsten Biegungen erreicht hatten und gerade um die Ecke reiten wollten, scholl ihnen in spanischer Sprache ein »Halt!« entgegen.

»Was gibt es? Wer seid Ihr?« fragte Marina erstaunt. Sie hatte keinen Befehl gegeben, diesen Durchgang zur Küste zu bewachen. Ohne daß sich der Sprecher zeigte, erscholl seine Stimme wieder:

»Reitet keinen Schritt weiter, wenn euch euer Leben lieb ist. Wir schießen sofort. Sagt uns eure Namen. Andernfalls müßt ihr umkehren.«Marina gab ihrem getreuen Guillermo einen Wink. Der antwortete für sie:

»Wir gehören zur Besatzung des Schiffes, das weiter vorn in der Bucht ankert. Nun sagt endlich, was Ihr von uns wollt?«

Wieder ließ sich eine harte Stimme vernehmen, in der sogar ein wenig Überraschung mitklang:

»Ah! Dann seid ihr die Richtigen. Auf euch haben wir bereits gewartet. Ist die Frau dabei, eine gewisse Marina de Villaverde y Bielsa oder so ähnlich?«

Guillermo blickte seine Herrin fragend an. Marina überlegte einen Augenblick.

Da sahen sich die Ankömmlinge auch schon von acht Männern umringt, die ihre Gewehre im Anschlag hielten.

»Hola«, grüßte einer der Männer, »da ist ja unsere holde Kapitänin! Wir haben Glück gehabt, amigos, daß wir gleich beim erstenmal die Richtige erwischten.«

Marinas Augen weiteten sich vor Schreck. Sie erkannte den Sprecher. Es war Jose von der Besatzung. Die anderen waren ihr fremd. Sie konnten nicht von der »Trueno« stammen. Krampfhaft überlegte sie, woher diese Männer gekommen sein mochten. Da entdeckte sie, daß die meisten von ihnen Fetzen ehemaliger spanischer Uniformen trugen. Demnach konnten es nur flüchtige Soldaten der geschlagenen Armee sein.

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