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Kerker und Ketten

Электронная книга - «Kerker und Ketten». Краткое содержание книги:

Der Pfeifer und seine Freunde quälen sich in den Steinbrüchen von El Mengub. Schon haben sie den sicheren Tod vor Augen, da dürfen sie neue Hoffnung schöpfen: die Piratin Marina, in schmerzlicher Haßliebe an Michel Baum gekettet, versucht, die Gefangenen zu befreien. Doch bald wird sie selbst von Sklavenhändlern verschleppt, und nun ist es an Michel, sie zu suchen. Aber der Bej von Tunis hält ihn fest, und erst eine Palastrevolution schafft ganz neue Verhältnisse. Doch Marina bleibt verschwunden.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
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Wenn Michel geglaubt hatte, der Alte werde nicht wissen, was er damit beginnen sollte, so hatte er sich geirrt. Er war im Juwelenhandel beschlagener als irgendein noch so tüchtiger Araber. »Sayd«, begann er schüchtern, »weißt du, was du mir da gegeben hast?« Michel nickte.

»Es sind echte Steine, Sayd. Ich möchte dich nicht betrügen. Nimm sie wieder zurück. Ich kann mir dafür tausend solcher Burnusse kaufen, wie sie dein Gefährte mitgenommen hat.«

»Nun«, lachte Michel, »denk nicht nur an Geschäfte, denk auch an das Olivenöl für deine Frau, damit sie ihren Ziegenpeter heilen kann. Ich will jetzt gehen. Wir sind quitt.«

Der Jude starrte ihn sprachlos an. Dann brach es plötzlich aus ihm heraus:

»Sayd, du bist kein Janitschar--nein, das ist unmöglich--«

»Hast recht, Alter, ich bin der Flüchtling, den man sucht. Sage niemandem, wer bei dir war. Deine Kleider brauche ich, um zu entkommen. Verzeih mir. Aber ich bin in Not. Salam!« Im Nu war er auf der Straße, wo Ojo ihn bereits ungeduldig erwartete. Dieser hatte den einen der beiden Turbane auf dem Kopf. Michel riß sich die Uniform vom Leibe und warf sich den Burnus um. Den zweiten Turban schlang er ebenfalls um den Kopf.

»Bien, Senor Doktor, und was nun? Sie werden inzwischen längst die Posten informiert haben. Ihr habt Euch zu lange aufgehalten bei dem alten Juden da drin.«

»Seine Frau war krank, und so habe ich ein paar Ratschläge geben müssen, wie sie schnell — « »Sayd«, flüsterte eine Stimme hinter ihnen.

Sie fuhren herum. Ojo hatte schon wieder den Krummsäbel in der Hand. Aber es war niemand anders als der Alte, dem sie eben die Kleider weggenommen hatten.

»Sayd«, flüsterte er, »willst du aus der Stadt heraus?«

Michel entschloß sich, ihm zu vertrauen.

»Ja« gab er ebenso leise zurück.

»Dann will ich euch führen. Wir Juden kennen viele Schleichwege; denn wir dürfen die Stadt des Nachts nie verlassen. Wenn wir durch das Ghetto gehen, erreichen wir die Freiheit, ohne mit einem Posten zusammenzustoßen. Wollt ihr mir vertrauen?«

»Ja, aber wir haben Pferde.«

Der Jude überlegte einen Augenblick.

»Es wird auch dann gehen. Wo sind die Tiere?«

»Hinter der Moschee.«

»So wartet. Ich werde sie holen.«

»Ist das nicht eine große Gefahr für dich?«

»Gott wird mir helfen.«

Es dauerte nicht lange, dann klang gedämpfter Hufschlag auf.

Ohne den Schritt zu verhalten, führte er die Pferde an ihnen vorbei und sagte leise:

»Nun folgt mir.«

Sie schritten kreuz und quer durch die Straßen. Wo sie jemandem begegneten, sagte der Jude ein Wort, das sie nicht verstanden. Es mochte hebräisch sein. Hilfsbereite Männer huschten wie Schatten vor ihnen her. Es war ein Gespenstergang. Ringsum sah man außer den Hütten nur Männer in Kaftanen mit langen, ehrwürdigen Barten.

Stunden verstrichen, so wenigstens erschien es den beiden Flüchtlingen. Dann standen sie plötzlich auf einer Lichtung.

»Die Gefahr ist überstanden, Sayd«, sagte der Führer zu Michel. »Nun reitet immer geradeaus. Der Weg führt nach Osten.«

»Ich danke dir«, meinte Michel und versuchte, noch ein paar Diamanten aus dem Säbel zu brechen.

Aber der Jude wehrte ab.

»Nein, Sayd, ich will nichts mehr von deinen Steinen. Du hast mich königlich belohnt. Euch den Weg in die Freiheit zu zeigen, war Gottes Wille. Ich bin nur Adonajs Werkzeug. Geht hin in Frieden!«

Damit war er auch schon in der Dunkelheit verschwunden.

»Sonderbarer Kauz«, murmelte Diaz Ojo und schüttelte verwundert den Kopf.

»Ein Mensch«, sagte Michel nur und stieg in den Sattel.

16

»Seid Ihr ein Europäer?« fragte Isolde Hawbury ihren schweigsamen Begleiter.

Die beiden waren bisher noch nicht zu einer Unterhaltung gekommen; denn sie ritten in gestrecktem Galopp dahin, und der Wind nahm ihnen das Wort vom Mund.

Jetzt zogen sie die Zügel an, und die ermüdeten Tiere fielen in eine langsamere Gangart.

»Yes, Engländer«, brummte der junge Mann mit verstellter Stimme.

»Weshalb seid Ihr so schweigsam?«

Der Mann hielt plötzlich sein Pferd an, beugte sich zu dem Mädchen hinüber und nahm es in die Arme.

Erschrocken stieß sie ihn zurück.

»Ihr seid kein Gentleman. Wie könnt Ihr es wagen, eine Dame zu belästigen?« Da lachte der junge Mann herzhaft auf und sagte:

»Schwesterchen, sei nicht kratzbürstig. Du wirst doch deinem Bruder einen Kuß geben? Oh, wie ich froh bin, daß wir dich aus diesem vermaledeiten Loch herausgeholt haben.«

»Steve!« schrie Isolde auf. »Steve — — Steve — — bist du es wirklich?«

»Na, hör mal, wozu soll ich dir etwas vorflunkern, Isolde? Ich bin es, so wahr mein Vater einen hartnäckigen Kopf hat, mit dem er mich unbedingt mit einer reichen Amerikanerin verheiraten wollte. Weißt du das nicht mehr, Schwesterchen?«

»Oh, Steve — — du glaubst ja nicht, wie glücklich ich bin! Ich bin so schrecklich allein gewesen die ganzenMonate hindurch, seit man mich von Vaters Seite gerissen hat.« Sie stieg vom Pferd.

»Sei nicht dumm. Kleines, wir müssen weiter. Hier können wir unmöglich rasten. Wissen wir, ob die Sache für unsere Freunde in Algier gut ausgegangen ist? Wenn nicht, dann wird es höchste Zeit, daß wir Boden gewinnen. Komm, sitz auf!«

Bald trieben sie die Pferde zu neuem Galopp an. Sie hatten noch gut fünfzehn Meilen vor sich bis zur Nordspitze des Kap Matifu.

Im Morgengrauen erreichten sie endlich die See und ritten im ersten Sonnenschein am hellen Ufer dahin. Gegen Mittag war das Ziel, die Landspitze, erreicht. Sie stiegen von den Pferden und ließen sich erschöpft hinter einer Düne nieder.

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Главный герой
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