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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Ohne ein weiteres Wort trat ich zum hinteren Ende des Wagens. Ich spürte, wie ein kleiner Ruck durch das Holz ging, als Abel die Bremse zog und abstieg, um zu mir zu treten.

Die Leiche war nicht verhüllt, wenn ihr auch jemand ein großes, einigermaßen sauberes Tuch über das Gesicht gelegt hatte. Darauf saßen reglos drei dicke Fliegen. Es nützte zwar nichts, doch ich verscheuchte sie mit meinem Handrücken. Sie erhoben sich summend und ließen sich außerhalb meiner Reichweite wieder nieder.

»Habt Ihr in der Schlacht mitgekämpft?«, fragte ich, ohne Abel MacLennan anzusehen. Er musste auf der Seite der Regulatoren gewesen sein, doch er roch nicht nach Schießpulver.

»Nein«, sagte er leise hinter mir. »Mir war nicht nach Kämpfen zumute. Ich war mit Joe Hobson, Mr. Hamilton und den anderen gekommen – doch als es so aussah, als würde es zum Kampf kommen, bin ich zur Mühle am anderen Ende des Ortes gefahren. Und als Joe dann bei Sonnenuntergang immer noch nicht aufgetaucht war … bin ich zurückgekommen«, schloss er schlicht.

»Was jetzt?«, fragte ich. Wir sprachen beide leise, als könnten wir den Schlummer des Toten stören. »Sollen wir Euch helfen, ihn zu begraben? Mein Mann –«

»Ach, nein«, unterbrach er mich leise. »Ich bringe ihn nach Hause, Mrs. Fraser. Aber ich danke Euch für die Freundlichkeit. Wenn Ihr vielleicht etwas Wasser oder etwas Essbares für die Fahrt entbehren könntet …«

»Natürlich. Wartet hier – ich hole es.«

Ich eilte zu unserem Zelt zurück und überlegte dabei, wie weit es von Alamance bis nach Drunkard’s Creek war. Vier Tage, fünf, sechs? Und die Sonne brannte so heiß, und die Fliegen … aber ich wusste, wie ein Schotte klingt, der sich etwas in den Kopf gesetzt hat, und entfernte mich ohne Widerspruch.

Ich machte einen kurzen Abstecher, um nach den beiden Männern zu sehen; sie atmeten beide. Geräuschvoll und unter Schmerzen – aber sie atmeten. Ich hatte das nasse Papier auf Mortons Verletzung durch ein Stück ölgetränktes Leinen ersetzt, das ich an den Rändern mit Honig festgeklebt hatte, so dass es die Wunde exzellent versiegelte. Es drang nichts heraus; sehr gut.

Brianna saß nach wie vor bei Roger. Sie hatte einen Holzkamm gefunden und kämmte ihm das verworrene Haar, entfernte vorsichtig Kletten und Zweige und entwirrte langsam und geduldig die Knoten. Sie sang leise vor sich hin – »Frère Jacques«. Auf dem Mieder ihres Kleides zeichneten sich feuchte Kreise ab. Sie war im Lauf des Tages ein- oder zweimal nach draußen gegangen, um den wachsenden Druck der Milch zu lindern, doch offenbar war es wieder Zeit. Auch meine Brüste schmerzten bei diesem Anblick, denn ich konnte mich an das Gefühl erinnern.

Sie hob den Kopf, und ich sah sie an. Ich fasste mir kurz an die Brust, zog eine Augenbraue hoch und wies kopfnickend zum Zelteingang. Sie nickte mir mit einem kleinen, tapferen Lächeln zu, das wohl beruhigend gedacht war, doch ich konnte die Trostlosigkeit in ihren Augen sehen. Ich ging davon aus, dass ihr klar war, dass Roger zwar möglicherweise überleben würde, er aber wahrscheinlich nie wieder singen – oder vielleicht auch nur sprechen – würde.

Ich hatte einen solchen Kloß im Hals, dass ich nichts sagen konnte; ich nickte ihr nur zu und huschte ins Freie, das Paket unter dem Arm.

Eine Gestalt trat vor mir aus der Dunkelheit, und beinahe wäre ich mit ihr zusammengeprallt. Ich bremste mich mit einem Aufschrei und hielt das Paket an meine Brust gedrückt.

»Verzeihung, Mrs. Fraser. Mir war nicht bewusst, dass Ihr mich nicht gesehen habt.« Es war der Gouverneur. Er trat noch einen Schritt weiter in den Lichtschein vor dem Zelt.

Er war allein und sah furchtbar müde aus. Die Haut in seinem Gesicht war faltig und schlaff. Er roch nach Alkohol; seine Berater und die Milizoffiziere hatten sicher auf seinen Sieg angestoßen. Doch sein Blick war klar und seine Schritte fest.

»Euer Schwiegersohn«, sagte er und richtete den Blick auf das Zelt in meinem Rücken. »Ist er –«

»Er lebt«, sagte eine sanfte, tiefe Stimme hinter dem Gouverneur. Er fuhr mit einem unterdrückten Ausruf herum, und ich riss den Kopf hoch.

Ich sah einen Schatten, der sich bewegte und Gestalt annahm, und Jamie erhob sich langsam aus der Nacht; er hatte am Fuß eines Hickorybaumes gesessen, unsichtbar in der Dunkelheit. Wie lange war er wohl schon dort?, fragte ich mich.

»Mr. Fraser.« Der Gouverneur hatte sich erschrocken, doch er biss die Zähne zusammen und hielt die Hände an seinen Seiten zu Fäusten geballt. Er war gezwungen, den Kopf zurückzulegen, um zu Jamie aufzublicken, und ich konnte sehen, dass ihm das sehr widerstrebte. Jamie konnte es ebenfalls sehen, und es war ihm offenbar vollkommen gleichgültig. Er stand dicht vor Tryon und überragte ihn. Sein Gesichtsausdruck hätte die meisten Menschen erschüttert.

Er schien auch Tryon zu erschüttern, doch er hob das Kinn, fest entschlossen zu sagen, was er sagen wollte.

»Ich bin gekommen, um mich für den Schaden zu entschuldigen, der Eurem Schwiegersohn zugefügt wurde«, sagte er. »Es war ein höchst bedauerlicher Irrtum.«

»Höchst bedauerlich«, wiederholte Jamie in ironischem Tonfall. »Und würdet Ihr mir wohl sagen, Sir, wie es zu diesem … Irrtum … gekommen ist?« Er trat einen Schritt vor, und Tryon trat automatisch einen Schritt zurück. Ich konnte sehen, wie dem Gouverneur die Hitze ins Gesicht stieg und sich sein Mund verzerrte.

»Es war ein Fehler«, sagte er mit zusammengebissenen Zähnen. »Er wurde fälschlicherweise als einer der gesetzlosen Rädelsführer der Regulatoren ausgewiesen.«

»Durch wen?« Jamies Stimme war höflich.

Auf den Wangen des Gouverneurs brannten kleine Flecken der Erregung.

»Ich weiß es nicht. Durch mehrere Männer. Ich hatte keinen Grund, ihre Aussage anzuzweifeln.«

»Ist das so. Und hat Roger MacKenzie nichts zu seiner Verteidigung gesagt? Hat er nicht gesagt, wer er war?«

Tryons untere Schneidezähne bohrten sich kurz in seine Oberlippe, dann ließen sie los.

»Das … hat er nicht.«

»Weil er gefesselt und geknebelt war, verdammt!«, sagte ich. Ich hatte ihm selbst den Knebel aus dem Mund gezogen, als Jamie ihn von dem Galgenbaum abschnitt. »Ihr habt ihn gar nicht zu Wort kommen lassen, Ihr – Ihr –«

Der Lampenschein aus dem Zelt spiegelte sich in Tryons Halsberge, einem silbernen Halbmond, den er über dem Kragen trug. Jamies Hand hob sich langsam – so langsam, dass Tryon sich eindeutig nicht bedroht fühlte – und legte sich knapp über der Halsberge ganz sanft um die Kehle des Gouverneurs.

»Lass uns allein, Claire«, sagte er. Seine Stimme klang nicht sonderlich bedrohlich; er hörte sich ganz nüchtern an. In Tryons Augen blitzte Panik auf, und er fuhr zuckend zurück. Das Licht blitzte auf seiner Halsberge.

»Ihr wagt es, Hand an mich zu legen, Sir!« Die Panik verebbte, und an ihre Stelle trat Wut.

»Oh, das tue ich, aye. So wie Ihr Hand an meinen Sohn gelegt habt.«

Ich glaubte nicht, dass Jamie tatsächlich vorhatte, dem Gouverneur etwas anzutun. Andererseits war dies alles andere als bloße Einschüchterung; ich konnte die kalte Rage in ihm spüren, konnte sie wie Eis in seinen Augen funkeln sehen. Tryon sah es auch.

»Es war ein Fehler. Und ich bin gekommen, ihn wiedergutzumachen, soweit es mir möglich ist!« Tryon ließ sich nicht Bange machen und funkelte mit zusammengekniffenem Mund in Jamies Richtung.

»Ein Fehler. Und mehr bedeutet Euch der Verlust des Lebens eines Unschuldigen nicht? Ihr mordet und verstümmelt um Eures Ruhmes willen, ohne die Zerstörung zu beachten, die Ihr hinterlasst – Hauptsache, die Liste Eurer Eroberungen verlängert sich. Wie wird es in den Depeschen aussehen, die Ihr nach England schicken werdet – Sir? Dass Ihr Kanonen auf Eure eigenen Bürger gerichtet habt, die nur mit Messern und Knüppeln bewaffnet waren? Oder wird dort stehen, dass Ihr eine Rebellion zerschlagen und die Ordnung bewahrt habt? Wird dort stehen, dass Ihr in Eurer Hast, Rache zu üben, einen Unschuldigen gehängt habt? Wird dort stehen, dass Ihr ›einen Fehler‹ gemacht habt? Oder wird dort stehen, dass Ihr Arglist bestraft und im Namen des Königs Gerechtigkeit geübt habt?«

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