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Der Graf von Sainte-Hermine

Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:

Hector de Sainte-Hermine sitzt zwischen den Stühlen: Er hat geschworen, seine Familie zu rächen, die von der Französischen Revolution ausgelöscht wurde, doch irgendwie begeistert ihn dieser Napoleon Bonaparte auch, der Frankreich nun mit großem Enthusiasmus regiert. Seine Zerrissenheit führt ihn in die entlegensten Ecken der Welt, als Freibeuter, Abenteurer und schließlich als Waffengefährte Napoleons in die Schlacht von Trafalgar. Der letzte und unvollendete Roman von Alexandre Dumas wartet mit allem auf, was man vom Großmeister der Mantel-und-Degen-Geschichten erwartet: Rasante Kampfszenarien und romantisch-sehnsüchtigen Liebesgeschichten wechseln sich ab mit politischen und philosophischen Ausführungen. Erst 1990 wurde die Manuskripte des als Fortsetzungsroman angelegten Buchs entdeckt, der französische Forscher Claude Schopp puzzelte die Einzelteile zusammen. Er versah die Erzählung dann auch mit einem Anhang, der dem scheinbar auf ewig unvollendeten Roman doch noch ein würdiges Ende setzt. Spannender Lesestoff, der bald verfilmt werden dürfte - wahrscheinlich mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
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Anfang November 1868 weilt Dumas nachweislich in Paris, vermutlich unter anderem mit der Arbeit an Hector de Sainte-Hermine beschäftigt; Alter und Krankheit zwingen ihn, seine Texte zu diktieren, wenn seine Hand so stark zittert, dass er nicht schreiben kann; die Einrichtung seines Arbeitszimmers hat die Reiseschriftstellerin Mathilde Shaw überliefert: »In seinem Arbeitszimmer hatte er sein Schlafzimmer aufgeschlagen und seine Erinnerungen an Familie und Freunde untergebracht: das Porträt seines Vaters mit den Zügen eines Mulatten, voller Energie und Tapferkeit, Aquarelle, die sein Freund Wilhelm III. von Holland ihm geschenkt hatte, als er Kronprinz war, und eine Sammlung sehr schöner alter Waffen.«   

Fortsetzung folgt (oder auch nicht)  

Bei näherer Betrachtung der einzelnen Folgen des Romans im Moniteur universel fällt auf, dass die erste Lieferung aus zweiundzwanzig Kapiteln zwischen dem 1. Januar und dem 9. Februar 1869 in täglichen Fortsetzungen erschienen ist, unterbrochen nur montags, wenn das Theaterfeuilleton an ihre Stelle trat. Das Feuilleton befand sich traditionsgemäß am Fuß der ersten und zweiten Seite (Ausnahmen bilden der 9. und 17. Januar) und vom 21. Januar an lediglich am Fuß der ersten Seite (mit Ausnahme des letzten Abdrucks, der wieder auf der ersten und der zweiten Seite stand).

Die zweite Lieferung von sechsundzwanzig Kapiteln wurde vom 16. Februar an veröffentlicht und erschien unter wiederholten und unterschiedlich langen Pausen (die längste währte vom 8. bis zum 28. April) bis zum 5. Juni 1869.

Was lässt sich daraus schließen? Wohl nichts anderes, als dass Dumas den ersten Teil oder die erste Lieferung seines neuen Romans vor Beginn der Veröffentlichung im Moniteur universel fertiggestellt hatte, während er die weiteren Lieferungen ad hoc verfassen musste und es ihm oft schwerfiel, genug Stoff für die tägliche Fortsetzung zu verarbeiten.

Die nächste Lieferung erscheint vom 6. Juni an im Moniteur universel, diesmal wieder regelmäßig, abgesehen von wenigen Unterbrechungen, die ebenso gut redaktionelle Gründe haben können wie Verzögerungen seitens des Verfassers, und endet am 30. September. Das Manuskript dieser Lieferung hatte Dumas offenbar vor seiner Abreise am 20. Juli in die Bretagne Paul Dalloz überlassen. Den Sommer will Dumas in Roscoff verbringen und dort an seinem Großen Wörterbuch der Kochkunst weiterarbeiten; in seinen eigenen Worten bricht er auf, »erschöpft von der Galeerensklavenarbeit, die seit fünfzehn Jahren nicht weniger als drei Bände im Monat hervorbringt, mit überreizter Phantasie, schmerzgeplagtem Kopf, restlos ruiniert, aber schuldenfrei«, wie er in der Vorrede zu seinem kulinarischen Kompendium erklärt.

Der Abdruck der vierten Lieferung schließt fast nahtlos an die letzte Folge der dritten Lieferung an; er beginnt am 2. Oktober und endet am 30. Oktober 1869 und wird nur am 22. und 26. Oktober ausgesetzt. Mitte September war Dumas aus Roscoff nach Paris zurückgekehrt, und es ist denkbar, dass er die vierte Lieferung in Paris geschrieben hat.

Am Fuß der letzten Folge vom 30. Oktober steht unter dem Verfassernamen: »Ende des dritten Teils (Fortsetzung folgt)«, und das letzte Kapitel (»Die Jagd auf die Banditen«) bricht mitten in der Handlung ab.

Mehr war nicht zu finden, auch wenn ich noch so argusäugig die Mikrofilme des Moniteur universel absuchte: keine Fortsetzung in den Monaten November und Dezember 1869, keine in den Monaten Januar und Februar 1870 oder zu einem späteren Zeitpunkt. Ich musste mich damit abfinden, dass es keine Fortsetzung gab, keine fünfte und sechste Lieferung.  

Andererseits gab es Briefe und Dokumente, aus denen man schließen konnte, Dumas habe auch nach dem Erscheinen der vierten Lieferung an seinem letzten Roman weitergeschrieben.

In einem ausnahmsweise datierten Brief vom 15. Januar 1870 lädt Dumas den Archivar im Marineministerium Pierre Margry zum Abendessen ein (Truthahn und Languste aus Roscoff) und bittet ihn – falls möglich -, verschiedene Unterlagen zu besorgen: »Das Manuskript des Barons Fain von 1812, Warrens Indien und Ségurs Kampagne in Russland«.[20]

Wozu benötigte er diese Werke?

Baron de Fains und Paul-Philippe Ségurs Schriften beziehen sich auf die politischen Ereignisse von 1812, den katastrophalen Russlandfeldzug Napoleons; Édouard de Warrens Bericht behandelt des Verfassers Tätigkeit als Beamter und Dolmetscher im Dienst Großbritanniens um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Indien.

Am Ende des abgebrochenen Romans haben wir mitten im 118. Kapitel den Helden Hector oder René gegen Anfang des Jahres 1807 in Kalabrien zurückgelassen. Wenn man nicht annehmen will, dass Dumas gegen alle Wahrscheinlichkeit und gegen all seine Usancen einen Zeitsprung von fünf Jahren zu machen beabsichtigte, um mit Napoleons Russlandfeldzug fortzufahren, dann darf man vermuten, dass das Ende des Erscheinens der Fortsetzungen im Moniteur universel nur eine Atempause für den Verfasser bedeutete, bevor er wieder anhob, um seinen Helden und den Roman bis zum Jahr 1812 (oder noch weiter?) zu führen.

Aus meiner Vermutung wurde Gewissheit, als ich Anfang 1990 eine verblüffende Entdeckung machte. In Maria Ullrichovàs Verzeichnis von Manuskripten Alexandre Dumas’, die seine Tochter Marie Alexandre vor ihrem Tod ihrem Freund Richard von Metternich geschenkt hatte, dem Sohn des früheren Staatskanzlers, stieß ich neben Beschreibungen der ersten Kapitel des vorliegenden Romans auch auf die Beschreibung des Fragments eines Kapitels über den Vizekönig Eugène Beauharnais und seine Bekanntschaft mit einem gewissen René im Jahr 1809 in Italien – »Der Vertrag von Campo Formio wird das Geschick der Republik Venedig entscheiden. Eugène Beauharnais wird von Napoleon zum Fürsten von Venedig ernannt. Seine Residenz ist Udine an der Ledra. Am 8. April 1809 erscheint bei ihm ein junger Offizier namens René, der Depeschen von Napoleon überbringt und ankündigt, dass Erzherzog Karl sie in wenigen Tagen angreifen werde. Beim Frühstück muss René seine abenteuerliche Lebensgeschichte erzählen. Er war Gefangener, Seemann, Reisender, Soldat, Jäger und Bandit. Er hat bei Cadiz und Trafalgar gekämpft, wurde zu Joseph Bonaparte und Murat geschickt. Neben seinen militärischen Fähigkeiten ist er sehr musikalisch und spielt vor der Prinzessin eine eigene Komposition, die von allen Anwesenden mit großem Beifall bedacht wird«[21] -, der sich entnehmen lässt, dass der Held des Romans ein neues waghalsiges Abenteuer unternimmt.

Ich war damals der einzige lebende Leser von Hector de Sainte-Hermine, aber ein treuer Leser, und ich wandte mich sofort an das Prager Archiv mit der Bitte um Kopien der entsprechenden Manuskripte, die ich einige Monate darauf erhielt.

Doch statt Licht in die Sache zu bringen, gaben diese Seiten mir neue und quälende Rätsel auf. Wenn dieses Fragment existierte, gab es dann möglicherweise noch weitere Kapitel in irgendwelchen Schubladen und ungesichteten Nachlässen oder im Besitz eifersüchtiger Sammler, die ihre Schätze mit niemandem teilen wollten – Kapitel, die beweisen konnten, dass Dumas seinen Roman zumindest bis zum Jahr der Handlung 1809 fortgesetzt hatte und bei seinem Tod im Begriff stand, die Zeitspanne zwischen 1809 und 1812 zu schildern?

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20

Agathon-Jean-François Fain: Manuscrit de l’an 1812, Paris, 1827 (der Verfasser war Staatssekretär und Archivsekretär in Napoleons geheimem Kabinett, seit 1813 Geheimsekretär des Kaisers; seine Erinnerungen umfassen die Jahre 1812, 1813 und 1814); Paul-Philippe, Graf von Ségur: Histore de Napoléon et de la grande armée pendant l’année 1812, Paris, 1824 (Ségur war Adjutant Napoleons und diente im Rußlandfeldzug als Brigadegeneral); Édouard de Warren: L’Inde anglaise en 1843 und L’Inde anglaise en 1843-44, Paris, 1844 und 1845, sowie L’Inde anglaise, avant et après l’insurrection, Paris, 1857-58 (der aus Pondicherry stammende Franzose de Warren war Beamter und Dolmetscher in britischen Diensten in Indien).

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21

Maria Ullrichovà (Hrsg.): En suivant les traces d’Alexandre Dumas père en Bohème, Prag, 1976. Im Kuriositätenkabinett von Schloss Kynsvart (Königswart) in Westböhmen, das der Familie Metternich gehörte, befinden sich aus der Schenkung der Tochter des Dichters ein Schreibtisch Alexandre Dumas’, ein Sessel, ein Spazierstock und ein Jagdgewehr sowie Gipsabgüsse seiner Hände und der Hände seiner Tochter; die Manuskripte aus allen Bereichen seiner Schriftstellertätigkeit wurden 1949 im Archiv des Schlosses entdeckt und befinden sich heute im Stádni-Ústrední-Archiv in Prag.

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