Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Dies, Monsieur, sind zwei Absätze, die uns klipp und klar sagen, dass Joséphine eine historische Persönlichkeit ist, die in allen Facetten untersucht werden muss, und dass Monsieur de Bourrienne sich ihres Geistes oder eher ihres schwachen Charakters ganz und gar bemächtigt hatte.
Lassen wir Bourrienne selbst sagen, in welchem Verhältnis er zum Ersten Konsul und auch zu Madame Bonaparte stand: »In den ersten Monaten im Tuilerienpalast schlief Bonaparte immer bei seiner Frau. Jeden Abend ging er zu Joséphine hinunter und benutzte die kleine Treppe, die in einen Ankleideraum führt, der zu einem Kabinett gehört, das früher einmal das Betzimmer der Maria von Medici war. Auch ich habe Bonapartes Schlafzimmer immer nur über diese Treppe betreten. Und er kam immer durch dieses Ankleidezimmer in unser Arbeitskabinett hinauf.«
Sie behaupten, Monsieur, es sei undenkbar, dass Bourrienne sich erlaubt hätte, morgens in Bonapartes Schlafgemach einzudringen, während Joséphine noch im Bett lag.
Sie werden noch ganz andere Dinge erfahren, die ihm nicht nur erlaubt, sondern sogar angeordnet waren: »Zu den besonderen Anordnungen, die Bonaparte mir gegeben hatte, gehört eine besonders merkwürdige. ›Kommen Sie nachts so selten wie möglich in mein Zimmer‹, hatte er gesagt. ›Wecken Sie mich nie, wenn Sie eine gute Nachricht haben. Gute Nachrichten sind nicht eilig; aber wenn es sich um eine schlechte Nachricht handelt, dann wecken Sie mich auf der Stelle, denn dann darf man keine Minute verlieren.‹«
Sie sehen also, Monsieur, dass Bourrienne sehr wohl befugt war, nachts Bonapartes Zimmer zu betreten. Folglich hatte er einen Schlüssel zu diesem Zimmer, damit er es jederzeit betreten konnte, oder aber der Schlüssel steckte in der Tür, da die Treppe zu Bonapartes Kabinett führte.
Auch diese Stelle beweist, dass er den Befehl hatte, jeden Morgen um sieben Uhr das Zimmer zu betreten: »Bonaparte schlief fest, so fest, dass er verlangte, jeden Morgen um sieben Uhr von mir geweckt zu werden. Ich betrat deshalb als Erster sein Zimmer, doch oft sagte er im Halbschlaf zu mir, wenn ich ihn weckte: ›Ach, Bourrienne, lassen Sie mich noch einen Augenblick schlafen!‹ Und wenn nichts allzu Dringendes zu erledigen war, kam ich um acht Uhr wieder.«
Bourrienne sagt unmissverständlich, dass Bonaparte nach dem ersten Jahr im Tuilerienpalast die eheliche Gepflogenheit aufgab, jede Nacht bei seiner Frau zu verbringen, und dass er bisweilen nach seinen nächtlichen Spaziergängen mit Duroc oder aus anderen Gründen in einem Junggesellenzimmer schlief, das er sich im ersten Stock hatte einrichten lassen; an diesen Tagen betrat Bourrienne, der von Bonapartes nächtlichen Eskapaden nichts wusste, morgens wie gewohnt das Schlafzimmer des Ersten Konsuls, wo er Joséphine allein vorfand.
Im Übrigen wüsste ich gern, Monsieur, ob es nicht unanständiger ist, einen Mann und eine Frau im selben Bett zu sehen, auch wenn es sich um Ehemann und Ehefrau handelt, als eine Frau allein in ihrem Bett – in einer Epoche, die eng auf die Zeit folgte, als Frauen im Bett zu empfangen pflegten und dies mit den guten Sitten durchaus in Einklang stand?
Aber gehen wir zu Joséphines Schulden über. Diese Schulden hatten für so großes Aufsehen gesorgt, dass niemand wagte, das Thema dem Ersten Konsul gegenüber anzuschneiden.
»Eines Abends gegen halb zwölf Uhr sprach Monsieur de Talleyrand dieses heikle Thema an. Sobald er gegangen war, kehrte ich in das kleine Arbeitskabinett zu Bonaparte zurück, und er sagte zu mir: ›Bourrienne, Talleyrand hat mir von den Schulden meiner Frau berichtet. Ich habe das Hamburger Geld; lassen Sie sich von ihr eine korrekte Aufstellung geben. Sie soll keine Ausflüchte machen, ich will die Sache ein für alle Mal bereinigen und nichts mehr davon hören; aber bezahlen Sie nichts, ohne mir vorher die Rechnungen dieser Halunken zu zeigen, die ein Haufen Halsabschneider sind.‹
Bis dahin hatte die Furcht vor einer lautstarken Szene, bei deren bloßer Vorstellung Joséphine in größte Ängste geriet, mich davon abgehalten, dieses unerquickliche Thema vor dem Ersten Konsul zur Sprache zu bringen; doch nachdem Monsieur de Talleyrand glücklicherweise die Initiative ergriffen hatte, beschloss ich, alles zu tun, was in meiner Macht stand, um diese unerfreuliche Sache zu beenden.
Gleich am nächsten Morgen sprach ich mit Joséphine. Zuerst machte das Vorhaben ihres Mannes sie überglücklich, doch diese Gemütsverfassung hielt nicht an. Als ich von ihr die genaue Aufstellung ihrer Schulden verlangte, beschwor sie mich, darauf nicht zu beharren, sondern mich mit dem Betrag zufriedenzugeben, den einzugestehen sie bereit war.
Nach einer weiteren Viertelstunde fruchtlosen Debattierens sah ich mich genötigt, ihren lebhaften Vorstellungen nachzugeben und ihr zu versprechen, dem Ersten Konsul nicht mehr als sechshunderttausend Francs Schulden zu gestehen.
Man kann sich den Zorn und die Übellaunigkeit des Ersten Konsuls lebhaft ausmalen; er ahnte wohl, dass seine Frau ihm etwas verheimlichte, doch er sagte zu mir: ›Wohlan, nehmen Sie sechshunderttausend Francs, aber begleichen Sie mit diesem Betrag alle Schulden, und lassen Sie mich von dieser Sache nie wieder etwas hören. Ich ermächtige Sie, den Lieferanten damit zu drohen, dass sie gar nichts bekommen, wenn sie nicht bereit sind, auf ihre übermäßigen Profite zu verzichten; sie müssen lernen, weniger leichtsinnig auf Kredit zu liefern.‹
Madame Bonaparte übergab mir all ihre Unterlagen. Die übermäßige Höhe der Preise als Folge der Befürchtung, mit erklecklicher Verspätung bezahlt zu werden und dabei erheblich heruntergehandelt zu werden, spottete jeder Beschreibung. Zudem hatte ich den Eindruck, dass in den Mengen der gelieferten Artikel gewaltig übertrieben wurde. Auf der Mahnung des Modisten fanden sich für einen Monat achtunddreißig höchst kostspielige neue Hüte; es wurden Reiherfedern für tausendachthundert Francs und Federbüsche für achthundert Francs in Rechnung gestellt. Ich fragte Joséphine, ob sie jeden Tag zwei Hüte aufsetzte; sie beteuerte, es müsse sich um einen Irrtum handeln. Die Übertreibungen des Sattlers hinsichtlich seiner Preise und für Artikel, die er niemals geliefert hatte, waren schlichtweg lächerlich. Von den übrigen Lieferanten brauche ich nicht zu sprechen: Sie waren allesamt die gleichen Halsabschneider.
Die Ermächtigung des Ersten Konsuls nutzte ich weidlich und sparte weder mit Vorwürfen noch mit Drohungen. Ich schäme mich zu sagen, dass die Mehrzahl der Lieferanten sich mit der Hälfte des verlangten Betrags zufriedengab; einer von ihnen erhielt fünfunddreißigtausend Francs statt achtzigtausend Francs und besaß die Unverfrorenheit, mir ins Gesicht zu sagen, er habe dabei einen guten Schnitt gemacht.
Zuletzt war ich so glücklich, nach heftigsten Streitigkeiten die ganze Sache mit sechshunderttausend Francs zu bereinigen. Madame Bonaparte verfiel jedoch bald wieder in die alten Unsitten. Glücklicherweise war inzwischen mehr Geld zur Hand. Diese unvorstellbare Verschwendungssucht war ursächlich für fast all ihre Kümmernisse verantwortlich; ihre unüberlegten Ausgaben sorgten für ständige Unordnung in ihrem Haushalt, was bis zu Bonapartes zweiter Eheschließung anhielt, woraufhin sie, wie ich hörte, vernünftiger wurde. Aus ihrer Zeit als Kaiserin im Jahr 1804 kann ich dergleichen nicht behaupten.«
Und vielleicht ist Ihnen nicht bekannt, Monsieur, dass ich vor bald zwei Jahren einen Prozess gewonnen habe, der für alle Verfasser historischer Romane von größter Bedeutung sein dürfte.
In meiner Studie des Wegs nach Varennes hatte ich erzählt, dass der König am Gipfel des Anstiegs, von wo aus man die ganze Stadt überblicken kann, auf eine Eskorte treffen sollte.[22] Die Dragoner waren jedoch nicht gekommen, und einer der Leibgardisten, die den König begleiteten, ging den Weg hinunter und klopfte an die Tür eines Hauses, durch dessen Fensterläden man Licht schimmern sah.
22
Diese »Plauderei« über den Fluchtversuch Ludwigs XVI. und seiner Familie im Juni 1791 erschien erstmals unter dem Titel »La Route de Varennes« zwischen Januar und April 1858 in der von Dumas geleiteten Zeitschrift Le Monte Cristo.