Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er blickte hinauf, um dessen Höhe zu taxieren. Ein Kopf sah auf ihn herab, gesichtslos in der Dunkelheit, vor dem mondhellen Himmel nur als Umriss zu erkennen. Er hatte keine Zeit, sich zu bewegen oder nachzudenken, bevor sich die Seilschlinge sanft über seinen Kopf senkte und ihm die Arme an den Körper fesselte.
Kapitel 52
Allein gelassen
River Run
Dezember 1769
Es hatte geregnet und würde auch bald wieder anfangen. Wassertropfen hingen zitternd unter den Blütenblättern der marmornen Jakobiterrosen auf Hector Camerons Grabmal, und der gepflasterte Weg war dunkel vor Feuchtigkeit.
Semper Fidelis stand darauf, unter seinem Namen und den Daten. Semper Fi. Sie war einmal mit einem Marinekadetten gegangen; er hatte es in den Ring eingravieren lassen, den er versucht hatte, ihr zu geben. Für immer treu. Und wem war Hector Cameron treu gewesen? Seiner Frau? Seinem Prinzen?
Sie hatte seit jener Nacht nicht mehr mit Jamie Fraser gesprochen. Er hatte nicht mit ihr gesprochen. Nicht seit jenem letzten Moment, in dem sie ihn im Aufruhr der Angst und Empörung angeschrien hatte: »Mein Vater hätte so etwas niemals gesagt!«
Sie konnte immer noch vor sich sehen, wie sein Gesicht ausgesehen hatte, als sie ihre letzten Worte ausspuckte; sie wünschte, sie könnte es vergessen. Er hatte sich ohne ein Wort abgewandt und das Blockhaus verlassen. Ian war aufgestanden und ihm still gefolgt; keiner von ihnen war in dieser Nacht mehr zurückgekehrt.
Ihre Mutter war bei ihr geblieben und hatte sie getröstet, sie liebkost, ihr den Kopf gestreichelt und ihr tröstende Kleinigkeiten zugemurmelt, während sie abwechselnd tobte und schluchzte. Doch noch während ihre Mutter ihren Kopf im Schoß hielt und ihr das Gesicht mit kühlen Tüchern abwischte, konnte Brianna spüren, dass sich ein Teil von ihr nach diesem Mann sehnte, ihm folgen wollte, ihn trösten wollte. Und auch das machte sie ihm zum Vorwurf.
Ihr Kopf brummte von der Anstrengung, ein steinernes Gesicht zu bewahren. Sie wagte es nicht, ihre Augen- und Kinnmuskeln zu entspannen, solange sie nicht sicher war, dass sie ganz bestimmt aufgebrochen waren; es konnte zu einfach passieren, dass sie zusammenbrach.
Und das war ihr seit jener Nacht nicht mehr passiert. Als sie sich erst einmal zusammengerissen hatte, hatte sie ihrer Mutter versichert, dass alles in Ordnung war, darauf bestanden, dass Claire schlafen ging. Sie selbst hatte bis zur Dämmerung dagesessen, Rogers Porträt vor sich auf dem Tisch, und ihre Augen hatten vor Wut und vom Holzrauch gebrannt.
Er war in der Dämmerung gekommen und hatte ihre Mutter zu sich gerufen, ohne Brianna anzusehen. In der Tür ein paar Sätze gemurmelt und ihre Mutter zurückgeschickt, um ihre Sachen zu packen, das Gesicht hohläugig vor Sorge.
Er hatte sie hierhergebracht, vom Berg herunter nach River Run. Sie hatte mit ihnen gehen wollen, hatte sofort aufbrechen und Roger suchen wollen, ohne einen Augenblick zu verlieren. Doch er war hart geblieben und ihre Mutter ebenfalls.
Es war Ende Dezember, und der Berg war tief eingeschneit. Der vierte Monat war fast vorbei; die angespannte Kurve ihres Bauches war jetzt fest und rund. Niemand konnte sagen, wie lange die Reise dauern würde, und sie sah sich widerstrebend zu dem Eingeständnis gezwungen, dass sie nicht auf einem nackten Berghang entbinden wollte. Sie hätte ihre Mutter vielleicht umstimmen können, aber nicht, wenn seine Hartnäckigkeit ihr den Rücken stärkte.
Sie lehnte sich mit der Stirn an den kühlen Marmor des Mausoleums; es war ein kalter, verregneter Tag, doch ihr Gesicht fühlte sich heiß und geschwollen an, als bekäme sie Fieber.
Sie konnte nicht aufhören, ihn zu hören, ihn zu sehen. Sein Gesicht, wutverzerrt, scharfkantig wie eine Teufelsmaske. Seine Stimme, heiser vor Wut und Verachtung, als er sie tadelte – sie tadelte –, weil er seine verdammte Ehre verloren hatte.
»Deine Ehre?«, hatte sie ungläubig gesagt. »Deine Ehre? Deine verwichste Vorstellung von Ehre ist es doch, die uns diesen ganzen Ärger eingebrockt hat!«
»So redest du nicht mit mir! Obwohl, wenn wir von Wichsen reden …«
»Ich sage, verdammt noch mal, alles, was ich will!«, brüllte sie und knallte die Faust auf den Tisch, dass die Teller klapperten.
Und das hatte sie getan. Und er ebenfalls. Ihre Mutter hatte ein- oder zweimal versucht, sie zu bremsen – bei der Erinnerung an den verstörten Blick in Claires tiefgoldenen Augen zuckte Brianna jetzt noch zusammen –, doch keiner von ihnen hatte es auch nur einen Moment beachtet, denn sie waren zu sehr auf das Gemetzel ihres gegenseitigen Verrats konzentriert.
Ihre Mutter hatte ihr einmal gesagt, sie hätte ein schottisches Temperament – schwer entzündlich, aber von langer Brenndauer. Jetzt wusste sie, wo es herkam, doch dieses Wissen half ihr nicht.
Sie lehnte ihre verschränkten Arme gegen das Grabmal, stützte ihr Gesicht darauf und roch den schwachen Schafsgeruch der Wolle. Es erinnerte sie an die handgestrickten Pullover, die ihr Vater – ihr richtiger Vater, dachte sie in einem erneuten Anfall von Trostlosigkeit – gern getragen hatte.
»Warum musstest du nur sterben?«, flüsterte sie in die Höhle aus feuchter Wolle. »Oh, warum?« Wenn Frank Randall nicht gestorben wäre, dann wäre all das nicht passiert. Er und Claire wären immer noch da, in ihrem Haus in Boston, und ihre Familie und ihr Leben wären intakt.
Doch ihr Vater war fort, und ein brutaler Fremder war an seine Stelle getreten; ein Mann, der ihr Gesicht hatte, doch ihr Herz nicht verstehen konnte, ein Mann, der ihr ihre Familie und ihr Heim genommen hatte, und ihr, als wäre das nicht genug, auch ihre Liebe und ihre Sicherheit geraubt und sie in diesem fremden, rauhen Land allein gelassen hatte.
Sie zog das Schultertuch fester und erschauerte, als der Wind durch das locker gewebte Tuch schnitt. Sie hätte einen Umhang mitbringen sollen. Sie hatte ihrer Mutter einen Abschiedskuss auf die weißen Lippen gedrückt und sich dann davongemacht, im Laufschritt durch den abgestorbenen Garten, ohne ihn anzusehen. Sie würde hier warten, bis sie sicher war, dass sie fort waren, egal, ob sie fror.
Sie hörte Schritte hinter sich auf dem gepflasterten Weg und erstarrte, obwohl sie sich nicht umdrehte. Vielleicht war es ein Dienstbote oder Jocasta, die gekommen war, um sie zum Hineingehen zu überreden.
Doch die Schritte waren so lang und kraftvoll, dass sie nur von einem Mann stammen konnten. Sie blinzelte krampfhaft und biss die Zähne zusammen. Sie würde sich nicht umdrehen, nein, das würde sie nicht.
»Brianna«, sagte er ruhig hinter ihr. Sie antwortete nicht, bewegte sich nicht.
Er machte ein leises, schnaubendes Geräusch – Verärgerung, Ungeduld?
»Ich muss dir etwas sagen.«
»Sag’s«, sagte sie, und die Worte schmerzten in ihrer Kehle, als hätte sie einen scharfkantigen Gegenstand verschluckt.
Es begann wieder zu regnen; neue Spritzer ließen den Marmor vor ihr erglänzen, und sie konnte das eisige Aufklatschen der Tropfen spüren, die ihr Haar durchdrangen.
»Ich werde ihn dir heimbringen«, sagte Jamie Fraser immer noch ruhig, »oder ich komme selbst nicht zurück.«
Sie konnte sich nicht dazu durchringen, sich umzudrehen. Sie hörte ein leises Geräusch, ein Klicken auf dem Pflaster hinter ihr und dann das Geräusch seiner Schritte, die sich entfernten. Vor ihrem tränenverschwommenen Blick gewannen die Tropfen auf den Marmorrosen an Gewicht und begannen zu fallen.
Als sie sich schließlich umdrehte, war der gepflasterte Gartenweg leer. Zu ihren Füßen lag ein zusammengefaltetes Stück Papier, regenfeucht, mit einem Stein beschwert. Sie hob es auf, hielt es zerknittert in der Hand und fürchtete sich davor, es zu öffnen.