Die Pflicht zu schweigen
- Автор: Шелдон Сидни
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Die Pflicht zu schweigen». Краткое содержание книги:
Über den Autor
Sidney Sheldon, geboren 1917, war ein absolutes Phänomen in der internationalen Buchwelt. Erst mit fünfzig schrieb er seinen ersten Roman Das nackte Gesicht. Seither sind von zahlreiche Bücher erschienen, jedes ein Weltbestseller, jedes in viele Sprachen übersetzt und alle verfilmt. Sidney Sheldon lebte abwechselnd in Los Angeles, Palm Springs und London. 2007 verstarb der Autor.
Ungekürzte Ausgabe Titel der Originalausgabe: Nothing Lasts Forever Originalverlag: William Morrow and Company, Inc., New York
Honey hatte in ihrem Leben erst ein einziges Mal ein Glas Alkohol getrunken - und scheußlich gefunden. Weil sie Roger aber nicht beleidigen wollte, trank sie widerstrebend einen kleinen Schluck.
»Bist in Ordnung«, sagte Roger. »Bist neu an der Schule, wie?«
Honey war mit ihm in drei Fächern in der gleichen Klasse.
»Nein«, sagte Honey. »Ich.«
Er beugte sich über sie und begann, mit ihren Brüsten zu spielen.
Honey bekam einen Schreck und rückte von ihm ab.
»He! Komm schon. Willst mir keine Freude machen?« sagte er.
Und das war das Zauberwort - Honey wollte doch allen nur Freude machen, und wenn man mit dieser Sache jemandem eine Freude machen könnte.
So hatte Honey denn auf dem unbequemen Rücksitz in Rogers Auto ihr erstes sexuelles Erlebnis, und es öffnete ihr die Tür zu einer völlig neuen Welt. Der Geschlechtsverkehr selbst machte ihr nicht besonders viel Spaß; das war aber nicht wichtig. Für Honey war nur wichtig, daß es Roger Spaß machte. Und Honey war ehrlich überrascht, welch großen Spaß es ihm machte. Es schien ihn geradezu in Ekstase zu versetzen. Sie hatte noch nie erlebt, daß einem Menschen etwas so viel Spaß machte. So macht man also einen Mann glücklich, dachte Honey.
Es war eine Offenbarung.
Es gelang Honey einfach nicht mehr, das Wunder dieser Erfahrung aus dem Bewußtsein zu verdrängen. Sie konnte nicht schlafen, erinnerte sich an Rogers männliche Härte - wie er in sie eingedrungen war und immer und immer schneller gestoßen hatte, und an sein
Stöhnen: »O ja, ja, ja . Mein Gott, du bist fantastisch, Sally.«
Honey nahm ihm nicht einmal das übel. Sie hatte dem Kapitän der Fußballmannschaft gefallen! Dem begehrtesten Jungen an der ganzen Schule hatte sie eine Freude gemacht. Und dabei hab' ich eigentlich gar nicht mal gewußt, was ich da tue, überlegte Honey. Wenn ich nun aber richtig lernen würde, wie man einem Mann gefällt...
Und auf diese Weise kam Honey zu ihrer zweiten Offenbarung.
Am nächsten Morgen suchte Honey den Pleasure Chest auf, einen Pornobuchladen an der Poplar Street, kaufte sich ein halbes Dutzend Bücher über Erotik, schmuggelte sie ins Elternhaus und studierte sie in der Abgeschlossenheit ihres Zimmers. Was sie da las, versetzte sie in atemloses Erstaunen.
Sie verschlang die Seiten des Perfumed Garden und des Kamasutra, die Tibetanischen Liebeskünste, die Alchimie der Ekstase und beschaffte sich weitere Bücher. Sie las die Worte von Gedun Chopel und die geheimnisvollen Berichte des Kanchinatha. Sie betrachtete die aufregenden Fotos der siebenunddreißig Stellungen des Liebesspiels und lernte die Bedeutung von Halbmond und Kreis, Lotosblüte und Wolkenstücken und den Weg der schäumenden Erregung.
Honey wurde Expertin - für die acht Arten oralen Sex und die Wege der sechzehn Freuden und die Ekstase der Murmelkette. Sie wußte, wie sie einen Mann, um seine Lust zu steigern, karuna lehren könnte. Jedenfalls theoretisch.
Honey spürte, daß die Zeit gekommen war, die Theorie in die Praxis umzusetzen.
Das Kamasutra enthielt einige Kapitel über Aphrodisiaka, die die sexuelle Erregung des Mannes steigerten; da Honey jedoch nicht wußte, wo sie sich Hedysarum gangetiatm, die kshirika-Pflanze oder Xanthochymus pictorius beschaffen könnte, dachte sie sich dafür Ersatz aus.
Als Honey in der folgenden Woche Roger Merton im Unterricht begegnete, trat sie auf ihn zu und erklärte: »Das hat richtig Spaß gemacht letzte Woche. Können wir's noch mal machen?«
Er brauchte einen Moment, um sich an Honey zu erinnern. »Oh. Klar. Warum nicht? Meine Eltern sind heut abend aus. Warum kommst du nicht um acht Uhr zu mir?«
Als Honey an diesem Abend um acht vor dem Haus der Mertons stand, hatte sie ein kleines Glas Ahornsirup bei sich.
»Wofür soll 'n das gut sein?« fragte Roger.
»Ich werd's dir gleich zeigen«, antwortete Honey.
Und sie zeigte es ihm.
Am nächsten Morgen erzählte Roger allen Schulfreunden von Honey.
»Die ist einfach unglaublich«, sagte er. »Ihr würdet es nie glauben, was dieses Mädchen mit 'm bißchen warmen Sirup fertigbringt!«
Am Nachmittag wollten sich gleich fünf oder sechs Jungen mit Honey verabreden. Von da an ging sie Abend für Abend aus. Die Jungen waren überglücklich; das wiederum machte Honey überglücklich.
Honeys Eltern waren über die plötzliche Beliebtheit ihrer Tochter entzückt.
»Unser Mädchen hat eine Weile gebraucht, bis sie aufblühte«, erklärte der Vater voller Stolz. »Nun ist aus ihr doch noch eine echte Taft geworden!«
In Mathematik hatte Honey immer nur schlechte Noten nach Hause gebracht, und ihr war klar, daß sie in der letzten Prüfungsarbeit versagt hatte. Ihr Mathematiklehrer, Mr. Janson, war Junggeselle und wohnte ganz in der Nähe der Schule. Honey stattete ihm eines Abends einen Besuch ab. Er machte ein erstauntes Gesicht, als er die Haustür öffnete.
»Honey! Was machst du denn hier?«
»Ich brauche Ihre Hilfe«, sagte Honey. »Mein Vater bringt mich um, wenn ich Ihren Kurs nicht schaffe. Ich hab' ein paar Mathematikaufgaben mitgebracht - würde es Ihnen etwas ausmachen, sie mit mir durchzugehen?«
Er zögerte einen Augenblick. »Das ist etwas ungewöhnlich, aber. Nun gut.«
Mr. Janson mochte Honey gern. Sie war anders als die übrigen Mädchen der Klasse, die rauh und gleichgültig waren, während Honey mitfühlend und empfindsam war und immer gefällig sein wollte. Er hätte sich nur gewünscht, daß sie ein bißchen mehr Verständnis für Mathematik aufbringen würde.
Mr. Janson saß auf der Couch neben Honey und begann, ihr die Rätsel und Geheimnisse der Logarithmen zu erläutern.
An Logarithmen hatte Honey kein Interesse. Während Mr. Jan-son sprach, rückte sie immer näher an ihn heran. Sie begann, ihm auf den Hals und in die Ohren zu atmen, und bevor Mr. Janson merkte, wie ihm geschah, war der Reißverschluß seiner Hose auch schon offen.
Er sah Honey erstaunt an. »Aber was machst du da?«
»Ich habe Sie schon gewollt, als ich Sie zum erstenmal sah«, erklärte Honey. Sie öffnete ihre Handtasche und holte einen kleinen Becher Schlagsahne heraus.