Die Pflicht zu schweigen
- Автор: Шелдон Сидни
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Die Pflicht zu schweigen». Краткое содержание книги:
Über den Autor
Sidney Sheldon, geboren 1917, war ein absolutes Phänomen in der internationalen Buchwelt. Erst mit fünfzig schrieb er seinen ersten Roman Das nackte Gesicht. Seither sind von zahlreiche Bücher erschienen, jedes ein Weltbestseller, jedes in viele Sprachen übersetzt und alle verfilmt. Sidney Sheldon lebte abwechselnd in Los Angeles, Palm Springs und London. 2007 verstarb der Autor.
Ungekürzte Ausgabe Titel der Originalausgabe: Nothing Lasts Forever Originalverlag: William Morrow and Company, Inc., New York
»Du spinnst wohl!« Dinetto drehte sich um zum Schatten. »Bring ihn ins Krankenhaus!«
Der Schatten lenkte die Limousine vorsichtig vom Gehsteig herunter.
»Das Embarcadero ist nur ein paar Straßen entfernt. Wir bringen ihn dort auf die Unfallstation.«
»Okay, Boß.«
Dinetto ließ sich in seinem Sitz zurücksinken. »Ein Hund!« sagte er angewidert. »Großer Gott!«
Als Dinetto, der Schatten und Rhino auf der Unfallstation erschienen, hatte Kat Dienst. Rhino blutete stark.
Dinetto rief zu Kat herüber: »He, Sie da!«
Kat hob den Blick. »Reden Sie mit mir?«
»Mit wem denn sonst? Dieser Mann blutet. Bringen Sie ihn sofort in Ordnung.«
»Da sind aber ein halbes Dutzend anderer vor ihm dran«, erklärte Kat ruhig. »Er wird warten müssen, bis er an die Reihe kommt.«
»Er wird überhaupt nicht warten«, erklärte Dinetto ihr. »Sie werden sich jetzt sofort um ihn kümmern.«
Kat kam zu Rhino herüber und untersuchte ihn. Sie nahm ein Stück Watte und drückte es gegen die Wunde. »Halten Sie das, bis ich zurückkomme.«
»Ich hab' gesagt, daß Sie sich sofort um ihn kümmern sollen«, fuhr Dinetto sie an.
Kat klärte ihn auf. »Wir befinden uns hier auf der Unfallstation eines Krankenhauses. Ich bin hier die verantwortliche Ärztin. Also - entweder halten Sie jetzt den Mund oder machen Sie, daß Sie wegkommen.«
Der Schatten wies sie zurecht. »Lady, Sie scheinen nicht zu wissen, mit wem Sie da reden. Sie sollten besser tun, was er Ihnen sagt. Das ist Mr. Lou Dinetto.«
»Nachdem wir uns bekannt gemacht haben«, meinte Dinetto ungeduldig, »kümmern Sie sich jetzt um meinen Mann.«
»Sie scheinen wohl schwerhörig zu sein«, sagte Kat. »Ich sage es Ihnen noch mal. Mund halten oder abhauen. Ich habe zu arbeiten.«
Rhino sagte: »So können Sie nicht mit.«
Dinetto fuhr ihn an. »Maul halten!« Er wandte sich wieder an Kat; sein Tonfall hatte sich verändert. »Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie sich baldmöglichst um ihn kümmern könnten.«
»Ich werde mein Bestes tun.« Kat ließ Rhino auf einem Bett Platz nehmen. »Legen Sie sich hin. Ich bin in ein paar Minuten wieder da.« Sie warf Dinetto einen Blick zu. »In der Ecke drüben finden Sie ein paar Stühle.«
Dinetto und der Schatten folgten Kat mit den Blicken, als sie zum anderen Ende der Station ging, um sich der wartenden Patienten anzunehmen.
»Großer Gott«, sagte der Schatten, »die hat wirklich keine Ahnung, wer Sie sind.«
»Ich glaub', das würde auch nichts ändern. Die Frau hat Mumm.«
Als Kat Rhino eine Viertelstunde später untersucht hatte, meinte sie: »Sie hatten Glück. Keine Gehirnerschütterung. Aber eine böse Wunde.«
Dinetto schaute Kat beim Vernähen der Stirnwunde zu.
»Das sollte gut heilen«, meinte sie hinterher. »Kommen Sie in fünf Tagen wieder, dann ziehe ich Ihnen die Fäden heraus.«
Dinetto kam herüber und betrachtete Rhinos Stirn. »Verdammt saubere Arbeit, die Sie da geleistet haben.«
»Danke«, sagte Kat. »Wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen würden.«
»Moment mal«, sagte Dino zum Schatten. »Gib ihr einen C-Schein.«
Der Schatten zog einen Hundertdollarschein aus der Tasche. »Da.«
»Die Kasse befindet sich draußen im Flur.«
»Der Schein ist nicht fürs Krankenhaus. Der ist für Sie.«
»Nein danke.«
Dinetto war sprachlos, als Kat ihn stehenließ und sich einem anderen Patienten zuwandte.
»Vielleicht war's zu wenig«, meinte der Schatten.
Dinetto schüttelte den Kopf. »Das ist ein unabhängiges Frauenzimmer. Gefällt mir.« Er schwieg einen Moment. »Doc Evans geht in Pension, oder?«
»Yeah.«
»Okay. Ich will alles über diese Ärztin wissen.«
»Wozu?«
»Damit ich was in der Hand habe. Ich glaube, wir könnten sie gut gebrauchen.«
7. Kapitel
Krankenhäuser werden von den Schwestern regiert. Margaret Spencer, die Oberschwester, arbeitete seit zwanzig Jahren im Embarcadero County Hospital und wußte, wo die Leichen, alle Leichen - und zwar im wörtlichen wie im übertragenen Sinne - begraben lagen. Schwester Spencer hielt das Krankenhaus in Schwung; Ärzte, die das nicht beachteten, hatten es schwer. Sie wußte ganz genau, welche Ärzte Drogen nahmen oder dem Alkohol verfallen waren; welche Ärzte untüchtig waren; welche Ärzte Unterstützung verdienten. Sie hatte alle Lernschwestern, ausgebildeten Krankenschwestern und OP-Schwestern unter ihrer Kontrolle. Es war Margaret Spencer, die bestimmte, welche Schwester welcher Abteilung zugewiesen wurde. Und da es sowohl unersetzliche als auch völlig inkompetente Schwestern gab, zahlte es sich für die Ärzte aus, mit ihr auf gutem Fuß zu stehen. Es lag in ihrer Macht, eine unfähige OP-Schwester zu einer komplizierten Nierenoperation zu schicken. Wenn sie den Arzt mochte, dann teilte sie ihm die kompetenteste Schwester für eine einfache Mandeloperation zu. Zu den vielen Vorurteilen Margaret Spencers gehörte auch ein Widerwillen gegen Ärztinnen und Schwarze.
Kat Hunter war eine schwarze Ärztin.
Kat machte eine schwere Zeit durch. Nicht, daß sie es offen in Worten oder Taten gespürt hätte, und doch war etwas gegen sie am Werk, ein Vorurteil, das sich auf eine Art und Weise äußerte, die so raffiniert war, daß sie nie den Finger darauf legen konnte. Die Schwestern, die sie anforderte, waren nicht verfügbar, die Schwestern, die man ihr zuteilte, waren nahezu unbrauchbar. Kat wurde häufig zur Untersuchung männlicher Klinikpatienten mit Geschlechtskrankheiten losgeschickt. Die ersten Fälle nahm sie als Routine hin; als sie es jedoch an einem Tage gleich mit einem halben Dutzend solcher Fälle zu tun bekam, wurde sie mißtrauisch.
Während einer Mittagspause fragte sie Paige: »Hast du schon viele Männer mit Geschlechtskrankheiten untersucht?«
Paige mußte einen Augenblick lang nachdenken. »Einen, in der vergangenen Woche. Einen Krankenpfleger.«
Ich werde etwas unternehmen müssen, dachte Kat.
Schwester Spencer hatte geplant, Dr. Hunter dadurch loszuwerden, daß sie ihr das Leben so schwermachte, bis ihr am Ende nichts übrig bliebe, als zu kündigen. Dabei hatte sie allerdings sowohl Kats Entschlossenheit als auch ihre Fähigkeiten außer acht gelassen. Schritt für Schritt gewann Kat ihre Mitarbeiter für sich; sie hatte eine natürliche Begabung, die Kollegen wie Patienten beeindruckte. Der eigentliche Durchbruch kam jedoch im Zusammenhang mit einem Vorfall, der im ganzen Krankenhaus als >der Trick mit dem Schweineblut< berühmt wurde.