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Die Pflicht zu schweigen

Электронная книга - «Die Pflicht zu schweigen». Краткое содержание книги:

San Francisco. Dr. Paige Taylor, eine junge Ärztin, wird wegen Sterbehilfe an einem krebskranken Patienten vor Gericht gestellt. Und - sie gesteht. Doch sie ist keineswegs die gewissenlose, geldgierige Mörderin, die man nach Meinung des Staatsanwalts in ihr vermuten muß. Sie liebt ihren Beruf über alles - trotz der untragbaren Zustände, die an ihrem Arbeitsplatz im Embarcadero County Hospital herrschen. Brutale Zeitpläne und egoistischer Karriereneid verschärfen Paiges Lage und zwingen sie oft zu Entscheidungen am Rande der Legalität. Aber sie handelt immer zum Wohl der Patienten. Die Aussagen ihres Vorgesetzten lauten nicht günstig für die Ärztin. Der Staatsanwalt fordert die Todesstrafe, und das Urteil scheint so gut wie festzustehen...

Über den Autor
Sidney Sheldon, geboren 1917, war ein absolutes Phänomen in der internationalen Buchwelt. Erst mit fünfzig schrieb er seinen ersten Roman Das nackte Gesicht. Seither sind von zahlreiche Bücher erschienen, jedes ein Weltbestseller, jedes in viele Sprachen übersetzt und alle verfilmt. Sidney Sheldon lebte abwechselnd in Los Angeles, Palm Springs und London. 2007 verstarb der Autor.

Ungekürzte Ausgabe Titel der Originalausgabe: Nothing Lasts Forever Originalverlag: William Morrow and Company, Inc., New York
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Kat drängte ihre Erschöpfung zurück, stand auf, rieb sich den Schlaf aus den Augen und fuhr mit dem Lift zur Notaufnahme nach unten.

An der Tür wurde sie von einem Pfleger empfangen. »Er liegt auf dem Rollbett dort, in der Ecke. Er hat starke Schmerzen.«

Kat ging zu ihm. »Ich bin Dr. Hunter«, stellte sie sich mit verschlafener Stimme vor.

Er stöhnte. »O Gott, Doc. Tun Sie was. Der Rücken. Ich halt's nicht mehr aus.«

Kat unterdrückte ein Gähnen. »Wie lange haben Sie schon Schmerzen?«

»Etwa zwei Wochen.«

Kat sah ihn verwundert an. »Seit zwei Wochen? Warum sind Sie dann nicht früher gekommen?«

Er versuchte sich zu bewegen und verzog das Gesicht. »Um die Wahrheit zu sagen - ich hasse Krankenhäuser.«

»Warum kommen Sie dann jetzt zu uns?«

Seine Miene hellte sich auf. »Weil ein wichtiges Golfturnier ansteht, und wenn Sie mir nicht den Rücken in Ordnung bringen, werd' ich's schwer haben.«

Kat holte tief Luft. »Ein Golfturnier.«

»Yeah.«

Sie konnte kaum an sich halten. »Ich will Ihnen was sagen. Gehen Sie nach Hause. Nehmen Sie zwei Aspirin, und wenn Sie sich am Morgen nicht besser fühlen, rufen Sie mich wieder an.« Sprach es, drehte sich um und stürmte aus dem Zimmer. Dem Mann wäre fast das Kinn aus dem Gesicht gefallen.

Harry Bowmans sogenanntes >kleines Motorboot< entpuppte sich als schnittige Jacht von mindestens fünfzehn Meter Länge.

»Willkommen an Bord!« rief er Paige, Kat und Honey zur Begrüßung im Hafen zu.

Honey machte aus ihrer Bewunderung für das Schiff gar kein Hehl.

»Es ist wunderschön!« sagte auch Paige.

Sie kreuzten drei Stunden lang in der Bucht und genossen den warmen, sonnigen Tag. Es war seit Wochen überhaupt das erste Mal, daß die drei sich entspannten.

Während sie vor Angel Island vor Anker lagen und einen köstli-chen Lunch zu sich nahmen, meinte Kat: »Das nenn' ich Leben. Wir sollten gar nicht wieder an Land gehen.«

»Gute Idee«, meinte Honey.

Es war, alles in allem, ein geradezu himmlischer Tag.

»Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie gut mir das getan hat«, sagte Paige bei der Rückkehr zum Hafen.

»Das Vergnügen war ganz meinerseits.« Bowman tätschelte ihr leicht den Arm. »Werden wir wiederholen. Ihr drei seid mir stets willkommen.«

Was für ein toller Mann! dachte Paige.

Die Arbeit auf der Entbindungsstation sagte Honey zu. Sie war Teil eines zeitlosen, freudespendenden Rituals, und die Abteilung war voll neuen Lebens und neuer Hoffnung.

Die Mütter, die zum erstenmal ein Kind zur Welt brachten, waren erwartungsvoll und besorgt. Die Veteraninnen konnten es gar nicht abwarten, bis sie es hinter sich hatten.

Eine Hochschwangere sagte unmittelbar vor der Niederkunft zu Honey: »Gott sei Dank! Jetzt werde ich endlich wieder meine Zehen sehen können!«

Wenn Paige Tagebuch geführt hätte, wäre der fünfzehnte August als ein besonderer Glückstag vermerkt worden. Es war der Tag, an dem Jimmy Ford in ihr Leben trat.

Jimmy war Krankenpfleger und hatte das freundlichste Lächeln und das sonnigste Gemüt, das man sich überhaupt wünschen konnte. Er war klein, sehr schlank, sah wie siebzehn aus, war jedoch fünfundzwanzig Jahre alt und bewegte sich wie ein heiterer Tornado durchs Krankenhaus. Es gab nichts, was ihm zuviel Mühe gemacht hätte.

Er war Laufbote für alle. Ihm fehlte jeglicher Sinn für Standesunterschiede. Er behandelte alle gleich - Ärzte und Krankenschwestern wie Hausmeister.

Jimmy erzählte gern Witze.

»Habt ihr den schon gehört vom Patienten, der ganz in Gips war? Der Kerl im Bett neben ihm hat ihn gefragt, wie er seinen Lebensunterhalt verdiente. Hat der im Gips geantwortet: >Ich war Fensterputzer beim Empire State Building.« Fragt der andere: >Wann haben Sie aufgehört?< - >Auf halber Höhe.<«

Und dann begann Jimmy zu grinsen und eilte fort, um jemandem auszuhelfen.

Für Paige hatte er nur Bewunderung übrig. »Eines Tages werde ich auch Arzt. Ich möchte so werden wie Sie.«

Er machte ihr kleine Geschenke - Süßigkeiten, Spielzeug -, und mit jedem Geschenk kam ein Witz.

»In Houston hielt ein Mann einen Fußgänger an und fragte: >Wie komme ich am schnellsten zum Krankenhaus?< - >Sagen Sie etwas Schlechtes über Texas.<«

Die Witze waren abscheulich, doch aus Jimmys Mund klangen sie lustig.

Er traf morgens zur gleichen Zeit wie Paige auf dem Krankenhausparkplatz ein und raste auf seinem Motorrad heran.

»Der Patient will wissen: >Ist die Operation gefährlich?< Der Chirurg antwortet: >Nein. Für zweihundert Dollar gibt's keine gefährliche Operation.««

Und weg war er.

Wann immer Paige, Kat und Honey am gleichen Tag dienstfrei hatten, gingen sie in San Francisco auf Entdeckungstour. Sie besichtigten Dutch Mill und den japanischen Teegarten, schauten zum Fisherman's Wharf und fuhren Cable Car. Sie besuchten das Cur-ran Theater und aßen im Maharani an der Post Street zu Abend, wo nur indische Kellner bedienten, die Paige zur großen Überraschung von Kat und Honey auf hindi ansprach.

»Hum Hindustani baht bahut ocho bolta hi.« Von dem Augenblick an lag ihnen das ganze Restaurant zu Füßen.

»Wo hast du bloß gelernt, Indisch zu sprechen?« fragte Honey.

»Hindi«, verbesserte Paige. Sie zögerte. »Wir ... ich habe eine Zeitlang in Indien gelebt.« Es war alles noch so lebendig. In Agra hatte sie zusammen mit Alfred staunend vor dem Taj-Mahal gestanden. Das Gebäude hat Shah Jahan für seine Frau errichtet. Die Bauzeit hat zwanzig Jahre gedauert, Alfred.<

>lch werde dir auch ein Taj-Mahal bauen. Es ist mir völlig gleich, wie lange es dauert!<

Das ist Karen Turner. Meine Frau.<

Sie hörte, wie jemand ihren Namen sagte, und hob den Kopf.

»Paige.«

Sie sah den besorgten Ausdruck auf Kats Gesicht. »Ist dir nicht gut?«

»Alles in Ordnung.«

Die unmöglich lange Arbeitszeit hielt an. Wieder ein Silvester, das kam und ging; das zweite Assistenzjahr glitt hinüber ins dritte. Das Krankenhaus blieb weiterhin von der Außenwelt unberührt. Die Kriege und Hungersnöte und Katastrophen in fernen Ländern ver-blaßten im Vergleich mit den Krisen um Leben und Tod, mit denen sie täglich vierundzwanzig Stunden lang konfrontiert wurden.

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