Die Pflicht zu schweigen
- Автор: Шелдон Сидни
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Die Pflicht zu schweigen». Краткое содержание книги:
Über den Autor
Sidney Sheldon, geboren 1917, war ein absolutes Phänomen in der internationalen Buchwelt. Erst mit fünfzig schrieb er seinen ersten Roman Das nackte Gesicht. Seither sind von zahlreiche Bücher erschienen, jedes ein Weltbestseller, jedes in viele Sprachen übersetzt und alle verfilmt. Sidney Sheldon lebte abwechselnd in Los Angeles, Palm Springs und London. 2007 verstarb der Autor.
Ungekürzte Ausgabe Titel der Originalausgabe: Nothing Lasts Forever Originalverlag: William Morrow and Company, Inc., New York
Auf einer Morgenvisite, bei der Kat einem Oberassistenten namens Dundas assistierte, stand man am Bett eines bewußtlosen Patienten.
»Mr. Levy hatte einen Autounfall«, informierte Dundas die jüngeren Assistenten. »Er hat viel Blut verloren und braucht deswegen sofort eine Bluttransfusion. Das Krankenhaus hat momentan aber nicht genug Blut zur Verfügung, und der Mann hat Familie, nur weigern sich die Angehörigen, ihm Blut zu spenden. Es ist zum Wahnsinnigwerden.«
»Wo sind die Angehörigen?« fragte Kat.
»Im Wartezimmer«, erwiderte Dr. Dundas.
»Macht es Ihnen etwas aus, wenn ich mit den Verwandten rede?« fragte Kat.
»Bringt nichts. Ich habe bereits mit ihnen gesprochen. Sie haben ihre Entscheidung gefällt.«
Nach Beendigung der Visite begab Kat sich ins Besucherzimmer, wo sie die Ehefrau mit den erwachsenen Söhnen und Töchtern antraf. Die Söhne trugen beide eine Jarmulke, und unter ihren Jacken schaute der rituelle Tallit hervor.
»Mrs. Levy?« fragte Kat mit Blick auf die Frau, die sich sofort erhob.
»Wie geht's meinem Mann? Wird der Doktor ihn operieren?«
»Ja«, entgegnete Kat.
»Also, da dürfen Sie uns aber nicht bitten, unser Blut zu spenden. Heutzutage, mit Aids und all diesen Sachen, ist das viel zu gefährlich.«
»Mrs. Levy«, sagte Kat eindringlich, »durch Blutspenden können Sie kein Aids bekommen. Das ist einfach unmög...«
»Machen Sie mir doch nichts weis! Ich lese Zeitung. Ich weiß genau Bescheid.«
Kat musterte die Frau kurz. »Davon bin ich überzeugt. Das ist auch ganz in Ordnung, Mrs. Levy. Im Krankenhaus sind die Blutvorräte momentan knapp, das stimmt tatsächlich, aber wir haben das Problem gelöst.«
»Gut.«
»Wir werden Ihrem Mann Schweineblut übertragen.«
Mutter und Sohn schauten Kat entsetzt an.
»Was?«
»Schweineblut«, wiederholte Kat flott. »Es wird ihm wahrscheinlich nicht schaden.« Sie ging zur Tür.
»Warten Sie!« rief Mrs. Levy. Kat blieb stehen.
»Ja?«
»Ich, äh ... lassen Sie uns nur eine Minute Zeit zum Nachdenken, ja?«
»Aber gewiß.«
Eine Viertelstunde später suchte Kat Dr. Dundas auf.
»Wegen der Familie von Mr. Levy brauchen Sie sich keine Sorgen mehr zu machen. Die Angehörigen sind bereit, Blut zu spenden.«
Die Geschichte verbreitete sich wie ein Lauffeuer im ganzen Krankenhaus. Ärzte und Schwestern, die Kat bisher nicht beachtet hatten, suchten plötzlich das Gespräch mit ihr.
Wenige Tage später betrat Kat das Privatkrankenzimmer von Tom Leonard, einem Patienten mit Magengeschwüren. Er war gerade dabei, sich ein riesiges Mittagessen einzuverleiben, das er von einem nahegelegenen Delikatessengeschäft hatte kommen lassen.
Kat trat zu ihm ans Bett. »Was machen Sie da?«
Er hob den Blick. Er grinste sie an. »Ich gönne mir zur Abwechslung mal was Anständiges zum Essen. Wollen Sie mir Gesellschaft leisten? Es ist genug da.«
Kat läutete nach der Schwester.
»Ja, Doktor?«
»Hier, bitte entfernen Sie das. Mr. Leonard hat strenge Diät verordnet bekommen. Haben Sie sein Krankenblatt etwa nicht gelesen?«
»Ja, aber er hat darauf bestanden ...«
»Entfernen Sie das bitte.«
»He! Moment mal!« Leonard erhob lauten Protest. »Der Krankenhausfraß ist absolut ungenießbar!« »Wenn Sie Ihr Geschwür loswerden wollen, werden Sie den >Kran-kenhausfraß< essen.« Kat fixierte die Schwester. »Tragen Sie das Zeug hinaus.«
Eine halbe Stunde später wurde Kat zum Verwaltungsdirektor bestellt.
»Sie möchten mich sprechen, Dr. Wallace?«
»Ja. Setzen Sie sich. Sie haben einen Patienten namens Tom Leonard, nicht wahr?«
»Korrekt. Und ich habe ihn heute dabei erwischt, wie er zu Mittag ein pikantes Pastramisandwich mit Gewürzgurken und Kartoffelsalat aß, also ein scharfes Essen, und.«
»Und Sie haben es ihm weggenommen.«
»Selbstverständlich.«
Wallace lehnte sich auf seinem Stuhl vor. »Frau Doktor, Sie sind sich wohl der Tatsache nicht bewußt gewesen, daß Tom Leonard dem Aufsichtsrat unseres Krankenhauses angehört. Da wollen wir doch bestimmt alles tun, damit er sich bei uns wohl fühlt. Sie verstehen, worauf ich hinauswill?«
Kat schaute ihn ungerührt an und erklärte stur: »Nein, Sir.«
Er blinzelte. »Wie bitte?«
»Ich habe den Eindruck, daß wir nur auf eine einzige Weise dafür sorgen können, daß Tom Leonard sich wohl fühlt - indem wir nämlich alles tun, damit er gesund wird. Wenn er sich den Magen aufreißt, wird er bestimmt nicht gesund.«
Benjamin Wallace zwang sich zu einem Lächeln. »Warum lassen wir ihn das nicht selber entscheiden?«
Kat stand auf. »Weil ich seine Ärztin bin. Gibt es sonst noch etwas?«
»Ich. ähem . nein. Das ist alles.«
Kat verließ das Büro.
Benjamin Wallace blieb sprachlos zurück. Frauen! Arztinnen!
Kat hatte Nachtdienst, als sie einen Anruf erhielt. »Dr. Hunter, ich glaube, es wäre besser, wenn Sie auf Zimmer 320 kämen.«
»Bin schon unterwegs.«
Der Patient auf Zimmer 320 war eine Mrs. Molloy, eine Krebskranke in den Achtzigern mit geringen Überlebenschancen. Als Kat sich der Tür näherte, vernahm sie von drinnen lautes Gezeter und trat rasch ein.
Mrs. Molloy lag im Bett. Sie hatte zwar starke Sedativa bekommen, war aber bei Bewußtsein. Außer ihr befanden sich im Zimmer noch ihr Sohn und ihre zwei Töchter.
Der Sohn erklärte gerade: »Und ich sage euch, daß das Erbe gedrittelt wird!«
»Nein!« widersprach eine der beiden Töchter. »Laurie und ich, wir sind's gewesen, die Mama gepflegt haben. Wer hat denn wohl für sie gekocht und sich um sie gekümmert? Laurie und ich, nur wir beide! Also, da haben wir auch ein Recht auf ihr Geld und.«