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Im Auftrag Seiner Majestät

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Im Auftrag Seiner Majestät
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„Genug“, antwortete der Direktor aufatmend.

„So nehmen Sie einen halben Bogen und fertigen Sie mir das Blanquet einer Quittung aus. Ich habe Ihnen heute eine Gratifikation versprochen. Wo ist das Geld, welches Sie wieder mit fortnehmen mußten?“

„Hier in meinem Schreibtisch.“

„Zählen Sie es auf!“

Müller sah, daß der Direktor das Geld aus dem verschlossenen Fach nahm, und da es mit lauter Stimme aufgezählt wurde, so hörte er deutlich, wieviel es war. Es waren die beiden Summen, von denen der Direktor heute gesprochen hatte. Der letztere bemerkte am Schluß:

„Diese beiden Firmen sind stets so vorsichtig, die Nummern ihrer Noten einzutragen und die letzteren außerdem zu zeichnen. Sie sehen auf jeder einzelnen die betreffenden Buchstaben, gnädiger Herr.“

„Das mag für gewisse Fälle gut sein“, meinte der Veteran trocken. „Doch das Blanquet, Herr Direktor!“

„Warum Blanquet, gnädiger Herr? Wollen Sie nicht die Gewogenheit haben, das Dokument gleich fertigen zu lassen?“

„Ich habe mich noch nicht entschlossen, welche Summe ich Ihnen aussetzen werde. Ich will erst morgen nachsehen, was und wie in den letzten Tagen gearbeitet worden ist. Setzen Sie einfach das Datum, nämlich das heutige, unten in die linke und Ihren Namen in die rechte Ecke.“

„Ganz wie Sie befehlen, Herr Kapitän!“

Er schrieb Namen und Datum in die beiden Ecken und reichte dann das Blatt dem Alten hin. Dieser betrachtete die Unterschrift genau und sagte sodann in einem ganz und gar veränderten Tone:

„So, das genügt, freilich nicht, Sie zu belohnen, sondern Sie zu bestrafen!“

Der Direktor blicke ihn überrascht an und fragte:

„Bestrafen? Verstehe ich recht, gnädiger Herr?“

„Sie haben ganz und gar richtig gehört. Sie sollen bestraft werden, sagte ich.“

„Wofür?“

„Erstens dafür, daß Sie es wagen, Ihre Hand nach der Baronin auszustrecken.“

„Ah, Sie haben doch soeben selbst gesagt, daß die Frau Baronin so gnädig gewesen sei, Sie über die Situation aufzuklären!“

„Hm, sie hat es freilich versucht, aber ich bin nicht der Mann, der sich von einem Weib betrügen läßt. Ich weiß alles, alles mein Herr!“ lachte der Alte höhnisch.

Der Direktor erbleichte, als er die Mitteilung des Kapitäns vernahm, versuchte aber dennoch, sich zu verteidigen.

„Da muß ein großer, beklagenswerter Irrtum vorwalten, Herr Kapitän.“

„Oh, nicht im geringsten! Ich habe hinter der Bank gestanden und Ihre ganze Unterhaltung mit angehört. Übrigens sehen Sie jetzt, daß ich geheime Gänge und Beobachtungspunkte habe. So gelang es mir, alle Zusammenkünfte, welche Sie mit der Baronin in deren Boudoir hatten, zu belauschen.“

Der Direktor sank auf den Stuhl zurück und schloß vor Schreck die Augen.

„Noch heute früh“, fuhr der Alte in strengstem Ton fort, „hörte ich, daß Sie sich für den Abend in den Park bestellten. Ebenso verstand ich jedes Wort, was Sie über mich sprachen. Ich brachte da zum Beispiel in Erfahrung, daß Sie nur durch die Liebe zur Baronin in Ihrer gegenwärtigen Stellung festgehalten werden. Sagen Sie da gefälligst selbst, ob dies Belohnung oder Strafe verdient?“

„Gnädiger Herr“, rief da der Mann entsetzt, „ich habe Ihnen treu gedient; ich bin es gewesen, der Ihr Etablissement zu dem gemacht hat, was es ist!“

„Treu gedient? Hahaha! Hier kommt das zweite, wofür ich Sie bestrafen muß!“

„Was ist es?“ fragte der Direktor voller Angst. Er kannte den Alten; er wußte, daß bei ihm von Nachsicht keine Rede sei. Er begann, alles zu befürchten.

„Da ich hörte, daß Sie nur durch die Baronin festgehalten werden, so hatte ich das Recht, Ihnen zu mißtrauen. Ich beschloß also, Ihre Effekten zu durchsuchen.“

„Ah! Sie hatten kein Recht dazu!“

Jetzt gewann der Direktor seinen Mut wieder. Sie standen sich Mann und Mann gegenüber; da war einer so viel wert wie der andere. Er beschloß, sich zu wehren.

„Schweigen Sie!“ gebot der Alte. „Sie sehen, daß ich heimlich in Ihre Wohnung treten kann. Sie wissen ferner, daß Sie kein Eigentum hier besitzen, daß alle diese Möbel mir gehören. Ich habe zu ihnen, selbst zu den geheimen Fächern, Doppelschlüssel. Während Sie im Park Ihre Kurtisane erwarteten, trat ich durch die Tür in Ihre Wohnung ein und durchsuchte die geheimen Fächer Ihres Schreibtisches. Wissen Sie, was ich gefunden habe?“

Der Direktor erkannte, daß Leugnen gar nichts helfen könne. Am besten war hier die Frechheit am Platz; darum trat er auf den Alten zu und sagte drohend:

„Sie haben es wirklich gewagt, in meine Wohnung einzudringen?“

„Allerdings!“ lachte der Veteran. „Haben Sie etwas dagegen, Monsieur?“

„Das wird sich finden! Nun, was haben Sie denn entdeckt, Herr Kapitän?“

„Oh, verschiedenes! Aber ich will Ihnen nur das eine vorlesen!“

Er zog einen Brief aus der Tasche, entfaltete ihn und las:

„Herrn Fabrikdirektor Metroy in Ortry.

Auf hohen Befehl ist Ihnen mitzuteilen, daß man nicht gesonnen sein kann, von Ihrer Offerte Gebrauch zu machen. Wenn es in Frankreich wirklich geheime Waffenplätze gibt, welche angelegt werden, um Franc tireurs und andere Rotten auszurüsten, so kann dies eine Regierung nicht wankend machen, welche mit Ihrem Kaiser im besten Einvernehmen steht.

Wir sehen übrigens auch davon ab, Ihren Behörden von Ihrem Anerbieten irgendwelche Mitteilung zu machen, werden jedoch Ihr Schreiben für spätere Fälle bei uns in sorgsame Verwahrung nehmen.“

Die Augen des Kapitäns funkelten, als er diesen Brief, dessen Unterschrift er nicht mit vorgelesen hatte, wieder in die Tasche steckte. Er knirschte:

„Sie haben also unser glorreiches Unternehmen für schnödes Geld verraten wollen!“

„Nur aus dem Grund, weil Sie knausern und mich nicht bezahlen wollen“, antwortete der Direktor.

„Sie gestehen es also ein?“

„Warum nicht?“ fragte der Mann, indem er gleichmütig die Achseln zuckte.

„Ah, wissen Sie, daß ich der Arrangeur des ganzen Werkes bin? Daß alle mir Treue geschworen haben und daß ich jede Untreue bestrafen werde?“

„Pah, mich können Sie nicht bestrafen!“ lachte der Direktor.

„Warum nicht?“

„Weil Ihr ganzes Lager sich in meiner Hand befindet. Sie haben mich vorhin erschreckt, weil ich mich wirklich schuldig fühlte, aber dieser Schreck hat nicht lange gedauert. Sie glauben, mein Meister zu sein, aber ich bin der Ihrige. Ich habe mich vorgesehen. Was verstehen Sie von Chemie, von Galvanismus, von Elektrizität! Dieses Zimmer steht mit den Eisenwerken und dem Lagerraum in elektrischer Verbindung. Es bedarf nur eines einzigen Griffs, eines leisen Druckes, so fliegt alles in die Luft, Ihre Fabriken und ihre sämtlichen Vorräte. Dann mögen Sie Ihre Franc tireurs gegen Deutschland bewaffnen, wenn sie können!“

„Alle Teufel!“ rief der Alte, welcher doch gewaltig erschrak.

„Sie sehen jetzt, wie die Sachen stehen“, fuhr der Direktor in stolzem Ton fort, denn er war überzeugt, daß jetzt er es sei, der die Trümpfe in der Hand hielt. „Ich mag mit Ihnen nichts mehr zu tun haben, da aber das Werk zum großen Teil auch das meinige ist, so möchte ich es nicht gern zerstören. Als ich mein Geheimnis dem Feind zum Verkauf anbot, war es mir darum zu tun, meine Mühen anständig belohnt zu erhalten. Zahlen Sie mir das, was ich von denen da drüben gefordert habe, so will ich zufrieden sein und Sie mit dem Versprechen verlassen, von jeder Feindseligkeit abzusehen. Ich habe Ihnen meine Kenntnisse und Erfahrungen geliehen; ich habe Tag und Nacht gearbeitet; ich darf auch meine Gratifikation verlangen.“

Die Augen des Alten zogen sich zusammen, und sein Schnurrbart stieg empor, um die Zähne sehen zu lassen, aber er beherrschte sich und fragte in möglichst ruhigem Ton:

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