Im Auftrag Seiner Majestät
- Автор: Май Карл
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Im Auftrag Seiner Majestät». Краткое содержание книги:
„Unter Umständen kann er vielleicht dazu gezwungen sein, teure Baronin.“
„Welche Umstände wären dies? Was wollen Sie des Nachts in Ortry? Ich kenne keinen Offizier, welcher das Recht oder die Erlaubnis hätte, zu dieser Stunde hier zu verkehren.“
Was sollte er antworten? Da kam ihm die beste Ausrede, die es geben konnte:
„Denken Sie an Paris!“
„Ah, Sie haben mich in Paris gekannt?“
„Halten Sie dies für unwahrscheinlich? Kann Sie jemand vergessen, der Sie dort gesehen und bewundert hat?“
„Und Sie wollen sich mir wirklich nicht entdecken?“
„Heute noch nicht, meine Gnädige.“
„So geben Sie mir Ihr Ehrenwort, daß Sie mich nicht verraten und den Inhalt unserer Konversation keinem Menschen mitteilen wollen!“
„Ich verspreche Ihnen gern, auf diese schöne Stunde nur Ihnen gegenüber zurückzukommen. Ist Ihnen dies genug?“
„Ja, aber Ihr Gesicht muß ich dennoch sehen.“
Sie trat rasch zu ihm heran, warf die schönen, üppigen Arme um seinen Nacken und versuchte, seinen Kopf tiefer zu ziehen. Es gelang ihr nicht.
„Dann bitte wenigstens noch einen Kuß!“ bat sie in verführerischem Ton.
Es war klar, daß sie dabei ihr Gesicht abermals in die Nähe des seinigen bringen wollte, um ihn genauer anzusehen, als sie es vorher getan hatte.
„Den sollen Sie gern haben!“ lachte er leise.
Er bog sich zu ihr herab und küßte sie; zu gleicher Zeit jedoch legte sich seine Hand ihr auf beide Augen, so daß sie nicht das geringste erkennen konnte. Im nächsten Augenblick hatte er sich aus ihren Armen losgemacht, und sie hörte an dem schnellen Rauschen seiner Schritte, daß er sich entfernte.
Sie stand da, mehr berauscht als erschreckt. Er war Offizier und hatte ihr sein Ehrenwort gegeben; ihr Ruf stand in keinerlei Gefahr. Aber wer war er denn? War er wirklich von Paris hierher gekommen, nur aus Liebe zu ihr des Nachts das Schloß zu umschleichen? Stand er jetzt vielleicht in Thionville in Garnison? Ah, dann kam er jedenfalls wieder! Er hatte ja gehört, daß sie einem andern erlaubte, sie heimlich zu treffen; er durfte alle Hoffnung haben, diese Erlaubnis auch zu erhalten.
Ein schöner, voller, kräftiger Mann war es gewesen; das hatte sie gefühlt. Noch umwob sie der feine, eigentümliche Duft, der von ihm ausgegangen war; von seinen Kleidern, seinem Bart oder seinen Haaren; sie wußte es selbst nicht, denn sie hatte nicht darauf geachtet, und erst jetzt dachte sie an dieses Parfüm, nachdem er fortgegangen war.
Was aber nun? Durfte sie den Direktor warten lassen? Nein. Sie hatte ihm ihr Wort gegeben und mußte es halten. Darum schlich sie sich leise dem Ort zu, an welchem das Stelldichein stattfinden sollte. –
Müller hatte sich schnell entfernt. Er schritt dem Parkhäuschen zu, aber jetzt mit völlig unhörbaren Schritten. Er war klug geworden; seine Schritte waren vorher doch noch so unvorsichtig gewesen, daß die Baronin ihn gehört hatte.
Er kam am Häuschen an und stand bereits im Begriff, einzutreten, als er von innen ein Geräusch vernahm, als ob man Bretter leise zur Seite schiebe. Er trat zurück und versteckte sich hinter einem Busch. Ein dünner Lichtschein drang durch die Spalten der Wand, aber nur einen Augenblick lang; dann wurde es wieder dunkel.
Jetzt öffnete sich leise die Tür. Ein Mann trat hervor. Da Müller tief am Boden kauerte, so zeichnete sich ihm die Gestalt dieses Mannes gegen das Sternenlicht so genügend ab, daß er in ihr den alten Kapitän erkannte.
Was wollte dieser hier? Stand das Häuschen mit dem Schrank im Zimmer des Alten in geheimer Verbindung? Müller hatte keine Zeit, diese Frage auszudenken. Der Kapitän schritt quer über die Parklichtung hinüber. Müller eilte in einem Bogen am Rande der Lichtung hin, um jenem zuvor zu kommen. Es gelang ihm. Er stellte sich hinter eine starke Eiche, an welcher der Kapitän vorüberging und unter die Bäume trat. Müller konnte ihn nicht mehr sehen, aber er beschloß dennoch, der Richtung zu folgen, welche der Alte eingeschlagen hatte. Er kauerte sich nieder und schob sich auf Händen und Füßen weiter. An einem jeweiligen Rascheln hörte er, daß der Kapitän hart vor ihm sei. Es schien, daß auch er ganz langsam vorwärts krieche.
Nicht lange, so war es dem Deutschen, als ob er leise Stimmen flüstern höre. Er verdoppelte seine Vorsicht. Sein Auge hatte sich jetzt einigermaßen an die Dunkelheit gewöhnt, und so gewahrte er den Alten hart hinter einer Bank, welche unter den ersten Bäumen stand, von denen die Lichtung eingefaßt wurde, auf der Erde liegen. Müller näherte sich und bückte sich seitwärts der Bank an einem Baumstamm nieder. Er lag jetzt der Bank näher als der Kapitän und konnte die Unterhaltung der beiden Personen, welche darauf saßen, jedenfalls auch besser hören als dieser.
Sie bestand aus einem glühenden Liebesdialog. Der Direktor, den die Baronin hier nun wirklich gefunden hatte, war nicht so zurückhaltend wie der Deutsche vorher, und so konnte sich dieser sehr leicht denken, mit welchem Grimm der Alte dieses Zwiegespräch belauschen möge.
Da erhob sich plötzlich der letztere und trat mit einem raschen, weiten Schritte vor die beiden hin.
„Guten Abend, Frau Tochter! Guten Abend, Herr Direktor!“ sagte er.
Der Direktor fuhr empor, starrte den Alten an und sprang dann eilig davon. Er kannte denselben genau und mochte daher seine Nähe unter den obwaltenden Umständen für gefährlich halten. Die Baronin aber konnte vor Schreck weder laufen noch stehen. Sie versuchte zwar, sich zu erheben, sank aber mit einem matten Laut wieder nieder.
„Das sind nun einmal wieder die richtigen Dorfmädchenstreiche!“ höhnte der Alte.
Sie nahm sich gewaltig zusammen und antwortete:
„Was tun Sie hier? Woher kommen Sie? Welche Worte erlauben Sie sich?“
„Ah, die Frau Tochter hat wohl nur den schönen Frühlingsabend genießen wollen?“ fragte er mit dem häßlichsten Lachen, welches man nur hören kann.
„Was anders?“
„Und sitzt hier in den Armen meines Direktors!“
„Lügen Sie nicht!“ fuhr sie auf.
„Oh, ich habe es gesehen! Meine Augen sind alt, aber gut!“
„Aber wissen Sie auch, wie es gekommen ist?“
„Ah, ich bin ganz begierig, Ihre Erklärung zu hören!“
„Sie sollen sie hören, um zu erfahren, wie sehr Sie mich beleidigen! Ich kam hierher, um den Abend zu genießen. Da erhob sich gerade vor mir eine dunkle Gestalt von der Bank. Ich erschrak natürlich und wurde ohnmächtig! Der Direktor – denn dieser war es – fing mich auf. Als ich erwachte, standen Sie vor mir. Das ist alles!“
Sie hatte versucht, ihren Worten den Ton gekränkten Stolzes zu geben; aber bei diesem Mann verfing ein solches Mittel nicht. Er verschlang die Arme über der Brust und sagte:
„Warum sind Sie nicht zum zweiten Male ihn Ohnmacht gefallen, als die zweite Gestalt vor Ihnen stand? Entweder steht Ihnen nur eine einmalige Ohnmacht zur Verfügung, oder die erste existiert nur in Ihrem lügenhafte Kopf. Wie kann überhaupt von einer Ohnmacht die Rede sein bei einem Bauernmädchen, welche mit Nerven begabt sind, die nur mit Wagenstricken zu vergleichen sind!“
„Herr, beleidigen Sie mich nicht weiter!“
„Pah! Scherzen Sie nicht mit mir! Ich habe mich eine volle Viertelstunde lang hier befunden und jedes Wort gehört, welches gesprochen wurde.“
Sie war jetzt wirklich einer Ohnmacht nahe, trotz der starken Nerven, mit denen sie begabt sein sollte.
„Sie werden unverschämt!“ schluchzte sie.
„Ah, pah! Ihnen gegenüber muß man es sein!“ höhnte er. „Und wenn Sie weiter leugnen wollen, so will ich Ihnen sagen, daß der Direktor heute früh bei Ihnen war, ehe er mich aufsuchte –“
„Was geht Sie das an?“ unterbrach sie ihn.
„Daß Sie sich da über die gegenwärtige Zusammenkunft verabredeten –“