Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Die Knochen seiner Hand knackten, und eine Spur aus flüssiger Hitze zog sich durch seinen Arm, als ein Muskel riss. Das Schwert senkte sich, und die Sonne blitzte auf seiner Klinge auf. Seine Pobacken glitten über den Rumpf des Pferdes nach hinten, gefolgt von seinen hilflosen Beinen, dann stürzte er mit seinem ganzen Gewicht ins Leere.
Ein durchdringender Ruck …
Und er drehte sich würgend, rang nach Luft, und seine Finger kratzten mit brechenden Nägeln an dem Seil, das sich tief in seinen Hals gegraben hatte. Seine Hände hatten sich befreit, doch es war zu spät, er konnte sie nicht spüren, schaffte es nicht. Seine Finger rutschten an den verdrehten Strängen ab, nutzlos, taub und stumpf wie Holz.
Er baumelte an dem Seil, trat um sich und hörte ein fernes Grollen aus der Menge. Er trat um sich und bäumte sich auf, seine Füße fanden keinen Halt, und seine Hände kratzten an seiner Kehle. Seine Brust war kurz vor dem Bersten, sein Rücken bäumte sich auf, und ihm war schwarz vor Augen geworden; in seinen Augenwinkeln flackerten kleine Blitze auf. Er streckte sich Gott entgegen und hörte tief in sich keine Bitte um Gnade, sondern nur ein kreischendes Nein!, das in seinen Knochen widerhallte.
Und dann verließ ihn der hartnäckige Impuls, und er spürte, wie sich sein Körper reckte und löste, der Erde entgegen, der Erde. Ein kühler Wind umfing ihn, und er spürte die tröstende Wärme, mit der sich sein Körper entleerte. Ein gleißendes Licht strahlte hinter seinen Augen auf, und er hörte nichts mehr als das Bersten seines Herzens und das ferne Weinen eines verwaisten Kindes.
Kapitel 69
Ein schrecklicher Notfall
Jamie und Brianna waren beinahe fertig zum Aufbruch. Obwohl sie rauchfleckig und erschöpft waren, hatten einige der Männer angeboten, sich dem Suchtrupp anzuschließen, ein Angebot, das Brianna mit zusammengepressten Lippen kopfnickend angenommen hatte. Sie war dankbar für das Hilfsangebot, das wusste ich – doch eine größere Gruppe in Bewegung zu setzen, brauchte seine Zeit, und ich konnte sehen, wie die Ungeduld in roten Flecken unter ihrer Haut aufflammte, während überall ringsum die Waffen gereinigt, Wasserflaschen neu gefüllt und verlegte Schuhe ausfindig gemacht wurden.
Josh war etwas nervös gewesen, was seine neue Rolle als OP-Assistent betraf, doch er war schließlich Stallknecht und daher daran gewöhnt, mit Pferdekrankheiten umzugehen. Der einzige Unterschied, so sagte ich ihm – und brachte ihn damit zum Grinsen –, bestand darin, dass menschliche Patienten einem sagen konnten, wo es weh tat.
Ich hatte gerade innegehalten, um mir die Hände zu waschen, bevor ich einen Kopfhautriss nähte, als mir zu Bewusstsein kam, dass hinter mir am Rand der Wiese Unruhe aufgekommen war. Jamie, der es ebenfalls hörte, wandte den Kopf – und kam dann mit hochgezogenen Augenbrauen rasch zu mir zurück.
»Was ist los?« Ich drehte mich um und sah eine junge Frau, die offensichtlich am Ende ihrer Kräfte war, humpelnd auf uns zutraben. Sie war schmal gebaut und hinkte stark – sie hatte irgendwo einen Schuh verloren –, bewegte sich aber immer noch halb rennend vorwärts, an der einen Seite auf Murdo Lindsay gestützt, der sie auszufragen schien, während er ihr half.
»Fraser!«, hörte ich sie keuchen. »Fraser!« Sie ließ Murdo los und schob sich zwischen den wartenden Männern hindurch, während ihre Augen ihnen suchend in die Gesichter sahen. Ihr braunes Haar war verworren und voller Laub, ihr Gesicht zerkratzt und blutig.
»James … Fraser … ich muss … seid Ihr …?« Sie schnappte keuchend nach Luft, ihre Brust hob und senkte sich krampfhaft, und ihr Gesicht war so rot, dass es aussah, als würde sie gleich einen Schlaganfall bekommen.
Jamie trat vor und ergriff sie beim Arm.
»Ich bin Jamie Fraser, Kleine. Suchst du mich?«
Sie nickte keuchend, doch zum Reden fehlte ihr der Atem. Ich goss ihr hastig einen Becher Wasser ein, den ich ihr anbot, doch sie schüttelte heftig den Kopf und fuchtelte stattdessen aufgeregt mit den Armen und wies wild gestikulierend zum Fluss.
»Ro … ger«, brachte sie heraus und schnappte nach Luft wie ein gestrandeter Fisch. »Roger. MacKen … zie.« Ehe sie die letzte Silbe ausgesprochen hatte, war Brianna an der Seite der jungen Frau.
»Wo ist er? Ist er verletzt?« Sie ergriff den Arm der jungen Frau, ebenso, um ihr eine Antwort zu entlocken, wie um sie zu stützen.
Der Kopf des Mädchens nickte auf und nieder, schüttelte sich hin und her, und sie keuchte: »Häng… sie … sie häng… hängen ihn! Gouv-neur!«
Brianna ließ sie los und rannte zu den Pferden. Jamie war schon dort und band ihre Zügel mit derselben flinken Intensität los, die er zu Beginn der Schlacht an den Tag gelegt hatte. Wortlos bückte er sich und formte mit den Händen einen Steigbügel; Brianna trat hinein, schwang sich in den Sattel und trieb das Pferd zur Bewegung an, noch bevor Jamie das seine erreicht hatte. Doch Gideon holte die Stute innerhalb von Sekunden ein, und beide Pferde verschwanden wie vom Erdboden verschluckt zwischen den Weiden.
Ich murmelte etwas vor mich hin, ohne genau zu wissen, ob es ein Fluch oder ein Gebet war. Ich drückte dem erschrockenen Josh Nadel und Faden in die Hände, ergriff den Beutel mit meiner Notfallausrüstung und rannte zu meinem Pferd. Hinter mir brach die braunhaarige Frau im Gras zusammen und übergab sich vor Anstrengung.
Ich holte sie innerhalb weniger Augenblicke ein. Wir wussten nicht genau, wo Tryon sein Standgericht abhielt, und verloren wertvolle Zeit, weil Jamie sich wieder und wieder gezwungen sah, anzuhalten und sich vom Pferd zu beugen, um nach dem Weg zu fragen – und die Antworten waren oft konfus und widersprüchlich. Brianna war ganz in sich versunken und bebte wie ein angelegter Pfeil, der zwar zum Abflug bereit war, seine Zielrichtung aber noch nicht kannte.
Ich versuchte, mich auf alles gefasst zu machen, das Schlimmste eingeschlossen. Ich hatte keine Ahnung, was für Vorbereitungen Tryon getroffen hatte oder wie viel Zeit wohl zwischen Verurteilung und Vollstreckung liegen mochte. Nicht sehr viel, dachte ich. Ich kannte Tryon lange genug, um zu wissen, dass er seine Handlungen gut durchdachte, sie dann aber auch entschlossen ausführte – und er wusste mit Sicherheit, dass man solche Dinge am besten schnell erledigte, wenn sie denn sein mussten.
Was den Grund anging … hier ließ mich meine Phantasie vollständig im Stich. Ich konnte nur hoffen, dass die Frau sich geirrt hatte; dass sie jemand anderen für Roger gehalten hatte. Und doch glaubte ich es nicht, und Brianna ebenso wenig – sie trieb ihr Pferd mit einer solchen Heftigkeit über eine sumpfige Stelle, dass ich den Eindruck hatte, sie wäre am liebsten vom Pferd gesprungen und hätte es selbst durch den Schlamm gezogen.
Der Nachmittag verblasste schon, und wir waren von Wolken kleiner Mücken umgeben, doch Jamie machte keine Anstalten, sie zu vertreiben. Seine Schultern waren wie aus Stein gemeißelt und darauf gefasst, die Bürde der Gewissheit zu tragen. Das war es, was mir mindestens so deutlich wie meine eigene Angst sagte, dass Roger wahrscheinlich tot war.
Dieser Gedanke schlug auf mich ein wie ein kleiner, spitzer Hammer von der Sorte, mit der man Steine spaltet. Bis jetzt empfand ich nur kurze, sich wiederholende Schrecksekunden, in denen ich mir den Verlust ausmalte – jedes Mal, wenn ich Briannas weißes Gesicht ansah, wenn ich daran dachte, dass der kleine Jemmy zur Waise werden könnte, wenn ich Rogers sanfte, tiefe Stimme als Echo in der Ferne lachen hörte, wenn er in meinem Herzen sang. Ich versuchte erst gar nicht, die hämmernden Gedanken zu verdrängen; es hätte nichts genützt. Und ich wusste, dass ich erst dann wirklich zerbrechen würde, wenn ich seine Leiche sah.
Selbst dann würde ich nur innerlich brechen. Brianna würde mich brauchen. Jamie würde wie ein Fels zu ihr stehen, würde tun, was getan werden musste – doch auch er würde mich später brauchen. Niemand konnte ihn von der Schuld freisprechen, von der ich wusste, dass er sie empfand, doch ich konnte wenigstens seine Beichte hören, zwischen ihm und Brianna vermitteln. Meine eigene Trauer konnte warten – lange warten, so hoffte ich.