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Taran und der Zauberkessel

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Taran und der Zauberkessel
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„Wir müssen Lluagor und Melynlas vorspannen“, keuchte Taran; doch auch den Pferden glückte es nicht, den Kessel an Land zu ziehen. Schließlich kam sogar Fflewddur hinzu und zerrte mit der gesunden Hand an den Riemen. Alles vergebens!

Da wateten die Gefährten ans Ufer zurück und beschlossen, an dieser Stelle zu übernachten. „Morgen früh, wenn wir ausgeruht sind, versuchen wir es von neuem“, entschied der Junge. Er blickte hinaus auf den Fluß, wo der Kessel sich gleich einem schwarzen Raubtier ins Wasser duckte, und sagte düster: „Bisher hat er uns nichts wie Unheil gebracht – ich fürchte, er bringt uns noch mehr davon.“ Hinter ihm raschelte es im Dickicht. Die Hand am Schwert, schoß der Junge herum. Eine Gestalt schritt vom Waldrand her auf sie zu.

Der Sohn des Pen-Llarcau

Es war Ellidyr. Von Islimach gefolgt, betrat er den Uferstreifen. Sein Gesicht und sein schlohgelbes Haar waren von Schmutz verkrustet, Wangen und Hände wiesen blutige Risse auf. Sein Rock war zerfetzt, den Mantel schien er verloren zu haben. Er blieb vor den Freunden stehen und blickte sie aus fiebrigen Augen an. „Ach, das trifft sich ja!“ rief er. „Der Schweinejunge, die Küchenmagd, der Harfenklimperer und das Zottelvieh! Nur der Träumer ist nicht dabei.“

„Was soll das Gespött!“ fuhr ihm Taran über den Mund. „Adaon liegt erschlagen unter dem Rasen. Du hast uns im Stich gelassen, Sohn des Pen-Llarcau! Wo bist du gewesen, als Arawns Häscher uns überfielen? Ein Schwert mehr – und vielleicht hätte Adaon nicht zu sterben brauchen!“

Ellidyr gab ihm keine Antwort. Er ließ sich erschöpft ins Gras fallen. „Gebt mir zu essen! Ich habe seit Tagen nichts mehr zu mir genommen – außer Wurzeln und Regenwasser.“

Gurgi sprang auf und zeterte: „Du übler Verräter! Du Bösewicht mit dem Wolfsgesicht! Für dich gibt’s kein Reißen-und-Beißen bei uns, für dich ganz bestimmt nicht!“ „Kusch!“ zischte Ellidyr. „Oder juckt dich das Fell?“ „Gib ihm, worum er bittet!“ befahl der Junge, und Gurgi öffnete unter zornigem Knurren den Vorratsbeutel. „Auch wenn du von uns zu essen bekommst“, sagte Eilonwy, „bist du hier unwillkommen.“ „Die Küchenmagd scheint nicht gerade erfreut zu sein, mich zu sehen“, spöttelte Ellidyr. „Offenbar ist sie bei schlechter Laune.“

„Hast du erwartet, wir würden dir um den Hals fallen?“ brummte Fflewddur. „Dazu haben wir nicht den geringsten Grund – nach dem üblen Streich, den du uns gespielt hast.“

„Was suchst du hier?“ fragte Taran. „Du hast uns verlassen und hättest uns lieber meiden sollen.“ „Ich habe euch nicht gesucht“, sagte Ellidyr schroff. „Ich suche die Marschen von Morva.“

„Dann bist du hier falsch!“ rief Eilonwy. „Aber ich kann dir die Richtung zeigen, wenn es dir recht ist. Versprichst du mir, Orddu, Orwen und Orgoch von uns zu grüßen? Wie ich sie kenne, werden sie dich mit Freuden willkommen heißen.“

Ellidyr verschlang sein Essen mit der Gier eines ausgehungerten Wolfes. Dann leckte er sich die Finger ab und erklärte: „Oh, das hat gutgetan! Nun fühle ich mich wohler!“

„Wie trefflich!“ rief Eilonwy. „Dann wird es dir sicher nicht schwerfallen, deines Weges zu ziehn. Gute Reise!“ „Euch auch!“ meinte Ellidyr. „Und die Häscher Arawns auf den Hals!“

„Was sagst du da?“ fragte Taran. „Sind Arawns Häscher immer noch unterwegs?“

„Allerdings“, erwiderte Ellidyr. „Ganz Annuvin ist auf den Beinen. Den Häschern bin ich entkommen, den Gwythaints auch. Zwei von ihnen hat es den Kragen gekostet; die übrigen sollen sich an euch schadlos halten, das gönne ich euch!“

„Wohin du gehst, ist uns gleichgültig“, sagte Eilonwy. „Wenn du nur ebenso schnell verschwindest wie damals, als du dich heimlich davongeschlichen hast!“ „Heimlich davongeschlichen?“ Ellidyr lachte hochmütig. „Ein Sohn des Pen-Llarcau schleicht sich nicht heimlich davon. Ihr seid mir zu langsam gewesen, und das ist alles. Ich hatte Dringenderes zu tun, als auf euch zu warten.“

„Es ist dir um deinen Ruhm gegangen“, erklärte Taran schroff. „Gib zu, daß es dies allein war, Ellidyr, und sonst nichts! Sprich wenigstens jetzt die Wahrheit!“ Ellidyr lächelte bitter. „Wahr ist es, daß ich die Marschen von Morva suche – und daß ich sie nicht gefunden habe. Doch ich entnehme den Worten der Küchenmagd, daß ihr dort gewesen seid.“

„Ja, wir sind dort gewesen“, bestätigte Taran. „Nun geht es nach Caer Dallben zurück.“

Ellidyr lachte wieder. „Auch ihr hattet also keinen Erfolg, wie ich sehe.“

„Keineswegs“, sagte Taran. „Der Kessel ist unser, dort liegt er!“ Er deutete auf den vom Wasser umspülten Buckel des Zauberkessels.

Ellidyr sprang auf und überzeugte sich mit einem raschen Blick davon, daß Taran die Wahrheit gesagt hatte. „Was denn!“ rief er. „Ihr habt mir den Kessel weggeschnappt?“ Sein Gesicht wurde fahl vor Wut. „Habe ich deshalb mein Leben aufs Spiel gesetzt, daß ein Schweinejunge mich um den Preis betrügt?“ Seine Augen flackerten böse, er griff mit der Rechten nach Tarans Kehle. Taran stieß ihn weg. „Ich habe dich nicht betrogen, Sohn des Pen-Llarcau! Adaon hat sein Leben gelassen für diesen Kessel, wir haben ihn teuer genug bezahlt.“ Ellidyr drohte an seiner Wut zu ersticken. Er stand eine Zeitlang wie versteinert da, nur in seinem Gesicht zuckte es unaufhörlich. Schließlich bezwang er sich, und obwohl seine Hände noch immer zitterten, blickte er kalt und hochmütig.

„Nun ja, Schweinejunge“, sagte er mit rauher Stimme, „du hast den Kessel also gefunden. Allerdings scheint es mir, als gehöre er mehr dem Fluß als dir. Warum hast du ihn mitgeschleppt, statt ihn an Ort und Stelle in Stücke zu schlagen? Warst du zu schwach dazu?“ „Er kann nicht zerstört werden – außer, ein lebender Mensch steigt hinein und opfert sich freiwillig dafür auf“, erwiderte Taran. „Deshalb wollen wir ihn zu Dallben bringen.“

„Ich kann mich nur wundern, Schweinejunge –, spottete Ellidyr. „Warum kletterst du denn nicht selbst hinein? Fehlt es dir etwa an Mut dazu?“

Taran gab sich den Anschein, als hätte er Ellidyrs Hohn überhört. „Wir brauchen dich, Sohn des Pen-Llarcau“, sagte er. „Wir vier sind nicht stark genug, um den Kessel an Land zu ziehen. Hilf uns, ich bitte dich!“ „Ich – euch helfen?“ Ellidyr warf den Kopf in den Nacken und brach in ein wildes Gelächter aus. „Daß du vor Gwydion treten kannst, Schweinejunge, um dich mit deinen Taten zu brüsten, während der Sohn des Pen-Llarcau den Dummen spielt? Daraus wird nichts, das kannst du dir aus dem Kopf schlagen!“

Eilonwy unterbrach ihn und zeigte zum Himmel. „Gwythaints !“

Drei Gwythaints kamen in großer Höhe das Tal herauf. Taran und Eilonwy nahmen Fflewddur in die Mitte und führten ihn in die Büsche. Gurgi kreischte vor Angst, er packte die Pferde am Zügel und zerrte sie in den Wald. Auch Ellidyr suchte im Dickicht Schutz. Mit schrillem, furchterregendem Geschrei umkreisten die Gwythaints den Schwarzen Crochan. Einer von ihnen stieß herab und ließ sich für einen Augenblick darauf nieder, während er mit den Flügeln schlug. Zum Erstaunen der Freunde machten die Gwythaints keinen Versuch, sie anzugreifen. Nach kurzem Verweilen stiegen sie wieder empor und entschwanden in nördlicher Richtung.

Bleich und zitternd trat Taran aus dem Gebüsch hervor. „Sie haben gefunden, wonach sie gesucht haben. König Arawn wird bald wissen, wo der Crochan zu holen ist.“ Von neuem wandte er sich an Ellidyr. „Hilf uns, es ist keine Zeit zu verlieren!“ Ellidyr trat ans Ufer, betrachtete den im Wasser liegenden Kessel und meinte nach einer Weile: „Er läßt sich herausziehen, Schweinejunge – vorausgesetzt, daß mein Roß und ich euch zur Hand gehen.“ „Dann aber los!“ drängte Taran. „Heben wir den Crochan, und machen wir, daß wir wegkommen, ehe Arawn es noch vereiteln kann!“

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