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Taran und der Zauberkessel

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Taran und der Zauberkessel
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Taran ließ halten, und während er Melynlas den verschwitzten Nacken klopfte, sagte er: „Die Pferde haben ihr Äußerstes getan. Nun ist die Reihe an uns. Schade, daß Doli nicht hier ist! Er hätte sich längst etwas Pfiffiges ausgedacht, um uns die Schinderei mit dem Crochan zu erleichtern. Vielleicht sollten wir eine Trage aus Ästen und Ranken flechten …“

„Kein schlechter Gedanke!“ rief Eilonwy. „Ich finde, du machst dich auch ohne Adaons Spange erstaunlich gut.“ Taran und Fflewddur hieben mit ihren Schwertern mehrere kräftige Äste ab, während Gurgi und Eilonwy ein paar Waldreben von den Bäumen streiften. Sie flochten ein Traggestell, hoben den Zauberkessel hinein und luden sich das Gestell auf die Schultern. Doch auch jetzt kamen sie nur schleppend vorwärts. „Oh, ihr armen, müden Glieder!“ jammerte Gurgi. „O Mühe und Plage bei Nacht und Tage! Dieser schwarze Topf ist ein grausames Ding! Der bemitleidenswerte Gurgi kann kaum noch die Füße heben, so müde ist er – so müde und matt, er hat’s gründlich satt!“ Taran biß die Zähne zusammen. Die Schultern schmerzten ihn, während der plumpe, blutverkrustete Crochan hinter ihm durch die Büsche schaukelte und sich auf Schritt und Tritt in den Zweigen verfing. Immer häufiger verloren die Gefährten den Halt und strauchelten unter ihrer Last. Trotz des kühlen Wetters schwitzten sie vor Anstrengung so sehr, daß ihnen die Kleider auf der nassen Haut klebten.

Der Wald wurde immer dichter. Mit der Zeit begann das Gelände anzusteigen. Dem Jungen schien es, als ob der Crochan mit jedem Schritt an Gewicht zunehme. Keuchend kämpften sie sich einen Hang hinauf. Als sie fast oben waren, stolperte Taran und stürzte zu Boden. Sich unter Schmerzen aufrichtend, knurrte er: „Alles zwecklos! Wir schaffen es nie, den Crochan durch den Wald zu bringen!“

„Du redest wie Gwystyl“, bemerkte Eilonwy spitz. „Wenn ich vom Äußeren absehe, finde ich kaum einen Unterschied zwischen dir und ihm.“

„Gwystyl!“ seufzte der Barde, während er seine mit Blasen bedeckten Hände betrachtete. „Wie ich den Burschen in seinem Erdloch beneide!“ „Unsere Kräfte reichen nicht aus, um den Kessel nach Caer Dallben zu bringen“, bekannte der Junge kleinlaut. „Wenn wir ein drittes Pferd hätten – oder ein fünftes Paar Arme: dann kämen wir möglicherweise damit zurecht; doch so, wie die Dinge jetzt liegen, betrügen wir uns nur selbst.“

„Mag sein“, räumte Eilonwy ein. „Doch was sollten wir sonst tun? Vielleicht gelingt es uns trotzdem, den Kessel nach Hause zu schleppen.“

Taran schnitt neue Zweige für das Traggestell ab, sein Herz war so schwer wie der Schwarze Crochan. Als sie dann endlich die Höhe des Bergrückens erklommen hatten, erlebten sie eine neuerliche Enttäuschung: Einer braunen Schlange gleich wand sich jenseits des Höhenzuges ein Fluß durch die Niederung. Taran starrte entgeistert hinab, dann sagte er mutlos: „Nun weiß ich ganz gewiß, daß wir den Kessel niemals nach Caer Dallben bringen werden.“ „Unsinn!“ entgegnete Eilonwy. „Wenn du jetzt aufgibst, hättest du Adaons Spange gleich in den Sumpf werfen können!“

„Wenn mich nicht alles täuscht, ist das der Tewyn-Fluß“, sagte Fflewddur mit wichtiger Miene. „Ich habe ihn einst weiter nördlich durchquert, wo er seinen Ursprung nimmt. Ist es nicht immer wieder erstaunlich, wenn man bedenkt, welche Fülle an Kenntnissen man als wandernder Barde sammeln kann?“

„Ich fürchte, mit deinen Kenntnissen ist uns im Augenblick wenig gedient“, meinte Taran mit einem Achselzucken. „Es sei denn, du kannst uns verraten, wie wir am besten hinüberkommen.“

Eilonwy deutete auf eine mit Riedgras bewachsene Uferstelle und sagte: „Der Fluß scheint dort drüben ein wenig seichter zu sein. Wie lang wollt ihr hier eigentlich sitzenbleiben und warten, bis uns die Gwythaints finden?“

Taran holte tief Atem und meinte: „Nun gut, dann versuchen wir’s also!“

Mühsam kämpften sie sich zum Ufer durch. Gurgi führte die Pferde ins Wasser. Vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzend, folgten ihm Taran und Fflewddur mit dem Crochan. Eilonwy watete neben ihnen und bemühte sich, den schwankenden Kessel im Gleichgewicht zu halten. Das Wasser war so kalt, daß es schmerzte. Taran und Fflewddur taten ihr Bestes, um zu verhindern, daß ihnen das Traggestell von den Schultern glitt. Der Fluß war zum Glück nicht besonders tief. Als sie sich etwa in seiner Mitte befanden, reichte ihnen das Wasser nur bis zum Gürtel.

„Bald ist es geschafft!“ rief der Junge zuversichtlich. Gurgi hatte inzwischen die Pferde an Land gebracht und kehrte zurück, um den Freunden zu helfen. Je näher sie dem anderen Ufer kamen, desto steiniger wurde der Grund. Schließlich mußten sie über einige größere Felsblöcke hinwegsteigen. Als sie das Ufer schon fast erreicht hatten, schrie der Barde erschrocken auf. Der Crochan kam ins Rutschen und kippte mit einem Platsch ins Wasser.

Taran machte kehrt, um Fflewddur zu helfen. Der Barde war über einen Felsblock gestürzt. Als er sich aufrichtete, war er weiß vor Schmerz im Gesicht. Seine Linke hing schlaff herab.

„Ob sie gebrochen ist, ob sie gebrochen ist?“ Fflewddur brachte nur immer den einen Satz hervor, während Taran und Eilonwy ihn ans Ufer führten.

„Das wird sich gleich zeigen“, meinte der Junge. Er half dem Barden, sich hinzusetzen, und öffnete ihm den Mantel; dann untersuchte er vorsichtig die verletzte Hand, mit der Fflewddur unter den Rand des Kessels gekommen war. „Allem Anschein nach ist sie wirklich gebrochen“, erklärte er stirnrunzelnd. Daraufhin brach der Barde in lautes Wehklagen aus. „Schrecklich, schrecklich! Ein echter Fflam ist zwar immer lustig und guter Dinge – doch dies ist entschieden zuviel für mich!“

„Nun, nun“, sprach ihm Eilonwy Mut zu. „Nur nicht den Kopf verlieren, wir werden sie eben schienen.“ „Nutzlos!“ entgegnete Fflewddur. „Was hin ist, ist hin. Dieser verfluchte Crochan hat sie auf dem Gewissen – das Scheusal, das elende!“

„Laß mich nur machen!“ versicherte Taran, während er mehrere Streifen von seinem Mantel abriß. „Schließlich hab’ ich von Coll gelernt, was in solchen Fällen zu tun ist. Freilich wird deine Hand nicht von heute auf morgen heilen.“

„Die Hand?“ rief Fflewddur. „Es geht mir nicht um die Hand, es geht um die Harfe!“

„Die Harfe ist unversehrt.“ Eilonwy nahm ihm das Instrument von der Schulter und legte es ihm in den Schoß. „Dem großen Belin sei Dank!“ rief der Barde, wobei er die Harfe mit der unverletzten Hand zärtlich streichelte. „Hände? Die heilen bekanntlich von selber. Außerdem habe ich ihrer zwei – zum Unterschied von der Harfe!“ Er seufzte erleichtert auf. „Glaubt mir, ich fühle mich schon bedeutend besser!“

Sein schmerzverzerrtes Gesicht strafte ihn Lügen. Taran schiente die verletzte Hand, so gut es sich machen ließ. Dann reichte er Fflewddur einige Kräuter aus Adaons Beutel und sagte: „Wenn du sie gründlich zerkaust, läßt der Schmerz bald nach. Außerdem wird es gut sein, wenn du nun eine Zeitlang ruhig liegen bleibst.“

„Stilliegen?“ rief der Barde. „Jetzt, wo es darauf ankommt, das niederträchtige Ding aus dem Fluß zu fischen ?“

„Überlaß diese Arbeit uns“, sagte Taran. „Du kannst uns mit der gebrochenen Hand ja doch nicht helfen!“ „Wie?“ rief der Barde. „Ein Fflam ist immer zur Stelle, wenn er gebraucht wird!“ Er wollte aufstehen, doch es gelang ihm nicht; stöhnend fiel er zurück. Taran knüpfte alle verfügbaren Riemen aneinander. Dann watete er mit Gurgi und Eilonwy in den Fluß. Der Crochan lag unweit des Ufers im seichten Wasser. Er hatte sich zwischen den Felsblöcken festgeklemmt, die Wellen umspülten sein weitgeöffnetes Maul. Das Traggestell hatte keinen Schaden genommen. Taran schlang die zusammengeknoteten Riemen um einen Fuß des Crochans. Gurgi und Eilonwy mußten mit aller Kraft daran ziehen, während er selbst versuchte, die Schulter unter den Rand des Kessels zu schieben. Es gelang ihnen trotzdem nicht, den Crochan von der Stelle zu rücken.

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