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Taran und der Zauberkessel

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Taran und der Zauberkessel
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„Dieser Schuft ist so stark wie zehn ausgewachsene Männer zusammen“, sagte der Barde. „Dennoch warf ich mich ihm entgegen, ohne auf meine verletzte Hand zu achten. Du weißt ja: ein echter Fflam, der gereizt wird, entwickelt den Mut eines Löwen. Es fehlte nicht viel, und Ellidyr hätte um Gnade gewinselt… Doch leider“, fügte er rasch hinzu, „leider stieß er mich über den Haufen.“

„Auch Gurgi hat mitgekämpft!“ brüstete sich der Tiermensch. „Mit Toben und Grollen und Augenrollen.“ „Armer Gurgi!“ rief Eilonwy. „Ellidyr hob ihn hoch und schleuderte ihn gegen einen Baum. Auch meinen Bogen entriß er mir und zerbrach ihn.“

„Dann hat er uns in den Wald gejagt“, sagte Fflewddur. „Nie habe ich einen Menschen so wütend gesehen. Er fluchte und schrie, daß wir Räuber und Eidbrecher seien und daß er es satt habe, überall bloß der zweite zu sein.“

Taran schüttelte traurig den Kopf. „Ich fürchte, das schwarze Ungeheuer hat ihn verschlungen. Im Grunde tut er mir leid.“

„Wäre er nicht mit dem Schwert auf uns losgegangen, dann täte er mir noch mehr leid!“ murmelte Fflewddur. „Anfangs habe ich ihn gehaßt“, sagte Taran. „Doch in der kurzen Zeit, da ich Adaons Spange trug, lernte ich ihn verstehen. Unglücklich ist er, der Ehrgeiz peinigt ihn bis aufs Blut. Vielleicht hatte er nicht ganz unrecht, als er mir vorwarf, auch mir gingen Ehre und Ruhm über alles.“

„Gib nichts auf sein Gerede!“ rief Eilonwy. „Nach allem, was er uns angetan hat, hat er kein Recht dazu, dich oder sonstwen zu tadeln!“

„Und doch!“ sagte Taran versonnen. „Ellidyr hat die Wahrheit gesprochen.“

„Hat er das?“ fragte Eilonwy überrascht. „Vergiß nicht, daß er uns alle um seiner Ruhmsucht willen getötet hätte…“

„…wenn es uns nicht gelungen wäre, ihm zu entfliehen!“ fuhr Fflewddur fort. „Als wir nach einer Weile zurückkehrten, waren die Pferde, der Schwarze Kessel und Ellidyr über alle Berge. Wir gingen sofort daran, den Fluß nach dir abzusuchen. Du warst nicht weit weg – doch es will mir noch immer nicht in den Kopf, wie ein einzelner Mensch soviel Wasser schlucken kann.“ „Wir müssen Ellidyr finden!“ rief Taran. „Wir dürfen ihm den Crochan auf keinen Fall überlassen! Ihr hättet ihn ohne Rücksicht auf mich verfolgen müssen!“ Er bemühte sich, auf die Beine zu kommen. „Los, los, keine Zeit verlieren – wir müssen ihm nachsetzen!“ Fflewddur schüttelte den Kopf und entgegnete: „Ich fürchte, das geht nicht. Er hat keine Spuren hinterlassen, noch haben wir die geringste Ahnung von seinen Plänen. Drittens hat er einen gewaltigen Vorsprung vor uns, und viertens, so ungern ich das auch ausspreche: viertens bezweifle ich stark, daß wir ihm gewachsen wären.“ Taran starrte ins Feuer. „Auch du sprichst die Wahrheit“, sagte er. „Alles, was wir gewagt und versucht haben, war vergebens. Vergebens haben wir Adaons Spange und unsere Ehre drangegeben. Der Schwarze Crochan ist verloren, wir kehren mit leeren Händen zurück. Ellidyr hatte vermutlich recht: Es kommt einem Schweinejungen nicht zu, mit einem Prinzen zu wetteifern.“

„Einem Schweinejungen!“ rief Eilonwy aufgebracht. „Seit wann sprichst du in dieser Weise von dir, Taran? Einerlei, was geschehen ist: Du bist kein gewöhnlicher Schweinejunge, das weißt du so gut wie ich, und das solltest du nie vergessen!“

Taran blieb eine Weile stumm; dann hob er den Kopf und blickte das Mädchen an. „Adaon hat mir einmal gesagt, es sei ehrenvoller, ein Feld zu pflügen, als es mit Blut zu tränken. Mag Ellidyr den Crochan behalten, ich neide ihm seinen Ruhm nicht! Auch ich werde Ehre suchen – aber ich werde sie dort suchen, wo es die wirklichen Ehren zu holen gibt.“

Sie verbrachten die Nacht im Wald. Am nächsten Morgen wandten sie sich nach Süden, das Land wurde zunehmend freundlicher. Da sie weder Häscher noch Gwythaints sahen, ließen sie mit der Zeit alle Vorsicht außer acht. Es war schon so, wie der Barde vermutet hatte: Arawn und seinen Kriegern ging es nur um den Schwarzen Crochan und nicht um das jämmerliche Häuflein der Gefährten. Taran trottete stumm dahin, mit gesenktem Kopf. Der Wind schmeckte bitter und wehte ihm welkes Laub ins Gesicht. Der Junge achtete nicht darauf. Er war viel zu sehr mit sich selber und seinen Gedanken beschäftigt.

Als sie am frühen Nachmittag eine weite, offene Fläche überquerten, merkte Taran, daß sich zwischen den Bäumen am jenseitigen Waldrand etwas bewegte. Gefahr witternd, trieb er die Freunde zur Eile an. Bevor sie das nächste Dickicht erreichten, brach ein Reitertrupp aus dem Wald hervor und kam auf sie zugesprengt. Taran und Fflewddur zückten die Schwerter, Gurgi riß einen Pfeil aus dem Köcher. Da stieß Fflewddur plötzlich einen lauten Ruf aus und fuchtelte aufgeregt mit dem Schwert herum.

„Die Waffen nieder, wir sind in Sicherheit! Das sind Morgants Krieger, sie tragen die Farben von Madoc!“

Die Reiter brausten heran, an ihrer Spitze der dunkelbärtige König. Taran eilte auf Morgant zu und beugte das Knie.

„Dem großen Belin sei Dank!“ rief er aus. „Wir hatten euch schon für Knechte Arawns gehalten!“ König Morgant schwang sich aus dem Sattel. Sein schwarzer Mantel war zerfetzt und mit Schlamm bespritzt. Den Anflug eines Lächelns um die Lippen, erwiderte er dem Jungen: „Du hast doch nicht etwa geglaubt, ihr könntet uns standhalten?“

Taran spürte, wie eine unerklärliche Unruhe in ihm aufkam. „Was wißt Ihr von Gwydion und dem alten Coll?“ erkundigte er sich hastig. „Seit dem Dunklen Tor sind wir ohne Nachrichten von ihnen. Adaon ist erschlagen – und Doli vermutlich auch.“

„Von Doli wissen auch wir nichts“, antwortete Morgant. „Aber Fürst Gwydion und der alte Coll sind heil und gesund. Sie haben sich gleichfalls aufgemacht, euch zu suchen – freilich mit weniger Glück als ich.“ Wieder lächelte Morgant flüchtig, dann fuhr er fort: „Arawns Häscher haben uns in der Nähe des Dunklen Tores hart zugesetzt. Schließlich gelang es uns, sie zurückzuschlagen. Dann sind wir nach Caer Cadarn geritten, wo Gwydion euch zu treffen hoffte. Auf halbem Weg dorthin hat uns die Kunde von eurem eigenmächtigen Zug in die Marschen von Morva erreicht. – Ich muß sagen, du hast einen kühnen Entschluß gefaßt, Taran von Caer Dallben; doch war dein Handeln vorschnell und unbedacht. Weißt du nicht, daß ein Kriegsmann dem Feldherrn in allen Dingen Gehorsam schuldet?“ „Uns blieb keine andere Wahl, Herr“, erwiderte Taran. „Hättet Ihr anders gehandelt an meiner Stelle?“ Der König nickte. „Ich mache dir keinen Vorwurf daraus. Was geschehen ist, ist geschehen. Die Nachricht von eurem Zug nach Morva verdanken wir übrigens einem Unterirdischen: Gwvstvl hat sie uns überbracht. Daraufhin haben der Fürst und ich uns getrennt, um nach euch zu suchen.“

„Gwystyl?“ rief Eilonwy überrascht. „Das hätte ich ihm nie zugetraut, diesem lahmen Burschen, der sich am liebsten in seinem Bau verkriecht und nichts sehen und hören will von der Welt!“

„Du kennst Gwystyl nicht“, sagte Morgant. „Von allen Wegposten König Eiddilegs ist er einer der tapfersten und erfahrensten. Deshalb hat ihn der Zwergenkönig ja mit dem Stützpunkt betraut, der am dichtesten an der Grenze Annuvins Hegt. Wenn du ihn für einen lahmen Burschen gehalten hast, so beweist das nur, daß er sich ausgezeichnet verstellen kann.“

„Und was ist aus dem Schwarzen Crochan geworden?“ fragte der Junge.

„Um den brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Ellidyr hat geschafft, was euch nicht geglückt ist: Er hat ihn aus Morva herausgebracht. Wir fanden den Prinzen unweit des Flusses Tewyn. Er hat uns berichtet, daß Taran ertrunken sei, während ihr übrigen euch in alle Winde zerstreut hättet. Er aber, Ellidyr, habe den Schwarzen Kessel aus Morva herausgebracht.“ „Dieser Lügner!“ rief Eilonwy zornig. „Sei still!“ fiel ihr Taran ins Wort.

„Nein, ich will reden!“ erwiderte Eilonwy. „Und ich werde reden! Fühlst du dich etwa noch immer an diesen erbärmlichen Eid gebunden, zu dem Ellidyr uns gepreßt hat?“

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