Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Sollte ich Brianna nicht besser nach Cross Creek bringen? Egal, ob sie sich nun entschloss, das Kind auszutragen oder nicht, würde sie dort sicherer sein?
Ich schob meine Füße durch feuchte, gelbe Laubschichten. Nein. Impulsiv dachte ich zwar, dass ihr die Zivilisation irgendwelche Vorteile bieten müsste, doch nicht in diesem Fall. Cross Creek hatte nichts zu bieten, was im Fall eines gynäkologischen Notfalls wirklich hilfreich sein konnte; vielmehr war es gut möglich, dass die Mediziner jener Zeit sie aktiv in Gefahr brachten.
Nein, wie auch immer sie sich entschied, hier bei mir war sie besser dran. Ich umarmte mich selbst unter dem Umhang und ballte meine Finger zusammen, um sie wieder warm und geschmeidig zu kneten, um mich durch die Berührung wieder sicherer zu fühlen.
Bitte, hatte er gesagt. Bitte, was? Bitte frag sie nicht, bitte tu’s nicht, wenn sie fragt? Doch ich musste es. Ich schwöre bei Apollo, dem Arzt … nie den Blasenstein zu operieren … niemals einer Frau ein Abtreibungsmittel zu geben … Tja, und Hippokrates war weder ein Chirurg noch eine Frau … noch eine Mutter gewesen. Wie ich Jamie schon gesagt hatte, hatte ich einen Eid auf etwas geleistet, das viel älter war als Apollo, der Arzt – und dieser Eid war in Blut geschrieben.
Ich hatte noch nie eine Abtreibung vorgenommen, obwohl ich als Assistenzärztin einige Erfahrung in der Nachsorge von Fehlgeburten gesammelt hatte. Bei den seltenen Gelegenheiten, wenn mich Patientinnen darum gebeten hatten, hatte ich sie an Kollegen verwiesen. Ich hatte keine grundsätzlichen Einwände dagegen; ich hatte zu oft gesehen, wie Frauen durch die unpassende Ankunft von Kindern körperlich oder seelisch umgebracht wurden. Wenn es Tötung war – und das war es –, dann war es für mich kein Mord, sondern rechtmäßige Tötung, die aus verzweifeltem Selbstschutz begangen wurde.
Gleichzeitig konnte ich mich aber nicht dazu durchringen, es zu tun. Das Gespür des Chirurgen, das mir das Wissen über das Gewebe unter meinen Händen verlieh, brachte mir auch den lebenden Inhalt der Gebärmutter deutlich zu Bewusstsein. Ich konnte den Bauch einer Schwangeren berühren und in meinen Fingerspitzen das zweite Herz schlagen spüren; konnte blind die Rundungen der Glieder und des Köpfchens nachfahren, die schlangengleiche Nabelschnur mit ihrem Blutstrom in Rot und Blau.
Ich konnte mich nicht dazu durchringen, es zu zerstören. Nicht bis jetzt, wo es mein eigenes Fleisch und Blut war.
Wie? Es würde ein chirurgischer Eingriff sein müssen. Dr. Rawlings hatte solche Prozeduren offenbar nicht durchgeführt; er hatte keinen Uterus»löffel« zum Ausschaben der Gebärmutter und auch keine der dünnen Rundeisen für die Zervixerweiterung. Doch ich würde schon klarkommen. Eine meiner Elfenbeinstricknadeln, die Spitze abgestumpft; das Skalpell, zu einer leichten Rundung umgebogen, seine tödliche Schneide abgeschliffen für die präzise – aber nicht weniger tödliche – Arbeit der Ausschabung.
Wann? Sofort. Sie war schon fast im vierten Monat; wenn es geschehen sollte, dann musste es so bald wie möglich sein. Außerdem konnte ich es nicht ertragen, mit Jamie im selben Zimmer zu sein, solange die Angelegenheit nicht geklärt war, und seine Ängste noch zusätzlich zu meinen eigenen zu spüren.
Brianna hatte Lizzie zu Fergus’ Haus gebracht. Lizzie sollte dort bleiben und Marsali helfen, die alle Hände voll zu tun hatte mit der Destillerie, dem kleinen Germain und der Arbeit auf dem Hof, die Fergus nun einmal nicht mit links erledigen konnte. Es war eine immense Belastung für ein achtzehnjähriges Mädchen, doch sie bewältigte sie mit Hartnäckigkeit und Stil. Lizzie konnte ihr zumindest bei der Hausarbeit helfen und ab und zu so lange auf das kleine Biest aufpassen, dass Marsali sich ausruhen konnte.
Brianna würde vor dem Essen zurückkommen. Ian war unterwegs, auf der Jagd mit Rollo. Jamie … ohne, dass er etwas gesagt hatte, wusste ich, dass Jamie nicht vor Ablauf einiger Zeit wiederkommen würde. Wir würden etwas Zeit allein zusammen haben.
Doch würde es der passende Moment für eine solche Frage sein – wenn sie gerade von Germains Engelsgesicht zurückkam? Andererseits, wenn ich es mir überlegte, war der Kontakt mit einem Zweijährigen vielleicht die beste praktische Lektion über die Gefahren der Mutterschaft, dachte ich voller Ironie.
Von meinem schwachen Anflug von Humor vage erleichtert, wandte ich mich um und zog den Umhang zum Schutz vor dem Wind fest um mich. Als ich den Hügel hinunterkam, sah ich Briannas Pferd im Pferch; sie war zu Hause. Während sich mein Magen vor Angst zusammenballte, schickte ich mich an, sie vor die Wahl zu stellen.
»Ich hatte darüber nachgedacht«, sagte sie und holte tief Luft. »Als ich es gemerkt habe. Ich habe mich gefragt, ob du – so etwas hier tun kannst.«
»Es würde nicht einfach sein. Es würde gefährlich sein – und es wäre schmerzhaft. Ich habe nicht einmal Laudanum; nur Whisky. Jedenfalls, ja, ich kann es tun – wenn du es willst.« Ich zwang mich stillzusitzen und sah zu, wie sie langsam vor der Feuerstelle hin- und herging, die Hände in Gedanken hinter dem Rücken verschränkt.
»Wir müssten es chirurgisch machen«, sagte ich, weil ich nicht schweigen konnte. »Ich habe nicht die richtigen Kräuter – und sie sind sowieso nicht immer zuverlässig. Chirurgie ist zumindest … sicher.« Ich legte das Skalpell auf den Tisch; sie sollte sich keine Illusionen über das machen, was ich da vorschlug. Sie nickte bei meinen Worten, unterbrach aber ihre Schritte nicht. Genau wie Jamie konnte auch sie besser nachdenken, wenn sie in Bewegung war.
Ein Schweißrinnsal lief mir den Rücken herunter, und ich erschauerte. Das Feuer war ziemlich warm, doch meine Finger waren so kalt wie Eis. Himmel, wenn sie es wollte, würde ich überhaupt in der Lage sein, es zu tun? Von der Anstrengung des Wartens hatten meine Finger zu zittern begonnen.
Schließlich drehte sie sich um und sah mich an; ihr Blick war klar und abschätzend unter den dichten, roten Brauen.
»Hättest du es getan? Wenn du gekonnt hättest?«
»Wenn ich gekonnt hätte …?«
»Du hast einmal gesagt, dass du mich gehasst hast, als du schwanger warst. Wenn du es nicht hättest sein können …«
»Gott, dich doch nicht!«, platzte ich vom Schreck getroffen heraus. »Dich doch nicht, niemals. Es …« Ich verknotete meine Hände, um das Zittern zu stoppen. »Nein«, sagte ich so fest, wie ich konnte. »Niemals.«
»Du hast es gesagt«, sagte sie und sah mich eindringlich an. »Als du mir von Pa erzählt hast.«
Ich rieb mir mit der Hand über das Gesicht und versuchte, mich zu konzentrieren. Ja, ich hatte es ihr gesagt. Ich Idiotin.
»Es war eine schreckliche Zeit. Furchtbar. Wir waren dem Hungertod nah, es war Krieg – die Welt ging aus den Fugen.« Tat ihre das nicht auch? »Damals sah es so aus, als gäbe es keine Hoffnung; ich musste Jamie verlassen, und dieser Gedanke vertrieb alles andere aus meinem Bewusstsein. Doch da war noch etwas anderes«, sagte ich.
»Und was?«
»Es war keine Vergewaltigung«, sagte ich leise und traf ihren Blick. »Und ich habe deinen Vater geliebt.«
Sie nickte, und ihr Gesicht war ein wenig bleich.
»Ja. Aber es könnte Rogers sein. Das hast du doch gesagt, oder?«
»Ja. Es könnte sein. Reicht dir diese vage Möglichkeit?«
Sie legte sich die Hand auf den Bauch, die langen Finger sanft gekrümmt.
»Na ja. Für mich ist es kein Es. Ich weiß nicht, wer es ist, aber …« Sie hielt plötzlich inne und sah mich an. Plötzlich sah sie verlegen aus.
»Ich weiß nicht, vielleicht klingt das – na ja …« Sie zuckte mit den Achseln und verscheuchte ihre Zweifel. »Ich habe diesen scharfen Schmerz gespürt, der mich mitten in der Nacht geweckt hat, ein paar Tage … danach. Kurz, als hätte mich jemand mit einer Hutnadel gestochen, aber tief.« Ihre Finger krümmten sich einwärts, und ihre Faust presste gegen die Stelle genau rechts über ihrem Schambein.