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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Einnistung«, sagte ich leise. »Wenn sich die Zygote in der Gebärmutter verwurzelt.« Wenn dieses erste, ewige Bindeglied zwischen Mutter und Kind geknüpft wird. Wenn das kleine, blinde Wesen, einzigartige Vereinigung von Ei und Sperma, nach der gefährlichen Reise des Beginns vor Anker geht, von seiner kurzen, schwebenden Existenz im Inneren des Körpers heimkehrt und sich geschäftig ans Werk der Teilung macht, seine Nahrung aus dem Gewebe zieht, in das es sich einbettet in einer Verbindung, die es zu keiner der beiden Seiten gehören lässt und doch zu beiden. Diese Verbindung, die nicht durchtrennt werden kann, weder durch Geburt noch Tod.

Sie nickte. »Es war ein sehr merkwürdiges Gefühl. Ich war immer noch im Halbschlaf, aber ich … na, ich wusste ganz plötzlich, dass ich nicht allein war.« Ihre Lippen kräuselten sich schwach lächelnd bei der Erinnerung an ein Wunder. »Und ich habe zu … ihm … gesagt …« Ihre Augen ruhten in den meinen, immer noch von dem Lächeln erleuchtet. »Ich habe gesagt, ›Oh, du bist es‹. Und dann bin ich wieder eingeschlafen.«

Ihre andere Hand legte sich über Kreuz auf die erste, eine Barrikade vor ihrem Bauch.

»Ich dachte, es wäre ein Traum gewesen. Das war lange, bevor ich es wusste. Aber ich erinnere mich daran. Es war kein Traum. Ich erinnere mich daran.«

Auch ich erinnerte mich.

Ich blickte nach unten und sah unter meinen Händen nicht die hölzerne Tischplatte und die blitzende Klinge, sondern die opalisierende Haut und das perfekte, schlafende Gesicht meines ersten Kindes. Faith, mit ihren Katzenaugen, die niemals das Tageslicht erblickten.

Blickte auf in dieselben Augen, diesmal geöffnet und voller Wissen. Ich sah auch dieses Baby, meine zweite Tochter, voller Blut und Leben, rot und verschrumpelt, wutrot über das Ärgernis der Geburt, so ganz anders als die Stille der ersten – und genauso großartig in ihrer Perfektion.

Zwei Wunder waren mir geschenkt worden, ich hatte sie unter dem Herzen getragen, sie geboren und in den Armen gehalten, von mir getrennt und für immer ein Teil von mir. Ich wusste nur zu gut, dass weder der Tod noch die Zeit noch der Abstand ein solches Band jemals veränderten – weil ich davon verändert worden war, für immer verändert durch diese rätselhafte Verbindung.

»Ja, ich verstehe«, sagte ich. Und dann sagte ich: »Oh, aber Brianna!«, als mir erneut schlagartig zu Bewusstsein kam, was ihre Entscheidung für sie bedeuten würde.

Sie beobachtete mich, die Augenbrauen zusammengezogen, Sorgenfalten im Gesicht, und verspätet kam mir der Gedanke, dass sie vielleicht meine Ermahnungen für Äußerungen meiner eigenen Reue hielt.

Entsetzt über den Gedanken, sie könnte glauben, ich hätte sie nicht gewollt oder mir jemals gewünscht, es gäbe sie nicht, ließ ich die Klinge fallen und griff über den Tisch nach ihrer Hand.

»Brianna«, sagte ich, und Panik ergriff mich bei dem Gedanken. »Brianna. Ich liebe dich. Glaubst du mir, dass ich dich liebe?«

Sie nickte wortlos und streckte ihre Hand nach mir aus. Ich ergriff sie wie ein Rettungsseil, wie die Schnur, die uns einst verbunden hatte.

Sie schloss die Augen, und zum ersten Mal sah ich das Glitzern der Tränen, die an ihren sanft geschwungenen, dichten Wimpern hingen.

»Das habe ich immer gewusst, Mama«, flüsterte sie. Ihre Finger legten sich fester um meine Hand; ich sah ihre andere Hand flach gegen ihren Bauch gedrückt. »Von Anfang an.«

Kapitel 50

In welchem Kapitel alles ans Licht kommt

Ende November wurden die Tage ebenso kalt wie die Nächte, und die Regenwolken begannen, sich tiefer auf die Hänge zu legen. Unglücklicherweise hatte das Wetter keine dämpfende Wirkung auf die Laune meiner Lieben; alle waren zunehmend gereizt, und zwar aus offensichtlichem Grund: immer noch kein Wort von Roger Wakefield.

Brianna schwieg sich weiter über den Grund ihrer Auseinandersetzung aus; eigentlich erwähnte sie Roger kaum noch. Sie hatte ihren Entschluss gefasst; jetzt konnte sie nur noch warten und Roger zu dem seinen kommen lassen – wenn er das nicht bereits getan hatte. Dennoch konnte ich sehen, wie Furcht und Wut in ihrem Gesicht miteinander kämpften, wenn sie sich gehenließ – und Zweifel hingen über uns allen wie die Wolken über den Bergen.

Wo war er? Und was würde geschehen, wenn – oder falls – er schließlich auftauchte?

Ich suchte Zuflucht vor der allgemeinen Gereiztheit bei einer Bestandsaufnahme in der Vorratskammer. Der Winter war fast da; die Sammelexkursionen waren vorüber, der Garten abgeerntet, das Einkochen abgeschlossen. Die Wandborde in der Vorratskammer bogen sich unter Säcken mit Nüssen, haufenweise Kürbissen, aufgereihten Kartoffeln, Gläsern mit getrockneten Tomaten, Pfirsichen und Aprikosen, Schalen mit Trockenpilzen, Käserädern und Körben voller Äpfel. Zwiebel- und Knoblauchzöpfe und auf Schnüren aufgereihte Fische hingen von der Decke herab, auf dem Boden standen Fässer mit Pökelfleisch und gesalzenen Fischen und Steingutfässer mit Sauerkraut.

Ich zählte meine Schätze wie ein Eichhörnchen, das seine Nüsse betrachtet, und unser Überfluss beruhigte mich. Egal, was sonst noch geschah, wir würden weder verhungern noch Mangel leiden.

Als ich aus der Vorratskammer kam, ein Stück Käse in der einen Hand und eine Schale getrocknete Bohnen in der anderen, hörte ich ein Klopfen an der Tür. Bevor ich rufen konnte, öffnete sie sich, und Ian steckte den Kopf herein und sah sich vorsichtig im Zimmer um.

»Brianna nicht hier?«, fragte er. Da das offensichtlich nicht der Fall war, wartete er nicht auf eine Antwort, sondern trat ein und versuchte, sich das Haar zu glätten.

»Hast du ’nen Spiegel für mich, Tante Claire?«, fragte er. »Und vielleicht einen Kamm?«

»Ja, natürlich«, sagte ich. Ich stellte die Lebensmittel ab, holte meinen kleinen Spiegel und den Schildpattkamm aus der Anrichte und gab sie ihm, während ich an seinem schlaksigen Körper emporblinzelte.

Sein Gesicht schien abnorm zu glänzen, seine hageren Wangen waren rotfleckig, als hätte er sich nicht nur rasiert, sondern sich seine Haut geradezu wund geschrubbt. Sein Haar, normalerweise ein dichtes, widerspenstiges, hellbraunes Strahlenbündel, war jetzt mit einer Art Schmiere glatt an die Seiten seines Kopfes geklebt. Auch an der Stirn war es großzügig mit derselben Pomade bearbeitet worden und formte dort eine unordentliche Tolle, die ihm das Aussehen eines schwachsinnigen Stachelschweins gab.

»Was hast du dir in die Haare geschmiert, Ian?«, fragte ich. Ich roch an ihm und fuhr daraufhin leicht zurück.

»Bärenfett«, sagte er. »Aber es hat ein bisschen gestunken, also habe ich ein Löffelchen Duftseife mit hineingetan, damit es besser roch.« Er blinzelte sich kritisch im Spiegel an und stieß hier und dort mit dem Kamm in seine Frisurkreation, doch dieser schien der Aufgabe herzlich wenig gewachsen zu sein.

Er trug seinen guten Rock mit einem sauberen Hemd und – das war an einem Werktag noch nie da gewesen – eine saubere, gestärkte Halsbinde um den Hals gewickelt, die hinreichend fest aussah, um ihn zu erwürgen.

»Du hast dich ja wirklich feingemacht, Ian«, sagte ich und biss mir von innen auf die Wange. »Äh … gehst du zu einem besonderen Anlass?«

»Aye, tja«, sagte er verlegen. »Es ist einfach so, ich dachte, wenn ich jemandem einen Antrag machen soll, dann sehe ich besser anständig aus.«

Antrag? Ich wunderte mich über seine Hast. Gewiss hatte er Interesse an Mädchen – und es gab diverse Mädchen in der Gegend, die kein Geheimnis daraus machten, dass sie sein Interesse erwiderten –, doch er war gerade siebzehn. Natürlich heiratete man so jung, und Ian besaß sowohl eigenes Land als auch einen Anteil an der Whiskyproduktion, doch ich hatte nicht gedacht, dass er sich gefühlsmäßig schon so fest gebunden hatte.

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