Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Krieg und Frieden - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
1 ... 246 247 248 249 250 251 252 253 254 ... 458
Перейти на страницу:

Pfuel, der offenbar immer zu ironischer Reizbarkeit neigte, war heute ganz besonders dazu aufgelegt, weil man gewagt hatte, ohne ihn das Lager zu besichtigen und einer Begutachtung zu unterziehen. Dank seinen Erfahrungen bei Austerlitz konnte sich Fürst Andrej aus diesem kurzen Zusammensein mit Pfuel dennoch ein klares Bild vom Charakter dieses Menschen machen. Pfuel war einer jener hoffnungslos, unabänderlich und bis zur Selbstqual von sich überzeugten Menschen, wie man sie nur bei den Deutschen findet, und zwar aus dem Grund, weil nur die Deutschen ihr Selbstbewußtsein auf eine abstrakte Idee, auf die Wissenschaft, gründen, das heißt also auf die vermeintliche Kenntnis der reinen Wahrheit. Der Franzose ist selbstbewußt, weil er sich persönlich geistig sowie auch körperlich Frauen und Männern gegenüber für bezaubernd und unwiderstehlich hält. Beim Engländer fußt das Selbstbewußtsein auf der Tatsache, daß er ein Bürger des bestfundierten Staates in der Welt ist, und auf der Überzeugung, daß er als Engländer immer weiß, was er zu tun hat, weil das, was er als Engländer tut, immer zweifellos gut ist. Der Italiener ist selbstbewußt, weil er immer in Wallung ist und leicht sich selber und andere vergißt. Der Russe aber ist gerade deshalb selbstbewußt, weil er eben nichts weiß und auch gar nichts wissen will, und zwar deshalb nichts wissen will, weil er nicht glaubt, daß es überhaupt möglich ist, irgend etwas zu wissen. Das Selbstbewußtsein des Deutschen ist schlimmer, unwandelbarer und widerlicher als das der anderen, weil er sich einbildet, die Wahrheit zu kennen, und zwar in Gestalt einer Wissenschaft, die er sich selber ausgedacht hat und nun für die reine Wahrheit hält.

Ein solcher Mensch war offenbar auch Pfuel. Er hatte seine Wissenschaft: eine Theorie, die er aus der Geschichte der Kriege Friedrichs des Großen abgeleitet hatte, und alles, was ihm nun in der neueren Kriegsgeschichte entgegentrat, erschien ihm als unsinniges, barbarenhaftes, unordentliches Aufeinanderprallen, bei dem von beiden Seiten Fehler über Fehler gemacht wurden, so daß derartige Raufereien kaum noch den Namen Krieg verdienten.

Im Jahre 1806 hatte Pfuel mit anderen zusammen den Plan jenes Krieges aufgestellt, der mit Jena und Auerstedt seinen Abschluß fand. Dennoch sah er im Ausgang dieses Krieges nicht den geringsten Beweis für die Unrichtigkeit seiner Theorien. Im Gegenteil, seiner Ansicht nach war die einzige Ursache des ganzen Mißerfolges eine kleine Abweichung von seinem Plan gewesen, die man sich erlaubt hatte, und mit der ihm eignen hämischen Ironie sagte er dann: »Ich wußte ja, daß die ganze Geschichte deshalb zum Teufel gehen werde.« Pfuel war einer jener Theoretiker, die dermaßen in ihre Wissenschaft vernarrt sind, daß sie den Zweck aller Theorien: ihre Anwendung auf die Praxis, ganz aus dem Auge verlieren. In seiner Schwärmerei für die Theorie haßte er jede Praxis. Er freute sich sogar über Mißerfolge, denn da seiner Ansicht nach jeder Mißerfolg nur daher kam, daß man in der Praxis von seinen Plänen abwich, so war das für ihn nur ein Beweis, wie richtig seine Theorien waren.

Er hatte die wenigen Worte, die er zu Andrej und Tschernyschow über den jetzigen Krieg geäußert hatte, mit einem Ausdruck gesagt, als wisse er im voraus, daß alles schief gehen werde, und als sei er damit nicht einmal unzufrieden. Und sogar seine im Nacken ungekämmt aufstrebenden Haarbüschel und das eilig über die Schläfen glattgestrichene Vorderhaar schienen das beredt zum Ausdruck zu bringen. Er ging ins Nebenzimmer, und sogleich vernahm man von drüben die tiefen, brummigen Töne seiner Stimme.

11

Fürst Andrej hatte kaum Zeit gehabt, den hinausgehenden Pfuel mit den Augen zu verfolgen, als Bennigsen hastig ins Zimmer trat, ihm zunickte, seinem Adjutanten einige Befehle erteilte und, ohne stehenzubleiben, in sein Arbeitszimmer ging. Der Kaiser mußte gleich kommen, und Bennigsen war vorausgeeilt, um noch einige Vorbereitungen zu seinem Empfang zu treffen. Tschernyschow und Fürst Andrej traten auf die Freitreppe hinaus.

Mit müdem Gesichtsausdruck stieg der Kaiser vom Pferde. Marquis Paulucci unterhielt sich mit ihm. Der Kaiser hielt den Kopf etwas nach links geneigt und hörte mit unzufriedener Miene Paulucci an, der mit großem Eifer auf ihn einredete. Dann ging er vorwärts, in dem sichtlichen Wunsch, dem Gespräch ein Ende zu machen, aber der Italiener, der vor Aufregung schon einen ganz roten Kopf bekommen hatte, ließ alle Regeln der Etikette außer acht und redete, hinter dem Kaiser hergehend, immer weiter auf ihn ein: »Quant à celui, qui à conseillé ce camp, le camp de Drissa«, sagte Paulucci, als der Kaiser die Stufen hinaufstieg, den Fürsten Andrej bemerkte und in dessen ihm unbekanntes Gesicht blickte, »quant à celui, Sire«, fuhr Paulucci unentwegt fort, als wäre er nicht imstande, innezuhalten, »qui à conseillé le camp de Drissa je ne vois pas d’autre alternative que la maison jaune ou le gibet.«

Aber der Kaiser erkannte Bolkonskij und wandte sich ihm gnädig zu, als wolle er die Worte des Italieners gar nicht zu Ende hören oder als habe er sie gar nicht verstanden.

»Freue mich sehr, dich zu sehen; geh hinein in die Versammlung und warte dort auf mich.«

Der Kaiser begab sich ins Arbeitszimmer. Ihm folgten Fürst Peter Michailowitsch Wolkonskij und der Freiherr vom Stein. Hinter ihnen wurden die Türen geschlossen. Fürst Andrej machte von der Erlaubnis des Kaisers Gebrauch und ging mit Paulucci, den er von der Türkei her kannte, in den Salon, wo sich der Rat versammelt hatte.

Fürst Peter Michailowitsch Wolkonskij schien das Amt eines Chefs beim kaiserlichen Stabe zu versehen. Er kam aus dem Arbeitszimmer, brachte die Karten in den Salon, breitete sie auf dem Tisch aus und teilte die Fragen mit, über die er die Ansichten der versammelten Herren zu hören wünschte. Es handelte sich darum, daß in der Nacht die Nachricht eingelaufen war, daß die Franzosen vorrückten, um das Lager an der Drissa zu umzingeln, eine Nachricht, die sich später als unrichtig erwies.

General Armfelt eröffnete die Diskussion, indem er zur Behebung der sich einstellenden Schwierigkeiten unerwarteterweise einen ganz neuen Vorschlag machte, der nur durch den Wunsch, zu zeigen, daß auch er eine eigne Ansicht besaß, zu erklären war. Er schlug nämlich vor, eine Stellung seitlich der Petersburg-Moskauer Straße zu beziehen, die seiner Ansicht nach der einzige Punkt war, wo die vereinigten Truppen den Feind erwarten mußten. Man merkte, daß Armfelt diesen Plan schon lange vorbereitet hatte und ihn jetzt vortrug, weniger um auf die gestellte Frage zu antworten, auf die der Plan gar nicht paßte, als um sich die Gelegenheit, ihn endlich einmal anzubringen, nicht entgehen zu lassen. Es war dies einer aus jenen Tausenden von Vorschlägen, die alle mit der gleichen Begründung gemacht werden konnten, da ja doch niemand einen Begriff davon hatte, welchen Charakter der Krieg noch annehmen werde. Einige der Anwesenden bestritten seine Ansicht, andere nahmen sie in Schutz. Der junge Oberst Toll zog hitziger als alle übrigen gegen den Plan des schwedischen Generals zu Felde, zog während der Debatte ein geschriebenes Heft aus der Tasche und bat um die Erlaubnis, es vorlesen zu dürfen. In diesem weitläufig abgefaßten Schriftstück schlug Toll einen anderen Operationsplan vor, der den Vorschlägen Armfelts und Pfuels vollkommen zuwiderlief. Paulucci widersprach ihm und beantragte eine Attacke und Offensivbewegung, die uns seiner Ansicht nach aus der unsicheren Lage, in der wir uns befanden, und aus der Mausefalle, wie er das Lager an der Drissa nannte, allein noch retten konnte. Während all dieser Streitigkeiten schwiegen Pfuel und sein Dolmetscher Wolzogen, der ihm auch in allen seinen Beziehungen zum Hof eine Brücke war, vollkommen still. Pfuel schnaufte nur ein paarmal verächtlich und wandte sich ab, um zu zeigen, daß er sich nie zu einer Entgegnung auf solchen Stuß, wie er ihn jetzt mit anhören müsse, herablassen werde. Und als Fürst Wolkonskij, der die Beratung leitete, ihn aufforderte, seine Ansicht darzulegen, sagte er nur: »Wozu fragt man mich denn noch? General Armfelt hat ja eine prächtige Stellung mit ungedecktem Rücken vorgeschlagen. Wir können uns ja auch für die Attacke von diesem italienischen Herrn da entscheiden – sehr schön. Oder für den Rückzug – auch gut. Wozu also fragt man mich denn noch? Sie wissen ja doch alles besser als ich.«

1 ... 246 247 248 249 250 251 252 253 254 ... 458
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)