Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ihr könnt es nicht verfehlen«, hatte das Mädchen in der Mühle ihm versichert, und er konnte sehen, warum. Man konnte nirgendwo anders hin.
Er beschattete seine Augen und blickte den Weg hinauf, doch die herabhängenden Äste der Kiefern und Ahornbäume verbargen alles und bildeten nur einen schattigen, mysteriösen Tunnel, der durch die Bäume führte. Unmöglich zu sagen, wie weit es bis zur Spitze des Bergkammes war.
»Das schafft Ihr leicht bis Sonnenuntergang«, hatte das Mädchen gesagt, und jetzt war es weit nach Mittag. Doch da hatte er noch ein Pferd gehabt. Da er nicht im Dunkeln auf dem Berg festsitzen wollte, legte er an Tempo zu und suchte vor sich nach dem Sonnenlicht, das ihm den offenen Bergkamm am Ende des Pfades anzeigen würde.
Beim Gehen wanderten ihm seine Gedanken unaufhaltsam voraus, von Spekulationen beflügelt.
Wie war es verlaufen, Briannas Zusammentreffen mit ihren Eltern? Welchen Eindruck hatte Jamie Fraser auf sie gemacht? War er der Mann, den sie sich während des vergangenen Jahres vorgestellt hatte, oder nur ein blasses Spiegelbild der Vorstellung, die sie sich anhand der Geschichten ihrer Mutter gemacht hatte?
Immerhin hatte sie einen Vater, den sie kennenlernen konnte, dachte er mit einem merkwürdigen kleinen Stich bei dem Gedanken an die Mittsommernacht und den Lichtblitz in der Passage durch die Steine.
Da war es! Der dichte, grüne Schatten vor ihm lichtete sich; hellte sich auf, als züngelndes Sonnenlicht das Herbstlaub orange und gelb aufflammen ließ.
Die Sonne blendete ihn einen Augenblick lang, als er aus dem grünen Tunnel trat. Er blinzelte einmal und sah, dass er sich nicht auf dem Kamm befand, wie er erwartet hatte, sondern auf einer kleinen, natürlichen Lichtung, die mit scharlachroten Ahornbäumen und gelben Krüppeleichen umstanden war. Sie war mit Sonnenlicht gefüllt wie eine Schale, und dahinter dehnte sich der dunkle Wald in alle Richtungen aus.
Als er sich umdrehte, um herauszufinden, wo sich der Weg fortsetzte, hörte er ein Pferd wiehern und wirbelte herum – um sein eigenes, betagtes Reittier zu erblicken, das mit dem Kopf schlug, um gegen den Zug des Zügels anzukämpfen, der am Rand der Lichtung an einen Baum gebunden war.
»Also, ich fass es nicht!«, rief er erstaunt aus. »Wie zum Teufel bist du denn hier heraufgekommen?«
»Genauso wie Ihr«, antwortete ihm eine Stimme. Ein hochgewachsener, junger Mann trat neben dem Pferd aus dem Wald, blieb stehen und zielte mit einer Pistole auf Roger; seiner eigenen, wie er ebenso entrüstet wie besorgt feststellte. Er holte tief Luft und würgte seine Angst hinunter.
»Ihr habt mein Pferd und mein Schießeisen«, sagte Roger kühl. »Was wollt Ihr sonst noch? Meinen Hut?« Er hielt ihm den abgetragenen Dreispitz einladend entgegen. Der Räuber konnte unmöglich wissen, was er sonst noch bei sich trug; er hatte sie niemandem gezeigt.
Der junge Mann – er musste unter zwanzig sein, trotz seiner Größe, dachte Roger – lächelte nicht.
»Ein bisschen mehr als das, schätze ich.« Zum ersten Mal wandte der junge Mann den Blick von Roger ab und ließ ihn zur Seite schweifen. Roger folgte seiner Blickrichtung und spürte einen Stoß wie von einem Elektroschock.
Er hatte den Mann am Rand der Lichtung nicht gesehen, obwohl er die ganze Zeit reglos dagestanden haben musste. Er trug einen verblichenen Jagdkilt, dessen Braun- und Grüntöne mit dem Gras und Gebüsch verschmolzen, genau wie sein flammendes Haar mit dem leuchtenden Laub verschmolz. Er sah aus, als sei er aus dem Wald hervorgewachsen.
Neben der Plötzlichkeit seines Auftauchens war es vor allem sein Aussehen, das Roger die Sprache verschlug. Es war eine Sache, wenn einem erzählt worden war, dass Jamie Fraser seiner Tochter ähnelte. Es war eine andere, Briannas kühne Gesichtszüge durch den Stempel der Jahre in Stärke verwandelt zu sehen und einer Persönlichkeit gegenüberzustehen, die nicht nur durch und durch maskulin war, sondern auch noch grimmig aussah.
Es war, als erhöbe man seine Hand vom Pelz einer hübschen, roten Katze und sähe sich stattdessen unvermittelt Auge in Auge mit dem reglosen Blick eines Tigers. Roger konnte es sich nur knapp verkneifen, unwillkürlich einen Schritt zurückzutreten, und er dachte dabei, dass Claire nicht im Geringsten übertrieben hatte, als sie Jamie Fraser beschrieb.
»Ihr seid wohl Mr. MacKenzie«, sagte der Mann. Es war keine Frage. Die Stimme war tief, aber nicht laut; sie übertönte das Geräusch der raschelnden Blätter kaum, doch Roger hatte keine Schwierigkeiten, ihn zu hören.
»Der bin ich«, sagte er und trat einen Schritt vor. »Und Ihr seid … äh … Jamie Fraser?« Er streckte seine Hand aus, ließ sie aber schnell wieder sinken. Zwei Augenpaare ruhten kalt auf ihm.
»Der bin ich«, sagte der rothaarige Mann. »Ihr kennt mich?« Der Ton der Frage war spürbar unfreundlich.
Roger holte tief Luft und verfluchte sein heruntergekommenes Aussehen. Er wusste nicht, wie ihn Brianna ihrem Vater beschrieben haben mochte, doch Fraser hatte offensichtlich etwas sehr viel Einnehmenderes erwartet.
»Na ja, Ihr – seht Eurer Tochter ziemlich ähnlich.«
Der junge Mann schnaubte laut, doch Fraser würdigte ihn keines Blickes.
»Und was habt Ihr mit meiner Tochter zu tun?« Fraser bewegte sich zum ersten Mal und trat aus dem Schatten der Bäume heraus. Nein, Claire hatte nicht übertrieben. Er war groß, sogar noch ein paar Zentimeter größer als Roger.
Roger fühlte, wie sich ein Stich der Besorgnis unter seine Verwirrung mischte. Was zum Teufel hatte Brianna ihm erzählt? Sie konnte doch sicher nicht so wütend gewesen sein, dass – nun, das würde er in Ordnung bringen, wenn er sie sah.
»Ich bin gekommen, um Anspruch auf meine Frau zu erheben«, sagte er kühn.
In Frasers Augen veränderte sich etwas. Roger wusste nicht, was es war, doch es veranlasste ihn, seinen Hut fallen zu lassen und seine Hände instinktiv ein Stück zu heben.
»Oh, nein, das seid Ihr nicht.« Es war der Junge, der gesprochen hatte, in einem seltsamen Tonfall der Genugtuung.
Roger warf ihm einen Blick zu, und es alarmierte ihn noch mehr, die vorstehenden Fingerknöchel des Jungen weiß am Griff der Pistole zu sehen.
»Hallo, Vorsicht! Ihr wollt doch nicht, dass das Ding zufällig losgeht«, sagte er.
Der junge Mann zog verächtlich die Lippe hoch.
»Wenn es losgeht, dann wird es kein Zufall sein.«
»Ian.« Frasers Stimme blieb gleichmütig, doch die Pistole senkte sich zögernd. Der große Mann trat noch einen Schritt vor. Er blickte Roger gebannt an; seine Augen waren dunkelblau und schräg, und sie sahen Briannas verstörend ähnlich.
»Ich frage das nur einmal, und ich will die Wahrheit hören«, sagte er ganz milde. »Habt Ihr meine Tochter entjungfert?«
Roger spürte, wie sein Gesicht heiß wurde, als eine warme Flut von seiner Brust bis zum Haaransatz hochspülte. Himmel, was hatte sie ihrem Vater erzählt? Und um Himmels willen, warum? Das Letzte, was er vorzufinden erwartet hatte, war ein wutentbrannter Vater, der sich vorgenommen hatte, die Ehre seiner Tochter zu rächen.
»Es ist … äh … also, es ist nicht so, wie Ihr denkt«, platzte er heraus. »Ich meine, wir … also … wir hatten vor …«
»Ja oder nein?« Frasers Gesicht war keinen halben Meter von ihm entfernt und völlig ausdruckslos, nur tief in seinen Augen brannte etwas Undefinierbares.
»Hört mir zu – ich – verdammt, ja! Sie wollte –«
Fraser boxte ihn knapp unter die Rippen.
Roger knickte in der Hüfte ein, stolperte rückwärts und schnappte nach Luft. Es schmerzte nicht – noch nicht –, doch er hatte die Kraft des Hiebes bis in seine Wirbelsäule gespürt. In der Hauptsache empfand er Erstaunen, versetzt mit Wut.
»Halt«, sagte er und versuchte, genug Luft zum Reden einzuatmen. »Halt! In Gottes Namen, ich habe doch gesagt, ich –«
Fraser schlug erneut zu, seitlich gegen seinen Kiefer. Diesmal tat es weh, ein gewaltiger Schlag, der ihm die Haut aufschürfte und seinen Kiefer pochen ließ. Roger fuhr zurück, und seine Angst verwandelte sich rapide in blinde Wut. Der verdammte Mistkerl versuchte, ihn umzubringen.