Kater Brown und die Klostermorde
- Автор: Sander Ralph
- Год: 2012
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие детективы
Электронная книга - «Kater Brown und die Klostermorde». Краткое содержание книги:
Ralph Sander arbeitet seit vielen Jahren als Übersetzer und Autor. Unter diversen Pseudonymen sind von ihm etliche Krimis erschienen. Nachdem er bereits eine Reihe von fiktiven samtpfotigen Helden für seine Krimis geschaffen hat, entstand mit Kater Brown zum ersten Mal eine Figur nach einem realen Vorbild: dem Sander’schen Familienkater Paulchen Panther.
Kater Brown schlenderte nach draußen. Nach einer Runde über den Platz hatte er die ideale Stelle gefunden, um sich auf dem warmen Boden auszustrecken. Er blinzelte in die Sonne. Ein Schmetterling flatterte über seinem Kopf umher. Behäbig hob Kater Brown eine Pfote und ließ die Krallen ausfahren, kam aber zu der Einsicht, dass es einfach zu viel Mühe machen würde, dem zitronengelben Etwas nachzujagen. Außerdem hatte er keine Lust, seinen gemütlichen Platz aufzugeben.
Er nahm die Pfote runter, ließ den Kopf auf die Vorderbeine sinken und schloss die Augen, um die Sonnenstrahlen zu genießen. So ein Katzenleben konnte herrlich sein!
9. Kapitel
»Und was machen wir nun?«, fragte Tobias.
»Erst mal gehe ich unter die Dusche, dann esse ich einen Happen«, erklärte Alexandra. »Ich habe noch ein Sandwich von gestern. Wenn du möchtest, kannst du eine Hälfte haben.«
»Oh, ich glaube, du bist vom Klosterleben infiziert worden! Ich hätte nie gedacht, dass du einmal ganz christlich mit mir dein karges Mahl teilen würdest.«
Alexandra grinste. »Freu dich nicht zu früh! Ich habe dir nur ein halbes Sandwich angeboten, aber nicht die Hälfte vom Kartoffelsalat und von den Chips, die ich auch noch in meinem Zimmer habe.« Sie zögerte einen Moment und meinte dann: »Ich weiß ja nicht, wie du das handhaben wirst, doch vielleicht werde ich mir bei der Berichterstattung einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen können. So gut das Konzept auch ist: Man bezahlt in diesem Hotel andererseits aber auch recht viel dafür, dass einem etwas vorenthalten wird. Die Zimmer sind winzig, um zehn Uhr abends wird der Strom abgestellt …«
Tobias klopfte ihr lachend auf die Schulter. »Du bist jetzt ja nur sauer, weil du nichts zu essen bekommen hast.«
»Nein, aber ich kann mich auch zu Hause hinsetzen, stundenlang schweigen und auf das Mittagessen verzichten. Das kostet mich nichts. Und ich spare sogar noch ein paar Euro, weil ich mein Mittagessen für den nächsten Tag aufhebe.«
Tobias ging langsam neben ihr her weiter. »Stimmt irgendwie schon … Doch ich glaube, von allein und in seinem gewohnten häuslichen Umfeld kommt man nicht darauf, einmal bewusst zu schweigen oder auf etwas zu verzichten.«
Alexandra zuckte nur mit den Schultern. »Da wir gerade von Mittagessen reden – was hältst du davon, wenn wir uns ins Auto setzen und irgendwo essen gehen? Du weißt ja, vor vier Uhr können wir mit Wildens Mitarbeitern sowieso nicht reden.«
»Gute Idee, ich kriege nämlich auch allmählich Hunger.« Tobias sah auf die Uhr. »Ich schlage vor, wir befragen das Navi in meinem Mietwagen, wo wir in der Gegend ein brauchbares Restaurant finden können.«
»Dein Navi kannst du schonen. Auf dem Weg hierher habe ich an einer Wirtschaft angehalten, weil in Lengenich jemand die Straße in Richtung Kloster blockiert hatte. Ich meine, ich hätte da eine ziemlich umfangreiche Speisekarte gesehen.«
»Oh. Hausmannskost. Herrlich.« Doch seine Miene strafte seine Worte Lügen.
»Hausmannskost liegt voll im Trend«, hielt sie dagegen. »Sushi und Tapas sind längst auf dem absteigenden Ast. Zwei Scheiben Schweinebraten, dazu Klöße und Rotkohl – das ist das, was in der nächsten Zeit die Speisekarten beherrschen wird. Oder Leberkäse mit Spiegeleiern.«
»Das glaubst du ja selbst nicht!«
Alexandra war vor ihrem Zimmer angekommen. »Okay, ich gehe duschen und ziehe mich um, danach können wir losfahren. Unterwegs erzähle ich dir von meiner merkwürdigen Begegnung im Keller.«
Es war halb eins, als Alexandra frisch geduscht und in sauberer Jeans und dunkelblauer Bluse auf dem Bett saß, um ihre Schuhe anzuziehen. Es waren erst ein paar Stunden vergangen, seit sie auf den Toten im Brunnen gestoßen waren, doch seitdem war sie pausenlos beschäftigt gewesen, ohne einen nennenswerten Schritt weiterzukommen. Das Wichtigste ließ weiter auf sich warten, nämlich die Gespräche mit Wildens Mitarbeitern.
Ein wenig missmutig schüttelte sie den Kopf. Sosehr das Verhalten des Polizisten Pallenberg sie auch dazu herausgefordert hatte, es dem Mann zu zeigen, überwogen in ihr mit einem Mal die Zweifel daran, überhaupt etwas erreichen zu können. Hatte sie sich zu viel vorgenommen? In diesem Moment näherten sich auf dem Flur Schritte. Es klang nicht wie das typische Klatschen der Sandalen, die die Mönche trugen, sondern wie das harte Stakkato von hohen, spitzen Absätzen.
Als sie die Tür öffnete, erblickte sie eine rothaarige Frau, die sie am Morgen bereits kurz gesehen hatte, als man noch auf der Suche nach Wilden gewesen war. Die Frau steuerte auf das vorletzte Zimmer vor Alexandras Unterkunft zu und hielt den Schlüssel in der ausgestreckten Hand.
»Hallo«, rief Alexandra.
Die Rothaarige erwiderte den Gruß.
»Alexandra Berger«, stellte Alexandra sich vor. »Wir sind uns heute Morgen vor dem Kloster schon einmal über den Weg gelaufen.«
Die Frau schenkte ihr ein zurückhaltendes Lächeln. »Tina Wittecker.«
»Sie sind also schon von der Wanderung zurück?«
Tina lachte und winkte ab. »Da bin ich gar nicht erst mitgegangen. Was glauben Sie, wie weit ich mit diesen Absätzen hier in der Pampa kommen würde?« Sie zog ein Hosenbein hoch, um den Blick auf ihre spitz zulaufenden High Heels freizugeben.
Alexandra stimmte in Tinas Lachen ein. Einmal mehr fragte sie sich, wie jemand auf solchen Stelzen gehen konnte, ohne nach zwei oder drei Schritten umzuknicken. »Oh, das ist allerdings ein gutes Argument gegen eine Wanderung. Aber meinen Sie denn, damit wären Sie auch durchgekommen, wenn Wilden nicht … zu Tode gekommen wäre?«
Tina Wittecker runzelte die Stirn, als hätte sie Alexandras Frage nicht verstanden.
»Na ja, so wie ich den Mann gestern erlebt habe, kann ich mir nicht vorstellen, dass er ohne Weiteres einverstanden gewesen wäre, wenn Sie die Wanderung nicht mitgemacht hätten …«
Tina warf ihr einen kurzen, prüfenden Blick zu. »Wissen Sie, man musste schon ein Gefühl dafür haben, was den richtigen Umgang mit Bernd Wilden betraf«, erklärte sie und nickte Tobias zu, der neben Alexandra erschienen war. »Man musste im Umgang mit ihm die gleichen schweren Geschütze auffahren wie er. In diesem speziellen Fall hätte er mir wahrscheinlich mit einer Abmahnung gedroht. Daraufhin hätte ich ihm einen Brief zur Unterschrift vorgelegt, mit dem er sich verpflichtet hätte, für alle Behandlungs-und Folgekosten aufzukommen, sollte ich wegen meiner ungeeigneten Schuhe stürzen und mich verletzen.«
Alexandra musste unwillkürlich lächeln. »Beliebt war er als Chef sicher nicht …«
Die rothaarige Frau zögerte einen Moment. »Ich glaube, jeder aus unserem Verband würde Bernd Wilden als einen Tyrannen beschreiben. Was Sie hier von ihm zu sehen bekommen haben, war Wilden, wie wir ihn jeden Tag ertragen mussten.«
»Aber doch sicher nicht in jeder Abteilung, oder?«, wandte Tobias ein, nachdem er sich vorgestellt hatte. »Ich meine, als Geschäftsführer wird er doch keine Zeit gehabt haben, sich in alles einzumischen.«
Tina Wittecker schenkte ihm ein spöttisches Lächeln. »Ich leite den Mahlzeitendienst. Ich habe acht Mitarbeiterinnen, die an jedem Tag in der Woche unterwegs sind, um Essen auszufahren. Dabei folgen sie einem ausgeklügelten Zeitplan, der gewährleistet, dass diese Fertigessen spätestens um halb eins bei unseren Kunden sind. Um Beschwerden vorzubeugen, muss dieses Essen seinen Empfänger warm erreichen. Damit das funktioniert, haben wir an vier Stellen in der Stadt kleine Büros angemietet, in denen die Essen erhitzt werden, ehe meine Frauen es ausliefern. Ich mache diesen Job jetzt seit siebzehn Jahren. Ich habe als Fahrerin angefangen und mich hochgearbeitet, und es war meine Idee, das Aufwärmen zu dezentralisieren, weil das Stress, Zeit, Benzin und damit bares Geld spart. Vor drei Jahren hat Herr Wilden den Posten des Kreisgeschäftsführers übernommen. Nach ungefähr zwei Monaten kam er auf einmal in mein Büro geschneit und erzählte mir, er sei in den letzten zwei Wochen an insgesamt vier Tagen jeweils einer meiner Mitarbeiterinnen hinterhergefahren, und zwar in allen vier Fällen über die komplette Strecke. Mit einer Videokamera hatte er die gesamte Fahrt dokumentiert und anschließend mit der Stoppuhr ausgewertet. Dabei wollte er festgestellt haben, dass die von den Frauen genommenen Fahrtrouten unwirtschaftlich sind. Sie sollten doch an zentraleren Stellen parken und von da aus gleich mit drei oder vier Warmhalteboxen zu den Kundinnen laufen. Das würde sehr viel mehr Zeit sparen, meinte er.«