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Kater Brown und die Klostermorde

Электронная книга - «Kater Brown und die Klostermorde». Краткое содержание книги:

In der idyllischen Eifel ist die Hölle los - und das ausgerechnet dort, wo man es am wenigsten erwartet hätte: im Klosterhotel Zur inneren Einkehr. Hier stößt die Klosterkatze Kater Brown während eines nächtlichen Streifzugs auf eine grausam zugerichtete Leiche. Wer hat den Hotelgast ermordet und in den Brunnen geworfen? Zusammen mit der Reisejournalistin Alexandra begibt sich Kater Brown auf Spurensuche.
Ralph Sander arbeitet seit vielen Jahren als Übersetzer und Autor. Unter diversen Pseudonymen sind von ihm etliche Krimis erschienen. Nachdem er bereits eine Reihe von fiktiven samtpfotigen Helden für seine Krimis geschaffen hat, entstand mit Kater Brown zum ersten Mal eine Figur nach einem realen Vorbild: dem Sander’schen Familienkater Paulchen Panther.
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»Machen Sie sich deshalb keine Sorgen!«, beruhigte sie ihn. »Wenn es zu Widersprüchen kommen sollte, werde ich Sie einfach nochmals fragen.«

Der Mönch nickte erleichtert. »Bruder Johannes hat mir zwar vorhin Bescheid gesagt und mir aufgetragen, das als Liste zusammenzustellen, aber ich habe überlegt, dass es praktischer wäre, am Computer eine Serie von Grafiken zu erstellen, auf denen beispielsweise im Abstand von fünf Minuten der Standort jeder Person eingetragen ist.«

»Das können Sie?«

»Oh ja, ich war früher Programmierer, bis ich genug von dem Trubel hatte und im Kloster mein Seelenheil gefunden habe«, erklärte er. »Technisch ist das kein Problem, es stellt nur eine Fleißaufgabe dar, weil die Personen den verschiedenen Zeitpunkten und Standorten zugewiesen werden müssen.«

Alexandra war beeindruckt.

»Ich könnte mich mit einem meiner Brüder zusammensetzen und danach die Angaben auf eine Skizze des Klosters übertragen. Wenn Sie sich dann auf der Zeitlinie vorwärtsbewegen, die ich am unteren Bildrand einbaue, können Sie nachvollziehen, wer sich wann wo aufgehalten hat.« Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: »Jedenfalls auf der Grundlage dessen, was an Beobachtungen genannt wird.«

»Das ist sehr nett von Ihnen, vielen Dank!« Alexandra meinte jedes Wort ernst.

Er beugte sich zu ihr vor. »Ich will ehrlich zu Ihnen sein«, sagte er leise, als fürchtete er, jemand könnte ihn belauschen. »Wir alle wollen diese Sache aufgeklärt sehen. Wenn es ein Unfall war, dann ist das schlimm genug für das Kloster, aber wenn es kein Unfall war, dann … dann muss der Täter gefunden werden, damit er mit seinem Verbrechen nicht Schande über dieses Haus bringen kann. Wir haben alles gegeben, um das Kloster zu retten, und das tun wir jetzt immer noch, und keiner von uns wird zulassen, dass jemand herkommt und unser Werk zerstört.«

»Können Sie uns vielleicht eine Liste Ihrer Gäste geben?«, mischte sich auf einmal Tobias ein und erntete einen ärgerlichen Blick von Alexandra. »Wir haben nämlich derzeit keine Ahnung, wer sich überhaupt im Haus aufhält.«

Bruder Andreas wandte sich ihm zu. »Ja, natürlich. Einen Augenblick, ich muss nur kurz ins Büro, dann bekommen Sie einen Ausdruck.«

Wenig später kam er zurück. »Hier ist die aktuelle Liste. Ich habe Sie beide jetzt mal weggelassen, denn das wäre ja irgendwie widersinnig.«

»Das sind ja nur … gut zehn Namen«, stellte Tobias fest, als er die Übersicht sah. »Was ist denn mit dem Bus, der gestern Nachmittag noch auf dem Parkplatz stand?«

»Diese Gruppe ist gestern am frühen Abend abgereist. Sie hat an einem fünftägigen Besinnungsworkshop teilgenommen. ›Bewusst leben in fünf Stufen‹. Ein sehr interessanter Kurs.«

»Hm, wann wurde Herr Wilden gestern eigentlich zum letzten Mal gesehen? Bevor der Bus abgefahren war oder auch noch danach?«

»Von der Reisegruppe kann niemand etwas mit Herrn Wildens Tod zu tun haben«, erklärte der Mönch. »Ich habe ihn noch danach ins Haus kommen sehen, so etwa um kurz nach acht. Der Bus ist um … ja, ich glaube, es war Viertel nach sieben abgefahren.«

»Und Sie haben Wilden danach noch gesehen?«, vergewisserte sich Alexandra. »Ganz sicher?«

Bruder Andreas lächelte kurz. »Hätten Sie Herrn Wilden mit irgendwem verwechseln können?«

Alexandra schüttelte den Kopf.

»Als er ins Foyer kam, rechnete ich schon damit, wieder irgendwelche Beschwerden zu hören zu bekommen, aber er marschierte wortlos an mir vorbei in Richtung der Gästezimmer. Obwohl … wortlos stimmt nicht so ganz. Er hat irgendetwas vor sich hin gemurmelt. Um was es ging, habe ich jedoch nicht verstanden.«

»Und werden heute noch neue Gäste erwartet?«, wollte Tobias wissen.

»Tja, die Reisegruppe, die aus Goch herkommen sollte, wurde bei Aachen von der Autobahnpolizei angehalten. Offenbar war sie in einem nicht mehr verkehrstüchtigen Bus unterwegs, der stillgelegt wurde. Die Leute sind jetzt irgendwo bei Aachen einquartiert, und es sieht nicht danach aus, dass heute noch ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung gestellt werden kann.«

»Dann sind also außer uns nur noch Wildens Mitarbeiter hier?«

»Ähm … nein, Frau Berger«, antwortete Bruder Andreas. »Außer Ihnen ist momentan kein Gast im Hause …«

»Was?«, rief sie aufgebracht. Das durfte doch nicht wahr sein! »Die haben sich alle aus dem Staub gemacht? Wie sollen wir dann noch dahinterkommen, wer …« Sie verstummte schnell wieder, als sie sah, dass der Mönch eine beschwichtigende Handbewegung machte.

»Die Gruppe ist nicht abgereist, sondern nimmt die gebuchten Programme wahr«, erklärte er.

»Obwohl Wilden tot ist?«

»Ja«, sagte der Mönch. »Es handelt sich zwar um eine betriebliche Veranstaltung, aber jeder der Mitarbeiter hat den Aufenthalt hier aus eigener Tasche bezahlen müssen, und da wir bei Stornierungen nichts zurückerstatten …« Er hob bedauernd die Schultern. »Das war nicht unsere Entscheidung, sondern die der Bank. Es ist eine von verschiedenen Bedingungen, die wir akzeptieren mussten.«

»Das heißt, wir können derzeit mit keinem von Wildens Mitarbeitern reden?«, warf Alexandra ein. »Wo sind sie denn?«

»Sie unternehmen eine Wanderung unter der Führung von Bruder Jonas«, ließ der Mönch sie wissen. »Wir erwarten sie nicht vor sechzehn Uhr zurück.«

»Mist«, schimpfte sie. »Dann sitzen wir ja von jetzt an noch gut vier Stunden hier rum, ehe wir tätig werden können.«

Bruder Andreas sah sie bedauernd an. »Tut mir leid, doch ich kann Bruder Jonas auch nicht anrufen und ihn bitten, früher zurückzukehren. Sein Handy ist abgeschaltet. Die Gruppe unternimmt eine ›stille Wanderung‹, bei der nicht gesprochen und nicht telefoniert wird. Die Teilnehmer sollen sich dabei nur auf sich selbst und den Fußmarsch konzentrieren.«

Alexandra verzog missmutig den Mund. »Dann bleibt uns tatsächlich nichts anderes übrig, als darauf zu warten, dass die Leute von ihrem Ausflug zurückkommen.« Sie sah auf die Uhr an der Wand rechts vom Empfang. »Was ist denn dann mit dem Mittagessen?«

Daraufhin senkte der Mönch betreten den Blick und murmelte: »Das fällt heute aus.«

»Weil nicht genug Gäste im Haus sind?«

»Nein, an den Wochenenden bieten wir nur Frühstück und Abendessen an. Dadurch sollen unsere Gäste erfahren, was es heißt zu verzichten. Eine Mahlzeit am Tag ist nur ein kleines Opfer.«

Alexandra nickte. Die Philosophie dahinter war durchaus begrüßenswert, aber davon hatte sie nichts, war sie doch schon um ihr Frühstück gebracht worden.

Kater Brown sah Alexandra und Tobias nach, wie sie gemeinsam das Foyer verließen und sich in den Korridor begaben. Zuvor hatte Alexandra ihn noch einmal ausgiebig gestreichelt. Sie war nett, fand er. Sehr nett. Nur schade, dass es vorhin nicht geklappt hatte, ihr seine andere Entdeckung zu zeigen. Aber Kater Brown war geduldig. Früher oder später würde es ihm schon gelingen, sie zu dem Fund zu führen.

Die Männer, mit denen er sein Reich teilte, nahmen von ihm nie Notiz. Seit Wochen setzte er sich – wenn der Weg dorthin für ihn offen stand – auf immer den gleichen Platz und wartete darauf, dass einem von ihnen auffiel, worauf er sie aufmerksam machen wollte. Aber manche von ihnen sahen ihn gar nicht, andere sprachen ihn an und kraulten ihn ein paar Minuten lang, oder sie gaben ihm sogar eine Kleinigkeit zu essen. Doch das war auch schon alles. Wenn sie dann diese Räume verließen, nahmen sie ihn von dem Platz hoch, auf dem er sich niedergelassen hatte, und trugen ihn nach draußen. Dann schlossen sie die Tür hinter sich und gingen fort.

Nachdem sich auch der Mann hinter der großen Theke in den Raum dahinter zurückgezogen hatte, drehte sich Kater Brown um und schaute zur Eingangstür. Die Sonne schien auf den Platz rings um den Brunnen, und durch die offene Tür wurde angenehm warme Luft in das kühle Foyer getragen.

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