Kater Brown und die Klostermorde
- Автор: Sander Ralph
- Год: 2012
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие детективы
Электронная книга - «Kater Brown und die Klostermorde». Краткое содержание книги:
Ralph Sander arbeitet seit vielen Jahren als Übersetzer und Autor. Unter diversen Pseudonymen sind von ihm etliche Krimis erschienen. Nachdem er bereits eine Reihe von fiktiven samtpfotigen Helden für seine Krimis geschaffen hat, entstand mit Kater Brown zum ersten Mal eine Figur nach einem realen Vorbild: dem Sander’schen Familienkater Paulchen Panther.
Bruder Johannes nickte. »So kurz nach dem Auffinden der Leiche scheinen diese Äußerungen in einem Zusammenhang mit dem Todesfall zu stehen.« Er zog nachdenklich die Brauen zusammen. »Es wäre natürlich hilfreich, wenn man wüsste, wer sich da unterhalten hat.«
»Wir können versuchen, die Leute zu befragen«, äußerte sich Tobias. »Ob sie sich natürlich uns gegenüber äußern wollen, müsste sich erst noch zeigen. Der Täter wird bestimmt gar nichts sagen …«
»Oh, wissen Sie, Herr Rombach, manchmal erfahren wir mehr aus dem, was uns ein Mensch nicht sagt. Die Mimik und Gestik verraten oft mehr als das gesprochene Wort, und in vielen Fällen ist es sogar so, dass sie eine Aussage widerlegen. Meine Jahre im Orden, aber auch viele Gespräche mit Ratsuchenden haben mich das gelehrt. Doch das werden Sie als Journalisten ja wissen.«
»Ja, natürlich«, sagte Alexandra. »Wir werden bei unseren Befragungen diesen Rat beherzigen … Was meinen Sie, sollen wir denn versuchen, etwas Licht in die Sache zu bringen?«
»Meinen Segen haben Sie, schließlich sind Sie beide die neutralsten Personen in unserem Haus«, stimmte Bruder Johannes ihr zu. »Aber ich möchte mich auch nützlich machen«, fügte er sichtlich begeistert hinzu. »Sie wissen ja …«
»Wenn Sie uns bei unseren ›Ermittlungen‹ unterstützen könnten, wäre das natürlich wunderbar. Während wir die Gäste befragen, könnten Sie zum Beispiel …«
»Ein Bewegungsprofil erstellen«, warf Tobias hilfreich ein, als Alexandra für einen Moment ins Stocken geriet. »Jeder Mönch soll Ihnen sagen, wann er sich wo aufgehalten hat, damit …«
»Verdächtigen Sie etwa einen meiner Brüder?«, unterbrach Bruder Johannes ihn und legte erschrocken eine Hand auf seinen Mund.
»Nein, nein, keine Angst«, erwiderte Alexandra, die inzwischen verstanden hatte, was Tobias meinte. »Es geht nur darum, herauszufinden, wann sich welcher ihrer Mitbrüder wo im Haus oder auch außerhalb aufgehalten und wen und was er dabei beobachtet hat. Uns interessiert, wo sich die Gäste an einem bestimmten Zeitpunkt befunden haben. Diese Beobachtungen können wir dann später mit den Aussagen vergleichen, die wir hoffentlich von Wildens Mitarbeitern bekommen. Wenn wir dabei auf Widersprüche stoßen, wissen wir, uns wurde nicht die ganze Wahrheit gesagt. Dann können wir die betreffenden Personen damit konfrontieren und gespannt sein, was sie dazu zu sagen haben.«
»Ah, verstehe.« Der Mönch schüttelte den Kopf. »Für einen Moment dachte ich, Sie verdächtigten meine Mitbrüder.«
Sie winkte lachend ab. »Nein, nein, welchen Grund sollten sie haben?« Sie nickte Tobias zu. »Dann schlage ich vor, dass wir uns schon mal mit den Gästen befassen, während Sie sich mit Ihren Brüdern zusammensetzen, damit die Ihnen die nötigen Informationen geben. Wir …« Sie stutzte, als sie auf einmal ein seltsames Geräusch gleich neben ihrem Ohr wahrnahm. Aus dem Augenwinkel betrachtete sie den Kater, der sich während der Unterhaltung mit dem Mönch noch ein Stück weiter über ihre Schulter gezogen hatte und nun kopfüber dalag. »Kann mir mal bitte jemand verraten, was der Bursche da treibt?«, sagte sie.
Tobias begann zu lachen, und gleich darauf stimmte Bruder Johannes mit ein. »Kater Brown ist auf deiner Schulter eingeschlafen und schnarcht gemütlich vor sich hin. Das ist ein Bild für die Götter.«
»Ich vermute, den Kater werde ich wohl noch eine ganze Weile mit mir herumtragen«, meinte sie kopfschüttelnd. »Dabei ist es eigentlich ein bisschen warm für eine Pelzstola. Aber na ja, Kater Brown hat noch was gut bei mir. Wenn ich bedenke, dass wir ohne ihn vielleicht noch immer nach Wilden suchen würden.«
Bruder Johannes, der Alexandra und Tobias auf den Gang begleitet hatte, sah von einem zum anderen. »Wieso das?« Ein jüngerer Mönch näherte sich ihnen, sah, dass Bruder Johannes Besuch hatte, und nickte den beiden Gästen abwartend zu.
»Na, schließlich hat er mich zu sich an den Brunnen gelockt«, antwortete Alexandra. »Ohne Kater Browns kleinen Aufstand wäre wohl niemand so schnell auf die Idee gekommen, in den Schacht zu sehen.«
Bruder Johannes schmunzelte. »Ach, das, ja. Das war mir schon wieder entfallen. Ja, dann wünsche ich Ihnen viel Glück bei den Befragungen.« Er wandte den Blick zu seinem Mitbruder. »Bruder Hartmut, du kommst wie gerufen. Wenn du im Augenblick nichts Dringendes zu tun hast, dann würde ich dich gern kurz sprechen. Wir haben gemeinschaftlich eine wichtige Aufgabe zu erledigen.«
»Ja, natürlich.« Der schlaksige, hochgewachsene Mann mit dem etwas wirren Haar und dem buschigen Schnauzbart trat noch näher. »Was gibt es denn?«
»Komm erst mal rein«, forderte der ältere Mönch ihn auf.
Alexandra und Tobias bedankten sich bei Bruder Johannes und gingen in stillem Einvernehmen schweigend über den Korridor davon. Schließlich konnte sich hinter jeder dieser Türen ein Lauscher befinden.
Sie näherten sich gerade dem Quergang, der zu den Gästequartieren im parallel gelegenen Flügel führte, als Kater Brown auf einmal hochschreckte und sich mit den Hinterbeinen kraftvoll abstieß, um kurz darauf hinter Alexandra auf dem Boden zu landen.
»Aua«, rief sie. Beim Sprung hatte er ihr seine Krallen schmerzhaft in die Schulter gebohrt.
»Treffer«, merkte Tobias an und deutete auf Alexandras Rücken, wo sich prompt mehrere kleine rote Punkte im Stoff des TShirts zeigten.
»Was ist denn in dich gefahren?«, schimpfte sie und sah dem Kater nach, wie er nach rechts in die Ecke zu einer Tür schlich, die einen Spaltbreit geöffnet war. Dabei blieb er immer wieder kurz stehen und sah sich nach Alexandra um.
»Bestimmt hat er eine Maus gewittert«, meinte Tobias. »Das ist Instinkt. Er wollte dir sicher nicht wehtun.«
Alexandra folgte dem Kater zur Tür. »Nachdem er schon Wildens Leiche gefunden hat, traue ich dem Tier alles zu, aber nicht, dass es jetzt nur auf Mäusejagd gehen möchte.«
Mit einem leisen »Miau« zwängte sich Kater Brown durch den Spalt. Alexandra, die ihm dicht auf den Fersen war, ergriff die Türklinke und zog die Tür auf.
8. Kapitel
Ihr Blick fiel in ein dunkles, schmales Treppenhaus, das nach unten ins Kellergewölbe führte. Kater Brown wurde nach ein paar steilen Stufen von der Dunkelheit verschluckt, und Alexandra suchte vergeblich nach einem Lichtschalter. Kurz entschlossen griff sie nach ihrem Handy, schaltete die Taschenlampe ein und richtete den Lichtstrahl auf die Steinstufen der engen Wendeltreppe. Da es kein Geländer gab, an dem sie sich hätte festhalten können, stützte sie sich mit der rechten Hand an der Außenwand ab.
»Der Kater wird dich ganz bestimmt nicht zu einer zweiten Leiche führen«, wisperte Tobias. »Ich sage, der ist nur auf der Suche nach einer Maus, sonst nichts.«
»Du kannst ja gern da oben warten, wenn du Angst hast, dich in einem dunklen Keller umzuschauen.« Sie war schon so viele Stufen hinuntergestiegen, dass sie Tobias nicht mehr sehen konnte, und spürte nun, wie eine nervöse Erwartung sie ergriff.
Die Treppe beschrieb noch eine Wendung und dann eine weitere, bis Alexandra das Gefühl dafür verloren hatte, wie weit sie inzwischen nach unten vorgedrungen war. Offenbar handelte es sich um ein Kellergewölbe mit sehr hohen Decken, denn sonst hätte sie das Ende der Treppe sicher längst erreicht.
Auf einmal nahm sie Stimmen wahr, zuerst zu leise, um etwas zu verstehen, aber mit jedem Schritt wurden sie deutlicher. Schließlich erkannte Alexandra eine der Stimmen wieder. Kein Zweifel, sie gehörte zu einem der Mönche, mit dem sie seit ihrer Ankunft im Kloster gesprochen hatte! Aber auf Anhieb wollte ihr nicht einfallen, um welchen der Männer es sich handelte.
»Wenn das einer merkt …«, sagte die vertraute Stimme, die nun deutlich aufgebracht klang.
»Ach, wer soll denn das merken?«, gab ein anderer gedehnt zurück, als hätte er die Frage schon ein Dutzend Mal gestellt, wäre dabei aber immer nur auf taube Ohren gestoßen. »Solange wir kein Wort darüber verlieren, wird es auch keinem auffallen!«