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Napoleons letzte Schlacht

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Napoleons letzte Schlacht
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„Von mir?“

„Ja, und vom alten Blücher.“

„Ah!“

„Von einem Überfall, bei welchem Sie einen Küraß getragen hatten.“

„Sapperment!“

„Ferner von Mademoiselle Margot, die sie zu dem Baron geschafft hatten. Sie waren dann mit dem Feldmarschall gekommen –“

„Wer war der Mann, mit dem der Baron sprach?“

„Derselbe, welcher Sie gestochen und auf sie geschossen hatte.“

„Kapitän Richemonte?“

„Ja. Ich hörte es aus dem Gespräch heraus. Aber ich hörte noch viel mehr!“

„Was? Erzählen Sie!“

„Zunächst sagte der Baron, daß er jetzt einen dummen Knecht bestochen habe. Damit meinte er natürlich mich. Ich werde ihm bei Gelegenheit diese Dummheit um den Kopf herumschlagen, daß ihm alle Gedanken vergehen sollen!“

„So wußte also auch der Kapitän bereits, daß Margot sich auf Jeannette befindet?“

„Ja. Sie wußten es schon in Paris.“

„Unmöglich!“

„O doch; ich habe es im Laufe ihres Gesprächs ganz deutlich bemerken können.“

„Wer sollte es ihnen denn verraten haben? Kein Mensch hat es gewußt.“

„O doch, einer, nämlich der Bankier, von welchem Frau Richemonte ihr Einkommen bezieht.“

„Ah, das ist wahr; das haben wir außer acht gelassen.“

„Die Hauptsache aber erfuhr ich erst am Schluß des Gesprächs. Nämlich der Kapitän Richemonte ist im Meierhof gewesen.“

„Bei den Damen?“ fragte Königsau erschrocken.

„Nein, sondern bei General Drouet.“

„Was wollte er bei ihm? Die Klugheit hätte ihm doch eigentlich geboten, sich vor den Damen nicht sehen zu lassen. Er hätte besser getan, nicht zu verraten, daß er ihren Aufenthaltsort kennt.“

„Das hat er auch ganz und gar nicht getan.“

„Aber man muß ihn doch gesehen haben!“

„Nein, denn er ist des Abends gekommen, sogar erst gegen Mitternacht.“

„So muß der Grund seines Besuches ein sehr geheimnisvoller sein.“

„Das ist er auch; geheimnisvoll und schurkisch im höchsten Grad.“

„So kennen Sie diesen Grund?“

„Ja, denn er kam im Laufe der Unterhaltung zur Sprache.“

„Darf ich ihn hören?“

„Ja. Sie sind, wie ich aus allem vermute, und wie Sie selbst auch vorhin gestanden, ein Freund von dem alten Feldmarschall Blücher?“

„Freilich, ja freilich!“

„Oh, so wollte ich, daß Sie aktiv in Diensten ständen!“

„Warum? Glauben Sie, daß ich außer Dienst bin, Monsieur Florian?“

„Natürlich!“

„Ah! Warum glauben Sie das?“

„Wären Sie aktiver Militär, so befänden Sie sich bei Ihrer Truppe und nicht hier.“

„Ach, Sie waren wohl nie Soldat?“

„Nein, aber der Onkel meines Großvaters war einer; das ist aber lange her!“

„Das glaube ich“, lachte Königsau. „Das muß so zur Zeit des großen Kurfürsten und des alten Derflinger gewesen sein.“

„Ja, unter dem hat er gedient; Sie haben ganz richtig geraten, Monsieur.“

„Nun, da ich einmal aufrichtig mit Ihnen bin, so will ich Ihnen gestehen, daß ich nicht passiv bin, sondern mich gegenwärtig noch im Dienst befinde.“

„In Blüchers Armee, welche bei Lüttich und da herum liegt?“

„Ja. Mein Dienst ist sogar ein sehr schwerer und gefährlicher!“

Da klatschte der Kutscher mit der Peitsche, daß es weithin schallte, und sagte:

„Donnerwetter, jetzt bin ich es, der Ihnen sagt, daß Sie leiser sprechen sollen! Herr – Herr Seekapitän, ich sage Ihnen, Sie sind mein Mann!“

„Ah, warum?“

„Ich ahne, welchen Dienst Sie tun!“

„Nun?“

„Sie kommen, die Franzosen ein wenig auszuhorchen. Nicht wahr, Monsieur?“

„Mag sein.“

„Nun, dann zählen Sie auf mich! Übrigens tut Kapitän Richemonte dasselbe drüben auf Ihrer Seite.“

„Ah, er macht den Eclaireur?“

„Den Eclaireur, ja. Aber bei ihm möchte ich lieber und richtiger sagen, daß er den Spion und Mörder macht.“

„Den Mörder? Donnerwetter! Wie meinen Sie das, bester Florian?“

„Nun, er soll den alten Blücher zur Seite schaffen.“

„Unmöglich! Sie irren.“

„Ich mich irren? Ich habe es ja mit diesen meinen eigenen Ohren gehört!“

„Das wäre infam, fürchterlich infam!“

„So will ich Ihnen sagen, daß er den Auftrag dazu bereits in Paris empfangen hat.“

„Von wem?“

„Von General Drouet, wenn ich nicht irre.“

„Ich bin ganz starr vor Erstaunen!“

„Ja, das ist die leichteste Art, Krieg zu führen. Man putzt die Anführer weg.“

„Und zwar per Meuchelmord. Wie leicht wäre es mir da heute gewesen, den Kaiser und zwei seiner berühmtesten Marschälle zu töten!“

„Sie sind ein Deutscher, Monsieur!“

„Aber mein Gott, so ist dieser Mensch ja noch weit gefährlicher, als ich dachte!“

„Allerdings!“

„Und Drouet steht mit ihm im Bunde?“

„Wie es scheint.“

„Das ist nicht zu glauben. Ein General tut das nicht. Der Kapitän muß irgendeinen einigermaßen mystischen Auftrag des Generals falsch verstanden haben.“

„Das geht mich nichts an. Ich habe nur gehört, daß Richemonte den Marschall auf die Seite bringen soll, und sich zugleich an demselben rächen will.“

„Hat er bereits von einem Versuch gesprochen?“

„Er beklagte sich, daß es ihm noch nicht gelungen sei, in die Nähe des Alten zu kommen.“

„Donnerwetter, das kann ihm täglich gelingen! Der Feldmarschall befindet sich da in einer außerordentlichen Gefahr! Wann hörten Sie diese Unterredung?“

„Vor acht Tagen.“

„Wollte der Kapitän sofort wieder zurück?“

„Er sprach von einem Spielchen.“

„So! Nun ich dieses weiß, ist meines Bleibens auf Jeannette nicht lange. Ich muß so schleunig wie möglich aufbrechen, um den Marschall zu warnen.“

„Tun Sie es, tun Sie es! Ich habe Ihnen alles ja nur deshalb mitgeteilt!“

„Aber sind Sie wirklich ein Freund der Deutschen?“

„Ja, freilich!“

„Und ein Bewunderer Blüchers?“

„Oh, wenn ich nur dem einmal die Hand drücken dürfte! Er sollte sich wundern!“

„Aber, wenn dies wahr ist, warum haben Sie nichts getan, um ihn zu warnen, oder den Mordanschlag auf irgendeine Weise zu vereiteln?“

„Ich? Was sollte ich tun? Ich, ein einfacher Kutscher!“

„Vielerlei. Man tut in solchen Fällen das, was einem am leichtesten wird.“

„Richtig! Das habe ich auch getan.“

„Was?“

„Ich habe gewartet, bis Sie kommen. Ich dachte, daß Sie Bescheid wissen würden.“

„Aber Sie wußten ja gar nicht, daß ich kommen würde.“

„Oh, das wußte ich im Gegenteil ganz gewiß.“

„Ich bin da doch neugierig, woher.“

„Das ist sehr einfach. Mademoiselle Margot spaziert gewöhnlich nur im Garten. Seit sie aber den letzten Brief erhalten hat, geht sie täglich einige Male vor der Meierei spazieren, dem Weg entgegen, welcher von Roncourt her kommt. Und wenn ein Wagen in den Hof rollt, so eilt sie schnell an das Fenster.“

„Florian!“

„Herr Seekapitän!“

„Sie sind ein Schlauberger.“

„Nein, ich bin kein gescheiter Kerl, aber, wie ich Ihnen bereits sagte, wenn ich jemand gern habe, so kann ich vor Liebe gescheit werden.“

„Sie haben also in Wahrheit geahnt, daß ich komme?“

„Ich war überzeugt davon. Darum nahm ich mir vor, daß vom Kapitän aufzuheben, bis es mir möglich war, es Ihnen zu erzählen.“

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