Napoleons letzte Schlacht
- Автор: Май Карл
- Серия: Liebe des Ulanen #2
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Napoleons letzte Schlacht». Краткое содержание книги:
„Ja“, nickte der Kutscher.
„So sagen Sie einmal, was Ihnen lieber wäre, nämlich ob ich ein Deutscher oder ein Franzose bin!“
„Hm! Ja! Was sind Sie denn eigentlich von diesen beiden?“
„Das wird sich finden, sobald Sie meine Frage beantwortet haben.“
„Na, da will ich Ihnen sagen, daß mir ein einziger Deutscher lieber ist, als alle Franzosen zusammengenommen!“
„Ist das wahr?“ fragte Königsau überrascht.
„Vollständig.“
„Also lieben Sie Ihre Landsleute nicht?“
„Landsleute? Hm! Wissen Sie, wie ich heiße, Monsieur?“
„Nein.“
„Nun, so will ich es Ihnen sagen. Mein Name ist Florian Rupprechtsberger.“
„Das ist ja ein vollständig deutscher Name.“
„Allerdings. Der Name ist deutsch und der Kerl erst recht.“
„Wo sind Sie geboren?“
„Ich stamme zwischen Weißkirchen und Mettlach da drüben herüber. Dort hatten die Eltern der gnädigen Frau eine Besitzung. Die Baronin nahm mich, weil ich ein alter, ehrlicher Kerl bin, mit nach Roncourt herüber. Das ist eine so lange Zeit her, daß ich unterdessen das Französische gelernt habe.“
„Das ist mir allerdings höchst interessant.“
„Ja. Und nun werden Sie mir auch sagen, ob Sie wirklich ein Franzose sind?“
„Ich bin keiner.“
„Donnerwetter! Ein Deutscher?“
„Ja.“
„Da muß vor Freude die Bulle platzen! Herr, nun sind wir einig; nun gönne ich sie Ihnen, und zwar von ganzem Herzen!“
„Wen?“
„Nun, die Margot.“
„Wie kommen Sie auf diese Dame?“
Der brave Florian hustete sehr geheimnisvoll, sehr selbstbewußt und sagte:
„Glauben Sie etwa, daß ein Deutscher keine Augen hat?“
„Ich hoffe, daß unsere Augen ebensogut sind wie diejenigen der Franzosen!“
„Das sind sie auch. Hören Sie, Monsieur, diese Margot ist ein Prachtmädel, ein Mädel, für das man sich die Finger wegbeißen könnte. Als Sie sie brachten, habe ich mich auf der Stelle bis über die Ohren in sie verliebt – – –“
„Oho!“
„Ja, ja! Nämlich so, wie sich ein ehrlicher Kutscher in die Herrschaft verlieben darf. Ich habe nun genau aufgepaßt. Da gingen nun Blicke herüber und hinüber, die niemand sehen sollte; da mußte ich sie beide ausfahren, und als ich die Ohren spitzte, da hörte ich es hinter mir – – – hm, na, gerade so, als wenn vier Lippen zusammenkleben und auseinandergerissen werden, ungefähr so, als wenn man eine halb neubackene Fischblase auseinanderreißt.“
„Florian, Florian!“
„Na, nichts für ungut! Sie sind ein Deutscher; Sie sind ein Kerl, den man leicht liebgewinnt, und darum gönne ich sie Ihnen; einen anderen hätte ich halb tot geprügelt. Aber wie ist denn eigentlich Ihr Name?“
„Jetzt heiße ich Sainte-Marie.“
„Gut, wenn Sie nicht anders wollen. Man kann kein Vertrauen erzwingen, daß muß von selbst kommen. Aber beweisen will ich Ihnen doch, daß ich ein ehrlicher Kerl bin. Sagen Sie mir nur vorher erst, was Sie sind?“
„Jetzt bin ich Seekapitän.“
„Da schlage doch das Wetter drein! Auch hier wird man belogen.“
„Wissen Sie das genau?“
„Ja.“
„Beweisen Sie es.“
„Sofort! Sie heißen nicht Sainte-Marie, sondern Königsau.“
„Ah!“
„Sie sind nicht aus Marseille, sondern aus Berlin.“
„Oho!“
„Und Sie sind nicht Seekapitän, sondern Husarenlieutenant.“
„Unsinn!“
Königsau war im höchsten Grad erschrocken. Woher kannte dieser Kutscher ihn so genau? Das konnte höchst gefährlich werden; er mußte sich sehr vorsichtig benehmen.
„Unsinn?“ fragte der Kutscher. „Das ist kein Unsinn, sondern die reine Wahrheit.“
„Wer sagte das?“
„Beide sagten es, nämlich sie und er.“
„Wer ist diese ‚sie‘?“
„Mademoiselle Margot.“
„Ah! Hat sie von mir gesprochen?“
„Nein, das war anders. Wenn ich nicht fahre, bin ich oft im Garten. Da saß sie denn einmal in der Laube und hatte einen Brief in der Hand. Sie küßte und küßte ihn immer wieder, denn sie dachte, sie wäre allein. Dann legte sie ihn neben sich. Er fiel von der Bank herab, und als sie ging, vergaß sie ihn.“
„Ah! Sie haben ihn gelesen?“
„Ja.“
„Donnerwetter, das ist unverschämt.“
„Warten Sie es ab!“ antwortete Rupprechtsberger ruhig.
„Was gibt es da abzuwarten! Sie eilten nach der Laube – – –!“
„Ja, ich eilte sehr.“
„Sie hoben den Brief auf – – –!“
„Natürlich.“
„Sie schlugen ihn auseinander – – –!“
„Ja, sonst hätte ich ihn ja nicht lesen können.“
„Und Sie lasen ihn! Wirklich? Wirklich?“
„Na, ganz und gar nicht; dazu hätte ich gar keine Zeit gehabt, denn ich hörte Mademoiselle bereits wieder zurückkehren. Ich las nur die Überschrift und dann die Unterschrift.“
„Schurke!“
„Unsinn! Ich hatte meine Gründe dazu. Die Überschrift lautete ‚Berlin‘ und ‚meine heißgeliebte Margot‘, und die Unterschrift klang wie ‚Hugo von Königsau‘. Habe ich richtig gelesen?“
„Welchen Grund hatten Sie, diese Indiskretion zu begehen, he?“
Er sprach diese Frage in einem sehr strengen, ärgerlichen Ton. Er war zornig geworden.
„Welchen Grund? Hm, weil ‚er‘ mir den Namen genannt hatte.“
„Er? Ah, Sie sprachen vorhin von er und sie. Ist das dieser Er?“
„Ja.“
„Wer ist es?“
„Das darf ich nicht verraten. Übrigens haben Sie kein Vertrauen zu mir; was nützt es da, Vertrauen zu Ihnen zu haben.“
„Florian, ich beginne zu bemerken, daß Sie nicht ein ‚guter, treuer und ehrlicher‘, sondern ein höchst pfiffiger und verschmitzter Kerl sind.“
„Da irren Sie sich! Ich bin sogar noch etwas dümmer, als ich aussehe; aber für eine Person, die ich liebhabe, kann ich, weiß Gott, zum gescheitesten Kerl werden.“
„Da wollte ich, daß ich zu denen gehörte, die Sie liebhaben.“
„Das ist ja auch bereits der Fall!“
„Wirklich?“
„Wahrhaftig. Ich wollte Sie ja deshalb herauf auf den Bock haben, um mit Ihnen von der Leber weg reden zu können. Hier im Wald hört es kein Mensch.“
„Es scheint aber doch, als ob es nicht so recht von der Leber weg gehen wollte.“
„Inwiefern?“
„Nun, weil ich von diesem ‚er‘ nichts höre.“
„Von ihm darf ich nur zu einem reden, der Königsau heißt und Lieutenant ist.“
„Wirklich zu keinem anderen?“
„Zu keinem.“
„Nun gut, ich will Ihnen vertrauen. Ich heiße Königsau und bin Husarenlieutenant.“
„Mit dem alten Blücher gut bekannt?“
„Ja. Aber woher wissen Sie das?“
„Das wird bald kommen. Sie haben Mademoiselle Margot hier verstecken wollen?“
„Ah! Wie kommen Sie auf diese Idee?“
„Nun, Madame Richemonte ist mit Mademoiselle von Paris heimlich fort.“
„Sie werden mir unbegreiflich.“
„Sie werden mich bald begreifen“, sagte der Kutscher in seiner bedächtigen Weise.
„Warum sollten sie heimlich fortgegangen sein?“
„Eines Stiefbruders wegen, welcher Richemonte heißt und Kapitän ist.“
„Donnerwetter!“
„Und eines Barons wegen, welcher Reillac heißt und Armeelieferant ist.“
„Mensch, Sie haben irgendein Gespräch der beiden Damen belauscht.“
„Fällt mir gar nicht ein.“
„Woher wissen Sie das alles?“
„Von ‚ihm‘ natürlich.“
„Wer aber ist dieser ‚ihm‘ denn eigentlich?“
„Kapitän Richemonte.“
Wäre es im Wald hell gewesen, so hätte der Kutscher sehen können, daß Königsau erbleichte. Was er hörte, ließ ihn tief erschrecken.