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Napoleons letzte Schlacht

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Napoleons letzte Schlacht
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„Wann denn?“

„Ihre Nachbarn werden es Ihnen mitbringen.“

Damit sauste er davon.

„Aber Wort halten!“ brüllte ihm der Wirt nach.

Im Ort hörte man das Horn des Nachtwächters ertönen. Der Maire rief die streitbaren Helden zusammen, um mit ihnen zur Rettung des Kaisers auszuziehen.

Das Pferd des Wirtes war ein alter, halb steifer Gaul; aber unter der Leitung des gewandten Husarenoffiziers und seinem mächtigen Schenkeldruck flog er wie ein Araber auf der Straße dahin. In kurzer Zeit hatte Königsau seinen Kutscher erreicht.

„Vorwärts, vorwärts!“ rief er ihm zu.

„Herr, Sie werden sich den Hals brechen!“ antwortete Florian.

„Ich nicht, sondern der Gaul.“

So stürmten die beiden weiter. Florian gab sich alle Mühe, hart hinter dem Deutschen zu bleiben, aber der Abstand vergrößerte sich doch immer mehr.

Da hörte der Lieutenant Schüsse vor sich fallen. Er stieß seinem Pferd die Fersen in den Leib, daß es stöhnte, schärfer galoppieren konnte es aber nicht.

Da es dunkel war, konnte er die Schnelligkeit, mit welcher er vorwärts kam, nicht genau beurteilen. Jetzt aber bog sein Pferd um eine kurze Krümmung, da erblickte er ganz vorn den Schein der Wagenlaterne und vermochte den unregelmäßigen Lärm des Kampfes genau zu unterscheiden.

Er näherte sich, ohne daß man ihn bemerkte, und beschloß ganz ebenso zu verfahren wie vorhin. Er zügelte sein Pferd, sprang ab und band es an. Dann eilte er dem Kampfplatz näher. Er konnte bereits das Nötige erkennen.

Grouchy war von vieren umringt; er hatte sie bisher glücklich von sich abgehalten, aber sein Arm drohte zu erlahmen. Da sprang Königsau herbei.

Sein erster Schuß galt der Fackel; sie loderte augenblicklich hell empor, so daß er deutlich sehen, zielen und schießen konnte. Er sah Grouchy, Ney, den Kaiser und den Generaladjutanten im Kampf.

„Aushalten, Sire. Es kommt Hilfe!“

Mit diesen Worten jagte er dem, welcher Grouchy am meisten bedrängte, eine Kugel durch den Kopf. Dem nächsten schlug er die nun abgeschossene Pistole so in das Gesicht, daß derselbe mit eingeschlagener Nase zusammenbrach.

„Teufel! Das ist Hilfe in der Not.“

Bei diesen Worten schlug Grouchy den dritten nieder und hatte nun Zeit, den vierten mit Gemütlichkeit abzutun.

Königsau zog seine zweite Pistole und schaffte Ney Luft, indem er zwei von dessen Bedrängern niederschoß. Er warf die leere Pistole fort, riß eine dritte hervor und trat an die Seite des Kaisers. Zwei Schüsse krachten, und der Kaiser hatte keinen Gegner mehr.

„Haben Sie noch einen Schuß, Sie Braver?“ rief da Gourgaud.

„Ha, zwei.“

„Dann hierher, bitte.“

Es war, als sei Königsau prädestiniert gewesen, der Reihe nach alle vier vom Untergang zu erretten. Er schoß die zwei nieder, welche, gegen den Generaladjutanten kämpfend, ihm am nächsten standen.

Da ertönte aus dem Busch die laute Stimme des Alten:

„Nun, wenn es so geht, so soll er wenigstens auch zum Teufel fahren.“

Ein Schuß blitzte auf. Er war auf den Kaiser gezielt. Als die Flamme aus dem Rohr sprühte, sah man den Schützen ganz deutlich stehen.

Königsau dachte nicht anders, als daß der Kaiser getroffen sei. Ein fürchterlicher Grimm überkam ihn. Noch am Schluß des Rettungswerks der Kaiser ermordet, das mußte gerächt werden. Seine Fackel in der Hand, sonst keine Waffe, drang er auf den Schützen ein. Dieser wendete sich zur Flucht.

„Halt, Bursche, du wirst mein!“ rief der Deutsche.

„Noch nicht“, antwortete der Fliehende, der im eiligsten Lauf zu entkommen suchte. Der Lichtschein blendete ihn, während Königsau den Vorteil desselben hatte.

Der Fliehende hörte den Verfolger immer näher hinter sich und beschloß, ihm standzuhalten. Er blieb stehen, holte Atem und drehte sich um. Der Deutsche war kaum drei Schritte hinter ihm. Da sah der Vagabund, daß sein Gegner unbewaffnet war. Er warf seine Flinte weg, die er bis jetzt noch in der Hand gehalten hatte, zog sein Messer und rief frohlockend:

„Ah. Komm her, daß ich dich umarme!“

Er sprang auf Königsau ein, dieser aber war geistesgegenwärtig; er senkte seine Fackel und stieß den brennenden Schwalm, von welchem der glühende Talg tropfte, dem Gegner in das Gesicht und die Augen.

Der also Verwundete warf sein Messer weg und schlug beide Hände unter lautem Brüllen vor die Augen. Königsau packte ihn beim Kragen, so daß der Mann zum Stürzen kam, und kehrte im eiligsten Lauf, den Geblendeten nach sich schleppend, zu dem Kampfplatz zurück, auf welchem sich kein einziger Feind mehr befand.

„Hier“, rief er, „bringe ich den Mörder des Kaisers.“

Alle blickten auf ihn.

„Des Kaisers?“ fragte Ney erstaunt.

„Ja, er hat ihn erschossen.“

Da deutete Ney lächelnd seitwärts. Dort stand im Schatten der brave Florian mit seinem blutigen Säbel, und neben ihm – Napoleon.

„Ah! Der Kaiser ist gerettet? Ist nicht tot?“ rief Königsau.

Er hatte dem Alten beide Knie auf die Brust gesetzt, hielt in der Linken die noch brennende Fackel, mit der Rechten umspannte er die Kehle seines Gegners.

Da kam der Kaiser herbei und sagte:

„Nein, mein Braver, ich bin nicht tot. Man hat die letzte Kugel auf mich gezielt, mich aber nicht getroffen.“

„Dieser Kerl war es, Sire.“

„Ah, Sie haben ihn geholt?“

„Ja.“

„Ohne Waffe?“

„Mit der Fackel.“

„Außerordentlich! Jan Hoorn, einen Riemen. Bindet diesen Mann. Er wird uns Aufschluß geben müssen.“

Jetzt erst richtete sich Königsau auf. Der Kaiser streckte ihm die Hand entgegen.

„Nehmen Sie meine Hand, Sie tapferer junger Mann. Sie haben mich gerettet.“

„Mich auch“, sagte Ney näher tretend.

„Mich auch“, fügte Grouchy hinzu.

„Uns alle!“ machte Gourgaud den Beschluß.

Und auch diese drei Männer streckten ihm ihre Hände entgegen. Im Schlag des ersten Wagens, dessen Pferde bereits beruhigt waren, erschien ein schönes, bleiches Gesicht, in dessen Augen Freudentränen schimmerten. Oder waren es Tränen des Schmerzes?

„Ich sprach schon diesen wackeren Kutscher dort“, fuhr Napoleon fort. „Er ist uns zu Hilfe gekommen, ehe wir es merkten, und hat zwei Feinde mit seinem langen Degen erstochen, eben als sie unter dem Wagen hindurchkriechen wollten, um uns von hinten anzugreifen. Wie ist es Ihnen denn gelungen, uns zu Hilfe zu kommen, Herr Kapitän?“

Königsau errötete. Sollte er sich der Vergeßlichkeit, der Nachlässigkeit zeihen? Er antwortete:

„Sire, ich belauschte zufälligerweise heute zwei Männer, welche von Marschällen, von Geld und Überfall sprachen. Ich gab diesem Gespräch keinerlei Beachtung, da ich dachte, sie erzählten sich irgendein Ereignis –“

„Ach, ich beginne zu begreifen.“

„Ich hatte dann das Glück, Euer Majestät zu sehen, und, erst später, als ich mich mit dem Kutscher allein auf dem Rückweg befand, brachte mich der Umstand, daß der Kutscher sich in Gesellschaft zweier Marschälle befunden hatte, auf den Gedanken, daß hier von keiner Erzählung, sondern von einem wirklichen Überfall die Rede sei.“

„Ah, so. Sie eilten uns sofort zu Hilfe?“

„Ich spannte schleunigst aus, nahm für den braven Florian ein zweites Pferd und galoppierte nach. Das ist alles, Sire.“

„Nein, das ist nicht alles, mein Lieber; denn Ihr Werk begann nun erst. Wir waren hart bedrängt. Sie kamen im rechten Augenblick. Denn man ist ja nicht mit einem Waffenarsenal versehen, wie es in einem solchen Fall vonnöten wäre. Ich hatte nur einen Degen. Aber, wie viele Feinde haben Sie getötet, Kapitän?“

„Ich glaube sieben.“

„Sieben und erst acht. Sie sind ein wahrer Bayard. Sie bleiben natürlich jetzt an meiner Seite. Ah, was ist das?“

In der Ferne ließ sich starkes Pferdegetrappel hören, und bald sah man auch eine Anzahl beweglicher Lichter funkeln.

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