Napoleons letzte Schlacht
- Автор: Май Карл
- Серия: Liebe des Ulanen #2
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Napoleons letzte Schlacht». Краткое содержание книги:
„Donnerwetter!“
„Ja, das ist ganz sicher. Aber wann werden die Wagen erscheinen?“
Der Mann, welcher im Hof des Wirtshauses zu La Chêne gewesen war, antwortete:
„Der Kaiser ließ den Maire kommen. Viel aber kann er mit so einem Mann nicht zu sprechen haben. Darum können die Wagen alle Augenblicke erscheinen.“
„So gilt es, einen raschen Entschluß zu fassen.“
„Aber wohin stecken wir ihn und die Marschälle?“
„Donnerwetter, das wird sich später zeigen; das können wir beraten, sobald er sich in unseren Händen befindet. Jetzt vor allen Dingen müssen wir, ohne einen Augenblick Zeit zu verlieren, den Entschluß fassen, ob wir überhaupt zugreifen wollen oder nicht.“
„Natürlich! Ich bin dabei!“ sagte einer.
„Ich auch“, meinte ein anderer. „Man verdient hoffentlich bei diesem einen Geschäft gleich so viel, daß man sich zurückziehen kann.“
„Das versteht sich ganz von selbst. Wir stimmen bei!“
„Wir alle!“ meinten auch die anderen.
„Gut“, sagte da der Alte. „So wird also der Kaiser mit den Marschällen gefangen.“
„Die Garden?“
„Werden erschossen!“
„Die Damen?“
„Donnerwetter, ja, sie werden uns jedenfalls ganz und gar beschwerlich fallen. Am besten wird es sein, man erschießt sie auch.“
„Na, meinetwegen. Aber man muß auf jeden Fall erst sehen, wer sie sind. Vielleicht ist es möglich, auch mit ihnen ein hübsches Lösegeld zu erpressen. Aber ich denke, wir wenden bei diesem Fang alle mögliche Vorsicht an. Sind die Seile da?“
„Ja; da hinten liegen sie.“
„Wieviele?“
„Drei.“
„Das paßt gerade. Für jeden Wagen eins. Wir ziehen sie in gehörigen Abständen über die Straße herüber. Drüben werden sie an einem Baum befestigt, hüben braucht nur ein Mann zu halten. Den ersten Wagen lassen wir bis ans dritte, den zweiten bis ans zweite und den letzten Wagen bis ans erste Seil gelangen. In diesem Augenblick werden, sobald ich kommandiere, die drei Seile angezogen, die Wagenpferde stürzen darüber hinweg und die Reiter auch. Es wird sich dann alles einige Augenblicke lang über- und untereinanderwälzen, für uns ist dies aber Zeit genug, die Reiter kaltzumachen und die Herrschaften festzunehmen. Alles übrige wird sich dann finden. Vorwärts, ihr Leute!“
Die Männer waren jetzt wie elektrisiert. Sie sprangen empor und trafen ihre Vorbereitungen. Dies nahm gar nicht lange Zeit in Anspruch; dann begab sich ein jeder auf seinen Posten, und es herrschte tiefe Stille ringsum.
Napoleon ahnte nicht, welchem Schicksal, falls der Anschlag zum Gelingen kam, er entgegengehe. Die drei Seile lagen quer über die Straße. Sie brauchten nur angezogen zu werden, so wurden die Pferde zum Stürzen gebracht. Dann war die Verwirrung, von welcher der Alte gesprochen hatte, allerdings fertig, und es trat die Wahrscheinlichkeit ein, daß die Bedeckung getötet wurde, so daß die Herren nur auf sich selbst angewiesen waren.
So verging fast eine Viertelstunde. Da hörte man von fern her ein Geräusch wie von rollenden Wagen. Da der Waldboden eine ziemliche Elastizität besaß, so war dieses Geräusch allerdings nicht so bedeutend, als wenn der Weg aus hartem Gestein bestanden hätte.
„Das sind Wagen!“ flüsterte der Alte, nach seiner Flinte greifend.
„Werden sie es sein?“ fragte einer neben ihm.
„Laßt sehen!“
Er trat etwas aus dem Gebüsch hervor und blickte angestrengten Auges rechts die Straße hinab, wo sich paarweise Lichter näher bewegten.
„Ja, sie sind es“, sagte er. „Drei Wagen mit Laternen daran. Das kommt bloß bei vornehmen Herrschaften vor. Sie fahren nicht sehr eng hintereinander. Nehmt die Seile etwas weiter, damit sie gerade vor die Pferde passen.“
Das Rollen wurde deutlicher. Man sah bereits den hellen Lichtschein, welchen die Laternen vor sich her auf die Straße warfen. Voran ritten zwei bärtige Lanciers; die anderen zehn ritten zu beiden Seiten der drei Wagen. Hinter den zweien kamen die drei Wagen, erst der des Kaisers, dann der des Marschalls Ney und zuletzt der des Marschalls Grouchy.
Die beiden Vorreiter und die vorderen Wagenpferde waren jetzt über die ersten beiden Seile hinweggekommen. Die Pferde des zweiten Wagens hatten das mittlere Seil vor sich, so daß in diesem Augenblick sich je eins der Seile vor sämtlichen Wagenpferden befand. Das war der erwartete Augenblick.
„Die Seile in die Höhe! Hurra!“ rief der Alte.
Die drei Männer zogen aus allen Kräften an. Sie wurden zwar einige Schritte mit fortgerissen, aber der Zweck war erreicht; die Wagenpferde stürzten. Sie verwickelten sich in die Seile und schlugen und stampften wütend um sich herum.
„Feuer auf die Reiter!“ rief der Alte.
Die Marodeurs waren an das nächtliche Dunkel gewöhnt. Auf das gegebene Kommando krachten eine Menge Schüsse aus dem Gebüsch heraus, und viele der Gardisten stürzten tot von den Pferden, welche seitwärts auf die Wagenpferde einsprangen und die Verwirrung nur noch vermehrten.
„Jetzt drauf!“ rief der Alte.
Er drehte das abgeschossene Gewehr um, sprang hinter dem Gesträuch hervor und schlug mit dem Kolben einen der unverletzten Gardisten, welcher von der anderen Seite herübergekommen war, vom Pferd. Die anderen Strolche folgten ihm.
Bisher war den Vagabunden alles geglückt. Sie hatten aber bei ihrem Rechenexempel einen Faktor außer acht gelassen, nämlich den, daß sie es hier mit an den Kampf gewöhnte Soldaten zu tun hatten.
Als der erste Zuruf des Alten erscholl und der Wagen des Marschall Grouchy, weil die Pferde stürzten, ins Schwanken kam, stieß Frau Richemonte einen Schrei des Entsetzens aus.
„Mein Gott! Was ist das?“
„Pah! Zwei oder drei Wegelagerer!“ antwortete er. „Aber man wird ihnen die Ohren abschneiden, um sie ihnen ins Gesicht zu nageln.“
Er stieß den Wagenschlag auf und sprang hinaus, den gezogenen Degen in der Rechten und die Pistole in der Linken. Doch dauerte es eine Minute, ehe es ihm nur ungenügend gelang, seine Augen dem Dunkel zu akkommodieren.
Da auch Neys Pferde stürzten, erschrak die Baronin ebenso aufs heftigste.
„Wir fallen!“ rief sie. „Wohin geraten wir?“
„Keine Sorge, Madame“, antwortete der Marschall höchst kaltblütig. „Es gibt da draußen einige Leute, welche mit uns sprechen wollen.“
Ein Griff auf die Klinke der Wagentür, ein Sprung, und er stand zu gleicher Zeit mit Grouchy draußen, mit dem rasch gezogenen Säbel und der Pistole bewaffnet; doch gelang es auch ihm nicht sogleich, das Dunkel mit dem Auge zu durchdringen.
Im Wagen Napoleons wurde kein Schrei ausgestoßen. Auf den ersten Ruf des Alten und nach dem Sturz der Pferde stand der brave, mutige Gourgaud bereits draußen.
„Was ist's, General?“ fragte der Kaiser.
„Ein Banditenüberfall“, antwortete der Gefragte.
„Ah, interessant! Welche Kühnheit, sich an mich zu wagen!“
Er wußte ganz genau, daß seine Leute ihn bis zum letzten Hauch und bis zum letzten Blutstropfen verteidigen würden. Er konnte eigentlich ganz ruhig sein, aber sein kriegerischer Sinn ließ ihm keine Ruhe. Er bog sich zum Schlag hinaus und fragte:
„Sind es viele?“
„Man sieht noch nichts, aber die Lanciers scheinen getötet zu sein.“
„Dann ist es an uns!“
Der Kaiser griff an die linke Seite und zog den kleinen Degen, welchen er zu tragen pflegte. Dann wendete er sich an Margot:
„Haben Sie Angst, Mademoiselle?“
„Nein, solange ich neben meinem Kaiser bin“, antwortete sie ruhig.
„Ich danke Ihnen! Sie haben in Wahrheit ganz und gar nichts zu fürchten.“
Er schickte sich an, auch auszusteigen; der Generaladjutant aber bat:
„Sire, ich bitte, Platz zu behalten! Soeben rücken die Kerls heran.“