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Napoleons letzte Schlacht

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Napoleons letzte Schlacht
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„So ist es meine Pflicht, meine Damen zu verteidigen. Allons!“

Er schob den General zur Seite und sprang hinaus.

Ney und Grouchy waren bereits engagiert. Sie hatten ihre Pistolen abgeschossen und verteidigten sich mit dem Säbel. Auch Gourgaud wurde angegriffen.

Das Gewieher der Pferde, das Gebrüll der Marodeurs, die Schüsse, welche noch fielen, das Geklirr der Degen, das Gekrache der hin und her gerissenen Wagen bildete eine wüste, unheimliche Szene.

Die Lanciers waren alle getötet, und so stand Napoleon mit den drei hohen Offizieren den Räubern ganz allein entgegen. Nur Jan Hoorn, der treue Leibkutscher des Kaisers, hatte die Peitsche umgedreht und schlug die Angreifenden mutig über die Köpfe; doch sah er sich bald gezwungen, den aufgeregten Pferden seine ganze Aufmerksamkeit zuzuwenden.

Die Offiziere verteidigten sich mit dem größten Mut und großer Geschicklichkeit. Schon waren einige der Marodeurs verwundet, aber sie drangen mit desto größerer Wut auf die vier ein.

Napoleon selbst hatte zwei gegen sich, während der Generaladjutant ihn zu decken suchte, indem er vier, welche ihn mit den Kolben niederschlagen wollten, von sich abwehrte. Seine Klinge zuckte mit Gedankenschnelligkeit von einer feindlichen Waffe zur anderen. Trotzdem war zu sehen, daß die Herren trotz aller Tapferkeit bald ermüden würden, wenn nicht eine glückliche Wendung eintrat. Da ertönte wieder die Stimme des Alten:

„So ist's nichts! Nehmt ihnen die Deckung! Greift sie von hinten an! Kriecht unter den Wagen hindurch; aber laßt sie am Leben, wenigstens den Kaiser!“

Da rief Ney, der Bravste der Braven, wie Napoleon ihn oft genannt hatte:

„Bei Gott, jetzt gilt's! Drauf, Grouchy!“

Der Wagen konnte, wenn die Feinde unter demselben hinwegkrochen, ihm keine Deckung, keine Sicherheit mehr bieten; ja, die Nähe desselben mußte ihm im Gegenteil nur gefährlich werden. Darum tat er einen gewaltigen Satz mitten unter die Feinde hinein und begann mit dem Degen sein berühmtes Rad zu schlagen. Sie wichen zunächst zurück, aber bald war er vollständig von ihnen umringt.

Ebenso erging es Grouchy, welcher seinem Beispiel gefolgt und vom Wagen weg mitten unter die Gegner hineingesprungen war.

Es war eine Szene, keines Kaisers und keines Marschalls würdig, aber nichts desto weniger höchst gefährlich für die berühmten Helden des Schlachtfeldes. Trotz ihrer Tapferkeit mußte der Kampf in kurzer Zeit das vorauszusehende Ende finden. – – –

Als der Kaiser vorhin mit seinen Marschällen und den Damen den Platz verlassen hatte, an welchem die letzteren überfallen, durch die Dazwischenkunft Königsaus aber gerettet worden waren, blieb nur dieser mit dem Kutscher zurück.

„Verdammt!“ brummte derselbe. „Nun haben wir den alten Kasten allein!“

„Meinen Sie etwa, daß der Kaiser sich vorspannen sollte?“ lachte Königsau.

„Hm! Könnte nichts schaden! Wo der sich vorspannt, da geht es! Werden Sie mir vollends helfen?“

„Das versteht sich!“

„Sie fahren mit nach Jeannette? Und bleiben ein wenig da?“

„Das wird sich wohl erst entscheiden.“

„Gut, Monsieur. Das Pferd ist bald angespannt. Es ist auch kräftig genug, den Wagen nach Hause zu bringen. Aber was tun wir mit den Leichen?“

„Wir lassen sie natürlich liegen.“

„Hm! Ja! Aber mit allem, was sie bei sich tragen?“

„Ich denke.“

„Das paßt mir nicht. Da sind eine Menge Gewehre und andere Sachen, die man recht gut gebrauchen könnte!“

„Sie gehören aber nicht uns.“

„Wem sonst? Wir sind die Sieger!“

„Der Kaiser wird in La Chêne Anzeige machen, und dann wird sich der Maire sofort nach hier begeben, um den Sachverhalt aufzunehmen. Er wird auch alles an sich nehmen, was er hier findet.“

„Oder es kommen unterdessen andere, welche alles stehlen. Diese Kerls werden wohl Kameraden haben, welche nur darauf warten, daß wir uns entfernen.“

„Tun Sie, was Sie denken. Aber ich möchte nicht gern unnütz Zeit versäumen; ich möchte auch nicht gern haben, daß es heißt, ein Beamter vom Meierhof Jeannette, der Leibkutscher der Baronin, habe tote Banditen ausgeplündert.“

Da kratzte sich der Knecht in den Haaren. Das Wort Leibkutscher schmeichelte ihm.

„Hm“, brummte er. „Denken Sie wirklich?“

„Ja, das denke ich.“

„Ich soll das alles liegen lassen?“

„Ja, alles.“

„Nun, so mag es in drei Teufelsnamen liegen bleiben, obgleich ich mich vielleicht ärgere, so oft ich daran denke. Aber ich habe auch meine Ambition. Man soll nicht von mir sagen, daß ich Banditen ausplündere.“

„Schön! Also das Pferd her!“

„Ich werde unterdessen die zweite Laterne suchen.“

Er fand sie bald, wenn auch in zerbrochenem Zustand. Nach Verlauf einer kleinen Viertelstunde konnte man den Ort verlassen.

„Setzen Sie sich in den Wagen?“ fragte der Kutscher.

„Ja, wenn es Ihnen recht ist.“

„Hm! Wäre es nicht besser, Sie setzten sich hier neben mich auf den Bock?“

„Warum?“

„Wir sind hübsch beisammen, wenn noch etwa passieren sollte; auch sehen vier Augen mehr als zwei, und wir können uns miteinander unterhalten.“

„Gut. Sie haben recht. Machen Sie also Platz!“

Er stieg hinauf, und bald rollte der Wagen im Trab von dannen.

Zunächst schwiegen die beiden. Der Kutscher, der eine biedere, treue Seele, aber keine allzu intelligente Natur war, hatte genug zu tun, sich das Erlebte von Anfang bis zum Ende zurecht zu legen, um es seinen Mitbediensteten erzählen zu können. Königsau hingegen dachte an die Geliebte, welche jetzt an der Seite des Kaisers saß. Dieser hatte Wohlgefallen an ihr gefunden, ein ganz auffälliges Wohlgefallen; er wollte auf Jeannette wohnen. Welche Perspektiven konnten sich da öffnen, welche Folgen konnte dies nach sich ziehen.

Man darf bei diesen Worten ganz und gar nicht meinen, daß der Deutsche dabei an die Möglichkeit einer Untreue von seiten der Geliebten dachte. O nein, dazu war sie ihm zu wert, zu rein. Aber er selbst wollte auf Jeannette, wenn auch nur kurze Zeit, verweilen; war der Kaiser zugleich zugegen, so konnten möglicherweise Umstände eintreten, welche bedenkliche Folgen brachten.

Da schien der Kutscher mit seinem Nachdenken bis zu einem gewissen Punkt gekommen zu sein, über welchen er nicht hinweg konnte.

„Hm!“ brummte er. „Fatale Geschichte!“

„Was?“

„Sie, Monsieur!“

„Ich? Ich bin eine fatale Geschichte?“

„Ja.“

„Inwiefern?“

„Ja, ich weiß nicht, ob ich Sie damit belästigen darf.“

„Reden Sie.“

„Nun gut! Der ganze Überfall ist mir nun klar. Ich habe zwar erst lange auf dem Bock gesessen, um mir zu überlegen, ob ich mit zuhauen soll oder nicht; denn ein braver Kutscher darf nicht vom Bock herab; aber dann, als ich mit dem Überlegen fertig war, habe ich dem Kerl auch sofort die Seele aus der Gurgel gequetscht. So weit ist mir alles klar. Aber Sie, Monsieur, Sie sind mir ein Rätsel, über das ich nicht hinauskommen kann.“

„Das begreife ich nicht.“

„Ja, ich begreife es eben auch nicht. Wie kamen Sie gerade zur rechten Zeit, um diese acht Kerls so gemütlich totzuschießen?“

„Ich habe es ja bereits erzählt!“

„Aber mir nicht.“

„So mögen Sie es noch einmal hören“, und er erzählte die bekannten Vorgänge.

„Schön, jetzt ist mir das klar. Aber das andere nicht.“

„Was?“

„Sie waren bereits einmal bei uns, als sie die Damen Richemonte brachten; da hießen Sie Königsau und waren ein Deutscher. Jetzt heißen Sie ganz plötzlich Sainte-Marie und sind ein Franzose, sogar ein Seekapitän.“

„Und das verursacht Ihrem ehrlichen Kopf Schmerzen?“

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