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Электронная книга - «Die Dämonen». Краткое содержание книги:

Die Dämonen
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Ich hoffe nichts von Uri. Ich reise einfach hin. Ich habe nicht mit Absicht einen so unfreundlichen Ort gewählt. In Rußland bin ich durch nichts gebunden; ich fühle mich in meinem Vaterlande ebenso fremd wie überall. Ich habe hier allerdings noch weniger gern gelebt als anderwärts; aber auch hier habe ich nichts hassen können!

Ich habe überall meine Kraft auf die Probe gestellt. Sie rieten mir das, damit ich mich kennen lernen möchte. Bei den Proben, die ich teils in meinem Interesse, teils bloß zur Schau anstellte, erwies sich meine Kraft, ebenso wie auch früher in meinem ganzen Leben, als unbegrenzt. Vor Ihren Augen habe ich die Ohrfeige ertragen, die mir Ihr Bruder versetzte; ich habe meine Ehe öffentlich bekannt. Aber wozu ich diese Kraft verwenden soll, das habe ich nie eingesehen und sehe ich auch jetzt nicht ein, trotz Ihrer Ermutigungen in der Schweiz, denen ich Glauben schenkte. Ich kann, ganz ebenso wie früher immer, wünschen, eine gute Tat zu tun, und empfinde von ihr Vergnügen; daneben aber habe ich auch den Wunsch, Schlechtes zu tun, und empfinde davon ebenfalls Vergnügen. Aber sowohl das eine wie das andere Gefühl ist, gerade wie früher, immer nur sehr schwach, niemals bedeutend. Meinen Wünschen mangelt es an Energie; sie können mich nicht leiten. Auf einem Balken kann man über einen Fluß schwimmen, aber nicht auf einem Span. Das sage ich, damit Sie nicht denken, ich ginge mit irgendwelchen Hoffnungen nach Uri.

Wie früher gebe ich niemandem die Schuld. Ich habe es mit einem sehr ausschweifenden Leben versucht und in ihm meine Kräfte erschöpft. Aber ich bin kein Freund von Ausschweifungen und fand kein Gefallen daran. Sie haben mich in der letzten Zeit beobachtet. Wissen Sie wohl, daß ich sogar auf die alles verneinenden Unsrigen voll Haß blickte, weil ich sie um ihre Hoffnungen beneidete? Aber Sie hegten ohne Grund Befürchtungen; ich konnte kein Genosse dieser Menschen sein, mit denen ich nichts gemein hatte. Und es bloß zum Spotte, aus Bosheit sein, das konnte ich auch nicht, und zwar nicht weil ich mich vor der Lächerlichkeit gefürchtet hätte (die Lächerlichkeit kann mich nicht schrecken), sondern weil ich doch die Gewohnheiten eines anständigen Menschen habe und dieses Treiben mich anekelte. Aber wenn meine Bosheit und mein Neid gegen sie stärker gewesen wären, dann wäre ich vielleicht mit ihnen zusammen gegangen. Nun urteilen Sie selbst, wie leicht mir ums Herz war, und wie ich mich hin und her gewendet habe!

Liebe Freundin, Sie sanftes, hochherziges Geschöpf, das ich ganz verstanden habe! Vielleicht hegen Sie die phantastische Hoffnung, Sie könnten mir so viel Liebe geben und so viel Schönes aus Ihrer schönen Seele auf mich ausgießen, daß Sie imstande wären, eben dadurch mir endlich ein Ziel vor Augen zu stellen? Nein, seien Sie lieber vorsichtig; meine Liebe wird ebenso kleinlich sein wie ich selbst, und Sie werden unglücklich sein. Ihr Bruder hat zu mir gesagt, wer die Verbindung mit seinem Heimatlande verliere, der verliere auch seine Götter, das heißt all seine Ziele. Über alles kann man endlos hin und her streiten; aber ich habe immer nur Verneinung produziert ohne alle Hochherzigkeit und ohne alle Kraft. Selbst die Verneinung habe ich nicht eigentlich produziert. Alles war bei mir immer kleinlich und matt. Der hochherzige Kirillow vermochte seine Idee nicht zu ertragen und erschoß sich; aber ich sehe ja ein, daß er deswegen hochherzig war, weil er nicht seinen gesunden Verstand hatte. Ich kann nie den Verstand verlieren und kann nie an eine Idee in dem Grade glauben wie er. Ich kann mich mit einer Idee nicht einmal in solchem Grade beschäftigen. Niemals, niemals kann ich mich erschießen!

Ich weiß, daß ich mich töten, mich wie ein gemeines Insekt von der Erde wegfegen müßte; aber ich fürchte mich vor dem Selbstmorde, weil ich mich davor fürchte, hochherzig zu scheinen. Ich weiß, daß das wieder ein neuer Betrug sein würde, der letzte Betrug in einer endlosen Reihe ähnlicher. Was hätte es für einen Nutzen, sich selbst zu täuschen, nur um die Rolle des Hochherzigen zu spielen? Empörung und Schamgefühl kann es in meiner Seele niemals geben, folglich auch keine Verzweiflung.

Verzeihen Sie, daß ich so viel schreibe. Ich habe es unversehens getan und bin jetzt zur Besinnung gekommen. In Wahrheit sind hundert Seiten zu wenig und zehn Zeilen genug. Es genügen zehn Zeilen, um Sie als ›Krankenwärterin‹ zu mir zu rufen.

Ich wohne, seit ich fortgereist bin, auf der sechsten Station beim Bahnhofsvorsteher. Ich bin mit ihm vor fünf Jahren, zur Zeit meines tollen Lebens, in Petersburg bekannt geworden. Daß ich hier wohne, weiß niemand. Schreiben Sie mir durch seine Vermittlung. Ich lege seine Adresse bei.

Nikolai Stawrogin.«

Darja Pawlowna ging mit diesem Briefe sogleich zu Warwara Petrowna und zeigte ihn ihr. Diese las ihn und bat dann Darja hinauszugehen, um ihn noch einmal allein durchzulesen; aber sehr bald rief sie sie wieder zurück.

»Wirst du hinreisen?« fragte sie sie beinah schüchtern.

»Ja, ich werde hinreisen,« antwortete Darja.

»Mach dich fertig! Wir fahren zusammen!«

Darja blickte sie fragend an.

»Was soll ich jetzt hier tun? Ist nicht alles ganz gleich? Ich werde ebenfalls in Uri das Bürgerrecht erwerben und in der Schlucht leben ... Sei unbesorgt; ich werde euch nicht stören.«

Sie fingen schnell an zu packen, um noch zum Mittagszuge zurechtzukommen. Aber es war noch keine halbe Stunde vergangen, als aus Skworeschniki Alexei Jegorowitsch eintraf. Er meldete, Nikolai Wsewolodowitsch sei plötzlich am Morgen mit dem Frühzuge angekommen und befinde sich in Skworeschniki; aber der Herr sei in einem solchen Zustande, daß er auf Fragen nicht antworte; er sei durch alle Zimmer hindurchgegangen und habe sich in seinen Wohnräumen eingeschlossen ...

»Ich habe für richtig gehalten, ohne des Herrn Befehl herzufahren und Meldung zu tun,« fügte Alexei Jegorowitsch mit sehr bedeutsamer Miene hinzu.

Warwara Petrowna sah ihn durchdringend an und stellte keine Frage. Augenblicklich mußte der Wagen vorfahren. Sie fuhr mit Darja zusammen. Während der Fahrt soll sie sich häufig bekreuzt haben.

In Nikolai Wsewolodowitschs Wohnräumen waren alle Türen geöffnet, er selbst aber nirgends zu sehen.

»Ob der Herr vielleicht im Halbgeschoß ist?« äußerte der Diener Fomuschka vorsichtig.

Auffälligerweise waren nach den Wohnräumen des Herrn mehrere Diener hinter Warwara Petrowna hergegangen; die übrigen warteten alle im Saale. Niemals hätten sie es früher gewagt, sich eine solche Verletzung der Etikette zu erlauben. Warwara Petrowna sah es und schwieg.

Sie stiegen auch nach dem Halbgeschoß hinauf. Dort waren drei Zimmer; aber in keinem fanden sie ihn.

»Ob der Herr nicht dahin gegangen ist?« sagte jemand und zeigte auf eine Tür, die nach der Giebelstube führte.

In der Tat war die sonst stets verschlossen gehaltene Tür zur Giebelstube jetzt geöffnet und stand sperrangelweit auf. Man mußte auf einer langen, sehr engen und furchtbar steilen Treppe bis fast unter das Dach hinaufsteigen. Dort war ebenfalls noch ein Zimmerchen.

»Ich gehe da nicht hinauf. Zu welchem Zwecke sollte er da hinaufgestiegen sein?« sagte Warwara Petrowna, die sehr blaß geworden war, und sah sich nach den Dienern um. Diese sahen sie an und schwiegen. Darja zitterte.

Warwara Petrowna eilte die Treppe hinauf, Darja ihr nach. Aber kaum war sie in die Giebelstube getreten, als sie aufschrie und bewußtlos hinfiel.

Der Bürger des Kantons Uri hing dort gleich hinter der Tür. Auf einem Tischchen lag ein Stück Papier, auf dem mit Bleistift geschrieben war: »Es soll niemand beschuldigt werden; ich habe es selbst getan.« Ebendort auf dem Tischchen lag auch ein Hammer, ein Stück Seife und ein großer Nagel, der augenscheinlich als Reserve bereitgehalten war. Die starke seidene Schnur, an welcher sich Nikolai Wsewolodowitsch aufgehängt hatte, war offenbar nach sorgsamer Auswahl vorher beschafft und reichlich mit Seife eingerieben worden. Alles zeugte von vorbedachter Absicht und klarer Überlegung bis zum letzten Augenblicke.

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