Napoleons letzte Schlacht
- Автор: Май Карл
- Серия: Liebe des Ulanen #2
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Napoleons letzte Schlacht». Краткое содержание книги:
So wurde La Chêne erreicht, und man stieg aus. Der Wirt schien ganz verwandelt zu sein, als er die Offiziere erblickte. Als er aber gar den Kaiser eintreten sah, knickte er vor Ehrerbietung fast zusammen. Er sah die goldstrotzenden Uniformen der Offiziere gar nicht mehr, sondern nur noch den einfachen Überrock Napoleons.
Dieser gab den Arm Margots frei und wendete sich an ihn:
„Der Wirt?“
„Der bin ich, mein Kaiser!“
„Den Maire, sofort!“
Während der Wirt hinaussprang, um diesen Befehl zu vollziehen, wendete Napoleon sich wieder zu Margot zurück, um ihr den seidenen Überwurf abzunehmen. Auch die Marschälle nötigten ihre Damen, für kurze Zeit Platz zu nehmen.
Man muß wissen, in welcher Weise sich damals die Damen trugen. Ein faltenreiches Kleid bedeckte den Unterkörper, aber kurz genug, um die Füße sehen zu lassen. Die Taille war hoch gehalten, so daß sie den Busen hervortreten ließ, tief ausgeschnitten und mit nur ganz kurzen Ärmeln.
Als der Kaiser den Überwurf in der Hand hielt, sah er das unvergleichliche Mädchen in aller ihrer entzückenden Schönheit vor sich stehen.
Er fand im ersten Augenblick kein Wort, um die während des Aussteigens unterbrochene Unterhaltung wieder zu beginnen. Seine Augen ruhten auf ihrem Gesicht, als wolle er jeden einzelnen ihrer Züge genau studieren; sie irrten herab auf ihre wundervolle Büste, auf ihre vollen, herrlich gerundeten Arme, auf das kleine Füßchen, welches sich unter dem Saum des Kleids hervorstahl. Er mußte fühlen, daß sein Blick für das junge Mädchen peinlich sei; aber er war nicht der Mann, eine gewöhnliche Redensart, ein triviales Kompliment hervorzubringen. Er bog sich nieder, nahm ihre Hand in die seinige und drückte sie an seine Lippen.
„Majestät!“ sagte sie ganz erschrocken, indem sie ihre Hände zurückzog.
„Verzeihung, Mademoiselle“, sagte er. „Es war dies die Huldigung, welche der Untertan seiner Königin zu bringen hat.“
Sie erglühte vor Verlegenheit; glücklicherweise erlöste sie der eintretende Wirt von der Notwendigkeit, eine Antwort geben zu müssen.
Der Kaiser gab Befehl, den Damen eine kleine Erfrischung zu reichen. Sie erhielten ein Gläschen Wein und einige Scheiben Honig, das einzige, was hier anständigerweise genossen werden konnte.
Die beiden Marschälle unterhielten sich lebhaft mit ihren Damen, um dem Kaiser Muße zu geben, sich ganz dem schönen Mädchen zu widmen. Das tat er denn auch, bis ein Mann erschien, im Tressenrock und mit einer gewaltigen Perücke auf seinem Haupt. Er verbeugte sich so tief vor dem Kaiser, daß ihm diese beinahe von dem Kopfe herabgefallen wäre.
„Wer?“ fragte Napoleon kurz.
„Sire, ich habe die Ehre, der Maire dieses Ortes zu sein“, antwortete der Mann und blickte ganz erschrocken unter seiner Perücke hervor.
„Schlechter Beamter!“ fuhr der Kaiser fort.
Die zornigen Augen Napoleons bohrten sich in das Gesicht des Maire ein, so daß dieser alle Fassung verlor.
„Ich weiß nicht, Sire“, stotterte er, „womit ich mir das Mißfallen –“
„Zorn, nicht Mißfallen!“ rief der Kaiser. „Kennen Sie den Weg nach Vouziers?“
„Ja.“
„Gehen Sie ihn selbst?“
„Sehr oft.“
„Auch bei Nacht?“
„Nein.“
„Wann sonst?“
„Nur bei Tag.“
„Warum?“
„Weil man des Nachts nicht sicher ist.“
„Weshalb nicht sicher?“
„Es gibt viele Marodeurs und ähnliche Subjekte im Wald.“
„Ah, gibt es die? Wirklich?“
„Ja, Sire.“
„Daher vermeiden Sie, des Abends durch den Wald zu gehen? Das ist alles, was Sie tun?“
Erst jetzt kam dem Beamten die Ahnung, weshalb er zu dem Kaiser beschieden sei.
„Ich konnte nichts anderes tun, Sire; ich war machtlos“, antwortete er.
„Pah! Sie mußten Truppen requirieren!“
„Ich habe es getan.“
„Nun?“
„Ich bekam keinen einzigen Soldaten.“
„Ah! Warum?“
„Der Kaiser war abwesend, und dieser König, welcher vorgab, Regent zu sein –“
Der Mann zuckte bei diesen Worten die Achseln. Dies war die beste Entschuldigung, welche er vorbringen konnte. Sie tat auch sofort ihre Wirkung. Das Gesicht Napoleons klärte sich auf. Er machte eine abwehrende, verächtliche Handbewegung und sagte:
„Ah, dieser König? Er gab Ihnen kein Militär?“
„Nein.“
„Warum nicht?“
„Er habe keins, sagte man mir.“
Da wendete sich Napoleon lächelnd zu Ney und sagte:
„Was meinen Sie dazu, Marschall?“
Ney zuckte die Achseln und antwortete:
„Um Militär zu haben, muß man selbst Soldat sein!“
„Richtig! Dieser König ist ein guter Privatmann; ein Herrscher, ein Soldat, ein Feldherr wird er nie. Frankreich braucht einen Mann, wie ich es bin, sonst wachsen die Banden dem Volk über dem Kopf zusammen. Ich war nur kurze Zeit hinweg und werde doch jahrelang zu tun haben, um wieder Ordnung zu schaffen.“
Und sich wieder zu dem Maire wendend, sagte er:
„Diese Damen sind vorhin überfallen worden –“
„Mein Gott, ist's wahr?“ rief der Mann erschrocken, denn wenn Napoleon selbst sich der Damen annahm, so war der Fall doppelt bedenklich.
„Kennen Sie dieselben?“
„Die Frau Baronin de Sainte-Marie, Majestät!“
„Gut! Wäre nicht ein tapferer Kavalier dazugekommen, so lebten sie wohl nicht mehr. Draußen liegen die Leichen der Kerls und zwei erschossene Pferde. Bringen Sie das in Ordnung. Wieviel Truppen sind nötig, um den Wald zu säubern?“
„Wenigstens eine Kompanie, Sire!“
„Sollen Sie haben, bereits morgen. Was werden Sie zunächst tun?“
„Es wird nötig sein, ein Protokoll aufzunehmen, Sire.“
„Haben Sie Papier?“
„Leider habe ich keins mit.“
„Gourgaud, mein Schreibzeug!“
Der General holte Napoleons Reiseschreibzeug nebst Papier aus dem Wagen herbei. Der Kaiser wendete sich an den Maire und sagte:
„Setzen! Papier nehmen und schreiben! Werde das Protokoll selbst diktieren!“
Dies geschah. Es war ganz so des Kaisers Art und Weise, sich mit einer solchen Angelegenheit zu befassen. Er wollte damit seinen Untertanen zeigen, daß er ihren Beruf vollständig kenne, überblicke und verstehe. Darum hatten seine Beamten so großen Respekt vor ihm, und daher gab es in dem Apparat seiner Verwaltung so große Ordnung.
Die Feder des Maire flog förmlich über das Papier. Es war ihm noch nie vorgekommen, daß ihm ein Kaiser diktiert hatte; darum lief ihm der Schweiß von der Stirn.
Endlich war er fertig. Der Kaiser nahm das Protokoll, las es durch und fügte noch den eigenhändigen Befehl in Betreff der notwendigen Truppen in der Höhe einer ganzen Kompanie bei. Dann unterzeichnete er.
„Fertig!“ sagte er. „Morgen kommen die Soldaten. Übermorgen muß der Wald gesäubert sein. Verstanden?“
„Ich gehorche mit Freuden, Sire!“ antwortete der Maire, indem er sein Sacktuch zog, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen.
„Aufbrechen also!“
Bei diesen Worten bot der Kaiser Margot ihren Überwurf wieder an, den er ihr eigenhändig um die vollen, weißen Schultern hängte. Dann reichte er ihr den Arm, um sie zum Wagen zu führen.
Ney und Grouchy folgten mit ihren Damen; dann setzte sich der Zug unter der militärischen Bedeckung der zwölf alten Gardisten wieder in Bewegung. – – –