Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
René war mit einem Entersäbel und mit seinem Stutzen bewaffnet.
Nelson stand auf dem Oberdeck der Victory zusammen mit Blackwood, dem Kapitän der Euryalus; Blackwood war ihm so lieb und teuer wie sein Flaggkapitän Hardy, und beiden vertraute er uneingeschränkt.
In diesem Augenblick geschah es, dass Nelson einen der Offiziere herbeirief und zu ihm sagte: »Mister Paskoe, geben Sie folgendes Signal an alle Schiffe unserer Flotte: ›England expects that every man will do his duty!‹« (»England erwartet, dass jeder seine Pflicht tun wird.«)
Nelson trug einen blauen Anzug und hatte all seine Orden an die Brust geheftet: den Bath-Orden, den Sizilianischen Ritterorden des heiligen Ferdinands, das Ordenskreuz der Johanniter oder Malteser und den türkischen Halbmondorden.
Kapitän Hardy trat zu ihm. »Um Himmels willen, Kommandant«, sagte er, »wechseln Sie bitte die Kleidung; dieser Putz an Ihrer Brust muss Sie zur Zielscheibe für alle Scharfschützen machen.«
»Dafür ist es zu spät«, sagte Nelson. »Man hat mich in dieser Kleidung gesehen, und es würde nichts nützen, sie zu wechseln.«
Daraufhin wurde er gebeten, an seine Stellung als Oberkommandierender zu denken und sein Schiff nicht als Erstes mitten in die dichtgedrängte Phalanx der vereinigten Flotte zu steuern.
»Lassen Sie«, sagte Hardy, »die Leviathan, die Ihrem Schiff folgt, mit ihm den Platz tauschen und das erste Feuer der Franzosen auffangen.«
»Ich habe nichts dagegen, dass die Leviathan uns überholt, wenn sie es kann«, erwiderte Nelson lächelnd, und dann sagte er zu Hardy: »Bis dahin lassen Sie alle Segel setzen.«
Erst zu diesem Zeitpunkt verließen seine Kapitäne das Deck der Victory und kehrten auf ihre Schiffe zurück.
Als Nelson von der Leiter der Poop aus Abschied von ihnen nahm, drückte er Kapitän Blackwood liebevoll die Hand, der ihm lebhaft wünschte, er möge siegen.
Die französische Flotte stand so eng, dass kein Wasser zwischen den Schiffen zu sehen war.
»Wie viele dieser Schiffe müssen sich ergeben oder sinken, damit wir sie als Beweis eines großen Sieges betrachten?«, fragte Nelson lächelnd Blackwood.
»Nun, zwölf oder fünfzehn«, erwiderte jener.
»Das ist nicht genug«, sagte Nelson. »Ich persönlich würde mich nicht mit weniger zufriedengeben als mit zwanzig Schiffen«, doch dann verdüsterte sich seine Stirn, und er sagte zu seinem Freund: »Adieu, Blackwood. Möge der Allmächtige Sie behüten; wir werden einander nicht wiedersehen.«
Doch nicht Nelson war die Ehre vorbehalten, den ersten Schuss abzugeben. Collingwoods Leekolonne war schneller als Nelsons Wetterkolonne, die eine Kurve beschrieb. Collingwood durchbrach als Erster die Schlachtlinie der Spanier und Franzosen, und sein Flaggschiff Royal Sovereign traf auf den spanischen Dreidecker Santa Ana, ging Steuerbord an Steuerbord längsseits und überzog ihn mit einem Feuer- und Rauchhagel.
»Wackerer Collingwood!«, rief Nelson, der auf die Lücke wies, die Collingwoods Kolonne in die gegnerische Linie gerissen hatte. »Sehen Sie nur, Hardy, wie er sein Schiff ins Feuer steuert, ohne nach links oder rechts, nach vorne oder hinten zu schauen. Er hat uns den Weg eröffnet, auf in den Wind!«
Während Nelson auf der Poop der Victory diese Worte sprach, rief Collingwood mitten in dem Toben des Gefechts seinem Flaggkapitän Rotheram zu: »Oh, wie glücklich wäre Nelson, wenn er jetzt hier wäre!«
Es sollte nicht lange dauern, bis er es war. Die Kanonenkugeln von sieben Schiffen der vereinigten Flotte pfiffen ihm bereits über den Kopf, zerrissen die Segel der Victory und durchpflügten ihr Oberdeck.
Der erste Gefallene an Bord der Victory war Nelsons Sekretär, ein junger Mann namens Scott; als er mit seinem Admiral und Kapitän Hardy sprach, riss ihn eine Kanonenkugel entzwei.
Da Nelson dem jungen Mann sehr zugetan gewesen war, ließ Hardy den Leichnam sogleich entfernen, damit sein Anblick den Admiral nicht betrübte.
Fast im selben Augenblick zerstückelten zwei Stangenkugeln acht Männer an Deck.
»Oh«, sagte Nelson, »es geht zu hitzig her, um lange anzuhalten.«
Er hielt sich am Arm eines Leutnants fest, schwankte einen Augenblick lang keuchend und sagte dann: »Schon gut, schon gut, es ist vorbei.«
Die Kanonenkugeln stammten von der Redoutable.
Wie gesagt war es zu jener Zeit üblich, auf Mastwerk und Takelage zu zielen, doch Lucas teilte diese Eigenart nicht.
»Freunde«, sagte er zu den Kanonieren, bevor sie feuerten, »zielen Sie tief! Es freut die Engländer nicht, wenn sie getötet werden.«
Und sie zielten tief.
Die Victory hatte noch keinen Schuss abgegeben.
»Drei Schiffe stehen uns zur Auswahl; welches davon wollen wir ansteuern?«, fragte Hardy Nelson.
»Das nächste«, erwiderte Nelson. »Wählen Sie selbst.«
Es war die Redoutable, die bis dahin die größten Schäden an der Victory verursacht hatte. Hardy befahl den Rudergängern, die Victory so dicht wie möglich an die Redoutable heranzumanövrieren und längsseits zu gehen.
»Ich glaube«, sagte René zu Lucas, »ich sollte allmählich meinen Posten im Mastkorb beziehen.«
Und er kletterte die Wanten des Besanmasts hinauf.
Während René kletterte, spien die Geschütze beider Schiffe ununterbrochen Tod und Verderben. Als die Schiffe einander berührten, war das Geräusch so entsetzlich, als hätte eines von ihnen das andere gerammt, und das wäre auch geschehen, wenn nicht der Wind, der sich in dem Gewirr aus Segeln verfing, die Redoutable rückwärtsgeführt hätte, so dass sie die Victory mit sich zog.
Die Schiffe, die der Victory folgten, durchquerten die gegnerische Schlachtlinie durch die geschlagene Lücke, schwärmten nach links und rechts aus und trennten die Überbleibsel der vereinigten Flotte von ihrer Hauptstreitkraft ab.
Es war Mittag, als das Gefecht begann. Die Engländer hissten die Fahne des heiligen Georgs, die Spanier entfalteten das Banner Kastiliens und hängten unter ihrer Flagge ein langes Holzkruzifix auf, und unter dem siebenmal wiederholten Ruf: »Es lebe der Kaiser!« erhob sich die Trikolore über dem Bug jedes französischen Schiffs.
Daraufhin eröffnen die sechs oder sieben Schiffe in Villeneuves unmittelbarer Umgebung das Feuer auf die Victory. Die Redoutable kann sie mit ihren zweihundert feuerspeienden Mäulern nicht aufhalten. Sie gelangt bis auf Pistolenschussweite hinter die Bucentaure; eine Karronade aus einem Achtundsechzigergeschütz trifft die Bucentaure unterhalb der Back und speit eine Kanonenkugel und fünfhundert Gewehrkugeln durch die Fenster der Poop des Franzosen; fünfzig doppelte und dreifache Kartätschenladungen zerschmettern das Heck der Bucentaure, setzen siebenundzwanzig Kanonen außer Gefecht und übersäen das Schiff mit Toten und Verwundeten.
Die Victory überwindet langsam den Abstand, den das fürchterliche Feuer von der Redoutable zu mindern begann. Bord an Bord entfernen beide Schiffe sich von der Gefechtslinie; von den Mastkörben und Batterien der Redoutable wird das Feuer der Victory erwidert, und in diesem Gefecht, das eher einem Musketenfeuer als einem Artilleriefeuer ähnelt, befinden unsere Matrosen sich nun wieder im Vorteil. In kurzer Zeit sind die Planken der Victory leichenübersät; von den einhundertzwanzig Männern Besatzung des Schiffs sind nur mehr zwanzig einsatzfähig; das Zwischendeck ist voller Verwundeter und Sterbender, die unablässig hergebracht werden. Angesichts der zahllosen Verwundeten, der verstümmelten Beine und abgerissenen Arme sehen die Wundärzte einander ratlos an; der Schiffskaplan der Victory, vom Entsetzen und von seinen Gefühlen übermannt, will mit dieser Schlachtbank, wie er es noch zehn Jahre später nannte, nichts mehr zu tun haben und eilt mitten im Gefecht an Deck; durch den Rauch erkennt er Nelson und Hardy auf der Schanz. Er läuft mit ausgebreiteten Armen auf sie zu, als Nelson plötzlich wie vom Blitz getroffen zu Boden fällt.