Der Dagon-Zyklus, Band 2
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Год: 1991
- Язык: немецкий
- Год: Weltbild Verlag
- ISBN: 3-86047-343-3
- Жанр: Ужасы
Электронная книга - «Der Dagon-Zyklus, Band 2». Краткое содержание книги:
Der Gang war verlassen, als ich die Tür öffnete, aber das kam mir nur gelegen. Wahrscheinlich war jede Hand an Bord der NAUTILUS mit Reparaturarbeiten beschäftigt, und wenn ich sehr viel Glück hatte, würde ich das Schiff vielleicht sogar wieder verlassen können, ohne überhaupt gesehen zu werden. So schnell es mir in der schwerfälligen Taucherausrüstung möglich war, eilte ich durch den Gang, schlich die gewendelte Metalltreppe nach oben und betrat Nemos Privatkabine. Sie war leer, wie ich gehofft hatte, und das Glück schien mir sogar noch holder zu sein, als ich zu träumen gewagt hatte, denn ich fand das Bündel mit meinen Kleidern praktisch auf Anhieb.
Andaras Amulett lag obenauf.
Ich stutzte. Ich war ziemlich sicher, das vermeintlich nutzlose Schmuckstück in die Tasche gesteckt und nicht wieder hervorgezogen zu haben. Natürlich konnte es sein, daß Nemo oder Howard es gefunden und begutachtet hatten, aber wenn, warum hatten sie es dann nicht zurückgesteckt oder gleich ganz mitgenommen, sollten sie ihm irgendeine Bedeutung zugemessen haben?
Und plötzlich fiel mir noch mehr auf. Ich hatte nicht sehr gründlich auf meine Umgebung geachtet, bisher, aber nach allem, was ich über Nemo wußte, schien er ein sehr ordentlicher Mensch zu sein.
Seine Kabine war ein einziges Chaos.
Die Schubladen der Schränke waren zum Teil geöffnet worden, ihr Inhalt über den Boden verstreut, selbst das Bettzeug war herausgerissen. Jemand hatte die Kabine durchsucht.
Verwirrt nahm ich das Amulett auf, schob es in eine Tasche meines Anzuges und richtete mich wieder auf. Was mochte hier geschehen sein? Welchen Grund sollte Nemo oder einer seiner Leute haben, die Kabine auf diese Weise zu durchsuchen?
Ich beschloß, die Lösung dieses weiteren Rätsels auf später zu verschieben, wandte mich um und verließ den Raum wieder. Erneut fiel mit die Stille auf, die von der NAUTILUS Besitz ergriffen hatte. Das dumpfe Dröhnen der Maschinen, das mich bisher wie die Lebensäußerungen des Schiffes begleitet hatte, war verstummt.
Aber das war es nicht allein.
Das Schiff war still. Völlig still!
Abrupt blieb ich stehen, blickte einen Moment unentschlossen zum unteren Ende der Treppe hinab - und drehte mich noch einmal um, um zum Salon des Schiffes zu gehen. Meine Schritte dröhnten unheimlich in dem niedrigen Metallkorridor; das Geräusch schien die Stille zu betonen, statt sie zu vertreiben, und das leise Scharren, mit dem das halbrunde Schott der Zentrale vor mir aufglitt, klang wie ein kreischender Schrei in meinen Ohren.
Der Salon war leer.
Und er bot ein ebenso chaotisches Bild wie Nemos Kabine.
Es waren nicht nur die Spuren der Reparaturarbeiten, die ich sah. Teile der Einrichtung waren zertrümmert worden, auf dem Boden lagen zerbrochenes Glas und Stoffetzen und die Reste zertrümmerter Möbel.
Und direkt vor dem großen Aussichtsfenster stand Dagon. Jede Spur von Freundlichkeit war aus seinem Fischgesicht gewichen. Sein Blick war kalt wie Eis, als er mich ansah.
»Du warst schnell«, sagte er anerkennend. »Beinahe hätten wir es nicht geschafft.«
Ich schwieg. Das Gefühl, einen nicht wiedergutzumachenden Fehler begangen zu haben, breitete sich in mir aus. »Also... hast du doch gelogen«, sagte ich mühsam.
Dagon lächelte geringschätzig. »Nein«, sagte er. »Ich weiß, daß es sinnlos wäre, dich belügen zu wollen. Ich habe... nun, sagen wir, einen Teil der Wahrheit weggelassen.« Er trat auf mich zu und streckte die Hand aus. »Du hast das Amulett?«
Ich tat so, als hätte ich seine Frage gar nicht gehört. »Wo ist Nemo?« fragte ich. »Und seine Männer? Wo sind Rowlf und Howard?«
»An einem sicheren Ort«, antwortete Dagon. »Du wirst sie wiedersehen, sobald du getan hast, was ich verlange. Du hast nicht wirklich erwartet, daß ich allein deinem Wort vertraue, oder?«
Ich antwortete nicht, aber seine Worte schienen wie böser Hohn hinter meiner Stirn widerzuhallen. Ich hatte ihm vertraut. Ich Narr.
»Was... soll ich tun?« fragte ich stockend. Es fiel mir schwer, überhaupt zu reden. Ich hätte schreien mögen, aber es hätte nicht viel genutzt. Wie hatte ich so wahnwitzig sein können, dieser... Kreatur auch nur eine Sekunde lang zu glauben?
»Du tust mir Unrecht, Robert Craven«, sagte Dagon, der meine Gedanken las. Seine Stimme klang beinahe traurig. »Ich halte mein Wort. Nemo und die anderen werden frei sein. Sobald wir an Bord des Schiffes gegangen sind.«
»Wir?«
Dagon nickte. »Du wirst mich begleiten«, antwortete er. »Das ist meine Bedingung. Ich brauche dich.« Seine Hand wies auf die Tasche meiner Montur, in der ich Andaras Amulett trug. »Dieses Ding allein ist nutzlos für mich. Nur ein Träger der MACHT kann seine Kräfte entfesseln. Jemand wie du.«
»Ich weiß ja nicht einmal, welche Macht du meinst«, antwortete ich leise. »Geschweige denn, was ich tun muß.«
Dagon winkte ab. »Ich werde es dir zeigen, wenn der Moment gekommen ist. Aber du mußt es freiwillig tun. Du mußt mir aus freien Stücken folgen, und die Kräfte, die du mir zur Verfügung stellst, müssen freiwillig für mich wirken. Ich will dir nichts vormachen, Robert Craven: Du könntest mich vernichten, mit Andaras Amulett. Du könntest es jetzt, und du kannst es erst recht, wenn wir an Bord des Schiffes sind.«
»Warum erzählst du mir das?« fragte ich.
Dagon sah mich sehr ernst an. »Weil ich will, daß du weißt, woran ich bin, Robert Craven. Und ich auch. Wir sind beide stark genug, einander zu vernichten, aber keiner könnte es, ohne den eigenen Tod in Kauf zu nehmen. Ich für meinen Teil halte nicht sehr viel von solchen Geschäften. Nun?«
»Und wenn ich mich weigere?« fragte ich. »Möglicherweise ist mir mein eigenes Leben nicht so viel wert wie dir das deine?«
»Humbug«, schnappte Dagon. »Du vergißt immer wieder, daß ich weiß, was du denkst, Robert Craven. Aber ich habe mit deiner Narrheit gerechnet. Deine Freunde befinden sich in meiner Gewalt. Vielleicht bist du wirklich verrückt genug, dein eigenes Leben fortzuwerfen... aber das deiner Freunde?« Er lachte böse und schüttelte den Kopf. »Gib mir dein Wort, mich an Bord der Dagon zu begleiten, und sie können gehen. Wenn nicht, überlasse ich sie ihnen.«
Damit hob er die Hand, und hinter einem Vorhang trat... etwas hervor.
Ich hatte Furchtbares erwartet, aber der Anblick überstieg selbst meine Vorstellungskraft.
Das Wesen sah aus wie eine gräßliche Kreuzung zwischen einem Menschen und einer Kaulquappe. Es war eines von Dagons Kindern, aber es war in einem Entwicklungsstadium, das viel fortgeschrittener war als das derer, die ich bisher zu Gesicht bekommen hatte.
Es war größer als Rowlf und bewegte sich auf zwei kräftigen, froschartigen Beinen vorwärts. Sein Körper war gerippt wie die Kautschukschläuche meines Atemgerätes, und der monströse Schädel wuchs ohne sichtbaren Hals direkt daraus hervor: eine furchterregende Halbkugel mit einem geschlitzten Maul, zwei dünnen, wie senkrechte Wunden wirkenden Nasenöffnungen und beinahe faustgroßen, gelblichen Augen. Dicht unter dem Schädel wuchsen zwei Arme aus seinem Balg, lang und kräftig wie die von Gorillas und in furchteinflößenden Krallen endend. Das Schlimmste aber war der Blick seiner Augen. Es waren, trotz allem, die Augen eines denkenden Wesens, keiner stumpfsinnigen Kreatur. In dem gelben Glühen der riesigen Pupillen loderte eine tückische, berechnende Intelligenz. Ich unterdrückte mit Mühe ein Stöhnen. »Ist... ist das das Paradies, das du Jennifer und ihren Leuten versprochen hast?« fragte ich.
Dagon schürzte die Lippen. »Was geht es dich an?« fragte er. »Ich sehe, mein Diener hat seine Wirkung auf dich nicht verfehlt. Nun - wie entscheidest du dich?«
Ich wollte antworten, aber Dagon schüttelte den Kopf und sprach schnell weiter: »Bedenke, daß ich deine Gedanken lese, bevor du antwortest, Robert Craven. Du kannst mich nicht belügen oder hintergehen. Deine Freunde werden frei sein, wenn du willst. Oder sie werden sterben. Einen schlimmeren Tod, als du ihn dir auch nur vorstellen kannst.«