Der Dagon-Zyklus, Band 2
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Год: 1991
- Язык: немецкий
- Год: Weltbild Verlag
- ISBN: 3-86047-343-3
- Жанр: Ужасы
Электронная книга - «Der Dagon-Zyklus, Band 2». Краткое содержание книги:
»Und... das andere?« fragte ich stockend. Es fiel mir schwer, Dagon weiter anzusehen. Seine Worte hatten etwas in mir berührt, von dem ich bis zu diesem Moment nicht einmal gewußt hatte, daß es da war. Die Sieben Siegel...
»Ich möchte mein Eigentum zurück«, antwortete Dagon, in sehr viel kälterem, befehlenderem Ton als zuvor. »Das Amulett, das du gestohlen hast, als dieser Narr Nemo meinen Palast angriff.«
Es dauerte Sekunden, bis ich überhaupt begriff, was er meinte. Dann erinnerte ich mich. Dagon meinte den fünfstrahligen goldenen Stern, den ich in seinem Palast gefunden und eingesteckt hatte.
»Ich habe es nicht hier«, sagte ich zögernd. »Es ist noch an Bord der NAUTILUS. Ich hielt es nicht für wichtig.«
»Nicht für wichtig?« Dagon keuchte. »Du Narr - es ist wichtiger als alles, was du dir vorstellen kannst. Ohne dieses Amulett ...«
»Wird aus deiner Flucht nichts, wie?« unterbrach ich ihn. Dagon starrte mich an und sagte kein Wort, aber sein Schweigen allein war Antwort genug.
Wie hatte ich nur so blind sein können? Dagon hatte jede Spur von Leben aus diesem See getilgt - hatte ich mir wirklich eingebildet, durch pures Glück noch am Leben zu sein? Oder vielleicht gar, weil er mich aus irgendwelchen Gründen besonders nett fand und deshalb verschonte? Nein - die Lösung war viel einfacher. Dagon brauchte etwas, zu dem nur ich ihm verhelfen konnte. Das Amulett.
Andaras Amulett.
Ich wußte nicht, woher dieser Gedanke kam. Er war plötzlich da, so unvermittelt, als hätte er in einer finsteren Ecke meines Bewußtseins gewartet, um im rechten Moment hervorzuspringen, und obgleich ich nicht den geringsten Beweis dafür hatte, wußte ich doch, daß es die Wahrheit war.
Der fünfstrahlige goldene Stern, den ich in seinem Palast gefunden hatte, war nichts anderes als das Amulett meines Vaters. Der magische Talisman, der zusammen mit der Lady of the Mist in den Fluten des Meeres versunken war, als wir vor der Küste Englands von Yog-Sothoth angegriffen wurden. Dagon starrte mich weiter schweigend an, aber der Ausdruck auf seinem Gesicht sprach Bände.
»Es ist also die Wahrheit«, sagte ich. »Es ist das Amulett meines Vaters, nicht wahr? Du hast es gefunden, du oder eine deiner Kreaturen, nachdem das Schiff versunken war.« Und plötzlich begriff ich, welchen weiteren, furchtbareren Gedanken diese Erkenntnis mit sich brachte. Meine Stimme zitterte, als ich weitersprach.
»Wahrscheinlich warst du sogar dabei, Dagon. Du hast es gesehen, nicht wahr? Du hast tatenlos zugesehen, wie diese Bestie die Lady of the Mist in die Tiefe gezogen hat und zahllose Menschen tötete. Du... du hast zugesehen, wie mein Vater umgebracht wurde.«
»Ich konnte nichts tun«, verteidigte sich Dagon. »Yog-Sothoth ist ein Gott.«
»Wie du!« sagte ich zornig. »Du konntest nichts tun! Du konntest diese Männer ertrinken lassen, ohne einen Finger zu rühren. Und du verlangst, daß ich dir helfe? Du mußt verrückt sein!«
»Ich verlange nur mein Eigentum zurück«, sagte er.
»Dieses Amulett gehört dir nicht«, antwortete ich. »Es gehörte meinem Vater.«
»Er hat es gestohlen wie alle anderen, die es zuvor besaßen!« schnappte Dagon. »Wie alles, was angeblich ihm gehörte, Robert Craven. Dieser Mann, den du deinen Vater nennst, hat sich alles zusammengestohlen, was er haben wollte, selbst seine magische Macht.«
»Nun, dann seid ihr euch ähnlicher, als ich dachte«, erwiderte ich böse.
Dagon schien antworten zu wollen, aber dann preßte er nur die Lippen aufeinander und machte eine ungeduldige, herrische Handbewegung.
»Genug davon!« sagte er. »Du wirst mir dieses Amulett bringen, oder alle deine Freunde werden sterben.«
Ich blickte ihn an, lächelte - und schüttelte den Kopf. »Nein.«
Dagon atmete hörbar aus. Sein Gesicht verzerrte sich vor Wut, aber ich sprach ungerührt weiter. Nicht nur das Wissen um das Amulett war plötzlich in mir. Es war, als wäre ein Schleier von meinen Gedanken genommen worden, etwas, das mich bisher daran gehindert hatte, mit der gewohnten Schärfe zu denken. »Ich werde es nicht tun, Dagon. Nicht ohne eine Gegenleistung von dir.«
»Du Narr!« keuchte der Fischgott. »Du wagst es, Forderungen zu stellen? Ich könnte mir nehmen, was ich will, und dich vernichten, so mühelos, wie ich eine Fliege zertrete!«
»Das kannst du eben nicht«, erwiderte ich ruhig. »Du könntest mich töten, und wahrscheinlich könnte deine Kreatur die NAUTILUS auch zerstören«, fuhr ich fort, »aber das würde dir nichts nutzen. Du brauchst nicht nur das Amulett.
Du brauchst mich.«
Dagon starrte mich an. Er schwieg, aber wie zuvor spürte ich, daß ich ins Schwarze getroffen hatte.
Schließlich schürzte er wütend die Lippen und schwang die Faust, als wolle er mich schlagen, tat es aber natürlich nicht. »Ein interessanter Gedanke«, sagte er böse. »Warum warten wir nicht, bis die NAUTILUS zerstört ist, und probieren es aus?«
»Weil du nicht soviel Zeit hast«, antwortete ich und seufzte. »Versuche nicht, mich zu übertölpeln, Dagon. Spielst du Schach?«
Der plötzliche Gedankensprung schien sein Heringsgehirn zu überfordern, denn er starrte mich nur mit offenem Mund an. »Tätest du es«, fuhr ich unbeeindruckt fort, »wüßtest du, wie man diese Situation nennt, mein Freund. Ein klassisches Patt.«
»Glaubst du?« fauchte Dagon. Er hatte fast jede Ähnlichkeit mit einem menschlichen Wesen verloren. Jetzt, als er wütend war und die Kontrolle über sich zu verlieren begann, sah ich ihn vielleicht zum ersten Male als das, was er wirklich war: ein Ungeheuer, das mehr zufällig in einen Körper geschlüpft war, der dem eines Menschen ähnelte. Vielleicht war er irgendwann einmal ein Mensch wie ich gewesen, aber wenn, dann mußte es sehr lange her sein.
»Keiner von uns kann dem anderen etwas antun, und keiner kommt weiter ohne den anderen«, fuhr ich fort. »Warum hören wir nicht auf, uns wie Kinder zu benehmen, Dagon? Dieses Amulett ist wertlos für dich. Du brauchst mich. Ich weiß nicht, wie, aber Andara hat etwas damit getan, was es schützt. Nur in meinen Händen kann es das tun, wozu du es brauchst. Was gibt es dir? Die Gewalt über dein Schiff?«
Dagon nickte abgehackt. »Was verlangst du?« fragte er.
»Das Leben der Männer an Bord der NAUTILUS«, antwortete ich. »Freiheit für mich und die Bewohner von Firth'en Lachlayn.«
»Mehr nicht?« schnappte Dagon höhnisch.
Ich nickte. »Doch. Bannermann und dieses Mädchen da«, ich deutete auf Jennifer, die ein Stück abseits stand und bisher wortlos zugehört hatte. Obwohl ich sie nicht direkt ansah, bemerkte ich, wie sie bei meinen Worten erschrak.
Dagon lachte. »Du bist ein Narr, Robert Craven. Ich kann dir nichts geben, was mir nicht gehört. Dieses Mädchen ist freiwillig bei mir. Sie ist zurückgekommen, als du sie fortgebracht hast, und sie würde wieder zurückkommen, ganz gleich, wie oft du sie wegbringst. Du glaubst, ich hätte diese Menschen gezwungen, mir zu dienen?« Er schüttelte den Kopf. »O nein. Sie tun es freiwillig.«
»Und sie lassen sich freiwillig umbringen?«
Dagon schnaubte. »Ich bin nicht verantwortlich für das, was McGillycaddy tut, Robert Craven. Er ist ein Mensch, und es ist nicht meine Sache, wenn ein Mensch den Menschen Gewalt antut. Ist es meine Schuld, daß ihr ein Volk seid, das der Verlockung der Macht nicht gewachsen ist? Die Männer und Frauen, die mit mir an Bord der Dagon gehen werden, folgen mir aus freien Stücken.«
»Sie folgen deinen Versprechungen!« behauptete ich. »Lügen, mit denen du sie gefügig gemacht hast, damit sie dir dienen!«
»Es sind keine Lügen, Robert.«