Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Etwas Festeres, vielleicht eine Gerte, hatte weniger zurückhaltend Anwendung auf seinen Schultern gefunden und sich an manchen Stellen so tief in die Haut geschnitten, dass auf dem einen Schulterblatt sein Knochen aufglänzte. Es gab noch keine Watte, und ich drückte ihm vorsichtig einen Bausch aus Scharpiefasern auf die schlimmste Stelle und setzte die Untersuchung fort.
Die Stelle an seiner linken Seite, wo ihn der Hammer getroffen hatte, war heftig angeschwollen, ein schwarzroter Bluterguss, der größer war als Sir Marcus’ Hand. Dort hatte er sich mit Sicherheit die Rippen gebrochen, doch auch diese konnten warten. Meine Aufmerksamkeit galt den brennend roten Flecken auf Hals und Brust, an denen seine Haut aggressive Blasen warf. An einer dieser Stellen waren die Ränder verkohlt und mit weißer Asche bestäubt.
»Was zum Teufel war das denn?« Sir Marcus hatte seine Massage beendet und blickte mir mit großem Interesse über die Schulter.
»Ein heißes Schüreisen.« Die Stimme war schwach und undeutlich; es dauerte einen Moment, ehe ich begriff, dass es Jamie war, der gesprochen hatte. Er hob mühsam den Kopf, und ich sah, warum ihm das Sprechen solche Schwierigkeiten bereitete; er hatte sich an einer Seite heftig auf die Unterlippe gebissen, die wie nach einem Bienenstich angeschwollen war.
Mit beträchtlicher Geistesgegenwart legte Sir Marcus Jamie die Hand in den Nacken und drückte ihm den Whiskybecher an die Lippen. Jamie zuckte zwar zusammen, weil der Alkohol in seinem verletzten Mund brannte, doch er leerte den Becher in einem Zug, ehe er den Kopf wieder hinlegte. Seine Augen richteten sich auf mich, etwas vernebelt vor Schmerz und vom Whisky, aber dennoch mit einem belustigten Leuchten. »Kühe?«, fragte er. »Waren das wirklich Kühe, oder habe ich das geträumt?«
»Etwas anderes habe ich in der kurzen Zeit nicht hinbekommen«, antwortete ich und strahlte vor Erleichterung, ihn lebend und bei Bewusstsein zu sehen. Ich legte ihm die Hand auf den Kopf und drehte ihn ein Stück, um mir einen großen Bluterguss oberhalb des Wangenknochens anzusehen. »Du siehst furchtbar aus. Wie fühlst du dich?«, fragte ich mit der Macht langer Gewohnheit.
»Lebendig.« Er kämpfte sich auf einen Ellbogen hoch, um kopfnickend einen zweiten Whiskybecher von Sir Marcus entgegenzunehmen.
»Meinst du wirklich, du solltest so viel auf einmal trinken?«, fragte ich, während ich versuchte, seine Pupillen auf Anzeichen für eine Gehirnerschütterung abzusuchen. Er vereitelte es mir, indem er die Augen schloss und den Kopf zurücklegte.
»Ja«, sagte er und reichte Sir Marcus den leeren Becher zurück. Dieser trug ihn erneut zu seiner Karaffe hinüber.
»Nein, das reicht fürs Erste, Marcus.« Lady Annabelle, die jetzt erneut wie die Sonne im Osten erschien, gebot ihrem Mann mit einem gebieterischen Zirpen Einhalt. »Der Junge braucht starken heißen Tee, nicht noch mehr Whisky.« Der Tee folgte ihr auf dem Fuße, in einer Silberkanne, getragen von einer Bediensteten, die sich durch die Tatsache, dass sie noch im Nachthemd war, in ihrer natürlichen Überlegenheit nicht erschüttern ließ.
»Heißen starken Tee mit reichlich Zucker«, korrigierte ich.
»Und vielleicht einem kleinen Schlückchen Whisky«, sagte Sir Marcus, der im Vorübergehen zielsicher den Deckel von der Teekanne hob und einen großzügigen Schluck aus seiner Karaffe hinzufügte. Jamie nahm die dampfende Tasse dankbar entgegen und hob sie wortlos zum Salut in Sir Marcus’ Richtung, ehe er die heiße Flüssigkeit vorsichtig an seinen Mund führte. Seine Hand zitterte furchtbar, und ich schlang meine Finger darum, um die Tasse zu führen.
Weitere Bedienstete brachten jetzt ein transportables Feldbett herbei, eine Matratze, weitere Decken, noch mehr Verbände und heißes Wasser und eine große Holzkiste mit den Arzneivorräten des Haushalts.
»Ich dachte, wir arbeiten am besten hier am Feuer«, erklärte Lady Annabelle mit ihrer bezaubernden Vogelstimme. »Hier haben wir mehr Licht, und es ist bei weitem der wärmste Ort im Haus.«
Unter ihrer Anleitung fassten zwei der kräftigeren Dienstboten jeweils ein Ende der Decke, auf der Jamie auf dem Bauch lag, und verlagerten sie mitsamt ihrem Inhalt auf das Feldbett, das jetzt vor dem Feuer stand. Ein weiterer Bediensteter stocherte geschäftig in der Glut, um die wachsenden Flammen zu nähren. Das Dienstmädchen, das uns den Tee gebracht hatte, zündete mit geübten Bewegungen die Wachskerzen des Kandelabers auf der Anrichte an. Lady Annabelle mochte ja das Aussehen eines Singvogels haben, doch sie besaß eindeutig die Seele eines Oberfeldwebels.
»Ja, jetzt, da er wach ist, je eher, desto besser«, sagte ich. »Habt Ihr ein flaches Brett, etwa einen halben Meter lang«, fragte ich, »einen stabilen Gurt und vielleicht ein paar gerade Latten, ungefähr so lang?« Ich hielt die Finger etwa zehn Zentimeter auseinander. Einer der Bediensteten verschwand in der Dunkelheit wie ein Flaschengeist, dem mein Wunsch Befehl war.
Das ganze Haus schien etwas Magisches an sich zu haben, vielleicht durch den Kontrast zwischen der brüllenden Kälte im Freien und der herrlichen Wärme hier im Inneren – oder vielleicht auch nur, weil ich so erleichtert war, Jamie nach so vielen Stunden der Angst und Sorge geborgen zu wissen.
Schwere dunkle Möbel glänzten frisch poliert im Kerzenschein, auf der Anrichte glitzerte Silber, und eine Sammlung zarter Glas- und Porzellanstücke dekorierte den Kaminsims, ein bizarrer Gegensatz zu der blutigen, entstellten Gestalt davor.
Es wurden keine Fragen gestellt. Wir waren Sir Marcus’ Gäste, und Lady Annabelle verhielt sich so, als sei es etwas ganz Alltägliches, dass jemand um Mitternacht hier auftauchte und ihr auf den Teppich blutete. Erst jetzt kam mir der Gedanke, dass dies möglicherweise nicht der erste derartige Besuch war.
»Schlimm«, sagte Sir Marcus, der die zertrümmerte Hand mit der Erfahrung betrachtete, die er auf dem Schlachtfeld erworben hatte. »Und wahrscheinlich furchtbar schmerzhaft. Aber es wird Euch vermutlich nicht umbringen, oder?« Er richtete sich auf und wandte sich in vertraulichem Ton an mich.
»Nach dem, was Ihr mir erzählt habt, dachte ich, es wäre noch weitaus schlimmer. Abgesehen von den Rippen und der Hand hat er keine Knochenbrüche, und der Rest wird sicher bald heilen.« Damit drehte er sich wieder zu Jamie. »Ich schätze mal, Ihr habt noch großes Glück gehabt, Junge.«
Die Gestalt auf dem Bett prustete leise.
»So könnte man es nennen. Immerhin wollten sie mich morgen hängen.« Er bewegte den Kopf auf dem Kissen, um zu Sir Marcus aufzublicken. »Habt Ihr das gewusst … Sir?«, fügte er hinzu, als ihm Sir Marcus’ Weste ins Auge fiel, die nicht nur mit Tauben und Rosen bestickt war, sondern auch mit einem silbernen Wappen.
MacRannoch tat seine Frage mit einer Handbewegung als unbedeutend ab.
»Wenn er allerdings vorhatte, Euch dem Henker in präsentablem Zustand zu übergeben, ist er auf Eurem Rücken allerdings ein bisschen zu weit gegangen«, stellte Sir Marcus fest, während er die durchnässte Scharpie entfernte und sie durch frisches Material ersetzte.
»Aye. Er hat ein bisschen den Kopf verloren, als … als er …« Jamie mühte sich, die Worte herauszubekommen, gab es dann aber als nutzlos auf und drehte das Gesicht mit geschlossenen Augen zum Feuer. »Gott, bin ich müde«, sagte er.
Wir ließen ihn gut zugedeckt ruhen, bis der Bedienstete mit den Schienen, um die ich gebeten hatte, neben mir auftauchte. Vorsichtig ergriff ich die zertrümmerte Hand und hielt sie zur genauen Betrachtung in den Kerzenschein.
Ich würde sie richten müssen, und zwar so schnell wie möglich. Die verletzten Muskeln begannen bereits, die Finger einwärts zu krümmen. Mir war hoffnungslos zumute, als ich das ganze Ausmaß der Zerstörung sah. Doch wenn er die Hand je wieder benutzen wollte, musste ich es versuchen.
Lady Annabelle hatte sich während meiner Untersuchung im Hintergrund gehalten und neugierig zugesehen. Als ich nun seine Hand niederlegte, trat sie vor und öffnete ihre kleine Arzneikiste.
»Ich vermute, Ihr braucht Beinwell und vielleicht auch Kirschbaumrinde. Ich weiß nicht …«, sie betrachtete Jamie skeptisch, »womöglich Blutegel?« Ihre gepflegte Hand verharrte über einem kleinen verschlossenen Glas mit einer trüben Flüssigkeit.