Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich glaube, ich muss tatsächlich einen Moment mit der Wange auf dem Kadaver geschlafen haben, so merkwürdig das klingen mag. Als ich die Augen öffnete, sah ich den grünlichen Stein der Festung ein paar Zentimeter vor meiner Nase. Es war der Gedanke an das, was sich auf der anderen Seite dieser Wand zutrug, der mir auf die Beine half.
Ich stolperte durch den Graben. Den Umhang schleifte ich, achtlos über die Schulter geworfen, hinter mir her, stolperte über Steine, die unter dem Schnee nicht zu sehen waren, und stieß mir die Schienbeine schmerzhaft an halb verdeckten Ästen. Eigentlich muss mir klar gewesen sein, dass Wölfe normalerweise in Rudeln unterwegs sind, denn ich erinnere mich nicht, über das Geheul überrascht gewesen zu sein, das über und hinter mir aus dem Wald erscholl. Wenn ich überhaupt etwas empfand, so war es finstere Wut auf das, was mir wie eine Verschwörung erschien, mich abzulenken und aufzuhalten.
Erschöpft drehte ich mich um, weil ich feststellen wollte, woher das Geräusch gekommen war. Ich befand mich nun in einiger Entfernung von der Festung im Freien – keine Wand mehr, an die ich mich mit dem Rücken stellen konnte, und keine Waffe weit und breit. Es war vor allem Glück gewesen, das mir bei dem ersten Wolf geholfen hatte; es war undenkbar, dass es mir gelang, auch nur ein weiteres Tier mit bloßen Händen zu erledigen – und wie viele mochten es noch sein? Das Rudel, das ich im Sommer beim Fressen im Mondschein gesehen hatte, hatte aus mindestens zehn Wölfen bestanden. In meiner Erinnerung hörte ich die Geräusche ihrer schmatzenden Zähne und das Knacken brechender Knochen. Die einzige Frage war, ob ich mir überhaupt die Mühe machen sollte, mich zu wehren, oder ob ich mich nicht einfach in den Schnee legte und aufgab. Alles in allem kam mir diese Möglichkeit erstaunlich verlockend vor.
Doch Jamie hatte sein Leben aufgegeben – und noch einiges mehr als das –, um mich aus dem Gefängnis zu retten. Ich war es ihm schuldig, es zumindest zu versuchen.
Wieder wich ich langsam zurück und bewegte mich weiter durch den Graben. Das Licht ließ jetzt nach; der Graben würde bald voller Schatten sein. Ich bezweifelte, dass mir diese Tatsache helfen würde. Die Wölfe sahen bei Nacht mit Sicherheit besser als ich.
Der erste Jäger, den ich entdeckte, erschien an der Kante des Grabens, genau wie es sein Vorgänger getan hatte; eine pelzige Gestalt, die reglos und wachsam dastand. Ich erschrak, als ich erkannte, dass sich zwei seiner Kumpane bereits hier unten bei mir befanden und beinahe im Gleichschritt gemütlich angetrabt kamen. Im Zwielicht hatten sie fast die gleiche Farbe wie der Schnee – schmutzig grau – und waren nahezu unsichtbar, obwohl sie gar nicht versuchten, sich verborgen zu halten.
Ich blieb stehen. Ich brauchte mehr Bewegungsfreiheit. Jede Flucht war zwecklos. Ich bückte mich und zog einen abgestorbenen Kiefernast aus dem Schnee. Seine Rinde war schwarz vor Nässe und so rauh, dass ich es durch die Handschuhe spürte. Ich schwenkte den Ast über meinem Kopf und brüllte. Die Tiere kamen zwar nicht weiter auf mich zu, zogen sich aber auch nicht zurück. Der Wolf, der mir am nächsten war, legte die Ohren an, als störte ihn der Lärm.
»Passt dir das etwa nicht?«, kreischte ich. »Dein Pech! Hau ab, du verdammtes Mistvieh!« Ich hob einen halb vergrabenen Stein auf und warf damit nach dem Wolf. Er traf zwar nicht, doch das Tier huschte zur Seite. Ermutigt begann ich, wild um mich zu werfen; Steine, Zweige, Schneebälle, alles, was ich mit einer Hand packen konnte. Ich kreischte, bis mir die Kehle von der kalten Luft wund wurde; heulte wie die Wölfe.
Im ersten Moment dachte ich, eins meiner Geschosse hätte getroffen. Der Wolf, der mir am nächsten war, jaulte auf und schien sich zusammenzukrampfen. Der zweite Pfeil flog keinen halben Meter an mir vorbei, und ich sah eine verschwommene Bewegung, ehe er den zweiten Wolf in die Brust traf. Das Tier starb, wo es gestanden hatte. Der erste Wolf, der weniger lebensgefährlich getroffen war, trat im Schnee um sich, ein zuckender Fellhaufen im zunehmenden Dämmerlicht.
Ein paar Sekunden stand ich benommen da und starrte ihn an, dann blickte ich instinktiv zur Kante des Grabens hinauf. Der dritte Wolf hatte es klugerweise vorgezogen, im Wald zu verschwinden, wo sich jetzt schauderhaftes Geheul erhob.
Mein Blick war immer noch zu den dunklen Bäumen emporgerichtet, als mich eine Hand am Ellbogen packte. Ich fuhr keuchend herum und blickte in das Gesicht eines Fremden. Er hatte ein schmales Gesicht und ein fliehendes Kinn, das von seinem schäbigen Bart kaum verhüllt wurde; tatsächlich ein Fremder, doch sein Plaid und sein Dolch wiesen ihn als Schotten aus.
»Hilfe«, sagte ich und fiel ihm in die Arme.
Kapitel 36
MacRannoch
Es war dunkel in der Kate, und in der Zimmerecke stand ein Bär. Panisch fuhr ich zurück und prallte gegen meinen Begleiter, denn ich wollte nichts mehr mit wilden Tieren zu tun haben. Er beförderte mich mit einem Stoß ins Innere der Kate. Während ich auf das Feuer zustolperte, wandte sich die gewaltige Gestalt in meine Richtung … und ich begriff etwas spät, dass es nur ein kräftiger Mann in einem Bärenfell war.
In einem Umhang aus Bärenfell, um genau zu sein, der am Hals mit einer Silberbrosche von der Größe meiner Handfläche befestigt war. Sie hatte die Form zweier springender Hirsche mit gerundeten Rücken, die sich an den Köpfen trafen und so einen Kreis bildeten. Die Befestigungsnadel war ein kurzer, sich verjüngender Fächer, der am Ende geformt war wie das Schwänzchen eines flüchtenden Rehs.
Die Brosche fiel mir deshalb so detailliert ins Auge, weil ich sie direkt vor meiner Nase hatte. Als ich den Kopf hob, zog ich für einen Moment die Möglichkeit in Betracht, dass ich mich geirrt hatte; vielleicht war es ja doch ein Bär.
Aber Bären trugen vermutlich in der Regel keine Broschen und hatten zudem keine Augen wie Blaubeeren, klein, rund, glänzend und dunkelblau. Sie lagen tief in kräftigen Wangen, deren untere Hälfte mit silbermeliertem schwarzem Haar bewaldet war. Ganz ähnliches Haar fiel ihm über die kräftigen Schultern auf das Fell des Umhangs, das ungeachtet seiner neuen Verwendung immer noch durchdringend nach seinem früheren Besitzer roch.
Die scharfsinnigen Äuglein huschten über mich hinweg und machten sich ein Bild vom mitgenommenen Zustand meiner Aufmachung und ihrer eigentlich guten Qualität, bis hin zu den beiden Eheringen in Gold und Silber. Dementsprechend formulierte der Bär seine Begrüßung.
»Ihr scheint Euch in Schwierigkeiten befunden zu haben, Mistress«, sagte er förmlich und neigte seinen massigen Kopf, auf dem schmelzender Schnee glitzerte. »Vielleicht können wir Euch behilflich sein?«
Ich war mir nicht sicher, was ich sagen sollte. Die Hilfe dieses Mannes brauchte ich dringend, und doch würde ich auf der Stelle seinen Argwohn wecken, wenn er mir anhörte, dass ich Engländerin war. Der Bogenschütze, der mich hergebracht hatte, kam mir zuvor.
»Habe sie in der Nähe von Wentworth gefunden«, sagte er lakonisch. »Ist von Wölfen angefallen worden. Engländerin«, fügte er mit einer Betonung hinzu, die den Blick meines Gastgebers mit einer unangenehm nachdenklichen Miene auf mich lenkte. Ich richtete mich zu voller Größe auf und beschwor die Oberschwester herauf, so gut ich es konnte.
»In England geboren, in Schottland verheiratet«, sagte ich mit fester Stimme. »Mein Name ist Claire Fraser. Mein Mann ist als Gefangener in Wentworth.«
»Ich verstehe«, sagte der Bär langsam. »Nun, mein Name ist MacRannoch, und Ihr befindet Euch auf meinem Land. Ich kann Eurem Kleid ansehen, dass Ihr eine Frau aus gutem Hause seid; was führt Euch in einer Winternacht allein in den Wald von Eldridge?«