Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ich kann Euch bezahlen«, sagte ich. »Ich würde nie erwarten, dass Eure Männer ihren Hals umsonst riskieren.«
Um einiges schneller, als ich es für möglich gehalten hätte, riss er mir die Perlen aus der Hand. Er starrte sie ungläubig an.
»Woher habt Ihr das?«, wollte er wissen. »Habt Ihr nicht gesagt, Euer Name ist Fraser?«
»Ja.« Trotz meiner Müdigkeit richtete ich mich kerzengerade auf. »Und die Perlen gehören mir. Mein Mann hat sie mir zu unserer Hochzeit geschenkt.«
»Hat er das?« Die heisere Stimme klang auf einmal gedämpft. Er wandte sich an Murtagh, ohne die Perlen loszulassen.
»Ellens Sohn? Ist der Mann dieser Kleinen etwa Ellens Sohn?«
»Aye«, antwortete Murtagh wie üblich ungerührt. »Wie Ihr sofort sehen würdet, wenn Ihr ihn zu Gesicht bekämt; er ist nämlich ihr Ebenbild.«
Endlich besann sich MacRannoch der Perlen, die er immer noch umklammert hielt. Er öffnete die Hand und strich sanft über das schimmernde Schmuckstück.
»Ich habe sie Ellen MacKenzie geschenkt«, sagte er. »Zur Hochzeit. Ich hätte sie ihr gern als meiner Frau geschenkt, doch da sie sich anders entschieden hatte – nun, ich hatte sie mir so oft an ihrem hübschen Hals vorgestellt, dass ich ihr gesagt habe, ich wollte sie nirgendwo anders sehen. Also habe ich sie gebeten, sie zu behalten und an mich zu denken, wenn sie sie trägt. Hm!« Er prustete kurz, weil er sich offensichtlich an etwas erinnerte, dann gab er mir die Perlen behutsam zurück.
»Sie gehören jetzt also Euch. Nun, tragt sie bei guter Gesundheit, Kleine.«
»Meine Chancen, das zu tun, würden um einiges besser stehen«, sagte ich und versuchte, meine Ungeduld angesichts dieser Sentimentalitäten zu zügeln, »wenn Ihr mir helfen würdet, meinen Mann zurückzubekommen.«
Sein kleiner rosiger Mund, der gerade noch gedankenverloren gelächelt hatte, spannte sich mit einem Mal an.
»Ah«, sagte Sir Marcus und zupfte an seinem Bart, »ich verstehe. Aber wie ich ja schon eingewendet habe, Kleine, ich wüsste nicht, wie das gehen soll. Ich habe eine Frau und drei Kinder zu Hause. Aye, ich würde einiges für Ellens Jungen tun. Aber das, worum Ihr bittet, ist ein bisschen viel.«
Plötzlich versagten mir die Beine, und ich plumpste auf den Hocker und ließ Kopf und Schultern hängen. Die Verzweiflung zerrte an mir wie ein Anker, der mich in die Tiefe riss. Ich schloss die Augen und zog mich an einen dunklen Ort in meinem Inneren zurück, wo es nichts gab als schmerzende graue Leere und wo der Klang von Murtaghs Stimme, die immer noch argumentierte, nicht mehr als ein leises Kläffen war.
Es war Rindermuhen, das mich aus meiner Betäubung riss. Ich hob den Blick und sah MacRannoch wie einen Wirbelwind aus der Kate laufen. Als er die Tür öffnete, kam kalte Winterluft herein, und draußen brüllten Rinder und Männer um die Wette. Die Tür schlug hinter dem pelzigen Giganten zu, und ich sah Murtagh an, um ihn zu fragen, was wir als Nächstes tun sollten.
Seine Miene verschlug mir die Sprache. Ich hatte ihn bis jetzt selten anders als mit einem Ausdruck mürrischer Geduld gesehen, doch jetzt leuchtete er geradezu vor unterdrückter Erregung.
Ich fasste seinen Arm. »Was ist denn? Sag es mir, schnell!«
»Die Rinder! Sie gehören MacRannoch!«, war alles, was er sagen konnte, ehe MacRannoch wieder in die Kate kam und einen schlaksigen jungen Mann vor sich herschubste.
Mit einem letzten Stoß drückte er den Mann flach an die verputzte Wand der Kate. Anscheinend hielt MacRannoch viel von direkter Konfrontation; er versuchte es mit derselben Nase-an-Nase-Technik, die er vorhin auch bei mir benutzt hatte. Der junge Mann, der entweder weniger gefasst oder weniger müde war als ich, wich nervös so weit wie möglich an die Wand zurück.
MacRannoch fing liebenswürdig und besonnen an. »Absalom, Mann, ich habe dich vor drei Stunden losgeschickt, damit du vierzig Rinder zusammentreibst. Ich habe dir gesagt, dass es sehr wichtig ist, sie zu finden, weil es gleich einen verdammt heftigen Schneesturm geben wird.« Die sorgsam modulierte Stimme erhob sich allmählich. »Und dann höre ich draußen Rinder brüllen und sage mir, ah, Marcus, da ist ja Absalom wieder und hat sie alle gefunden, was für ein guter Junge. Jetzt können wir alle heimgehen und am Feuer auftauen, und das Vieh ist im Stall in Sicherheit.«
Eine riesige Faust hatte sich in Absaloms Jacke gekrallt. Der Stoff begann sich in seinen kräftigen Fingern zu verdrehen.
»Und dann gehe ich ins Freie, um dir zu gratulieren, weil du deine Sache gut gemacht hast, und fange an, die Tiere zu zählen. Und wie viele zähle ich, Absalom, mein lieber Junge?« Die Stimme hatte sich jetzt zu einem ausgewachsenen Brüllen erhoben. Marcus MacRannoch besaß zwar keine sonderlich tiefe Stimme, aber die geballte Wucht seiner Lungen hätte für drei normal große Männer ausgereicht.
»Fünfzehn!«, schrie er und zerrte den unglücklichen Absalom auf die Zehenspitzen hoch. »Fünfzehn Tiere findet er, von vierzig! Und wo ist der Rest? Wo? Draußen im Schnee, wo sie erfrieren werden!«
Murtagh hatte sich unterdessen lautlos in eine dunkle Ecke zurückgezogen. Aber ich beobachtete sein Gesicht und sah die Belustigung in seinen Augen aufglänzen. Plötzlich begriff ich, was er mir hatte sagen wollen, und ich wusste, wo Rupert war. Oder wenn schon nicht genau, wo er war, so doch zumindest, was er im Moment machte. Und ich begann leise zu hoffen.
Es war jetzt stockfinster. Die Lichter der Festung drangen schwach durch den Schnee wie die Laternen eines versunkenen Schiffs. Während ich mit meinen beiden Begleitern unter den Bäumen wartete, ging ich im Geiste zum tausendsten Mal alles durch, was schiefgehen konnte.
Würde sich MacRannoch an seinen Teil der Abmachung halten? Wenn er seine kostbaren reinrassigen Highlandrinder zurückbekommen wollte, würde er nicht anders können. Würde Sir Fletcher MacRannoch glauben und auf der Stelle eine Durchsuchung der Gefängnisverliese anordnen? Vermutlich – der Baronet war ein Mann, den man besser ernst nahm.
Ich hatte zugesehen, wie die Rinder eins nach dem anderen durch den Graben verschwanden, der zu der verborgenen Hintertür führte, mit kundiger Hand gelenkt von Rupert und seinen Männern. Aber würden sie es schaffen, die Tiere durch diese Tür zu treiben, eins nach dem anderen? Und wenn ja, was würden sie tun, wenn sie erst im Inneren waren, halb wilde Rinder, die plötzlich in einem steinernen Korridor voller gleißender Fackeln gefangen waren? Nun, vielleicht würde es ja funktionieren. Der Korridor selbst würde sich nicht allzu stark von ihrem mit Steinen gefliesten Stall unterscheiden, und auch dort gab es Fackeln und Menschengeruch. Wenn sie so weit kamen, konnte der Plan womöglich gelingen. Es war unwahrscheinlich, dass Randall um Hilfe rufen würde, aus Angst, dass seine eigenen kleinen Spielchen auffliegen würden.
Die Viehtreiber sollten sich so weit wie möglich von der Festung entfernen, sobald die Tiere ihren chaotischen Kurs eingeschlagen hatten, und dann wie der Teufel reiten, bis sie das Gebiet der MacKenzies erreichten. Randall war unwichtig; was konnte er schon allein unter diesen Umständen tun? Doch was, wenn der Rest der Garnison zu früh auf den Lärm aufmerksam wurde? Da es Dougal ja schon widerstrebt hatte, seinem Neffen zum Ausbruch aus dem Gefängnis zu verhelfen, konnte ich mir gut vorstellen, wie er toben würde, wenn mehrere MacKenzies festgenommen wurden, weil sie dort eingebrochen waren. Auch dafür wollte ich lieber nicht verantwortlich sein, selbst wenn Rupert mehr als bereit gewesen war, es zu riskieren. Ich kaute an meinem Daumen und versuchte, mich zu beruhigen, indem ich an die vielen Tonnen soliden, schalldämpfenden Granits dachte, die die Verliese von dem darüberliegenden Gefängnis trennten.
Doch was mir die größten Sorgen bereitete, war die Angst, dass zwar alles funktionieren könnte und es trotzdem zu spät war. Henker oder nicht, es war ja möglich, dass Randall zu weit ging. Aus den Erzählungen der Soldaten, die aus Kriegsgefangenenlagern zurückkehrten, wusste ich nur zu gut, dass nichts einfacher ist, als dass ein Gefangener »unglücklich« ums Leben kommt und man die Leiche zweckmäßig beseitigt, ehe es zu peinlichen Fragen von offizieller Seite kommt. Selbst wenn es zu solchen Fragen kam und Randall aufflog, würde es mir – und Jamie – nur ein schwacher Trost sein.