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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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»Geh schlafen, Sassenach. Ich werd’s aushalten.«

Ich wusste nicht, ob das stimmte oder nicht, doch es war klar, dass ich es nicht aushalten würde, zumindest nicht mehr lange. Ich wankte vor Erschöpfung, und die Schürfwunden an meinen Beinen begannen jetzt zu brennen und zu schmerzen. Absalom hatte sie mir zwar in der Kate gereinigt, doch sie brauchten Salbe.

Ich nickte betäubt und folgte Lady Annabelles ebenso sanftem wie beharrlichem Druck auf meinen Ellbogen.

Auf halbem Weg nach oben fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, Sir Marcus zu sagen, wie er die Striemen verbinden sollte. Die tiefen Wunden an den Schultern mussten mit Kompressen abgedeckt und verbunden werden, damit er ein Hemd darüber tragen konnte, wenn wir unsere Flucht antraten. Doch die oberflächlicheren Peitschenspuren ließ man besser an der Luft verkrusten. Ich warf einen raschen Blick auf das Gästezimmer, das mir Lady Annabelle zeigte, dann entschuldigte ich mich knapp und stolperte noch einmal hinunter zum Salon.

Im dunklen Korridor vor der Tür blieb ich stehen, Lady Annabelle hinter mir. Jamies Augen waren geschlossen; anscheinend war er vom Whisky und vor Erschöpfung eingedöst. Die Decken waren zurückgeschlagen; dank der Hitze des Feuers waren sie überflüssig. Sir Marcus legte Jamie beiläufig die Hand auf den entblößten Rumpf, als er über das Bett hinweg nach einem Tuch griff. Die Berührung wirkte wie ein Stromschlag. Jamie bäumte sich abrupt auf, seine Gesäßmuskeln krallten sich zusammen, und er stieß unwillkürlich einen Protestlaut aus, ehe er sich trotz der gebrochenen Rippen auf den Rücken warf und erschrocken und benommen zu Sir Marcus aufblickte. Sir Marcus, der selbst erschrocken war, blieb eine Sekunde wie erstarrt stehen, dann beugte er sich vor und nahm Jamie beim Arm, um ihn behutsam wieder auf den Bauch zu rollen. Ganz vorsichtig streifte er Jamie mit einem Finger über die Haut. Er rieb die Finger aneinander, und es blieb ein öliger Glanz zurück, der im Feuerschein gut zu sehen war.

»Oh«, sagte er nüchtern. Der erfahrene Soldat zog Jamie die Decke bis zur Taille hoch, und ich beobachtete, wie sich seine angespannten Schultern unter dem Verband ein wenig senkten.

Sir Marcus rückte seinen Hocker freundschaftlich neben Jamies Kopf und schenkte noch zwei Becher Whisky ein. »Zumindest war er so rücksichtsvoll, Euch vorher ein bisschen einzufetten«, stellte er fest und reichte Jamie einen der Becher. Dieser hievte sich mühsam auf einen Ellbogen hoch, um ihn anzunehmen.

»Aye, nun ja. Ich glaube eigentlich nicht, dass es Rücksicht auf mich gewesen ist«, erwiderte er trocken. Sir Marcus trank einen Schluck und schmatzte nachdenklich mit den Lippen. Einen Moment lang war nichts zu hören außer dem Knistern der Flammen, doch weder Lady Annabelle noch ich setzten einen Fuß in das Zimmer.

»Falls es Euch tröstet«, sagte Sir Marcus unvermittelt, den Blick auf die Karaffe geheftet, »er ist tot.«

»Seid Ihr sicher?« Jamies Ton war unergründlich.

»Ich sehe nicht, wie jemand es überleben könnte, wenn er von dreißig Tieren, die eine halbe Tonne wiegen, platt getrampelt wird. Er hat in den Korridor hinausgeschaut, um festzustellen, woher der Lärm kam. Ein Horn hat ihn am Ärmel erwischt und ihn hinausgezogen, und ich habe ihn an der Wand zu Boden gehen sehen. Sir Fletcher und ich standen auf der Treppe und haben uns abseits der Gefahr gehalten. Sir Fletcher hat sich natürlich furchtbar aufgeregt und hat Männer hinterhergeschickt, aber sie schafften es nicht, zu ihm vorzudringen, weil alles voller Hörner und drängelnder Tiere war und sogar die Fackeln von den Wänden gefallen sind. Himmel, Mann, Ihr hättet es sehen sollen!« Sir Marcus stieß ein kurzes Johlen aus, als er daran dachte, und hielt die Karaffe am Hals umklammert. »Eure Frau ist etwas ganz Besonderes, wirklich, Junge!« Prustend goss er sich noch einmal nach und schluckte, dann hustete er, weil sein Gelächter dem Whisky in die Quere kam.

»Jedenfalls«, fuhr er fort, nachdem er sich auf die Brust gehämmert hatte und wieder Luft bekam, »bis wir die Rinder wieder im Freien hatten, war nicht mehr viel übrig von ihm außer einem Haufen blutiger Lumpen. Sir Fletchers Männer haben ihn fortgetragen, aber wenn er da noch gelebt hat, hat es bestimmt nicht mehr lange gedauert. Noch einen Schluck, Junge?«

»Aye, danke.«

Es folgte kurzes Schweigen, das von Jamie unterbrochen wurde. »Nein, ich kann nicht sagen, dass es mich sehr tröstet, aber danke, dass Ihr es mir erzählt habt.« Sir Marcus sah ihn scharf an.

»Mmpfm. Ihr werdet es nie vergessen«, sagte er abrupt. »Versucht es erst gar nicht. Wenn Ihr könnt, lasst es heilen wie den Rest Eurer Wunden. Kratzt es nicht auf, dann wird es sauber heilen.« Der alte Krieger, der sich zum Arbeiten die Ärmel aufgekrempelt hatte, hob seinen knotigen Unterarm, um Jamie eine gezackte Narbe zu zeigen, die ihm vom Ellbogen bis zum Handgelenk lief. »Narben sind nichts, worüber man sich Gedanken machen sollte.«

»Aye, nun ja. Manche Narben vielleicht.« Jamie, dem anscheinend etwas eingefallen war, drehte sich mühsam auf die Seite. Sir Marcus stellte mit einem Ausruf sein Glas beiseite.

»Vorsicht, Junge, sonst bohrt Ihr Euch noch eine Rippe in die Lunge.« Er half Jamie, sich auf den Ellbogen zu stützen, und stopfte ihm eine zusammengefaltete Decke als Lehne in den Rücken.

»Ich brauche ein kleines Messer«, sagte Jamie und atmete schwer. »Ein scharfes, falls Ihr eins zur Hand habt.« Ohne nach dem Grund zu fragen, ging Sir Marcus zu seiner glänzenden Walnussanrichte hinüber und kramte unter großem Geklapper in den Schubladen, bis er schließlich ein Obstmesser mit einem Perlmuttgriff zum Vorschein brachte. Das drückte er Jamie in die gesunde linke Hand, dann setzte er sich grunzend wieder hin und nahm sich sein Glas.

»Meint Ihr, Ihr habt noch nicht genug Narben?«, erkundigte er sich. »Wollt Ihr noch ein paar hinzufügen?«

»Nur eine.« Jamie stützte sich unstet auf seinen Ellbogen und presste das Kinn auf seine Brust, während er mit dem scharfen Messer ungeschickt unter seine linke Brust zielte. Sir Marcus’ Hand schoss ihrerseits ein wenig zittrig hervor und packte Jamies Handgelenk.

»Lasst mich lieber helfen, Mann, Ihr landet sonst noch darauf.« Nach kurzem Zögern überließ ihm Jamie das Messer und lehnte sich an die zusammengefaltete Decke zurück. Er fasste sich knapp unterhalb der Brustwarze an die Brust.

»Da.« Sir Marcus streckte den Arm nach der Anrichte aus und griff nach einer Lampe, die er auf seinen Hocker stellte. Aus dieser Entfernung konnte ich nicht erkennen, was sich MacRannoch aus der Nähe betrachtete; es sah aus wie eine kleine rote, fast kreisrunde Brandverletzung. Er trank noch einen bedächtigen Schluck aus seinem Whiskyglas, dann stellte er es neben die Lampe und drückte Jamie die Messerspitze auf die Brust. Ich muss mich unwillkürlich bewegt haben, denn Lady Annabelle klammerte sich mit einer gemurmelten Ermahnung an meinen Ärmel. Die Messerspitze drang ein und drehte sich ruckartig, als würde eine weiche Stelle aus einem reifen Pfirsich geschnitten. Jamie stöhnte auf, und ein dünnes rotes Rinnsal lief ihm über den Bauch auf die Decke. Er legte sich darauf, um die Blutung durch den Druck der Matratze zu stillen.

Sir Marcus legte das Obstmesser beiseite. »Sobald es geht, Mann«, riet er Jamie, »geht mit Eurer Frau ins Bett und lasst Euch von ihr trösten. Das tun die Frauen gern«, setzte er hinzu und blickte grinsend zur Tür hinüber, »weiß der Himmel, warum.«

Lady Annabelle flüsterte: »Kommt jetzt, Liebe. Besser, wenn er ein bisschen für sich bleibt.« Ich beschloss, dass Sir Marcus Jamie allein verbinden konnte, und stolperte über die schmale Treppe hinter ihr her zu meinem Zimmer.

Wenig später fuhr ich aus dem Schlaf, weil ich von endlosen Wendeltreppen geträumt hatte, an deren Fuß das Grauen lauerte. Die Müdigkeit zerrte an meinem Rücken, und meine Beine schmerzten, doch ich setzte mich in meinem geborgten Nachthemd auf und tastete nach Kerze und Feuerstein. So weit von Jamie entfernt, fühlte ich mich beklommen. Was, wenn er mich brauchte? Schlimmer noch, was, wenn die Engländer tatsächlich kamen, während er allein und unbewaffnet dort unten lag? Ich presste mein Gesicht an das kalte Fenster und ließ mich vom unablässigen Tanzen und Fauchen des Schnees vor den Scheiben trösten. Solange der Sturm andauerte, waren wir vermutlich sicher. Ich zog mir einen Morgenmantel über, griff nach der Kerze und meinem Dolch und begab mich zur Treppe.

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