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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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Ich hatte mich entschlossen daran gehindert, mir die Einsatzmöglichkeiten der Alltagsgegenstände auf dem Tisch in diesem Kämmerchen vorzustellen. Doch ich konnte nicht verhindern, dass ich immer wieder vor mir sah, wie sich die Knochenspitzen dieses zerschmetterten Fingers in den Tisch bohrten. Ich rieb meinerseits fest mit den Fingerknöcheln über den Sattel, um dieses Bild auszulöschen. Dabei spürte ich ein leichtes Brennen und zog den Handschuh aus, um die Spuren zu untersuchen, die die Wolfszähne auf meiner Hand hinterlassen hatten. Nichts Schlimmes, nur ein paar Kratzer und eine kleine Bisswunde, wo ein Zahn das Leder durchdrungen hatte. Geistesabwesend leckte ich mir die Wunde. Es half auch nicht, mir zu sagen, dass ich alles getan hatte, was in meiner Macht stand. Ich hatte getan, was möglich war, doch dieses Bewusstsein machte das Warten nicht einfacher.

Endlich hörten wir leises Stimmengewirr aus der Richtung des Gefängnisses. Einer von MacRannochs Männern fasste mein Pferd am Zaum und wies auf die schützenden Bäume. Dort lag deutlich weniger Schnee auf dem Boden, und das Geäst hielt die wirbelnden Flocken ab, so dass sich der Schnee in schmalen Streifen von der Laubdecke des felsigen Bodens abhob. Auch wenn es hier weniger schneite, war die Sicht doch so schlecht, dass ich die Bäume oft erst wahrnahm, wenn ich sie dicht vor mir hatte, schwarz im rötlichen Schimmer der Winternacht. Unruhig ritt ich im Schritt auf der kleinen Lichtung hin und her.

Der dichte Schnee dämpfte die nahenden Hufschläge so gut, dass sie uns fast erreicht hatten, ehe wir sie hörten. MacRannochs Männer zogen ihre Pistolen und brachten ihre Pferde abwartend unter den Bäumen zum Stehen, doch ich hatte das dumpfe Brüllen der Rinder schon gehört und trieb mein Pferd aus dem Wäldchen hinaus.

Sir Marcus MacRannoch, der an seinem Schecken und seinem Bärenfell gut zu erkennen war, kam als Erster den Hang heraufgeritten, und der Schnee flog in kleinen Explosionen unter den Hufen seines Pferdes auf. Ihm folgten mehrere Männer, die dem Klang ihrer Stimmen nach alle bei bester Laune waren. Weiter hinten ritten noch mehr Männer, die die Rinderherde antrieben und die verdatterten Tiere um den Fuß des Hügels auf den wohlverdienten Schutz ihrer heimischen Ställe zulenkten.

MacRannoch kam an meiner Seite zum Stehen und lachte ausgelassen. »Ich muss Euch danken, Mistress Fraser«, rief er durch den Schnee, »für einen sehr unterhaltsamen Abend.« Sein Argwohn war jetzt verflogen, und er begegnete mir mit der größten Herzlichkeit. Seine Augenbrauen und sein Schnurrbart waren voller Schnee, so dass er aussah wie der Weihnachtsmann im Großeinsatz. Er griff nach meinem Zaumzeug und führte mein Pferd in das Wäldchen, wo es stiller war. Er winkte meinen beiden Begleitern zu, unten bei den Rindern zu helfen, dann stieg er immer noch lachend ab und schwang mich aus dem Sattel.

»Ihr hättet es sehen sollen!«, gluckste er und hielt sich fast ekstatisch den Bauch. »Sir Fletcher ist rot geworden wie ein Rotkehlchen, als ich ihm ins Abendessen geplatzt bin und ihn angebrüllt habe, er hätte Diebesgut auf seinem Gelände. Und als wir dann nach unten kamen und das Gebrüll der Tiere gehört haben, dachte ich, er hat sich in die Hose gemacht. Er …« Ich schüttelte ihn ungeduldig am Arm.

»Sir Fletchers Hose ist mir egal. Habt Ihr meinen Mann gefunden?«

Etwas ernüchtert rieb sich MacRannoch mit dem Ärmel die Augen. »Oh, aye. Wir haben ihn gefunden.«

»Geht es ihm gut?«, fragte ich ruhig, obwohl ich am liebsten geschrien hätte.

MacRannoch wies hinter mir auf die Bäume, und als ich herumfuhr, sah ich einen Reiter, der sich vorsichtig den Weg durch das Geäst bahnte und ein in ein Tuch gehülltes Bündel quer vor sich über dem Sattel liegen hatte. Ich rannte auf ihn zu, gefolgt von MacRannoch, der hilfsbereit weitere Erklärungen beisteuerte.

»Er ist nicht tot, zumindest war er es nicht, als wir ihn gefunden haben. Aber man hat ihm übel mitgespielt, dem Armen.« Ich hatte das Tuch über Jamies Kopf beiseitegeschoben und untersuchte ihn hektisch, so gut ich konnte, während das Pferd vor Aufregung über die ungewohnte Last und über den Schnee nervös auf der Stelle trat. Ich konnte dunkle Blutergüsse sehen und blutige Krusten in seinem zerzausten Haar fühlen, doch viel mehr war in der Dunkelheit nicht festzustellen. Ich glaubte, einen Puls in seinem eisigen Hals zu spüren, war mir aber nicht sicher.

MacRannoch nahm meinen Ellbogen und zog mich beiseite. »Wir sollten besser zusehen, dass wir ihn aus der Kälte bekommen. Folgt mir, Hector bringt ihn zum Haus.«

Im großen Salon von MacRannochs Haus Eldridge Manor legte Hector seine Bürde auf den Teppich vor dem Feuer. Er ergriff die Decke an einem Ende und faltete sie vorsichtig auseinander, und eine reglose, nackte Gestalt rollte schlaff auf das rosa-gelbe Blumenmuster von Lady Annabelle MacRannochs ganzem Stolz.

Es war Lady Annabelle hoch anzurechnen, dass sie keinerlei Notiz von dem Blut zu nehmen schien, das in ihren kostbaren Aubusson-Teppich sickerte. Sie war eine zarte Frau Anfang vierzig, die in ihrem leuchtend gelben seidenen Morgenrock wie ein Goldfink wirkte und energisch in die Hände klatschte, woraufhin die Dienstboten in alle Richtungen auseinanderstoben. Ich hatte kaum den Umhang abgelegt, als Decken, Leintücher, heißes Wasser und Whisky vor mir auftauchten.

»Am besten drehen wir ihn auf den Bauch«, riet Sir Marcus, während er zwei große Becher Whisky einschenkte. »Er ist auf dem Rücken ausgepeitscht worden, und es muss schmerzhaft sein, darauf zu liegen. Nicht, dass er so aussieht, als würde er viel spüren«, fügte er hinzu und beugte sich dicht über Jamie, um einen Blick auf sein aschfahles Gesicht und seine geschlossenen, bläulichen Augenlider zu werfen. »Seid Ihr sicher, dass er noch lebt?«

»Ja«, antwortete ich knapp und hoffte, dass ich recht hatte. Ich versuchte, Jamie auf den Bauch zu drehen, doch durch die Bewusstlosigkeit schien sich sein Gewicht verdreifacht zu haben. MacRannoch packte mit an, und wir legten ihn mit dem Rücken zum Feuer auf eine Decke.

Nachdem mir eine kurze Untersuchung verraten hatte, dass er in der Tat noch lebte, dass ihm keine Körperteile fehlten und er nicht unmittelbar zu verbluten drohte, konnte ich es mir erlauben, den Schaden weniger hastig zu begutachten.

»Ich kann einen Arzt holen lassen«, sagte Lady Annabelle mit einem skeptischen Blick auf die leichenähnliche Gestalt vor ihrem Kamin, »aber er wird mindestens eine Stunde brauchen, bis er hier ist; es schneit sehr heftig draußen.« Ihr zögernder Ton war nur zum Teil dem Schnee geschuldet, dachte ich. Ein Arzt würde ein weiterer gefährlicher Zeuge der Anwesenheit eines entflohenen Verbrechers in ihrem Haus sein.

»Das braucht Ihr nicht«, sagte ich zerstreut, »ich bin Heilerin.« Ohne die überraschten Blicke der MacRannochs zu beachten, kniete ich mich neben das, was von meinem Mann noch übrig war, und machte mich daran, ihm mit heißem Wasser getränkte Tücher auf die Gliedmaßen zu legen. Mein wichtigstes Anliegen war, ihn aufzuwärmen. Aus den Verletzungen auf seinem Rücken sickerte nur wenig Blut; darum konnte ich mich später kümmern.

Lady Annabelle zog sich in den Hintergrund zurück, und ihre hohe Goldfinkenstimme dirigierte die Dienstboten. Ihr Mann ging neben mir in die Hocke und begann ohne Umschweife, mit kräftigen Fingern Jamies Eisfüße zu massieren. Hin und wieder hielt er inne, um an seinem Whisky zu nippen.

Unterdessen schlug ich stückchenweise die Decken zurück und verschaffte mir einen Überblick. Er war vom Nabel bis zu den Knien dicht an dicht mit Peitschenstriemen überzogen, die sich überkreuzten wie ein Stickmuster. Die akkurate Anordnung der Verletzungen verriet eine kalkulierte Lust an jedem einzelnen strafenden Hieb, und mir wurde übel.

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