Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Während seines schmerzvollen Wegs durch das Zimmer war sein Blick fest auf Randalls Augen geheftet gewesen, und auch jetzt löste er sich nicht. Er nickte kurz in meine Richtung, ohne mich anzusehen, und sagte: »Lasst sie gehen.«
Die Hand mit dem Messer schien sich ein wenig zu entspannen. Randalls Stimme klang belustigt und neugierig. »Warum sollte ich?«
Jamie schien sich jetzt vollständig im Griff zu haben, obwohl er kreidebleich war und ihm der Schweiß ungehindert über das Gesicht lief wie Tränen.
»Ihr könnt nicht zwei Menschen auf einmal mit dem Messer in Schach halten. Wenn Ihr die Frau tötet oder ihr von der Seite weicht, bringe ich Euch um.« Er sprach leise, doch unter seinem sanften schottischen Akzent lauerte ein Unterton aus Stahl.
»Und was hindert mich daran, Euch beide nacheinander umzubringen?«
Ich hätte Jamies Ausdruck nur deshalb als Lächeln bezeichnet, weil man seine Zähne sah. »Was, und den Henker betrügen? Das wäre morgen früh aber etwas schwer zu erklären, oder?« Er nickte kurz zu dem bewusstlosen Giganten am Boden. »Ihr wisst doch noch, dass Euer kleiner Helfershelfer mich fesseln musste, ehe Ihr mir die Hand gebrochen habt?«
»Und?« Das Messer verharrte unverwandt an meinem Ohr.
»Euer Helfershelfer wird Euch erst einmal nicht viel nützen.« Das war unleugbar wahr; der monströse Kerl lag auf dem Gesicht in der Ecke und atmete mit rasselnden Schnarchlauten vor sich hin. Schwere Gehirnerschütterung, dachte ich mechanisch. Möglicherweise eine Hirnblutung. Es hätte mir nicht gleichgültiger sein können, wenn er vor meinen Augen starb.
»Ihr habt keine Chance gegen mich, selbst einhändig.« Jamie schüttelte langsam den Kopf, während er Randalls Körpergröße und Kraft emotionslos begutachtete. »Nein. Ich bin größer, und im Nahkampf bin ich eindeutig besser. Hättet Ihr die Frau nicht, würde ich Euch Euer Messerchen abnehmen und es Euch in die Kehle rammen. Das wisst Ihr genau, nur deshalb habt Ihr ihr noch nichts getan.«
»Aber ich habe sie. Ihr könntet natürlich selbst gehen. Es gibt einen Ausgang, ganz in der Nähe. Damit wäre Eure Frau – Ihr habt doch gesagt, Sie ist Eure Frau, oder? – selbstverständlich dem Tod geweiht.«
Jamie zuckte mit den Schultern. »Und ich genauso. Ich würde schließlich nicht weit kommen, wenn die ganze Garnison hinter mir her ist. Im Freien erschossen zu werden ist dem Galgen womöglich vorzuziehen, aber das reicht mir nicht.« Sein Gesicht verzog sich kurz vor Schmerz, und er hielt einen Moment die Luft an. Als er dann weiteratmete, schnappte er keuchend nach Luft. Was auch immer ihn vor dem schlimmsten Schmerz geschützt hatte, ließ jetzt nach.
»Also stecken wir anscheinend in einer Sackgasse«, erklang Randalls gepflegtes Englisch in beiläufigem Ton. »Es sei denn, Ihr habt einen Vorschlag?«
»Das habe ich. Ihr wollt mich.« Die kühle schottische Stimme klang ganz sachlich. »Lasst die Frau gehen, und Ihr könnt mich haben.« Die Messerspitze bewegte sich und verletzte mein Ohr. Ich fühlte einen Stich und warmes Blut.
»Macht mit mir, was Ihr wollt. Ich werde mich nicht wehren, obwohl ich Euch erlauben werde, mich zu fesseln, wenn Ihr es für nötig haltet. Und ich werde morgen kein Wort darüber sagen. Aber erst geleitet Ihr die Frau unbehelligt aus dem Gefängnis.« Mein Blick ruhte auf Jamies ruinierter Hand. Unter dem Mittelfinger breitete sich ein kleiner Blutfleck aus, und ich begriff erschrocken, dass er den Finger bewusst auf den Tisch drückte, um sich mit Hilfe des Schmerzes bei Bewusstsein zu halten. Er schacherte um mein Leben, indem er das Einzige benutzte, was ihm geblieben war – sich selbst. Wenn er jetzt in Ohnmacht fiel, war diese Chance dahin.
Randall hatte sich vollkommen entspannt; das Messer lag achtlos auf meiner linken Schulter, während er darüber nachdachte. Ich war schneller als er. Jamie sollte am Morgen gehängt werden. Früher oder später würde man ihn vermissen und die Festung durchsuchen. Und während man ein gewisses Maß an Brutalität unter Offizieren und Gentlemen vermutlich tolerieren würde – und auch eine gebrochene Hand oder ein ausgepeitschter Rücken noch darunterfallen würde –, würde man über Randalls sonstige Neigungen vermutlich nicht einfach so hinweggehen. Selbst wenn Jamie ein abgeurteilter Sträfling war – wenn er am Morgen unter dem Galgen stand und Randall der Folter bezichtigte, würde man seinen Behauptungen nachgehen. Und wenn sie sich bei einer Untersuchung seines Körpers als wahr herausstellten, war Randalls Karriere vorüber und möglicherweise auch sein Leben. Doch wenn Jamie ihm Verschwiegenheit schwor …
»Ihr gebt mir Euer Wort?«
Jamies Augen brannten wie blaue Streichholzflammen in seinem Pergamentgesicht. Nach einem Moment nickte er mühsam. »Im Tausch gegen das Eure.«
Die Verlockung eines Opfers, das zugleich absolut unwillig war und absolut gehorsam, war unwiderstehlich.
»Abgemacht.« Das Messer verschwand von meiner Schulter, und ich hörte das Geräusch, mit dem die Klinge in die Scheide fuhr. Randall stand auf, ging an mir vorbei und umrundete den Tisch. Im Gehen nahm er den Hammer an sich. Er hielt ihn ironisch fragend hoch. »Ihr gestattet mir, Eure Aufrichtigkeit kurz auf die Probe zu stellen?«
»Aye.« Jamies Stimme war so unbewegt und flach wie seine Hände auf dem Tisch. Ich versuchte, zu sprechen, zu protestieren, doch jedes Wort blieb mir in der trockenen Kehle kleben.
Ohne jede Hast beugte sich Randall vor und nahm gewissenhaft einen großen Nagel aus dem Körbchen. Er positionierte ihn mit großer Sorgfalt und ließ den Hammer darauf niedersausen. Mit vier festen Schlägen trieb er Jamie den Nagel durch die rechte Hand und in den Tisch. Die gebrochenen Finger streckten sich zuckend wie die Beine einer Spinne, die an das Brett eines Sammlers geheftet wird.
Jamie stöhnte auf. Seine Augen waren vor Schreck weit aufgerissen. Randall legte den Hammer vorsichtig nieder. Dann nahm er Jamies Kinn in die Hand und hob sein Gesicht. »Jetzt küss mich«, sagte er leise und senkte seinen Kopf auf Jamies widerstandslosen Mund.
Als sich Randall wieder aufrichtete, war sein Gesichtsausdruck verträumt, sein Blick sanft und abwesend, sein Mund zu einem Lächeln verzogen. Es war einmal vor langer Zeit, da hatte ich ein solches Lächeln geliebt, und dieser verträumte Blick hatte mich erregt. Jetzt wurde mir übel davon. Mir liefen die Tränen in die Mundwinkel, obwohl ich mich gar nicht erinnern konnte, dass ich zu weinen begonnen hatte. Randall verharrte einen Moment in dieser Trance und blickte auf Jamie hinunter. Dann regte er sich, weil er sich auf mich besann, und er zog erneut sein Messer.
Die Klinge fuhr achtlos durch meine Handfessel und ritzte mir dabei die Haut. Mir blieb kaum Zeit, mir das Blut wieder in die Hände zu reiben, als er mir schon die Hand unter den Ellbogen legte, um mich zum Aufstehen zu drängen und mich zur Tür zu schieben.
»Halt!«, sagte Jamie hinter uns, und Randall drehte sich ungeduldig um.
»Ich darf doch Abschied nehmen?« Es war eher eine Feststellung als eine Frage, und Randall zögerte nur kurz, ehe er nickte und mich auf die reglose Gestalt am Tisch zuschubste.
Jamie legte mir den gesunden Arm fest um die Schultern, und ich vergrub das nasse Gesicht an seinem Hals.
»Das kannst du nicht tun«, flüsterte ich. »Das kannst du nicht tun. Ich lasse es nicht zu.«
Sein Mund war warm an meinem Ohr. »Claire, morgen früh soll ich hängen. Was mit mir geschieht, zwischen dieser Stunde und jener, bedeutet niemandem etwas.« Ich wich zurück und starrte ihn an.