Napoleons letzte Schlacht
- Автор: Май Карл
- Серия: Liebe des Ulanen #2
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Napoleons letzte Schlacht». Краткое содержание книги:
Es war alles so schnell gegangen, und Königsau hatte seine Aufmerksamkeit so sehr auf die Feinde zu richten gehabt, daß er gar keine Zeit gefunden hatte, des weiteren auf die Mutter der Geliebten zu achten.
„Hier liegt sie!“ antwortete der Kutscher, mit der noch brennenden Wagenlaterne zu Boden leuchtend.
Die andere war dem Räuber entfallen, als ihn Königsaus Kugel traf.
„Mein Gott, hier am Boden!“ rief Margot. „Sie ist doch nicht etwa von einer Kugel getroffen worden?“
Der Deutsche kniete nieder und untersuchte Madame Richemonte.
„Sie ist nur ohnmächtig, meine Margot“, sagte er. „Es hat nichts zu bedeuten. Aber war nicht die Frau Baronin bei euch?“
„Ja. Dort im Wagen ist sie noch.“
Der Kutscher leuchtete hin, und so sah Königsau die Dame gerade im Begriff, auszusteigen.
„Monsieur, wir haben Ihnen vieles, vielleicht das Leben zu verdanken“, sagte sie. „Nehmen Sie einstweilen meine Hand, und sorgen Sie dann, daß wir diese Stelle verlassen können. Mir graut vor diesen Toten.“
Erst jetzt beachtete Margot, welche bei ihrer Mutter kniete, die umherliegenden Leichen.
„Gott, wie entsetzlich!“ rief sie schaudernd. „So viele waren gegen uns?“
„Neun Mann“, antwortete Königsau.
„Und die alle hast du besiegen müssen, du einziger?“
„Nicht alle“, lächelte er. „Einen hat der Kutscher überwunden. Aber siehe, da erwacht Mama.“
Wirklich gab Frau Richemonte jetzt Lebenszeichen von sich. Nur die Angst um die Tochter, welche sie durch die bestialischen Menschen bedroht sah, hatte ihr das Bewußtsein geraubt. Jetzt erhob sie sich langsam in Margots Armen.
„Sind sie fort? Sind sie fort, diese Menschen?“ fragte sie ängstlich.
„Sie sind nicht mehr zu fürchten“, antwortete Margot. „Hugo hat sie besiegt.“
„Hugo? Ah, ja, ich besinne mich; er war da. Wo ist er?“
„Hier bin ich, Mama“, antwortete er. „Wollen Sie nicht wieder in den Wagen steigen?“
„Ja, das will ich“, antwortete sie. „Oh, wieviel haben wir Ihnen zu danken, mein lieber Sohn. Aber wie sind Sie an diesen Ort gekommen? Und gerade im Augenblick der größten Gefahr?“
„Ich kam über Sedan nach Roncourt, um Sie zu besuchen. Dort hörte ich von dem Herrn Baron, daß sie nach Vouziers gefahren seien und des Nachts zurückkehren würden, ohne eine schützende Bedeckung bei sich zu haben. Ich hatte von der Unsicherheit dieser Gegend gehört und ließ mir darum sogleich ein Pferd geben, um Ihnen entgegenzureiten.“
„Welche Aufmerksamkeit, welche Courtoisie! Und welche Tapferkeit haben Sie hier bewiesen!“ sagte die Baronin. „Aber, meine liebe Margot, ich werde mich ganz gehörig mit Ihnen zanken müssen.“
„Warum?“ fragte das schöne Mädchen.
„Ich bemerke jetzt, daß Herr von Königsau Ihnen nähersteht, als Sie mich ahnen ließen. Sie hatten kein Vertrauen zu mir.“
„Verzeihung, meine Liebe!“ sagte da an Margots Stelle ihre Mutter. „Ich allein trage die Schuld, daß dir verschwiegen blieb, daß Margot die Verlobte des Herrn von Königsau ist. Ich bin überzeugt, daß du meine Gründe billigen wirst, sobald ich sie dir mitgeteilt habe.“
„Ich zürne dir nicht, denn ich werde deine Gründe anerkennen müssen. Aber, Monsieur, wie werde ich Sie jetzt in Roncourt zu nennen haben? Sie sind natürlich zu mir eingeladen.“
„Ich werde Sie bis nach Hause begleiten, Madame“, antwortete Königsau. „Wenn jemand nach mir fragt, so nennen Sie mich einfach – – – hm.“
„Ah, ich habe einen Verwandten meines Namens in Marseille. Der sollen Sie sein.“
„Was ist er?“
„Seekapitän.“
„Der Marine?“
„Nein, des Handels.“
„Gut, ich akzeptiere. Aber, was ist das? Das Sattelpferd stürzt auch.“
„Es muß auch eine Kugel erhalten haben“, meinte der Kutscher.
„So wollen wir nachsehen.“
Als er nach dem Tier leuchtete, fand er es am Verenden. Es hatte eine Wunde in der Brust. Das andere war längst tot.
„Was ist da zu tun?“ fragte die Baronin ratlos. „Wir müssen ja fort!“
„Mein Pferd befindet sich in der Nähe“, meinte Königsau. „Wir schirren es ein, nachdem wir die beiden toten Tiere entfernt haben. Es wird uns nach Hause bringen, wenn auch langsam. Im Notfall leihen wir uns in La Chêne ein zweites. Wir sind ja gezwungen, dort einzukehren, um Anzeige zu machen.“
Er ging und brachte bald den Braunen herbei. Es machte sich bei der mangelhaften Beleuchtung schwer, die beiden getöteten Pferde aus dem Riemenzeug zu bringen. Noch waren Königsau und der Kutscher damit beschäftigt, als sich das Rollen einiger herankommender Wagen vernehmen ließ.
„Man kommt“, sagte der Kutscher. „Es kann hier niemand vorüber; die Straße ist zu schmal. Diese Leute werden einige Minuten halten müssen.“
Königsau ging den Wagen entgegen und rief dem vordersten derselben ein lautes Halt zu. Er sah, daß es drei waren, und so weit die Dunkelheit es zuließ, bemerkte er, daß sie von Reitern eskortiert wurden.
„Warum?“ fragte der vorderste Kutscher.
„Man ist hier überfallen worden. Es liegen Leichen und erschossene Pferde im Weg, welcher erst freigemacht werden muß.“
Da öffnete sich der Schlag des vordersten Wagens, und eine befehlende Stimme sagte:
„Überfall? Hinfahren, Jan Hoorn! Die Sache ansehen!“
Margot hörte diese Worte.
„Mein Gott“, sagte sie zu den beiden anderen Damen. „Jan Hoorn ist der berühmte Kutscher des Kaisers, und das war auch die Stimme Napoleons!“
Eine hohe Gestalt trat zu Königsau heran und sagte:
„Monsieur, ich hoffe, daß wir nicht lange Zeit hier aufgehalten werden. Ich bin Marschall Ney, und da kommt Marschall Grouchy. Wer sind Sie?“
„Diese Damen sind Baronin de Sainte-Marie, deren Verwandter ich bin, und Madame und Mademoiselle Richemonte aus Paris. Die drei Damen wurden von neun Marodeurs überfallen, welche hier tot am Boden liegen. Die Pferde sind erschossen. Geben Sie uns nur eine Minute Zeit, so sollen Sie freie Bahn haben.“
„Die Kerls haben sich wohl gar nicht gewehrt?“
„O doch, sie schossen nach mir.“
„Und alle sind tot?“
„Ja.“
„Wer hat sie getötet?“
„Einen der Kutscher, die anderen ich.“
Da ergriff Ney die Wagenlaterne, welche der Kutscher in der Hand hielt, und leuchtete Königsau in das Gesicht. Dabei war auch er selbst deutlich zu erkennen. Der Marschall war ein wohlgebauter, kräftiger Mann von schwarzbrauner, lebhafter Gesichtsfarbe, mit blitzenden Augen und einem befehlenden Äußeren. Er sah den jungen Mann scharf an und fragte:
„So waren diese Leute bewaffnet?“
„Ja. Sogar sehr gut.“
„Sie waren auf diesen Überfall vorbereitet?“
„Ich ritt den Damen entgegen, weil ich gehört hatte, daß diese Gegend sehr unsicher sei.“
Da öffnete sich der Schlag des ersten Wagens, und der Insasse sprang heraus. Es war ein kleiner, nicht allzu schmächtiger Mann, trug ein kleines Hütchen auf dem Kopf, und einen grauen Überrock. Die Beine staken in hohen Schaftstiefeln.
„Der Kaiser!“ sagte Marschall Ney.
Napoleon trat mit einigen raschen Schritten näher.
„Umherleuchten!“ befahl er in seiner eigentümlichen scharfen, kurzen Weise.
Der Marschall gab sich selbst die Mühe, den Platz zu beleuchten. Der Kaiser betrachtete jeden einzelnen der Toten sehr genau. Es war Tatsache, daß er trotz der vielen Hunderttausende, welche er befehligt hatte, einen jeden kannte, den er einmal gesehen hatte.
„Marodeurs“, sagte er dann. „Kenne einige; haben gedient, aber schlecht.“
Dann trat er auf Königsau zu, welcher sich unwillkürlich eine stramme, militärische Stellung gab, so, wie man vor einem Vorgesetzten zu stehen pflegt.