The Vampire Journals - Geliebt: Band 2 (German Edition)
- Автор: Rice Morgan
- Серия: The Vampire Journals #2
- Год: 2013
- Язык: немецкий
- Жанр: Городское фэнтези
Электронная книга - «The Vampire Journals - Geliebt: Band 2 (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Du hast es tatsächlich gefunden«, jubelte er.
Nachdem Caleb weitere Äste beiseitegeräumt hatte, kam ein kleines gemauertes Häuschen zum Vorschein. Gemeinsam traten sie durch die niedrige Tür.
Drinnen war es dunkel, und es roch ziemlich muffig. Nach einigen zögernden Schritten blieb er plötzlich stehen. Vor ihren Füßen rollte etwas zur Seite. Vorsichtig bückte Caleb sich und hob es auf.
»Was ist das?«, wollte Caitlin wissen.
Er hielt den Gegenstand in die Höhe, aber sie konnte ihn in der Dunkelheit nicht erkennen. Schließlich klärte er sie auf: »Eine alte Kerze. Ich glaube, sie ist noch intakt. Nimm sie bitte mal.«
Caitlin hielt die Kerze, während er seine Hände mit Lichtgeschwindigkeit gegeneinanderrieb – die Bewegung war derart schnell, dass sie die Wärme spüren konnte, die von seinen Händen ausstrahlte. Dann legte er die Handflächen über den Kerzendocht und wartete einen Moment. Als er sie wegzog, stellte Caitlin verblüfft fest, dass die Kerze brannte. Ehrfürchtig sah sie zu ihm auf. Sie wünschte, sie könnte das auch.
»Das musst du mir unbedingt beibringen«, sagte sie lächelnd.
Im Kerzenschein konnte sie erkennen, wie er ihr Lächeln erwiderte. Vorsichtig beleuchtete sie den Boden vor ihren Füßen und entdeckte weitere Kerzen. Daher also stammte das rollende Geräusch, das sie zuvor gehört hatten. Caleb hob eine zweite Kerze auf und bog den Docht zurecht, damit Caitlin ihn mit ihrer Flamme anzünden konnte. Nun verfügten sie über ausreichend Licht, um das Cottage zu erkunden.
Es war winzig und so niedrig, dass Caitlin gerade noch aufrecht stehen konnte, wohingegen Caleb sich ducken musste. Der einzige Raum maß ungefähr drei mal drei Meter. Die Steinwände waren nicht perfekt gemauert, boten aber trotzdem auf den ersten Blick keine geeignete Stelle, an der man etwas verstecken könnte. An einer Wand befand sich eine kleine Feuerstelle, auf der Äste und Blätter lagen, die wohl im Laufe der Jahrhunderte durch den Schornstein gefallen waren.
Die Holzdielen waren bemerkenswert gut erhalten, was aber auch einleuchtend war. Das Cottage hatte keine Fenster, und da es abgesehen von dem Kamin und der Tür keine Öffnung gab, hatten die Witterungseinflüsse dem Inneren kaum etwas anhaben können. Außerdem war das kleine Haus derart überwuchert, dass die Elemente schon seit Jahrhunderten keine Chance mehr gehabt hatten.
Ansonsten war nicht viel zu sehen. Es schien keinerlei Versteckmöglichkeiten zu geben, die Hütte war komplett leer. Leider sah es so aus, als wären sie erneut in eine Sackgasse geraten.
Immerhin war der Raum trocken, gemütlich und bot Schutz. Sie könnten also wenigstens die Nacht hier verbringen, sich ein wenig aufwärmen und ausruhen.
»Glaubst du, du kannst ein Feuer in Gang bringen?«, fragte sie.
Prüfend musterte er den offenen Kamin. »Ich sehe keinen Grund, warum das nicht funktionieren sollte.«
Nachdem er ihr seine Kerze gereicht hatte, räumte er zügig die Äste und Blätter zur Seite. Der Staub ließ Caitlin niesen.
Caleb zog weitere Äste aus dem Kamin, sammelte alles ein und trug es aus dem Cottage.
Caitlin hörte, wie er aufs Dach kletterte und den Kamin auch von oben reinigte. Plötzlich spürte sie einen Luftzug und begriff, dass der Schornstein jetzt frei war. Sekunden später tauchte Caleb wieder auf und brachte einen Armvoll trockenes Feuerholz mit. Wie schnell er war! Die Schnelligkeit von Vampiren war erstaunlich. Im Vergleich dazu fühlte sie sich ziemlich langsam und schwerfällig.
Nachdem er das Holz auf der Feuerstelle aufgeschichtet hatte, nahm er eine Kerze und entzündete das Holz an mehreren Stellen gleichzeitig. Innerhalb weniger Minuten prasselte in dem kleinen Cottage ein gemütliches Feuer. Dankbar stellte sie sich davor und genoss die Wärme.
Sie steckte die beiden Kerzen weit oben in die Steinmauer, sodass der Raum jetzt ziemlich warm und hell war. Dann setzte sie sich nahe ans Feuer, lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand und rieb sich die Hände. Allmählich fühlte sie sich besser.
Caleb folgte ihrem Beispiel und ließ sich an der anderen Seite des Feuers nieder. Der Raum war so klein, dass sich ihre Füße fast berührten.
Aufmerksam musterte Caleb das Zimmer – den Boden, die Wände, die Ziegel des gemauerten Kamins und dann die Decke. Dabei unterzog er jede Einzelheit einer intensiven Prüfung. Auch Caitlin sah sich ganz genau um. Beide hatten nur einen Gedanken: Was konnte hier versteckt sein? Und wo?
»Das ist definitiv der richtige Ort«, meinte Caleb nachdenklich. »Hier hat Elizabeth gelebt. Die Frage ist bloß, warum die Karte uns hierhergeschickt hat. Ich sehe jedenfalls nichts«, fügte er schließlich niedergeschlagen hinzu.
»Ich auch nicht«, musste Caitlin zugeben.
Ungezwungenes Schweigen senkte sich über sie. Nach dem Strudel der Ereignisse im Laufe des Tages fühlte Caitlin sich erschöpft. Sie war einfach froh, dass sie für die Nacht ein Dach über dem Kopf hatten, und konnte allmählich an nichts anderes mehr denken. Sie liebte das Gefühl von Calebs Mantel um ihre Schultern. In der Tasche ihrer Jeans spürte sie ihr Tagebuch und hätte es gerne herausgenommen, um einen Eintrag zu machen – aber sie war schlicht und ergreifend zu müde.
Sie sah zu Caleb hinüber und betrachtete ihn versonnen. Es war erstaunlich, wie immun er gegenüber Kälte, Müdigkeit und offensichtlich sogar Hunger war. In der Nacht schien seine Energie sogar noch zuzunehmen. Trotz all dem, was sie durchgemacht hatten, wirkte er absolut frisch – und das, obwohl man auf ihn geschossen hatte. Ein Blick auf seinen Arm zeigte ihr, dass die Wunde bereits vollständig verheilt war.
Gedankenverloren starrte er ins Feuer, und seine braunen Augen leuchteten. Caitlin empfand das dringende Bedürfnis, mehr über ihn zu erfahren.
»Erzähl mir etwas von dir«, forderte sie ihn auf. »Bitte.«
»Was willst du denn wissen?«, fragte er und sah weiter ins Feuer.
»Alles«, erwiderte sie. »Die Dinge, die du erlebt hast … Ich kann all das nur schwer begreifen. Woran kannst du dich am besten erinnern?«
Ein langes Schweigen senkte sich über den Raum, während Caleb mit gerunzelter Stirn nachdachte.
»Schwer zu sagen«, begann er schließlich leise. »An Anfang war ich absolut begeistert von der Vorstellung, immer weiterzuleben, Jahrhundert für Jahrhundert. Dann starben nach und nach alle Menschen, die mir etwas bedeutet hatten – Freunde, Verwandte und andere geliebte Menschen. Das ist es, was am meisten wehtut. Man fühlt sich sehr, sehr einsam.
Nach den ersten hundert Jahren baut man allmählich eher eine Bindung zu Orten als zu Menschen auf: zu Dörfern, Städten, Gebäuden, Bergen. Daran hält man sich fest.
Doch im Laufe der Jahrhunderte verschwinden sogar diese Orte von der Bildfläche. Ortschaften verfallen, neue entstehen. Länder schließen sich zusammen. Kriege löschen ganze Kulturen aus, die man einst geliebt hat. Sprachen gehen verloren. Also lernt man, sein Herz auch nicht mehr an Orte zu hängen.«
Caleb räusperte sich.
»Wenn Orte, die man liebt, von der Bildfläche verschwinden, wendet man sich schließlich Besitztümern zu. Über viele Jahrhunderte habe ich Kunstgegenstände gesammelt und einen unschätzbaren Schatz angehäuft. Das hat mir große Freude bereitet. Aber nach einigen Hundert Jahren hat das ebenfalls seinen Reiz eingebüßt. Das Sammeln wird irgendwann bedeutungslos.
Nach Tausenden von Jahren schließlich betrachtet man das Leben mit anderen Augen. Man bindet sich nicht mehr an Menschen, Orte oder Besitztümer. Man bindet sich an gar nichts mehr.«
»Was bleibt denn dann noch übrig?«, wollte Caitlin wissen. »Was bedeutet dir etwas? Es muss doch noch irgendetwas geben.«
Grübelnd starrte Caleb vor sich hin.
»Ich nehme an«, antwortete er nach einer Weile, »dass nur noch Eindrücke übrigbleiben, wenn alles andere wegfällt.«
»Eindrücke?«
»Genau, Eindrücke von bestimmten Menschen. Erinnerungen an Zeiten, die man miteinander verbracht hat. Wie sie einen beeinflusst haben.«