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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Pastors Katze ist eine respektlose Katze«, zog sie ihn auf. »Und wie sagt man das auf Gälisch?«

»Keine Ahnung. Aber Pastors Katze ist eine erleichterte Katze«, fügte er, immer noch lächelnd, hinzu. »Ich konnte ja nicht wissen, was du davon halten würdest.«

»Ich bin mir ja auch nicht ganz sicher, was ich davon halte«, gab sie zu. Sie drückte ihm sacht die Hand. »Aber ich sehe, dass es dich glücklich macht.«

»Das kann man sehen?« Er lächelte, und das letzte Abendlicht leuchtete kurz in seinen Augen auf, ein tiefes, züngelndes Grün.

»Das kann man sehen. Du … leuchtest sozusagen von innen.« Ihr wurde eng im Hals, als sie ihn betrachtete. »Roger – du wirst doch Jem und mich nicht vergessen, oder? Ich weiß nicht, ob ich mit Gott konkurrieren kann.«

Er wirkte wie vom Donner gerührt.

»Nein«, sagte er, und der Druck seiner Hand verstärkte sich so, dass ihr Ring ihr in den Finger schnitt. »Niemals.«

Sie saßen eine Weile schweigend da, und die Glühwürmchen drifteten zu Boden wie ein gemächlicher grüner Regen, während ihr lautloses Paarungslied das Gras und die Bäume erleuchtete, die jetzt zunehmend dunkler wurden. Rogers Gesicht verblasste mit dem schwindenden Licht, obwohl sie noch den Umriss seines entschlossen wirkenden Kinns sehen konnte.

»Ich schwöre dir, Brianna«, sagte er. »Wozu auch immer ich jetzt berufen werde – und nur Gott weiß, was das ist –, zuallererst bin ich berufen, dein Mann zu sein. Dein Ehemann und der Vater deiner Kinder, vor allem anderen – und das werde ich immer sein. Egal, was ich tue, es wird nie auf Kosten meiner Familie gehen, das verspreche ich dir.«

»Alles, was ich will«, sagte sie leise in die Dunkelheit, »ist, dass du mich liebst. Nicht wegen der Dinge, die ich tun kann oder wegen meines Aussehens, oder weil ich dich liebe – einfach nur, weil ich ich bin.«

»Perfekte, bedingungslose Liebe?«, sagte er genauso leise. »Manch einer sagt, dass nur Gott so lieben kann – aber ich kann es versuchen.«

»Oh, du hast mein volles Vertrauen«, sagte sie und spürte, wie sein Leuchten ihr Herz erreichte.

»Ich hoffe, das bleibt für alle Zeiten so«, sagte er. Er hob ihre Hand an seine Lippen und küsste sie wie zum formellen Gruß. Sein Atem strich warm über ihre Haut.

Als wollte er prüfen, wie ernst ihm seine Absichtserklärungen waren, hob und senkte Jem die Stimme im Abendwind, eine kleine, drängende Sirene. »PapaaaPaaapaaaPAAAPAAA …«

Roger seufzte tief und beugte sich über sie, ein paar Sekunden sanfter, tiefer Verbindung, dann erhob er sich, um sich um das jüngste Problem zu kümmern.

Sie blieb noch sitzen und lauschte. Männliche Stimmen erklangen am anderen Ende der Lichtung, hoch und tief, Forderung und Frage, Beruhigung und Erregung. Kein Notfall also; Jem wollte auf einen Baum gehoben werden, der so hoch war, dass er ihn nicht selbst erklettern konnte. Dann Gelächter und wildes Blätterrascheln – oje, Roger war ebenfalls auf dem Baum. Sie waren alle dort oben und stießen Eulenrufe aus.

»Worüber lachst du, a nighean?« Ihr Vater tauchte aus der Nacht auf und brachte Pferdegeruch mit.

»Über alles«, sagte sie und rutschte ein Stück, damit er sich neben sie setzen konnte. Es stimmte. Alles schien plötzlich hell zu sein, der Kerzenschein, der aus den Fenstern des Haupthauses drang, die Glühwürmchen im Gras, Rogers leuchtendes Gesicht, als er ihr von seinem Wunsch erzählt hatte. Sie konnte immer noch seinen Mund auf dem ihren spüren; seine Berührung sang in ihrem Blut.

Jamie streckte die Hand aus und fing ein vorbeifliegendes Glühwürmchen, das er einen Moment in der dunklen Höhle seiner Hand gefangen hielt, wo es weiter blinkte, so dass sein kühles Licht durch seine Finger drang. Weiter entfernt hörte sie kurz die Stimme ihrer Mutter, die aus einem offenen Fenster kam; Claire sang »Clementine«.

Jetzt heulten die Jungen – und Roger – den Mond an, obwohl er nur als blasse Sichel am Horizont stand. Sie spürte, dass sich auch ihr Vater lautlos vor Lachen schüttelte.

»Es erinnert mich an Disneyland«, sagte sie, einer Eingebung folgend.

»Oh, aye? Wo ist denn das?«

»Es ist ein Vergnügungspark – für Kinder«, fügte sie hinzu, denn sie wusste zwar, dass es schon so etwas wie Vergnügungsparks in Städten wie London oder Paris gab, doch diese waren nur für Erwachsene. Zu dieser Zeit kam niemand auf die Idee, Kinder zu unterhalten, abgesehen von Familienspielen und gelegentlichen Spielzeugen.

»Papa und Mama sind jeden Sommer mit mir dort hingefahren«, sagte sie und versetzte sich mühelos in die heißen, hellen Tage und die warmen Nächte Kaliforniens zurück. »Die Bäume waren alle voller kleiner Glitzerlichter – daran haben mich die Glühwürmchen erinnert.«

Jamie öffnete die Hand; plötzlich freigelassen, pulsierte das Glühwürmchen noch ein- oder zweimal vor sich hin, dann breitete es leise summend die Flügel aus, erhob sich in die Luft und schwebte auf und davon.

»Dwelt a miner, forty-niner, and his daugh-ter, Clementine …«

»Und wie war es dort?«, fragte er neugierig.

»Oh … es war wundervoll.« Sie lächelte vor sich hin, während sie die strahlenden Lichter der Main Street sah, die Musik und die Spiegel und die bildschönen, verzierten Pferde von König Artus’ Karussell. »Es gab … Fahrgeschäfte nannten wir das. Ein Boot, mit dem man auf einem Fluss durch den Dschungel treiben und Krokodile sehen konnte, und Flusspferde und Kopfjäger …«

»Kopfjäger?«, sagte er fasziniert.

»Keine echten«, versicherte sie ihm, »es war alles nur Schau – aber es ist … nun ja, es ist eine eigene Welt. Wenn man dort ist, verschwindet die richtige Welt sozusagen, und es kann nichts Böses geschehen. ›Der glücklichste Ort der Welt‹ nennt man es – und für kurze Zeit kann es einem wirklich so vorkommen.«

»Light she was, and like a fairy, and her shoes were number nine,

Herring boxes without topses, sandals were for Clementine.«

»Und ununterbrochen war überall Musik«, sagte sie lächelnd. »Marschkapellen – Gruppen von Musikanten mit Instrumenten wie Hörner und Trommeln – sind durch die Straßen spaziert oder haben in Pavillons gespielt …«

»Aye, so ist das in Vergnügungsparks. Oder so war es, das eine Mal, als ich einen besucht habe.« Auch in seiner Stimme konnte sie ein Lächeln hören.

»Mm-hm. Und überall spazieren Comicfiguren herum – ich habe dir doch von Comics erzählt. Man kann Mickey Mouse die Hand schütteln oder –«

»Wem?«

»Mickey Mouse.« Sie lachte. »Eine große Maus, lebensgroß – so groß wie ein Mensch, meine ich. Sie trägt Handschuhe.«

»Eine riesige Ratte?«, fragte er und klang leicht verblüfft. »Und damit lässt man die Kinder spielen?«

»Keine Ratte, eine Maus«, verbesserte sie ihn. »Eigentlich ein Mensch, der als Maus verkleidet ist.«

»Oh, aye?«, sagte er, klang aber nicht sonderlich beruhigt.

»Ja. Und ein riesiges Karussell mit bemalten Pferden und ein Eisenbahnzug, der durch die Regenbogenhöhle fährt, in deren Wänden große Edelsteine stecken, und bunte Bäche mit rotem und blauem Wasser … und Orangensafteis. Oh, Orangensafteis!« Sie stöhnte leise und ekstatisch bei der Erinnerung an die kalte, saure, überwältigende Süße.

»Dann war es schön?«, fragte er leise.

»Thou art lost and gone forever, dreadful sor-ry, Clementine.«

»Ja«, sagte sie, seufzte und schwieg einen Moment. Dann legte sie den Kopf an seine Schulter und die Hand auf seinen kräftigen Arm.

»Weißt du was?«, sagte sie, und er antwortete mit einem kleinen Fragelaut.

»Es war schön – es war wunderschön –, aber was mir am meisten gefallen hat, war, dass wenn wir dort waren, nur wir drei existierten und alles perfekt war. Mama hat sich keine Sorgen um ihre Patienten gemacht, Papa hat nicht an einem Thesenpapier gearbeitet – sie haben sich nie angeschwiegen oder gestritten. Sie haben beide gelacht – wir haben alle gelacht, die ganze Zeit … solange wir dort waren.«

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