Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Die Geige war verstummt, doch er konnte hören, dass irgendwo in der Nähe jemand unter Krächzen und Rumpeln Instrumente abstellte und sie stimmte. Sie waren im großen Salon, dessen Flügeltüren sich öffnen ließen, so dass die Tänzer das Foyer mitbenutzen konnten, wenn es an der Zeit war. Gegenwärtig befanden sich nur ganz wenige Gäste im Salon und unterhielten sich beiläufig.
Roger kam an Ulysses vorbei, der am Kamin stand, makellos in Perücke und grüner Livree, ein Schüreisen in der Hand, während er zwei Dienstmädchen bei der Herstellung eines gigantischen Kübels mit frischem Rumpunsch überwachte. Sein Blick huschte automatisch zur Tür, registrierte Rogers Anwesenheit und Identität und widmete sich wieder seiner Beschäftigung.
Die Musiker hockten am anderen Ende des Zimmers zusammen und warfen gelegentlich durstige Blicke zum Kamin, während sie ihre Instrumente bereit machten.
»Was spielt Ihr uns denn heute?«, erkundigte sich Roger und blieb neben dem Geigenspieler stehen. Er lächelte, als der Mann sich zu ihm umdrehte. »Vielleicht ›Ewie wi’ the Crooked Horn‹ oder ›Shawn Bwee‹?«
»Ach du liebe Güte, Sir, nichts Kompliziertes.« Der Leiter des Ensembles, ein Ire, der an eine Grille erinnerte und dessen leuchtende Augen seinen krummen Rücken Lügen straften, wies mit einer Geste liebenswürdiger Verachtung auf seinen zusammengewürfelten Musikerhaufen.
»Mehr als Jigs und Reels sind hier nicht drin. Bei den Tänzern aber auch nicht«, fügte er praktisch denkend hinzu. »Wir sind hier schließlich nicht in den feinen Salons von Dublin, nicht einmal in Edenton; ein guter Geigenspieler hält sie auf den Beinen bis zum Umfallen.«
»Und der seid Ihr dann wohl?«, sagte Roger lächelnd und wies auf den angeschlagenen Geigenkasten, den der Dirigent zur Vorsicht auf eine Etagere gestellt hatte, damit niemand darauf trat oder sich darauf setzte.
»Der bin ich dann wohl«, pflichtete der Herr ihm bei und verneigte sich elegant zur Bestätigung. »Seamus Hanlon, Sir – stets zu Diensten.«
»Besten Dank, Sir. Roger MacKenzie aus Fraser’s Ridge.« Er erwiderte die Verbeugung und erfreute sich an der altmodischen Formalität. Er drückte Hanlon kurz die Hand und achtete dabei sorgsam auf die gekrümmten Finger und die knotigen Gelenke des Mannes. Hanlon sah, wie vorsichtig er mit der arthritischen Hand umging, und verzog missbilligend das Gesicht.
»Ach, wenn sie erst mit einem guten Tropfen geschmiert sind, geht das schon, wirklich.« Hanlon ballte eine Hand versuchsweise zur Faust, dann schüttelte er die Finger, als betrachtete er das Thema als erledigt, und richtete seine leuchtenden Augen auf Roger.
»Und Ihr, Sir; Ihr habt Schwielen an den Fingerspitzen. Vielleicht nicht die Geige, aber spielt Ihr vielleicht ein anderes Saiteninstrument?«
»Nur zum abendlichen Zeitvertreib; mit Euch nicht zu vergleichen, Gentlemen.« Roger nickte dem Ensemble höflich zu, das jetzt vollends ausgepackt hatte und über ein lädiertes Cello, zwei Violen, eine Flöte sowie ein Instrument verfügte, das, wie er glaubte, seine Laufbahn als Jagdhorn begonnen hatte, in der Folge jedoch durch mehrere merkwürdige Rohrschleifen ergänzt worden war, die in unterschiedliche Richtungen abstanden.
Hanlon betrachtete ihn aufmerksam und registrierte seine breite Brust.
»Und hört euch seine Stimme an. Ihr seid doch bestimmt ein guter Sänger, nicht wahr, Mr. MacKenzie?«
Rogers Antwort wurde durch einen lauten Rums und ein schmerzvolles Plärren in seinem Rücken unterbrochen. Er wirbelte herum und sah, wie sich der Cellist wie eine Henne mit einem sehr großen Küken über seinem Instrument aufplusterte, um es vor weiteren Beschädigungen durch den Herrn zu behüten, der im Vorübergehen unachtsam dagegengetreten hatte.
»Passt doch selber auf!«, schnappte der Cellist. »Trampel!«
»Oh?« Der Eindringling, ein untersetzter Mann in einer Marineuniform, funkelte den Cellisten drohend an. »Ihr wagt … wagt es, mit mir zu sch-sprechen …« Sein Gesicht war in einem ungesunden Rotton angelaufen, und er schwankte im Stehen leicht; Roger konnte seine Alkoholausdünstung aus fast zwei Metern Entfernung riechen.
Der Offizier zeigte mit dem Finger auf den Cellisten und schien etwas sagen zu wollen. Seine rosa Zungenspitze erschien zwischen seinen Lippen, doch er brachte keine Worte heraus. Seine dunkelroten Wangen erbebten kurz, dann gab er den Versuch auf, machte kehrt und stapfte davon. Nur durch knappes Ausscheren wich er einem Bediensteten aus, der mit einem Getränketablett hereinkam, und beim Betreten des Korridors prallte er vom Türpfosten ab.
»Pass bloß auf, O’Reilly«, sagte Seamus Hanlon trocken zu dem Cellisten. »Wenn wir in Küstennähe wären, würde bestimmt ein Presskommando auf dich warten, sobald du den Fuß an die frische Luft setzt. Und auch jetzt würde es mich nicht wundern, wenn er dir mit dem Marlpfriem auflauerte.«
O’Reilly spuckte viel sagend auf den Boden.
»Ich kenne den Kerl«, sagte er verächtlich. »Er heißt Wolff. Hund würde besser passen – und zwar ’n ganz schön armer Hund. Ist vollgesoffen wie ’ne Zecke – in einer Stunde kann der sich nicht mehr an mich erinnern.«
Hanlon blinzelte nachdenklich zu der Tür hinüber, durch die der Leutnant verschwunden war.
»Nun, das kann schon sein«, räumte er ein. »Aber ich kenne den Herrn ebenfalls, und ich glaube, dass sein Verstand um einiges schärfer ist, als sein Verhalten es nahelegt.« Er stand ein paar Sekunden da und klopfte sich mit dem Geigenbogen auf die Handfläche, dann wandte er Roger den Kopf zu.
»Fraser’s Ridge, sagt Ihr? Dann seid Ihr ein Verwandter von Mrs. Cameron? Oder vielmehr Mrs. Innes?«, verbesserte er sich.
»Ich bin mit Jamie Frasers Tochter verheiratet«, sagte Roger geduldig. Er hatte herausgefunden, dass dies die wirksamste Beschreibung war, da ein Großteil des Distriktes zu wissen schien, wer Jamie Fraser war, und er auf diese Weise weitere Fragen in Bezug auf seine eigene Herkunft unterband.
»Hoho«, sagte Seamus sichtlich beeindruckt. »Nun denn. Hm!«
»Was macht der alte Schluckspecht überhaupt hier?«, grollte der Cellist, der dem verschwundenen Offizier immer noch funkelnd hinterhersah. Er tätschelte tröstend sein Instrument. »Jeder weiß doch, dass er Mrs. Cameron heiraten und River Run für sich haben wollte. Wundert mich, dass er die Traute hat, sich heute hier blicken zu lassen!«
»Vielleicht ist er gekommen, um zu zeigen, dass er nicht nachtragend ist«, meinte Roger. »Eine Geste des Anstandes – der Beste hat gewonnen und so weiter, aye?«
Die Musiker kommentierten diese Vermutung mit einem Medley aus Kicher- und Prustgeräuschen.
»Vielleicht«, sagte der Flötist kopfschüttelnd über sein Instrument gebeugt. »Aber wenn Euch etwas an Duncan Innes liegt, sagt ihm, er soll beim Tanzen auf sich aufpassen.«
»Aye, tut das«, unterstrich Seamus Hanlon. »Fort mit Euch, junger Mann, und sprecht mit ihm – aber kommt ja zurück.« Er wies mit gekrümmtem Finger auf den wartenden Bediensteten und schnappte sich einen Becher von dem Tablett, das ihm hingehalten wurde. Diesen hob er salutierend und grinste Roger über den Becherrand hinweg an. »Die Jungs und ich brauchen schließlich dann und wann eine Pause. Und womöglich kennt Ihr ja die eine oder andere Melodie, die neu für mich ist, aye?«
Kapitel 42
Der Deasilzauber
Brianna lehnte sich in dem ledernen Armsessel zurück, und während sie Jemmy stillte, sah sie Phaedre zu, die ihre Tante für die Hochzeit zurechtmachte.
»Was meint Ihr?«, fragte Phaedre und tauchte einen Silberkamm in ein Pomadetöpfchen. »Soll ich es hoch aufstecken, die Locken ganz obenauf?« Ihre Stimme klang hoffnungsvoll und dennoch argwöhnisch. Sie machte kein Geheimnis daraus, wie sehr sie es missbilligte, dass ihre Herrin sich weigerte, eine Perücke zu tragen, und wenn es nach ihr ging, würde sie ihr absolut Bestes tun, um mit Jocastas eigenem Haar einen ähnlich modischen Effekt zu erzielen.